Gute deutsche und mecklenburgische Tradition mit den Achtern

Als Favorit startet der Deutschland-Achter bei den Ruder-WM vom 24.September bis 1.Oktober in Sarasota (USA), nachdem die deutschen Achter-Recken 2017 EM-Gold gewannen, in den Weltcup-Konkurrenzen glänzten und den Gesamt-Weltcup gewannen.

Die stärksten Mitbewerber um Gold sind jedoch wieder die Briten, aber auch die US-Amerikaner, Australier, Neuseeländer und Niederländer sind zu beachten. Und vielleicht „taucht“ auch noch ein Überraschungsteam „auf“…

M-V im Achter zwischen 2013 und 2017

Bei den wichtigsten Entscheidungen in den Achter-Entscheidungen in den letzten fünf Jahren spielten auch Mecklenburgerinnen und Mecklenburger eine Hauptrolle. So wurde der gebürtige Bad Doberaner Felix Drahotta (früher Rostocker Ruder-Club von 1885, jetzt Leverkusen) mit dem Deutschland-Achter 2013 in Sevilla, 2014 in Belgrad, 2015 in Poznan bzw. 2016 in Brandenburg jeweils Europameister, 2013 in Chengju, 2014 in Amsterdam und 2015 in Aiguebelette jeweils Vize-Weltmeister sowie 2016 in Rio Olympia-Zweiter, stets hinter Großbritannien.

Der gebürtige Rostocker Hannes Ocik (Schweriner RG)  war – bis auf das Jahr 2014 – ebenfalls Mitglied des Deutschland-Achters bei den EM, WM bzw. Olympia und erreichte damit die gleichen Erfolge wie Felix Drahotta.

In diesem Jahr (2017) wurde Hannes Ocik zudem Europameister 2017 in Racice und ist mit dem Deutschland-Achter Favorit auf WM-Gold in Sarasota.

Auch bei den Achter-Ruderinnen „Made in M-V“ gab es zumindest 2013/2014 Medaillen: Die Rostockerin Ulrike Sennewald schaffte EM-Silber 2013 und die Rostockerin Julia Wärmer EM-Bronze 2014.

Ja, deutsche Achter und deutsche „Achterinnen“  bei WM und Olympia – das verpflichtet, das hat Tradition, da „sprang“ oft Edelmetall „heraus“.

Goldene Achter

Insgesamt waren deutsche Achter bei Olympia sechsmal auf Rang eins (Bundesrepublik 1960, 1968, 1988, DDR 1976 und 1980, vereint 2012). Dabei ruderten im goldenen DDR-Achter in Montreal 1976 auch fünf Ruderer vom ASK Vorwärts Rostock mit Werner Klatt, Joachim Lück, Ulrich Karnatz, Karl-Heinz Prudöhl und Karl-Heinz Danielowski. In Moskau 1980 jubelten ebenfalls zwei Ruderer vom ASK Vorwärts Rostock über Olympia-Gold, erneut Ulrich Karnatz und Ulrich Kons.

Die beste Achter-Flotte bei den Herren in der olympischen Historie hatten jedoch die USA mit 12 x Gold, vor Deutschland mit 6 x Gold, Großbritannien mit 4 x Gold, Kanada mit 3 x Gold, Neuseeland sowie den Niederlanden mit 1 x Gold.

Bei den Spielen 1992 in Barcelona war auch Hans Sennewald (bis 1990 ASK Vorwärts Rostock, nach 1990 Olympischer Ruder-Club Rostock) Mitglied des bronzenen Deutschland-Achters und der gebürtige Ueckermünder Peter Thiede, vor 1990 ASK Vorwärts Rostock, nach 1990 Olympischer Ruder-Club Rostock sowie Ruder-Club Hansa Dortmund, erkämpfte in Atlanta 1996 Silber mit dem Deutschland-Achter.

Weitere Höhepunkte (Auswahl) im Herren-Achter für M-V

Das erste olympische Achter-Gold aus M-V-Sicht erkämpfte Karl-Heinrich von Groddeck, der in Tutow (Landkreis Vorpommern-Greifswald) geboren wurde. Er sicherte sich Olympia-Gold mit dem Deutschland-Achter 1960 in Rom und zudem Olympia-Silber 1964 in Tokyo. In Tokyo waren unter anderem auch der gebürtige Neustrelitzer Klaus Aeffke und der gebürtige Neubrandenburger Hans-Jürgen Wallberg mit „an Bord“. Des Weiteren errang Karl-Heinrich von Groddeck Olympia-Silber 1956 in Melbourne mit dem „Zweier mit“, 1962 schaffte er auch WM-Gold im Achter sowie 1959, 1963 und 1964 jeweils EM-Gold im Achter.

