Der Tischtennis-Sport in M-V und speziell in Rostock zwischen 2017/18

Das tischtennissportliche Jahr ist inzwischen auch im Endspurt. In den vergangenen zwölf Monaten gab es eine Reihe interessanter regionaler, nationaler und internationaler Tischtennis-Wettkämpfe, wobei die die WM, die EM und der Weltcup die Jahreshöhepunkte darstellten. Ulrich Creuznacher vom TSV Rostock Süd über tischtennissportlich Vergangenes und Kommendes

Symbolbild Tischtennis

Interview

„Viele Höhepunkte für unsere regionalen und nationalen Asse…“

Frage: 2017 ist auch für die Tischtennis-Asse im Jahresendspurt. Was waren für Sie die Tischtennis-Höhepunkte 2017?

Ulrich Creuznacher: Es gab einige Höhepunkte für die lokalen Tischtennis-Helden, wie auch für die Tischtennis-Asse, die für Deutschland international um Punkte und Pokale kämpften.

Da war einerseits der Gewinn der Team-Europameisterschaft der Herren und andererseits die Silbermedaille für die Damen im September. Bereits im Juni fanden die Einzel-Weltmeisterschaften im „heimischen“ Düsseldorf statt. Hier gewann Petrissa Solja an der Seite des Chinesen Fang Bo die erste deutsche Mixed-Medaille seit 1971 – schade, dass es „nur“ Bronze wurde, da man im Halbfinale bereits 2:0 und 3:1 führte, aber noch 3:4 an den späteren Weltmeistern Ishikawa/Yoshimura scheiterte, die ihrerseits das erste japanische Gold in diesem Wettbewerb seit 48 Jahren holten.

Dass Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov gegen Jahresende noch einmal so aufdrehen würden und „Dima“ Ovtcharov sich durch seinen Silberrang beim letzten Turnier des Jahres, den World Tour Grand Finals, ab Januar die Nummer eins der Welt sein wird, zählt ebenso dazu.

Der gebürtige Ukrainer Ovtcharov wird, auch bedingt durch ein neues Ranglistensystem, dann der erst zweite Deutsche nach Timo Boll (2003 und 2011, zugleich auch noch letzter nicht-asiatische Branchen-Primus) sein, der die Weltrangliste anführen wird.

Für „Dima“ ist das ein weiterer Ritterschlag, an den Mitte des Jahres überhaupt nicht zu denken war. Er löst damit keinen Geringeren als den Olympiasieger und Weltmeister Ma Long ab, der seit März 2015 das Ranking anführte.

Interessante Anekdote: Ovtcharov musste sein Achtelfinale bei den World Tour Grand Finals gegen den Japaner Koki Niwa gewinnen, um das vorher Unmögliche zu schaffen. Gegen eben diesen hatte Ovtcharov bei der WM in Düsseldorf die wohl schmerzhafteste Niederlage 2017 erlitten, als dieser dem Japaner  im Achtelfinale (3:4) unterlag. Die Revanche (4:3-Sieg) glückte und war dabei nicht minder dramatisch.

Zu den regionalen Höhepunkten: Aus Vereinssicht ist natürlich die überragende Oberliga-Saison der ersten Herren-Mannschaft des TSV Rostock Süd zu nennen, die einen Rekord nach dem anderen aufstellte, und am Ende nur knapp den historischen Aufstieg eines Süd-, gar MV-Teams in die Regionalliga verpasste.

Ein neuer Anlauf ist bereits gestartet und zur Halbzeit liegen die „Südler“ auf Titelkurs. Hinzu kommen etliche Landesmeistertitel in allen Leistungs- und Altersklassen. So kamen 2017 die Landesmeister der Jugend (Til Puhlmann), Herren (Sven Stürmer) und der Senioren (Ute Dudek und Mathias Wähner, Altersklasse 40 Michael Peters, Altersklasse 50 Marion Geselle, Altersklasse 65 und Edith Bruhn, Altersklasse 80) von uns.

Traurig war der Abschied etlicher treuer Abteilungsmitglieder, darunter auch des langjährigen Abteilungsleiters und Vereinsvorsitzenden Peter Kuchling (1941-2017), der nach langer schwerer Krankheit am 29.März 2017 verstarb und uns veranlasste, viele Sache neu zu ordnen und auf mehrere Schultern zu verteilen.

Denn Peter war einer, der alles machte (und machen wollte), doch solche Leute gibt es heute nicht mehr. Um ihn und alle Verstorbenen sportlich und gemeinschaftlich in Ehren zu halten, haben wir auch die Vereinsmeisterschaft ins Leben gerufen. Das eher auf Spaß und Miteinander ausgerichtete Turnier wurde hervorragend angenommen und empfahl sich außerordentlich für eine Fortführung als „Tradition“.

Frage: Wie bewerten Sie die Entwicklung des Tischtennissportes 2017 kompakt betrachtet beim TSV Rostock Süd?

