Boxsportler, Ringerinnen bzw. Ringer und Judoka bei den Welt-Titelkämpfen 2017 gefordert

Drei Weltmeisterschaften in drei traditionsreichen olympischen Sportarten stehen demnächst auf dem Programm: die WM im Ringen (Frauen, Herren) vom 21.August bis 26.August in Paris, die Amateur-Box-WM der Herren vom 25.August bis 3.September in Hamburg und die Judo-WM (Frauen, Herren) vom 28.August bis 3.September in Budapest.

Große weltmeisterliche Traditionen

Amateur-Box-WM der Herren gibt es mittlerweile seit 1974. Seinerzeit war Havanna der Austragungsort. Seit 1904 (Ausnahme 1912) ist der Boxsport im olympischen Programm. Kuba führt bis dato mit 128 Medaillen, darunter 71 x Gold, den WM-Medaillenspiegel seit 1974 vor Russland (mit der UdSSR) mit 106 Medaillen (38 x Gold), Deutschland mit 64 Medaillen (5 x Gold) und den USA mit 42 Medaillen (16 x Gold) an. Amateur-WM bei den Frauen werden seit 2001 organisiert und Olympiasiegerinnen im Boxsport seit 2012 ermittelt.

Weltmeisterliche Ehren im Ringen werden hingegen offiziell bereits seit 1904 (in Wien) vergeben. WM-Turniere für Frauen folgten 1987. Olympisch ist Ringen seit den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit 1896 in Athen. 108 Jahre später, seit den Spielen 2004 in Athen, ist Frauen-Ringen auch olympisch. Die Medaillen-Wertung im Ringen seit 1904 führt Russland (mit der SU) mit 650 Medaillen (345 x Gold) vor Bulgarien mit 248 Medaillen (60 x Gold), Japan mit 232 Medaillen (103 x Gold) und den USA mit 227 Medaillen (58 x Gold) an. Deutschland kommt auf die Bilanz von 179 Medaillen (37 x Gold).

Und Welt-Titelkämpfe im Judo werden seit 1956 (in Tokyo) präsentiert, wobei im Judosport für Herren seit 1964 (Ausnahme 1968) und für Frauen seit 1992 olympisches Edelmetall vergeben wird. WM-Entscheidungen im Frauen-Judo stehen seit 1980 (in New York) auf der sportlichen Agenda. Das Judosport-Mutterland Japan ist im WM-Medaillenspiegel seit 1956 die Nummer eins mit 309 Medaillen (129 x Gold) vor Frankreich mit 152 Medaillen (49 x Gold), Russland mit 107 Medaillen (mit der SU, 18 x Gold), Deutschland mit 104 Medaillen (11 x Gold) und Korea (mit Nord- bzw. Südkorea) mit 102 Medaillen (31 x Gold).

Vor der Elite-WM im Judo: Rückblick auf die U 18-WM

Apropos Judo… Dort fanden aktuell, vom 9.August bis 13.August, die U 18-WM in Santiago de Chile statt. Japan wurde in den Einzel-Konkurrenzen mit 3 x Gold, 2 x Silber, 7 x Bronze die beste Nation, vor Deutschland mit 2 x Gold, 1 x Silber, 4 x Bronze, Russland mit 2 x Gold, 1 x Silber, 3 x Bronze und Brasilien mit 1 x Gold, 2 x Silber, 2 x Bronze.

Die WM-Titel für Japan gewannen Haruka Kawabata (Mädchen, bis 44 Kilogramm), Ranto Katsura (Jungen, bis 66 Kilogramm) und Ayano Yuki (Mädchen,  bis 63 Kilogramm).

Die deutschen Medaillen-Erfolge gingen auf das sportliche Konto der Zwillingsschwestern Mascha Ballhaus (Eilbeck, bis 48 Kilogramm, Silber) und Seija Ballhaus (Eilbeck, bis 52 Kilogramm, Gold), Marlene Galandi (Potsdam, bis 70 Kilogramm, Gold), Jana Gussenberg (Osnabrück, bis 48 Kilogramm, Bronze), Annabella Winzig (Homburg, bis 63 Kilogramm, Bronze), Raphaela Igl (Abensberg, bis 70 Kilogramm, Bronze) und Jonas Schreiber (Freudenberg, über 90 Kilogramm, Bronze).

Insgesamt waren 14 deutsche Judoka bei den U 18-WM in Santiago de Chile vor Ort, darunter auch Annika Würfel vom VfK Bau Rostock 94. Leider konnte Annika in ihrer Gewichtsklasse bis 52 Kilogramm nicht in den Medaillen-Kampf eingreifen. Die U 18-EM-Dritte und U 18-Team-Europameisterin 2017 wird aber bestimmt bei den kommenden Turnieren weitere Medaillen-Erfolge feiern können.

In der Mixed-Team-Entscheidung in Santiago de Chile, ab 2020 in Tokyo olympisch, triumphierte Russland vor Brasilien. Japan bzw. Georgien wurden gemeinsam Dritte. Deutschland belegte zusammen mit Usbekistan Rang fünf.

Wie sah das aber noch vor Jahresfrist, auf der olympischen bzw. paralympischen Tatami im Elite-Bereich 2016, aus?!

