Zwischen EM-Kampfgericht und Eurosport-WM-Mikrofon: Monika Dietrich

Die Rostocker Wassersprung-Erfolgstrainerin zu ihren Eins├Ątzen bei den EM in Kiew und den WM in Budapest

Die wichtigsten Konkurrenzen im Wasserspringen des Jahres 2017 sind auch schon wieder Geschichte, die Europameisterschaften in Kiew und die Weltmeisterschaften in Budapest. Zwar „laufen“ noch die Grand Prix- bzw. Weltserie… Zudem werden die Entscheidungen der Sommer-Universiade noch viel Zuspruch finden, aber es ist schon Zeit f├╝r einen kleinen R├╝ckblick zu Wasserspringen.

Nachgefragt bei Monika Dietrich, Erfolgstrainerin des WSC Rostock sowie internationale Kampfrichterin und Eurosport-Kommentatorin

Monika Dietrich ├╝ber ihre Eins├Ątze bei den EM in Kiew bzw. bei den WM in Budapest, die sportlichen Bilanzen der beiden Gro├čereignisse, die deutschen Ergebnisse, die kommenden Universiade-Wettk├Ąmpfe f├╝r die Rostocker Wasserspringerin Saskia Oettinghaus und weitere sportliche Herausforderungen f├╝r die Rostocker WSC-Wasserspringer bis Dezember 2017

„Beide T├Ątigkeiten f├╝lle ich sehr gern aus…“

Frage: Sie waren bei den EM als Kampfrichterin und dann bei den WM als Eurosport-Kommentatorin… Wie war das Arbeitspensum? Was machte mehr Spa├č?

Monika Dietrich: Beide T├Ątigkeiten f├╝lle ich sehr gern aus, insofern spielt das┬á Arbeitspensum keine Rolle.

Als Kampfrichter wird man bei gro├čen Starterfeldern nach 3 Durchg├Ąngen ausgewechselt. Als Kommentator muss man auch mal viereinhalb Stunden hintereinander einen Vorkampf mit 56 Teilnehmern kommentieren.

In beiden T├Ątigkeiten hat man eine hohe Verantwortung gegen├╝ber dem Sportler und dem Wasserspringen.

Mein Hauptbet├Ątigungsfeld liegt allerdings auf dem Gebiet des Kampfrichterwesens. Der Einsatz bei einer WM wird von der FINA festgelegt. Da gibt es verschiedene Auswahlkriterien, die man nicht immer beeinflussen kann. Ich w├╝rde sehr gern ├Âfter international werten, denn meine Zeit als Kampfrichterin ist begrenzt (International darf man nur bis zum Alter von 65 Jahren werten!).

Als Kommentatorin kann ich mich einbringen, solange man bei Eurosport Interesse an meinen Beitr├Ągen hat.

Ich liebe die T├Ątigkeit bei Eurosport, weil man die Sportart Wasserspringen mal aus ganz anderer Sicht betrachtet und weil man viele neue Leute kennenlernt.

Frage: Wie bewerten Sie die sportlichen Leistungen bei den EM und bei den WM – aus deutscher wie internationaler Blickrichtung?

Monika Dietrich: Bei der EM lief f├╝r die deutsche Mannschaft nicht so viel zusammen. Das Team konnte ihre selbst gesteckten Ziele nicht erf├╝llen. Das traf teilweise ┬áauf die Youngster im Team als auch auf die Leistungstr├Ąger zu.

Seit über 20 Jahren kehrten die deutschen Wasserspringer ohne Europameistertitel zurück. Platz zwei von  Patrick Hausding vom Einer war durch eine tolle Leistung ersprungen. Auch Louisa Stawczynski  konnte mit einer Bronzemedaille vom Ein-Meter-Brett überzeugen.

Tina Punzel, die im deutschen Team zu den erfahrenen Springerinnen z├Ąhlt, steuerte zwei Medaillen zum Mannschaftsergebnis bei: Silber errang sie im Synchronspringen 3m zusammen mit Friedericke Freyer und Bronze mit Lou Massenberg im Mixed Synchronspringen ebenfalls von 3m.

Mehr Medaillen waren leider nicht drin. Weitere wurden auf vierten und f├╝nften Pl├Ątzen knapp verpasst.

Die Briten traten mit ihrer zweiten Mannschaft an, machten aber keinen zweitrangigen Eindruck und lie├čen┬á nicht nur die Deutschen hinter sich.

Bei ihrer Heim-EM in Kiew hinterlie├čen die Ukrainer einen starken Eindruck. Allen voran Ilja Kvasha, der fokussiert wirkte. W├Ąhrend in Europa neben den bekannten Hochburgen im Wasserspringen (Russland, Deutschland, Gro├čbritannien, Ukraine bzw. Italien) ┬áEinzelk├Ânner aus Frankreich, den Niederlanden, der Schweiz und Polen mit unter den Finalisten zu finden sind, kommen bei den Weltmeisterschaften neben den Spitzennationen (China, USA, Kanada, Mexiko bzw. Australien) noch Weltklasse-Athleten aus Japan, Malaysia, Korea und Nordkorea dazu.

