Nachgefragt bei der ambitionierten Athletin

Julia Dorny – erfolgreich, vielseitig und anmutig. Aufnahme: Anja Dorny

Das Sport-Jahr 2017 war auch wieder ein wichtiges Jahr für die Sumo-Ringerinnen und Ringer, denn bei den „World Games“, den Weltspielen in den nichtolympischen Sportarten, im Juli in Wroclaw stand auch das Sumo-Ringen auf dem Programm.

Beste deutsche Teilnehmerin war dort Julia Dorny, Jahrgang 1990, von der Kampfsportschule im Klostergarten in Berlin. Sie belegte im Leichtgewicht Rang fünf – Siegerin wurde dort die Ukrainerin Svitlana Trosiuk vor der Brasilianerin Luciana Montgomery Higuchi und Magdalena Macios (Polen) bzw. Yuka Okutomi (Japan). Ansonsten ist Julia Dorny kampfsportlich sehr vielseitig und auch eine ambitionierte Journalistin.

Wie beurteilt nun jedoch Julia Dorny ihre Entwicklung und ihr sportliches 2017?!

MV-SPORT fragte nach

Julia Dorny über die „World Games“ 2017 in Wroclaw, das Sumo-Ringen, ihre Erfolge, die weiteren sportlichen Ziele und ihre beruflichen Ambitionen

„Es war der `Wahnsinn`…- einfach unbeschreiblich!“

Frage: Herzlichen Glückwunsch noch nachträglich zur „World Games“-Teilnahme. Wie verlief der Wettkampf in Wroclaw aus Ihrer Sicht?

Julia Dorny in Aktion. Aufnahme: Anja Dorny

Julia Dorny: Der Wettkampf verlief nicht so optimal, dafür hatten aber die „World Games“ einen phantastischen Charme. Bei den Wettkämpfen herrschte eine erhebende Stimmung. Es war ganz einfach der „Wahnsinn“. Für mich war es eines der am besten organisierten Turniere, an denen ich bisher teilgenommen habe.

Frage: Wie war ansonsten das ganze „World Games-Drumherum“ – die Wettkampfstätte, das Fluidum und die Organisation?

Julia Dorny: Es war beeindruckend. Die Stadt war voller Farben und Begeisterung. Oft wurden wir Sportlerinnen und Sportler auf der Straße angesprochen – gerade von jüngeren Sportfans, die uns um Autogramme baten.

Die Studentenwohnheime, in denen wir untergebracht waren, waren leider etwas dürftig, aber das Essen dafür exzellent… Die Stimmung im Dorf war ebenfalls super. Leicht angespannt, aber fröhlich!

Ein magischer Moment war für mich jedoch der Einmarsch ins Stadion bei der Eröffnungsfeier. Es ist schon etwas ganz Besonderes, sein Land auf diese Weise sportlich repräsentieren zu können.

Frage: Was ist für Sie eigentlich das Faszinierende am Sumo-Ringen? Wie kamen Sie zum Sumo-Ringen?

Julia Dorny in Aktion.
Aufnahme: Anja Dorny

Julia Dorny: Seit 1997 bin ich Judoka und wurde auf meiner sportlichen Laufbahn auch von Reinhard Bunk trainiert, der nicht nur im Judo einschlägige Erfolge hatte, sondern auch Bundestrainer im Sumo war.

Sumo – und das ist das Witzige daran – spielte aber in unserem Training für die Sportschüler nie eine Rolle. Da in Berlin 2016 die Deutschen Meisterschaften im Sumo-Ringen stattfinden sollten, kam er im März 2016 zu mir und fragte, ob ich nicht Interesse auch am Sumo-Ringen hätte – ich wäre sozusagen seine „Geheimwaffe“ für die Titelkämpfe.

Ich überlegte nicht lange und sagte „Ja“… Sumo ist eine extrem alte, traditionsreiche Sportart, sogar älter als Judo. Da musste ich nicht lange überlegen. Und es lief dann bei den Deutschen Meisterschaften auch ganz hervorragend für mich, ich konnte gleich Gold gewinnen.

Leider denken viele bei Sumo-Ringen an sehr schwergewichtige, behäbige Männer, die sich versuchen gegenseitig aus dem Dohyo zu schieben. Dabei ist Sumo ist etwas für verschiedene Körper-Typen – für Fliegengewichte ebenso wie Schwergewichte. Beim Sumo ist man selbst die „Waffe“. Hier sind Schnellkraft, Taktik und ein entsprechendes Balance-Gefühl gefragt – und ein starker Sieges- und Kampfeswillen.

Frage: Welche sportlichen Höhepunkte im Sumo-Ringen gab es schon für Sie? Welche weiteren sportlichen Herausforderungen warten aktuell auf Sie?

Julia Dorny: Bei den Europameisterschaften 2016 gewann ich mit dem deutschen Team Bronze und wurde im Einzel Fünfte. Bei den Welt-Titelkämpfen 2016 in der Mongolischen Republik (Ulanbator) belegte ich ebenfalls Rang fünf. In diesem Jahr lief es nicht ganz so gut. Ich wurde bei den EM in Tiflis (Georgien) Siebente. Jedoch waren die „World Games“ mehr als ein Trost.

