Nachgefragt beim Kreisreitsportbund Vorpommern-Rügen

Mecklenburg-Vorpommern ist wahrlich ein Reitsport-Land, ob in Vergangenheit wie in der Gegenwart – zwischen Carl-Friedrich von Langen und Holger Wulschner. In Rio 2016 waren zwar keine Reitsportler aus M-V aktiv vor Ort, aber das deutsche Reitsport-Team war dennoch sehr erfolgreich, insbesondere dank Vielseitigkeitsreiter Michael Jung und die Dressur-Mannschaft um Isabelle Werth.

Und wie sah das bisherige Reitsport-Jahr 2016 aus regionaler Sicht aus? Nachgefragt bei Birca Roos vom Kreisreitsportbund Vorpommern-Rügen.

Erfolgs-Dressur-Reiterin Isabell Werth - Foto: M. Michels

Isabell Werth, die deutsche Erfolgs-Dressur-Reiterin bei Olympia. Foto: M. Michels

„Wollen kontinuierliche Arbeit leisten…“

Frage: Das Jahr 2016 ist im finalen Galopp… Wie verlief das reitsportliche Jahr 2016 aus Sicht des KRB Vorpommern-Rügen? Was waren die regionalen Höhepunkte?

Birca Roos: Wir sind mit der Gesamt-Bilanz sehr zufrieden. Alle Projekte des KRB Vorpommern-Rügen erfreuen sich großer Beliebtheit. Dazu gehören die Kreismeisterschaften in der Dressur und im Springen (2016 in Prohn), die Kreis-Meisterschaften für Vereinsmannschaften (2016 in Wöpkendorf), die Kreis-Kinder- und Jugendsportspiele in Barth, der Vorpommern-Rügen-Spring-Cup in seinem sechsten Jahr über acht Turniere im Kreisgebiet und der VR-Dressur-Cup im fünften Jahr über sieben Turniere und ganz neu die Vereinsmeisterschaft in Semlow. Und nicht zu vergessen: unseren Kreisreiterball. Neben sportlichen Wettbewerben soll auch das gemeinschaftliche Miteinander nicht zu kurz kommen.

Frage: Wie viele Turniere und Events gab es 2016 beim KRB Vorpommern-Rügen kompakt betrachtet?

Birca Roos: Es gab zehn Turnier-Veranstaltungen und neun Breitensport-Veranstaltungen im Kreis Vorpommern-Rügen. Das stellt eine große Aktivität in unseren 44 Mitgliedsvereinen dar.

Frage: Wie ist es in der Region Vorpommern-Rügen eigentlich um den reitsportlichen Nachwuchs bestellt?

Birca Roos: Es gibt ihn. Das ist das durchaus positive Fazit. Es wird gute Nachwuchsarbeit in den Vereinen geleistet. So konnten Sherlyn Wroblewski, Henriette Scheibler, Caroline Lass, Anna Rindler, Henrieke Heitmüller, Charly Ann Wolf, Franziska Lass und Helene Beckmann Medaillen bei Landesmeisterschaften mit nach Hause bringen. Überregional ließen auch Charlotte Scheibler und Friederike Lass aufhorchen. Caroline Lass und Anna Rindler nahmen an den Deutschen Jugendmeisterschaften teil.

Frage: 2016 war auch das Jahr der olympischen und paralympischen Reitsportwettbewerbe. Wie beurteilen Sie die Reitsport-Ergebnisse von Rio? Wer hätte aus M-V-Sicht – nach Lage der gegenwärtigen Dinge – Teilnahme-Chancen bei Olympia 2020?

Birca Roos: Auf die deutschen Reiter ist im Hinblick des vorgegebenen Medaillenspiegels aus oberen Sportebenen Verlass. Sie gehören im internationalen Maßstab nach wie zur Spitze. Es wird in Deutschland eben viel für diesen Spitzensport getan. Aber nur ein gutes Reiter-Pferd-Paar kommt in der internationalen Spitze an. Darum wird es für Reiterinnen und Reiter aus M-V schwer sein, sich für Olympia 2020 zu qualifizieren… Unsere Profis müssen von ihrem Sport leben und so fällt es oft schwer, ein Top-Pferd zu halten.

Letzte Frage: Welche Ziele hat der KRB Vorpommern-Rügen 2017?

Birca Roos: Wir leben nicht ganz nach dem Motto „höher, schneller, weiter“. Wir wollen kontinuierliche Arbeit leisten, unsere Projekte den Bedingungen und Möglichkeiten im Kreis anpassen, immer wieder hinterfragen, wo wir Feinheiten verbessern können. Wir hoffen auf ein erfolgreiches, möglichst unfallfreies Sportjahr 2017 mit Pferdesport für die breite Masse unserer Pferdesportler.

Vielen Dank, dann weiterhin bestes Engagement für den Reitsport und ein erfolgreiches 2017!

Olympia in Rio

In der Einzel-Wertung des Vielseitigkeitsreitens gab es für Michael Jung auf „Sam“ nach Olympia-Gold 2012 ebenfalls Olympia-Gold 2016. In der Dressur-Wertung war das deutsche Quartett mit Sönke Rothenberger auf „Cosmo“, Dorothee Schneider auf „Showtime“, Kristina Bröring-Sprehe auf „Desperados“ und Isabell Werth auf „Weihegold“.