Ulrich Creuznacher: Auf Stadtebene gibt es endlich wieder einen regulären und funktionierenden Stadtfachverband (SFV). Nach zwei Jahren brachliegender Ungewissheit ist der neue Vorstand um David Plich (Rövershäger SV, 1. Vorsitzender), Heino Buschmann (SV Warnemünde, 2. Vorsitzender) sowie Katrin Putbrese (TSV Rostock Süd, Kassenwartin) seit November rechtsverbindlich eingetragen und handlungsfähig.

Das Schöne daran ist, dass alle SFV-Mitgliedsvereine sich einbringen, vor allem bei der Ausrichtung der vielen Turniere, mit der auch die Wiederbelebung des Nachwuchs-Spielbetriebs einhergeht. Was vorher vornehmlich vom TSV Rostock Süd und ganz besonders von Peter Kuchling übernommen wurde, konnte erfolgreich auf die Vereine verteilt werden. Das war ein wichtiger Schritt.

Die Wiederbelebung unserer erwähnten Vereinsmeisterschaft gehört genauso zu den positiven Entwicklungen, wie die konstant hohe Mitgliederzahl in der Tischtennis-Abteilung (2017: 195 in den Bereichen Nachwuchs-, Freizeit- und Wettkampfsport).

Im Behindertensport-Bereich haben wir mit René Graumann (Doppel, Altersklasse 50) und Mario Haack (Doppel, WK 6/7) zwei Bronzemedaillengewinner bei Deutschen Meisterschaften in unseren Reihen.

Eine weitere Wiederbelebung streben wir für den Damen-Spielbetrieb in der kommenden Spielzeit 2018/19 an. Hierfür und für die Umgestaltung des leistungsorientierten Nachwuchsspielbetriebs zeichnet sich Steffen Brüsch verantwortlich, der dafür sein Engagement bei der ersten Herrenmannschaft reduzierte und dabei von Claudia Ahrens bzw. Wilfried Ahrens unterstützt wurde und wird.

Auch dass die erste Herren-Mannschaft mit gleicher Stammbesetzung das hohe Niveau der Vorsaison halten und in einer schwieriger (weil in der Spitze breiter) einzuordnenden Oberliga Nord-Ost erneut den Herbstmeister-Titel einfahren konnte, spricht für einen großen Willen des „Süd-Sechsers“ um Tomasz Rakowski, Sven Stürmer, Til Puhlmann, Daniel Jokiel, Chris Rehberg und Kapitän Mathias Wähner.

Nicht zuletzt sind wir natürlich auch auf Spenden und Sponsoren angewiesen. Hier sind wir sehr glücklich, unsere großen Unterstützer halten zu können, aber auch viele neue, kleine wie große, Förderer dazugewonnen zu haben. Das ist keine Selbstverständlichkeit und jedes Jahr ein enormer Aufwand.

Frage: Welche internationalen Erfolge aus tischtennissportlicher Sicht beeindruckten Sie 2017 ganz besonders?

Ulrich Creuznacher: Die bereits angesprochene Erfolgsserie der deutschen Ausnahmespieler Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov, die in den letzten Monaten fast schon reihenweise asiatische und insbesondere chinesische Top-Spieler besiegten, ist zweifelsohne sehr beeindruckend.

Ovtcharov „schnappte“ sich 2017 bei zehn Turnier-Teilnahmen insgesamt sieben Titel, darunter die Erfolge bei den prestigeträchtigen German Open in Magdeburg und beim World Cup in Lüttich, dem drittwichtigsten Turnier nach Olympia und WM. Leidtragender hier… Timo Boll, der jeweils in den Finals knapp unterlag, sich aber mit der Auszeichnung „Weltspieler des Jahres“ trösten darf. Ovtcharov wird hingegen erstmals in seiner Karriere die Weltrangliste anführen

Tischtennis Symbolfoto

Symbolfoto Tischtennis

Frage: Mit welchen Turnieren starten die Tischtennis-Spielerinnen und -Spieler in das Jahr 2018?

Ulrich Creuznacher: Das Frühjahr 2018 ist gespickt mit Turnieren. Los geht es mit den Landesmeisterschaften der Damen/Herren in Parchim (20./21.1.2018), denen am Wochenende danach die Landesmeisterschaften der Senioren in Zinnowitz (26.-28.1.2018) unmittelbar folgen.

Die Sieger und Zweitplatzierten auf Landesebene qualifizieren sich für die nachgeschalteten Norddeutschen Meisterschaften (NDM) der Damen/Herren im schleswig-holsteinischen Sparrieshoop (3./4.2.2018) und einen Monat später gibt es die NDM der Senioren in Bargteheide (10./11.3.2018).

Dazwischen finden noch die NDM der Schüler und Jugend in Bremen (27./28.1.2018) sowie die Landesmannschafts-Meisterschaften der Senioren am 25.2.2018 (Altersklassen Ü40 und Ü50 unter anderem in Rostock) statt. Dazwischen stehen jede Menge Punktspiele auf dem Programm der Wettkampfspieler, von der Oberliga bis zur zweiten Stadtklasse – wirklich ein voller Terminkalender.

Vielen Dank, dann schöne Feiertage bzw. einen optimalen Jahreswechsel und alles erdenklich Gute, nicht nur im Tischtennis, 2018!

M.Michels