Auf der olympische Tatami 2016 waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Japan wieder am besten – mit 12 Medaillen, darunter 3 x Gold. Die Judoka aus Frankreich und Russland präsentierten sich auch ganz stark. Aus deutscher Sicht gelang nur eine Medaille: Bronze durch Laura Vargas Koch im Mittelgewicht. Viele Länder konnten 2016 olympische Medaillen in den 14 Judo-Entscheidungen erkämpfen, genau 26 – ein Beweis dafür, wie beliebt der Judosport global ist.

Bei den paralympischen Judo-Wettkämpfen in Rio de Janeiro dominierten hingegen die Judoka aus Usbekistan, die 10 Medaillen, darunter 3 x Gold, erkämpften. Die Athletinnen und Athleten aus China, der Ukraine, Südkorea und Mexiko konnten ebenfalls einige Medaillen gewinnen. Insgesamt schafften Judoka aus 15 Ländern den Sprung auf „das Medaillen-Treppchen“ in den 13 paralympischen Judo-Konkurrenzen. Für das deutsche Judo-Team bei den Paralympics 2016 kamen Ramona Brussig (Silber in der Klasse bis 52 Kilogramm), Carmen Brussig (Silber in der Klasse bis 48 Kilogramm) und Nikolai Kornhass (Bronze in der Klasse bis 73 Kilogramm) in die Medaillen-Ränge.

Das olympische Box-Turnier 2016 im Rückspiegel

Der Höhepunkt im Boxsport 2016 war auch das  olympischen Turnier in Rio: in 10 Gewichtsklassen der Herren und in 3 Gewichtsklassen der Frauen.

Team aus Usbekistan mit bester olympischer Box-Staffel

Usbekistan stellte mit 3 x Gold, 2 x Silber, 2 x Bronze die erfolgreichste Box-Staffel vor Kuba mit 3 x Gold, 3 x Bronze, Frankreich mit 2 x Gold, 2 x Silber, 2 x Bronze und Kasachstan mit 1 x Gold, 2 x Silber, 2 x Bronze. Die deutsche Box-Mannschaft kam zu einmal Bronze durch Artem Harutyunyan (TH Eilbeck), der am Schweriner Leistungszentrum bei Michael Timm trainiert.

Und wie sah es 2016 auf den olympischen Ringer-Matten aus?

Russland am erfolgreichsten

In den Ringkampf-Konkurrenzen in Rio de Janeiro bestimmten Russen, Japaner, Kubaner und Amerikaner das sportliche Niveau maßgeblich mit. Russland wurde mit 4 x Gold, 3 x Silber, 2 x Bronze die erfolgreichste Ringer-Nation, vor Japan mit 4 x Gold, 3 x Silber, Kuba mit 2 x Gold, 1 x Silber und den USA mit 2 x Gold, 1 x Bronze.

Klassik-Ringen mit starken Kubanern

Im Klassik-Ringen waren die Kubaner am besten dabei, mit 2 x Gold, 1 x Silber. Russland kam auf 2 x Gold, 1 x Bronze. Ismael Borrero und Mijain Lopez siegten für die „Zucker- und Zigarren-Insel“ in den Gewichtsklassen bis 59 Kilogramm bzw. bis 130 Kilogramm. Die Russen Roman Vlasov und Davit Chakvetadze holten hingegen Gold in den Gewichtsklassen bis 75 Kilogramm bzw. bis 85 Kilogramm.

Im Klassik-Ringen bei den Herren gab es auch die einzige Medaille für das deutsche Team, mit Bronze durch Denis Kudla in der Gewichtsklasse bis 85 Kilogramm.

Freistil-Ringen der Herren: Russland, Iran und die Türkei bestens dabei

Im Freistil-Ringen der Herren waren erwartungsgemäß Russland mit 2 x Gold, 1 x Silber, der Iran bzw. die Türkei mit jeweils 1 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze und Aserbaidschan mit 2 x Silber, 3 x Bronze die fleißigsten Medaillen-Sammler. Die Russen Soslan Ramonov und Abdulrashid Sadulaev kamen zu Gold in der Gewichtsklasse bis 65 Kilogramm bzw. in der Gewichtsklasse bis 86 Kilogramm. Der Iraner Hassan Yazdani jubelte über Gold in der Klasse bis 74 Kilogramm und der Türke Taha Akgül distanzierte die Konkurrenz in der Klasse bis 125 Kilogramm.

Freistil-Ringen der Frauen: Japanerinnen eine Klasse für sich

Bei den Freistil-Ringerinnen waren die Japanerinnen mit 4 x Gold, 1 x Silber die Dominatorinnen. Russland schaffte dort 2 x Silber, 1 x Bronze. Die japanischen Olympiasiegerinnen 2016 heißen dabei Eri Tosaka (Klasse bis 48 Kilogramm), Kaori Icho (Klasse bis 58 Kilogramm, zum vierten Mal Olympiasiegerin), Risako Kawai (Klasse bis 63 Kilogramm) und Sara Dosho (Klasse bis 69 Kilogramm).

Mal schauen, wer Ende August 2017 bzw. Anfang September 2017 in Paris, in Budapest und in Hamburg auf der Ringer-Matte, auf der Judo-Tatami und im Box-Ring am erfolgreichsten sein wird.

Marko Michels

1.Foto (Michels): Der Boxsport – eine traditionsreiche Sportart in M-V.

2.Foto (Michels): Ramona Brussig, die paralympische Judoka, bei einem Show-Kampf.

3.Foto (Maik Micera): Impression von den Norddeutschen Meisterschaften 2017 in Schwerin.