Die Länderwertung der olympischen Reiterspiele 2016 in Rio de Janeiro, bei Berücksichtigung der Ränge eins bis sechs, gewann die deutsche Mannschaft mit 33 Punkten vor Grossbritannien mit 21 Punkten, Frankreich mit 19 Punkten, den USA mit 18 Punkten und Australien mit 9 Punkten.

In die Punkte-Ränge gelangten in den sechs reitsportlichen Entscheidungen 2016 ebenfalls Schweden (7 Punkte), Kanada (7 Punkte), die Niederlande (4 Punkte), die Schweiz (4 Punkte, Neuseeland (4 Punkte), Spanien (2 Punkte), Brasilien (2 Punkte), Katar (einen Punkt) und Dänemark (einen Punkt).

 

Exkurs

Das Reitsport-Land M-V und dessen Historie

Mecklenburg-Vorpommern hat eine große reitsportliche Tradition, die nicht nur, aber insbesondere im Springreiten unter anderem durch Heiko Schmidt, Andre Thieme, Holger Wulschner, Thomas Kleis, Andre Plath oder Philipp Makowei in der Gegenwart fortgesetzt wird. Das Landgestüt Redefin, das in diesem Jahr 204 Jahre alt wird, ist nach wie vor beliebter Austragungsort von reitsportlichen Turnieren.

Pferdesportliche Traditionen hat speziell auch Schwerin: Der Verkauf von Pferden aus dem Großherzoglichen Gestüt des Schweriner Marstalls für „Dressur-Wettbewerbe“ in Deutschland erfolgte seit 1818. Erste „Dressur-Wettstreite“ wurden in Schwerin im Jahr 1846 ausgetragen. Seit 2011 wird in der Landeshauptstadt M-V zudem jeweils zu Jahresbeginn ein Hallen-Turnier in der Sport- und Kongreßhalle ausgetragen .

Nicht zu vergessen: Bereits 1804 fanden erste Pferderennen bei Bad Doberan statt und offiziell gibt es dort seit 1822 eine Galopprennbahn, die eine ausgezeichnete Resonanz erfährt.

Olympische Tradition

So wurden die olympischen Reitsport-Wettkämpfen im August 1928 in Amsterdam nicht nur allgemein von deutschen Reitern mit dominiert, nein, auch der vor fast 130 Jahren, 1887, in Klein Belitz (Landkreis Rostock) geborene Carl-Friedrich von Langen, dem auch ein Gut in Parow bei Stralsund gehörte, war einer der Protagonisten der Dressur-Wettbewerbe 1928. Auf „Draufgänger“ gewann er Gold im Einzel als auch mit der Mannschaft.

Das deutsche Reitsport-Team war seinerzeit in Amsterdam mit 2 x Gold und 1 x Bronze hinter den Niederlanden, die das Vielseitigkeitsreiten dank Charles Pahud de Mortanges beherrschten und 2 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze erkämpften, das zweiterfolgreichste Team`28 im Pferdesport. Im Springreiten gingen Gold an die Tschechoslowakei (Einzel: Frantisek Ventura) und Spanien (Mannschaft).

MV kann jedoch nicht nur Carl-Friedrich von Langen aufweisen, sondern auch weitere Reitsportler mit olympischen Ehren.

… Die ersten olympischen Goldmedaillen erkämpften die deutschen Vielseitigkeitsreiter  1936 in Berlin – dank eines gebürtigen Mecklenburgers. Ludwig Stubbendorff, 1906 im mecklenburgischen Turloff-Dabel geboren, siegte auf „Nurmi“ vor dem Amerikaner Earl Foster Thomson und dem Dänen Hans Lunding. Auch die deutsche Mannschaft erkämpfte Gold vor Polen und Großbritannien.

Der aus Pommern stammende Heinz Pollay wurde auf „Kronos“ ebenfalls Olympiasieger 1936 in Berlin – im Dressur-Reiten im Einzel und mit der deutschen Mannschaft.

Der 1938 in Röbel geborene Horst Köhler wurde 1968 Olympia-Fünfter im Einzel und Olympia-Vierter mit der DDR-Dressur-Equipe. In München 1972 konnte er mit dem DDR-Dressur-Team dann Rang fünf belegen. Unter anderem war er auch Vize-Europameister 1969 und WM-Dritter 1970 mit dem DDR-Team.

Aus Willershausen bei Grimmen stammt Rudolf Beerbohm, Jahrgang 1941, der zum Beispiel 1972 in München in der Military mit seinem Pferd “Ingolf” Elfter im Einzel und Fünfter mit dem DDR-Team wurde.

Ein weiterer Olympia-Reitsportler aus M-V ist Gerhard Brockmüller aus Darchau, der folgende Resultate bei Olympischen Spielen vorweisen kann: in Mexico-City 1968 – Dressur-Einzel (12.), Dressur-Team mit der DDR (4.) – in München 1972 – Dressur-Einzel (13.), Dressur-Team mit der DDR (Besetzung: mit Gerhard Brockmöller, Wolfgang Müller und dem in Röbel geborenen Horst Köhler – 5.).

Text und Interview: Marko Michels