Vom 12.November 2017 bis 19.November 2017 werde ich wieder an den Weltmeisterschaften im Mixed Martial Arts (MMA) teilnehmen. Diese finden in Bahrain statt. Ich hoffe dort dieses Mal auf Gold…Im Vorjahr wurde ich bereits Vizeweltmeisterin und 2015 gab es Bronze.

Letzte Frage: Welche beruflichen Ambitionen haben Sie?

Julia Dorny in Aktion.
Aufnahme: Anja Dorny

Julia Dorny: Ich warte erst einmal die Ergebnisse der WM im Bahrain ab. Läuft es dort gut und sollte ich ins Finale einziehen, werde ich versuchen als Profi-Sportlerin weiter zu kommen. Ansonsten werde ich mich verstärkt dem Journalismus widmen.

Ich habe in diesem Jahr meinen Masterabschluss an der Humboldt-Universität zu Berlin im Bereich Medienwissenschaft gemacht. Zudem habe ich einen Bachelor in Journalismus bzw. Unternehmenskommunikation und absolvierte schon zahlreiche Praktika bei verschiedenen Medienanstalten und Agenturen.

Hier konnte ich viele praktische Erfahrungen sammeln. Parallel zu meiner jetzigen Vollzeit-Tätigkeit an der Uni führe ich ab und an Interviews für GN1 TV, das ist meine totale Leidenschaft.

Vielen Dank, weiterhin alles erdenklich Gute und maximale Erfolg!

J.D.: Dankeschön. Besonders steht natürlich auch eine gute Gesundheit im Fokus.

Zur Anmerkung: Größte Erfolge von Julia Dorny

2015: Deutsche Meisterin MMA, 1.Platz Bundesranglistenturnier Judo, 3.Platz WM MMA, 3.Platz EM MMA, 5.Platz EM BJJ (IBJJF), 3.Platz 1. Bundesliga Deutschlandfinale, 1.Platz Fläming Cup Grappling, 1.Platz Capital Grappling Challenge, 3. Platz DHM Judo

2016: 5.Platz Deutsche Meisterschaft Judo, Deutsche Meisterin MMA, Deutsche Meisterin Sumo, 3.Platz EM Sumo (Team), 5.Platz EM Sumo (Einzel), 2.Platz WM MMA, 2.Platz EM MMA

2017: 1.Platz Tuzla Cup Judo, 7.Platz EM Sumo, 2.Platz Preußen Cup Grappling, 2.Platz IT Roland-Cup Sumo, World-Games Starter Sumo, WM Starter MMA

Zur Info: Die „World Games“ und das Sumo-Ringen

M-V hat auch eine Sumo-Tradition bei den „World Games“. 2009, bei den achten „World Games“ in Kaohsiung, startete aus Deutschland neben den Osnabrückerinnen Nicole Niemeier bzw. Nicole Hehemann auch die Rostockerin Steffi Müller. In Kaohsiung gab es zwar keine Medaillen für Schwarz-Rot-Gold, aber dennoch gute Kämpfe des Trios.

Japan (zweimal Gold, zweimal Silber, zweimal Bronze), Russland (zweimal Gold, einmal Silber, dreimal Bronze), die Ukraine (einmal Gold, dreimal Silber, einmal Bronze) und die Mongolische Republik (einmal Gold, zweimal Silber, einmal Bronze) waren in Kaohsiung die erfolgreichsten Sumo-Länder. Gold im Sumo-Ringen sicherten sich 2009 zudem je einmal Estland und Ungarn. Anna Shigalova aus Russland gewann zweimal Gold (Gewichtsklasse über 80 Kilogramm und in der offenen Klasse) und wiederholte diesen Triumph 2013 bei den „World Games“ in Cali.

Seit den siebenten „World Games“ 2005 in Duisburg ist Sumo-Ringen im „WG“-Programm. Bislang gab es zwei Medaillen für Deutschland: 2005 in Duisburg Gold für Sandra Köppen (Potsdam) in der Gewichtsklasse über 80 Kilogramm und ebenfalls 2005 in Duisburg Bronze für Nicole Hehemann (Osnabrück) in der Gewichtsklasse bis 80 Kilogramm.

Bei den „World Games“ 2017 in Wroclaw stellten Russland (sechsmal Gold, zweimal Silber, einmal Bronze), die Ukraine (einmal Gold, einmal Silber, einmal Bronze) und die Mongolische Republik (einmal Gold, einmal Bronze) die erfolgreichsten Sumo-Teams. Anna Poljakowa (Russland, Gewichtsklasse über 80 Kilogramm und offene Klasse) und Wassili Margijew (Russland, Gewichtsklasse über 115 Kilogramm und offene Klasse) erkämpften jeweils zwei Goldene in Wroclaw.

Marko Michels

Fotos (Anja Dorny): Julia Dorny bei den Deutschen Meisterschaften 2016 im Sumo-Ringen in Aktion.