Kristina Vogel mit zweimal Gold

Die 107.Weltmeisterschaften im Bahn-Radsport seit 1893 sind auch längst wieder Geschichte. Im April 2017 fanden diese in Hongkong statt und Athletinnen bzw. Athleten aus 41 Ländern nahmen an diesen Welt-Titelkämpfen teil.

Europa dominierend

Europa war wieder einmal der dominierende Kontinent, gewann 36 der 60 Medaillen, was einem Anteil von 60 Prozent entspricht, und 13 der 20 WM-Titel (Anteil 65 Prozent).

Das „restliche“ Edelmetall erkämpften Australien/Ozeanien mit 16 Plaketten, darunter 4 x Gold, der amerikanische Doppel-Kontinent mit 6 Plaketten, darunter 2 x Gold, und Asien mit 2 Plaketten, darunter einmal Gold.

Australien jedoch am erfolgreichsten…

Australien wurde mit elf Medaillen erfolgreichstes Land. WM-Titel für „Down Under“ schafften Jordan Kerby in der Herren-Verfolgung, Sam Welsford, Cameron Meyer, Alexander Porter bzw. Nick Yallouris in der Herren-Team-Verfolgung und Cameron Meyer im Punktefahren.

Jeweils dreimal Gold gab es auch für Russland, durch Daria Schmelewa im Frauen-Zeitfahren, Daria Schmelewa/Anastasija Voinowa im Teamsprint sowie Denis Dimitrijew im Herren-Sprint, und für Frankreich, durch Francois Pervis im Herren-Zeitfahren, Morgan Kneisky/Benjamin Thomas im Madison bzw. Benjamin Thomas im Omnium.

Gastgeber Hongkong mit Bronze

Für Gastgeber Hongkong holte Lee Wai Sze im Frauen-Sprint Bronze. Gold für Asiens Rad-Asse sicherte Azizulhasni Awang aus Malaysia im Keirin.

Die USA gehörten 2017 ebenfalls zu den radsportiven „Gold-Schürfern“ dank Chloe Dygert in der Frauen-Verfolgung bzw. Kelly Catlin, Cloe Dygert, Kimberly Geist und Jennifer Valente in der Frauen-Team-Verfolgung.

Kristina Vogel mit WM-Gold Nummer acht und neun

Der Bund Deutscher Radfahrer erlebte in Hongkong zudem goldene Momente. Kristina Vogel jubelte dabei im Sprint und Keirin jeweils über Gold. Mit Miriam Welte, die bis 2012 für das „Track Cycling Team M-V“ startete, belegte Kristina im Teamsprint auch Bronze. Miriam selbst durfte sich zusätzlich über Silber im Zeitfahre freuen. Für die deutschen Bahn-Radsport-Männer errang Lucas Liss mit Silber im Scratch die einzige Medaille.

Ja, es war wieder „Frauen-Power“ aus deutscher Radsport-Sicht gefragt.

WM-Medaillen für Frauen erst seit 1958

WM-Medaillen werden im Bahnradsport für Frauen allerdings erst seit 1958, WM-Austragungsort war seinerzeit Paris, vergeben. Galina Jermolajewa (Sowjetunion) gewann vor fast 60 Jahren die Sprint-Entscheidung und Ljudmilla Kotschetowa distanzierte die Konkurrenz damals in der Frauen-Verfolgung.

Deutsche Frauen mit fünfzehnmal WM-Gold

Deutsche Frauen konnten bei WM im Bahnradsport fünfzehnmal triumphieren. DEn Anfang machte Christa Rothenburger, zugleich eine exzellente Eisschnellläuferin, 1986 mit WM-Gold im Sprint. Es folgten 1991 Petra Rosner in der Frauen-Verfolgung, 1997 Judith Arndt ebenfalls in der Frauen-Verfolgung und 2006 Christine Mucke im Keirin.

Die goldene Ära von Kristina Vogel und Miriam Welte

Und vor fünf Jahren, 2012, begann die goldene „Kristina-Miriam-Ära“. Sowohl bei den WM als auch bei Olympia in London 2012 waren Kristina Vogel bzw. Miriam Welte im Teamsprint nicht zu schlagen. Ihren WM-Titel im Teamsprint verteidigten die beiden 2013 und 2014.

Bei den WM 2014 konnte Kristina die Sprint- bzw. Keirin-Entscheidung siegreich gestalten, Miriam distanzierte die Mitbewerberinnen im Zeitfahren. Erste WM-Ränge belegte Kristina außerdem 2015 im Sprint, 2016 im Keirin und aktuell, 2017, im Sprint bzw. Keirin. Stephanie Pohl konnte für „Schwarz-Rot-Gold“ auch Gold erradeln, 2015 im Punktefahren.

Und vor 8 Monaten, in Rio 2016,  „schnappte“ sich Kristina Vogel ihre zweite olympische Goldmedaille – im Sprint. Erst seit 1988 in Seoul dürfen die Frauen im Bahnradsport um olympische Ehren wetteifern… Lange hat es gedauert.

Zurück zu Hongkong 2017

Aber zurück zum allgemeinen WM-Geschehen auf der Bahn in Hongkong. Insgesamt brachten 16 Länder Rad-Athletinnen und Rad-Athleten auf das Podest, elf Staaten durften über WM-Gold 2017 jubeln.

