Deutsche Handball-Herren verpassen bei der EM das Halbfinale

Blick in die Handball-Halle an der Wismarer Bürgermeister-Haupt-Straße. Auch M-V ist eine handballbegeisterte Region. Foto: M.M.

Es hat doch nicht geklappt. Titelverteidigung adé. Der Europameister im Herren-Handball von 2016 wird nicht der Europameister von 2018 sein.

Das deutsche Team von Bundestrainer Christian Prokop unterlag im letzten Hauptrundenspiel der Handball-EM-Endrunde 2018 in Kroatien, im Spielort Varazdin, Spanien mit 27:31 und schied damit aus dem Turnier aus. Der Gesamt-Rang steht damit bereits fest – es ist nur Rang neun.

Das Spiel gegen Spanien, den vierfachen (!) Vize-Europameister von 1996, 1998, 2006 bzw. 2016 und zweifachen EM-Dritten 2000 bzw. 2014, war das 82. Spiel einer deutschen Herren-Auswahl bei einer EM-Endrunde und es bedeutete die 29.Niederlage, bei 41 Siegen und 12 Remis.

Wieder frühzeitig raus

Wie schon bei der Herren-Handball-WM 2017 in Frankreich – damals im Achtelfinale ausgerechnet gegen Katar (20:21) und noch unter Bundestrainer Dagur Sigurdsson  – scheiterten die deutschen „Bad Boys“ vorzeitig, die neben EM-Gold 2016 ja auch Olympia-Bronze 2016 erkämpften.

Lag es tatsächlich nur am nicht so erfolgreichen Angriff? War die Abwehr doch nicht das erwartete Bollwerk? Wurde das Team nicht richtig auf das Turnier eingestellt?

Viele Fragen werden nun wieder gestellt, die hoffentlich fachlich fundiert beantwortet werden. Der handballsportive „Wind“ wird sicher keine erhellenden Antworten geben können.

Die Trainerfrage zu stellen, wäre unfair, denn so lange ist Christian Prokop, der 2011/12 ja auch den damaligen SV Post Schwerin betreute, noch nicht im Amt des Bundestrainers. Offiziell sogar erst seit Juli 2017, nachdem ab März 2017 bereits Spiele unter seiner sportlichen Ägide stattfanden. Und die Vorbereitung verlief ja eigentlich erfolgreich…

Gesamt-Ergebnis enttäuschend

Das Turnier-Ergebnis stellt dennoch eine Enttäuschung dar. 1994 wurde das deutsche Team EM-Zehnter, 1996 EM-Achter, 1998 EM-Dritter, 2000 EM-Neunter, 2002 EM-Zweiter, 2004 EM-Erster, 2006 EM-Fünfter, 2008 EM-Vierter, 2010 EM-Zehnter, 2012 EM-Siebenter, 2014 scheiterte die DHB-Auswahl in der EM-Qualifikation an Tschechien bzw. Montenegro und 2016 EM-Erster.

Die 2018er EM gehört damit zu den suboptimalen Endrunden einer DHB-Mannschaft, die in Kroatien nie zu gewohnter Lockerheit, Effizienz und Spielstärke fand. Die Vorrunde begann mit einem 32:19 gegen Montenegro, es folgten zwei glückliche 25:25-Remis gegen Slowenien bzw. Mazedonien. Das 22:19 gegen Tschechien war ein Arbeitssieg, der erst in den letzten fünf Minuten des Spiel erkämpft wurde. Dann gab es das 25:26 gegen Dänemark und nun das deutliche 27:31 gegen Spanien…

Spannende Halbfinals erwartet

Die Medaillen werden andere unter sich ausmachen. Frankreich, der amtierende Weltmeister von 2017, Olympia-Zweite 2016 und dreifache Europameister 2006, 2010 bzw. 2014, spielt im Halbfinale gegen Spanien. Dänemark, der Olympiasieger 2016 und Europameister 2008 bzw. 2012, muß gegen den vierfachen EM-Champion von 1994, 1998, 2000 und 2002 Schweden ran. Das verspricht Spannung pur.

Wieder eine Enttäuschung für Handball-Deutschland

Für die deutschen Handball-Herren geht es jedoch um das Aufarbeiten der EM 2018. Nach dem vorzeitigen Ausscheiden der deutschen Handball-Damen bei der Heim-WM im Dezember 2017 eine weitere herbe Enttäuschung für das Handball-Land Deutschland…

Zur „Aufmunterung“ das handballsportliche Kalenderblatt vom 31.Januar 2016 – ein rostock-sport.de-Beitrag: Hallen-Handball-Sensation perfekt: Deutsches Team wird Europameister! / 13.Endspiel bei Olympia, WM und EM im Herren-Hallen-Handball mit sechstem Erfolg für ein deutsches Team / Auch ein Wolgaster wurde „vergoldet“…

Die handballsportliche Sensation ist perfekt. Bei den 12.Europameisterschaften im Hallen-Handball vom 15.Januar bis 31.Januar 2016 in Polen konnte das deutsche Team tatsächlich den Titel im Endspiel gegen den Top-Favoriten Spanien mit einem beeindruckenden 24:17-Triumph erringen.

Gold auch für einen Wolgaster

Für das jüngste der 16 EM-Endrunden-Teams – Durchschnittsalter der DHB-Auswahl knapp unter 25 Jahren – erfüllte sich damit ein handballsportlicher Traum. Das gilt natürlich auch  für Johannes Sellin (MT Melsungen), der 1990 in Wolgast geboren wurde, zwischen 1999 und 2007 beim HSV Insel Usedom spielte.

