Mit DTU-Präsident Stefan Klawiter im Gespräch

Stefan Klawiter über die Entwicklung des Taekwondo, kommende Meisterschaften und Olympia 2020

Stefan Klawitter, Präsident der Deutschen Taekwondo Union – Foto: Peter Bolz

Frage: Herr Klawiter, Taekwondo erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Seit 2000 gibt es in dieser traditionsreichen Kampfkunst olympische Medaillen. Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Taekwondo seit der Aufnahme in das olympische Programm?

Stefan Klawiter: Seit der Aufnahme in das olympische Programm gab es Veränderungen in vielerlei Hinsicht. Eine positive Veränderung ist, dass die Sportart Teil des größten Sportereignisses der Welt geworden ist und dadurch auch medial mehr in den Vordergrund rücken konnte. Den Medaillenkampf 2012 in London von Helena Fromm beispielsweise sahen 9,7 Millionen Zuschauer in Deutschland – die höchste Einschaltquote beim ZDF der gesamten Olympischen Spiele. Das kann man doch nur als positiv bewerten.

Die größte sportliche Entwicklung in den vergangenen Jahren war sicherlich die Einführung des elektronischen Wertungssystems. In Sydney und Athen wurde mit „normalen“ Westen gekämpft. Seit den Olympischen Spielen in London 2012 werden die Punkte auf die Weste und zum Kopf elektronisch ausgelöst. …Ähnlich, wie man es vom Fechten kennt. Diese technologische Entwicklung hat wiederum den Kampfstil der Wettkämpfer und das Regelwerk verändert.

Ich persönlich sehe die Entwicklung im Taekwondo, was den technischen Fortschritt angeht, sehr positiv, da die Kämpfer nun objektiv im Kampf bewertet werden. Dies unterscheidet Taekwondo mittlerweile auch von anderen Kampfsportarten, wie zum Beispiele Ringen, Karate oder Boxen, wo die Punkte immer noch manuell von Kampfrichter bewertet werden.

Frage: Vor welchen Herausforderungen stehen die Taekwondoin in diesem Jahr? Was sind die wichtigsten Qualifikationsturniere?

Stefan Klawiter: Die Herausforderung für die Athleten und Trainer ist es, im Dezember 2019 unter den besten 5 des olympischen Rankings zu sein. Dann erhalten sie einen direkten Startplatz für die Olympischen Spiele in Tokyo 2020. Darum werden seit 2016 bereits fleißig die Punkte gesammelt, damit man dieses Ziel irgendwie erreichen kann. Bei der Fülle an Wettkämpfen ist es eine ständige Herausforderung, die Athleten körperlich gesund und fit zu halten.

In diesem Jahr ist das wichtigste Turnier für die DTU die anstehende Weltmeisterschaft (15.-19. Mai) in Manchester, bei denen die Sportler neben dem Titel „Weltmeister“ auch sehr viele Weltranglistenpunkte sammeln können. Danach folgt noch eine Grand-Prix Serie, die ebenfalls viele Punkte für unsere Athleten liefern können. Wer im Dezember 2019 nicht unter den Top Fünf ist, hat die letzte Chance dann beim kontinentalen Qualifikationsturnier im April 2020.

Bei den Welttitelkämpfen 2017 in Muju gingen ganze fünf Titel an Südkorea. Insgesamt ist das ostasiatische Land die erfolgreichste Taekwondo-Nation bei WM und Olympischen Spielen – mit bislang 167 x WM-Gold und 12 x Olympia-Gold.

Frage: Welche Deutschen haben reale Chancen in Tokyo dabei zu sein?

Stefan Klawiter: Eine konkrete Prognose kann man an dieser Stelle noch nicht geben. Natürlich ist unser aktueller Weltmeister Alexander Bachmann in seiner Gewichtsklasse ein heißer Kandidat, weil er im Ranking sehr gut positioniert ist. Aber wenn man sich die Qualifikations-Prozedur in unserer Sportart ansieht, ist es ein enorm harter und langer Weg. Für mich als Präsident wäre es toll, wenn wir zwei Sportler nach Tokyo schicken können. Wer das letztendlich sein kann, werden wir eventuell nach der Weltmeisterschaft besser beurteilen können.

Impression von der EM 2018

Frage: Wie ist eigentlich der Zuspruch der jungen Sporttalente zum Taekwondo?

Stefan Klawiter: Auf den Breitensport-Lehrgängen sehen wir immer wieder eine große Zahl junger Sportler, die ihrer Leidenschaft, dem Taekwondo, nachgehen. Ein Problem ist, dass es viele junge Sporttalente gibt, diese aber noch nicht den Weg in den Leistungssport gefunden haben. Darum versuchen wir mit unserer neueingeführten Final-x-Turnierserie, dem Nachwuchs eine neue Bühne zu geben, auf die dann auch die Bundestrainer schauen.

Außerdem werden seit kurzem regelmäßig Sichtungslehrgänge und Trainer-Workshops in ganz Deutschland organisiert, bei denen die Bundestrainer das eine oder andere mögliche Talent entdecken und die Heimtrainer in Sachen Leistungssport schulen können.

Letzte Frage: Auch Mecklenburg-Vorpommern ist in puncto Taekwondo aktiv. Ihre Meinung?

Stefan Klawiter: Glücklicherweise findet die Sportart Taekwondo auch in Mecklenburg-Vorpommern immer größeren Zuspruch. Das ist unter anderem auf die gute Arbeit und das vielfältige Angebot unseres Landesverbandes und unserer Mitgliedsvereine vor Ort zurückzuführen.

Vielen Dank und weiterhin bestes Engagement!


 

Taekwondo in Deutschland

Auch deutsche Taekwondoin sind international sehr stark. Seit 1976 holten unsere Athletinnen und Athleten 51 x Gold bei Europameisterschaften. 51 Medaillen, darunter 6 Titel konnte „Schwarz-Rot-Gold“ bislang bei Weltmeisterschaften nach Hause holen. Bei Olympia 2000 in Sydney holte Faissal Ebnoutlib Silber in der Gewichtsklasse bis 80 Kilogramm. Helena Fromm gewann 2012 in London Bronze in der Gewichtsklasse bis 67 Kilogramm.

Taekwondo in M-V

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es Taekwondo-Standorte in Rostock, Parchim, Greifswald, Stralsund, Anklam, Wismar, Güstrow, Bergen und Greifswald. Insgesamt führen hier rund 900 Aktive der Kampfkunst aus.

Bei der ersten offenen Landesmeisterschaften von MV im Bereich „Technik“ 2018 in Parchim stellte die HSG Uni Greifswald die beste Mannschaft. Die nächste Auflage folgt am 25. Mai 2019 in Greifswald. Weitere Turniere in MV sind der Starter-Cup in Greifswald und der Warnow-Cup in Rostock.