Neben den bereits genannten Ländern gingen WM-Titel im Bahnradsport 2017 auch an Neuseeland (Ethan Mitchell/Sam Webster im Herren-Teamsprint), Polen (Adrian Teklinski im Scratch), Großbritannien (Elinor Barker im Frauen-Punktefahren bzw. Katie Archibald im Frauen-Omnium), Belgien (Lotte Kopecky/Jolien D`Hoore im Frauen-Madison) und Italien (Rachele Barbieri im Frauen-Scratch).

Die nächsten Bahnradsport-WM werden 2018 in Apeldoorn ausgetragen und die nächsten olympischen Konkurrenzen gibt es dann 2020 in Tokyo. In drei Jahren finden vorher die WM in Berlin statt. Vielleicht ist im Olympia-Jahr 2016 auch wieder ein radsportliches Ass aus M-V am Start?!

Und M-V hat ja eine gute olympische Tradition im Radsport…

M-V und die olympische Radsport-Tradition

Eine Mecklenburgerin konnte im Bahnradsport auch schon so richtig begeistern, die 1979 in Wismar geborene Katrin Meinke. Diese wurde 2001 in Antwerpen WM-Dritte im 500 Meter-Zeitfahren und 2002 in Ballerup ebenfalls WM-Dritte im Sprint. Im Jahr 2004 qualifizierte sich Katrin für die Olympischen Spiele in Athen und belegte dort die Ränge sechs (Sprint), elf (500 Meter Zeitfahren) und neun (Punktefahren). Zudem war die 1974 in Röbel geborene Kathrin Freitag insbesondere bei Junioren-WM top. Dort siegte sie im Sprint 1990, 1991 und 1992 und war auch Olympia-Teilnehmerin im Bahnradsport 2000 in Sydney (Siebente im Zeitfahren und Neunte im Sprint).

Ansonsten war MV bei WM und bzw. oder Olympia mit dem Rad oft gut unterwegs, wenn man an die Erfolge des Wahl-Schweriners Stefan Nimke, unter anderem Teamsprint-Olympiasieger 2004 , Olympia-Silber 2000 im Zeitfahren bzw. Teamsprint-Bronze 2008 und Bronze im Zeitfahren 2004, zweifacher Weltmeister im Teamsprint (2010, 2011) sowie vierfacher Weltmeister im 1000 Meter-Zeitfahren (2003, 2009, 2011, 2012), oder des gebürtigen Rostockers Günther Schumacher, unter anderem Olympiasieger mit dem Bahn-Vierer 1972 bzw.1976 und dreifacher Weltmeister 1973, 1974 bzw. 1975 sowie Vize-Weltmeister 1977, jeweils mit dem Bahn-Vierer, und auch Vize-Weltmeister im Zeitfahren 1977, denkt.

Ein gebürtiger Bad Doberaner, Hans Wolf, startete 1964 auch bei den Bahnrad-Wettkämpfen der Olympischen Spiele in Tokyo – allerdings für den Bahn-Vierer der USA, mit dem er den 12.Platz belegte.

Auf den „olympischen Straßen“ waren ebenfalls schon einige Radsportler mit MV-Hintergrund unterwegs, so 1972 der gebürtige Schweriner Dieter Gonschorek, 2000/2004 der gebürtige Rostocker Jan Ulrich, 2000/2004/2008 der gebürtige Grevesmühlener Jens Vogt oder 2012 der gebürtige Rostocker Andre Greipel.

Große Erfolge feierte Jens Vogt auch bei der früheren Friedensfahrt (1994 Gesamt-Sieger) und bei der Tour de France (zwei Etappensiege 2001/2006). Jan Ulrich schaffte beispielsweise 2000 in Sydney Olympia-Gold (Straßen-Einzel) bzw. Olympia-Silber (Zeitfahren), belegte bei der Tour de France 1997 den ersten Rang (Gesamtwertung), wurde Zeitfahr-Weltmeister 1999/2001 und erkämpfte 1993 den Amateur-WM-Titel. Andre Greipel errang indes unter anderem WM-Bronze (Straßen-Einzel) 2011.

Seit 2014-2015 startet auch die in Cottbus geborene Straßen-Radsportlerin Trixi Worrack für Mecklenburg-Vorpommern. Wie einst Hans Wolf hat Trixi besondere Beziehungen zu Bad Doberan, denn sie ist Mitglied des Bad Doberaner SV und trainiert ebenfalls in der Münster-Stadt.

Die 33jährige kann dabei schon zahlreiche Erfolge vorweisen, so war sie unter anderem Vize-Weltmeisterin im Straßen-Einzel der Frauen 2006 und wurde mit dem US-amerikanischen Team „Specialized-lululemon“, das in internationaler Besetzung antritt, viermal in Folge Weltmeisterin im Team-Zeitfahren auf der Straßen (2012, 2013, 2014, 2015, 2016 Silber). Des Weiteren nahm Trixi viermal an olympischen Wettbewerben im Straßen-Radsport teil (2004, 2008, 2012 und 2016).

Der bereits erwähnte Stefan Nimke konnte zudem als Tandem-Pilot, zusammen mit dem sehbehinderten  Kai Kristian Kruse, bei den Paralympics 2016 in Rio Bronze im 1000 Meter-Tandem-Zeitfahren erringen… Nun steht paralympisches Gold 2020 auf der Agenda.

Marko Michels

Foto (Michels): Radsport-Asse „mit M-V-Bindung“: Miriam Welte, Tobias Wächter und Stefan Nimke.