Eine olympische Bronzemedaille errang vor 45 Jahren bei den Olympischen Spielen 1972 in München der Schweriner Manfred Schneider im DDR-Achter. Zuletzt, wie eingangs erwähnt, kamen aus M-V-Sicht Hannes Ocik und Felix Drahotta zu Olympia-Silber 2016.

Bei den Weltmeisterschaften im Achter (Herren) seit 1962 gab es bislang 16 WM-Titel für deutsche Achter (Bundesrepublik 4, DDR immer mit M-V-Beteiligung 5 x Gold zwischen 1970 und 1979, vereintes Deutschland 7 x Gold). Die USA holten auch 7 x WM-Gold, Großbritannien 3 x WM-Gold, die UdSSR, Kanada und Neuseeland je 2 x WM-Gold und Australien, Rumänien sowie Neuseeland jeweils 1 x WM-Gold.

Blick zum Frauen-Achter

Der „Deutschländerinnen-Achter“ stand zwar nie so sehr im medialen Fokus, aber war deshalb nicht minder erfolgreich als die Herren der Ruder-Schöpfung.

Bei den WM seit 1974 sind deutsche Achter der Frauen bislang fünfmal erfolgreich gewesen (DDR mit 3 x Gold, das vereinte Deutschland mit 2 x Gold). Bei den olympischen Ruder-Regatten seit 1976 ist Deutschland – dank der DDR – mit 3 x Gold zusammen mit den Rumäninnen, die ebenfalls auf 3 x Gold kommen, auch im Frauen-Achter „Spitze“, wobei im goldenen Frauen-Achter 1976 mit Monika Kallies auch eine gebürtige Stralsunderin aktiv und im goldenen Olympia-Achter 1988 die gebürtige Wismarerin Kathrin Haacker dabei war. Kathrin holte sich unter anderem mit der gebürtigen Kühlungsbornerin Dana Pyritz noch Olympia-Bronze 1992 mit dem vereinten deutschen Achter-Boot.

Überhaupt schrieb Kühlungsborn Ruder-Geschichte. Die beiden Zwillingsschwestern Dana und Anja Pyritz, 1970 in Kühlungsborn geboren, belebten die deutsche Ruder-Szenerie sehr erfolgreich. Dana gewann beispielsweise, wie bereits genannt, Olympia-Bronze 1992 und mit der Schwerinerin Doreen Schnell im Jahr 1994 ebenfalls WM-Gold. Anja schaffte hingegen mit der Rostockerin Nicole Zimmermann „Gleiches“ und erkämpfte den WM-Titel 2003.

Dana und Anja Pyritz ruderten auch gemeinsam in den bronzenen Achtern von 2001/2002.

Apropos Nicole Zimmermann aus Rostock: Diese feierte bis 2006 zahlreiche Erfolge im Frauen-Achter. So wurde sie 1997/98 Junioren-Weltmeisterin, 2002 WM-Dritte, 2003 Weltmeisterin und 2006 WM-Zweite. Bei Olympia 2004 gab es Platz 5.

Die bisherigen WM-Titel im Frauen-Achter seit 1974 gingen an Deutschland (5), die UdSSR (7), Rumänien (7), Australien (2), die USA (10) und Kanada (1). Die Olympiasiege im Frauen-Achter seit 1976 teilten sich die DDR (3), die USA (4), Rumänien (3) und Kanada.

… Exkurs: Vor 136 Jahren geboren: Der Usedomer Ruderer Bernhard von Gaza

Die erste „Olympia-Medaille“ für „M-V“, eine Platzierung unter den besten Drei bei olympischen Spielen, erkämpfte übrigens am 30.Juli bzw. 31.Juli 1908 auf der Themse in London der Ruderer Bernhard von Gaza, der 1881 in Usedom geboren wurde und 1917 im ersten Weltkrieg ums Leben kam.

Dieser startete für die RG Wiking Berlin von 1896 und vertrat das deutsche Team bei den IV. Olympischen Spielen in London. Dort starteten pro Entscheidungsrunde – aufgrund der „Enge“ der Themse – nur jeweils zwei Ruderer gegeneinander. In seinem Halbfinale unterlag Bernhard von Gaza dem Briten Harry Blackstaffe, dem späteren Olympiasieger im Einer, im anderen Halbfinale distanzierte ein weiterer Brite, Alexander McCulloch, den Ungarn Karoly Levitzky. Das Finale entschied dann Blackstaffe gegen McCulloch für sich. Ein Rennen um Platz drei fand nicht statt – damit rangieren Bernhard von Gaza und Karoly Levitzky gemeinsam auf dem inoffiziellen Platz drei.

Insgesamt nahmen neun Ruderer aus sechs Ländern am olympischen Einer-Wettbewerb der Herren 1908 teil.

Mal schauen, was aber Hannes Ocik in Sarasota gelingen wird…

Marko Michels

Archiv-Foto (Michels): Rudern vor dem Schweriner Schloss.