Im Jahr 2011 erkämpfte Johannes bereits Junioren-WM-Gold mit dem deutschen Team und nun, 2016,  gab es auch bei den „Großen“ den ersten Titel mit der Nationalmannschaft, die in der Vorrunde gegen Spanien noch mit 29:32 unterlegen war, dann gegen Schweden mit 27:26 und gegen Slowenien mit 25:21 siegte, in der Hauptrunde folgend Ungarn mit 29:19, Russland mit 30:29 bzw. Dänemark mit 25:23 bezwang, sich gegen Norwegen mit 34:33 nach Verlängerung durchsetzte und das Endspiel gegen Spanien klar mit 24:17 für sich entschied.

13.Finale bei Olympia, WM und EM im Herren-Hallen-Handball mit sechstem deutschem Erfolg

Handball-Bundestrainer Dagur Sigurdsson aus Island stellte das deutsche Team grandios auf das spanische Team ein, das gegen die DHB-Auswahl im Endspiel nie eine Chance hatte. Das deutsche Team war dabei als Ganzes „der Star“, wenngleich Torhüter Andreas Wolff noch einmal besonders herausragte…

Für eine deutsche Nationalmannschaft bedeutete das EM-Finale das insgesamt 13.Finale/“Endspiel“ bei einem großen Turnier im Herren-Hallenhandball. Bei Europameisterschaften schaffte es eine deutsche Mannschaft vor 2016 zweimal – 2002 gegen Schweden (31:33-Niederlage) und 2004 gegen Slowenien (30:25-Sieg).

Bei Olympia-Turnieren gelang es deutschen Teams bis dato dreimal – 1980 in Moskau (Sieg gegen die Sowjetunion für die DDR mit 23:22 nach Verlängerung), 1984 in Los Angeles (Niederlage gegen Jugoslawien für Westdeutschland mit 17:18) und 2004 in Athen (Niederlage für das vereinte deutsche Team gegen Kroatien mit 24:26).

Und bei WM-Endrunden spielten sich deutsche Mannschaften siebenmal ins Finale: 1938 gegen Österreich (5:4-Erfolg), 1954 gegen Schweden (14:17-Niederlage für Westdeutschland), 1970 gegen Rumänien (12:13 nach Verlängerung-Niederlage für die DDR), 1974 erneut gegen Rumänien (12:14-Niederlage für die DDR gegen Rumänien), 1978 gegen die Sowjetunion (20:19-Sieg für Westdeutschland), 2003 gegen Kroatien (31:34-Niederlage) und 2007 gegen Polen (29:24-Sieg).

Blick in die Historie des deutschen Herren-Hallen-Handballsportes

Tja, Deutschland und Herren-Hallen-Handball… Das ist seit 80 Jahren eine Erfolgsgeschichte.

Deutschland und Hallen-Handball der Herren – das ist seit 80 Jahren eine Erfolgstradition. Bei den bisherigen WM-Turnieren zwischen 1938 und 2015 erreichten deutsche Mannschaften dreizehnmal eine Platzierung unter den vier besten Teams (3 x Gold, 4 x Silber, 3 x Bronze, 3 x Vierter).

Damit ist Deutschland (einschließlich der DDR und Westdeutschland) so erfolgreich wie Schweden, das ebenfalls bei WM-Turnieren im Hallen-Handball dreizehnmal eine „Top Vier-Platzierung“ (4 x Gold, 3 x Silber, 4 x Bronze, 2 x Vierter) schaffte. Sehr erfolgreich bei Hallen-Handball-WM sind auch Frankreich (5 x Gold – damit Rekord-Weltmeister, aber insgesamt „nur“ 9 Medaillen!) und Rumänien (4 x Gold, insgesamt 6 Medaillen).

Anmerkung am Rande: Nur dreimal konnten außer-europäische Teams die „Top Vier-Phalanx“ der Mannschaften vom „alten  Kontinent“ bei WM „durchbrechen“: 2001 Ägypten mit Rang vier, 2005 Tunesien ebenfalls mit Rang vier und das multinationale Team von Katar mit Silber 2015. Die goldenen Höhepunkte aus deutscher Sicht bei Hallen-Handball-WM waren die Titel 1938, 1978 und 2007.

Deutsche Teams unter den fünf olympischen Ringen

Bei den olympischen Hallen-Handball-Turnieren der Herren ist die Bilanz deutscher Mannschaften zwar nicht ganz so imponierend, aber auch hier gab es schon einige großartige Erfolge, so den Olympiasieg für die DDR in Moskau 1980, das Olympia-Silber für Westdeutschland in Los Angeles 1984, das Olympia-Silber für das vereinte deutsche Team in Athen 2004 sowie die vierten Plätze für die DDR in München 1972 und Westdeutschland in Montreal 1976. Rekord-Olympiasieger im Hallen-Handball der Herren ist Russland (einschließlich UdSSR und GUS) mit vier Triumphen.

Die EM und die deutschen Mannschaften

Seit 1994 finden nunmehr auch Europameisterschaften im Hallen-Handball statt. Dort konnte Deutschland (einschließlich der EM 2016) bis dato fünfmal eine Rang unter den besten vier Teams erkämpfen. Es gab 2004 den EM-Titel, 2002 EM-Silber, 1998 EM-Bronze, 2008 Rang vier – 2016 wieder den Titel. Rekord-Europameister im Hallen-Handball der Herren ist Schweden mit vier Siegen. Deutschland hat nun zwei…

Zusatz: Bei Olympia 2016 gab es dann Bronze für Deutschland hinter Dänemark und Frankreich. Bei der WM 2017 wurde Frankreich Weltmeister.

Marko Michels