Das Wasserspringen hat sich, obwohl schon bei den Weltmeisterschaften 2015 in Barcelona auf hohem Niveau befindend, weiter entwickelt.

Es gibt neue Disziplinen (Team-Event, Mixed-Synchron-Event), die Schwierigkeitsgrade in den Damen-Wettk├Ąmpfen steigen an und wer bei den Herren zur Weltklasse z├Ąhlen will, springt viereinhalbfachen Salto vorw├Ąrts gehechtet, dreieinhalbfachen Salto r├╝ckw├Ąrts gehechtet und zeigt bei den Wettk├Ąmpfen Schraubenkombinationen aus f├╝nfeinhalb Drehungen.

Deutschlands Herren konnten bei den WM 2017 mehr als nur mithalten. Sascha Klein und Patrick Hausding zeigten bei ihrem letzten gemeinsamen Synchronwettkampf vom Turm eine ├╝berzeugende Leistung und gewannen Bronze. Das war einfach genial!

Das Kunstspringen der Herren war aus deutscher Sicht bereits vom Einer (4.Platz Hausding) und im Synchronspringen (4.Platz Hausding/Feck) mit sehr guten Leistungen begonnen worden. Um jeweils nur 5 Punkte wurde die Bronzemedaille verfehlt .

Vom 3m-Brett konnte Patrick Hausding mit sensationeller Leistung die Silbermedaille erringen.

Nur er und der sp├Ątere Sieger, Xie Siyi ( CHN), kamen fehlerlos durch ihre┬á Programme. Trotzdem haben alle Finalisten, insbesondere Ilja Zakharov (Russland), Romel Pacheco (Mexiko),Jack Laugher (Gro├čbritannien) und Cao Yuan (China) das Niveau dieses Wettkampfes ma├čgeblich mitbestimmt.

Immer ist das Turmspringen der Herren das Highlight im Wasserspringen, aber so einen genialen Wettkampf wie jenen bei der WM 2017 habe ich noch nicht gesehen. Es waren die Spannung, die Exzellenz, die ├ťberraschungen und die verbl├╝ffenden Effekte, die diesen Wettkampf so besonders machten.

Das war es, was das Wasserspringen so ungew├Âhnlich macht und uns so in den Bann zieht.

Frage: Saskia Oettinghaus wird im August noch bei den Wassersprung-Konkurrenzen der Universiade in Taipei starten. Bei Universiaden feierten ja in der Vergangenheit aus Rostocker Sicht D├Ârte Lindner und Silke Kr├╝ger einige Medaillen-Erfolge. Welchen Stellenwert hat aus Ihrer Sicht eine Universiade?

Monika Dietrich: Die Universiade, obwohl nicht so im Fokus, ist im Wasserspringen oft ein sehr gut besetzter Wettkampf. Viele der leistungsstarken Sportler in der ganzen Welt sind an Universit├Ąten, weil diese ihnen gute Trainingsbedingungen bieten.

Selbst Sportsoldaten kann man bei Universiaden antreffen, weil sie an irgendeiner Milit├Ąrakademie studieren. Die Universiade ist auf jeden Fall ein interessanter Wettbewerb, in dem auch Saskia Oettinghaus viele Wettkampferfahrungen sammeln kann.

F├╝r Saskia kann dieser Wettkampf eine gro├če Chance sein. Das Kunstspringen der Damen┬á in Deutschland ist momentan ohne Spitzenathletin.

Letzte Frage: Welche Herausforderungen warten bis zum Jahresende noch auf die Springerinnen und Springer des WSC Rostock?

Monika Dietrich: Nach der Urlaubszeit beginnt f├╝r alle Sportler erst mal der athletische Aufbau und dann das Erlernen neuer Spr├╝nge.

Traditionell findet im Oktober der Methodik-Pokal statt, ein Wettkampf, in dem die Sportler methodische Spr├╝nge vom 1m-Brett und vom Turm vorzeigen m├╝ssen.

Anfang November fahren wir dann immer mit einer gro├čen Mannschaft zum Jugendmeeting nach Lund (Schweden).

Beim Bundesst├╝tzpunktwettkampf Mitte November und bei den Mannschaftsmeisterschaften vom 7.Dezember bis 10.Dezember wird es dann schon wieder ernster.

Vielen Dank, dann auch erst einmal einen sch├Ânen Urlaub und weiterhin bestes, erfolgreiches Engagement f├╝r das Wasserspringen!

Die Fragen stellte: Marko Michels.

Fotos zu den EM 2017 in Kiew (Monika Dietrich):

1.Platz zwei f├╝r Patrick Hausding. / 2.Silber f├╝r das deutsche Duo im Synchronspringen vom Dreier. / 3.Louisa Stawczynski und Trainer Pavel Rozenburg freuen sich ├╝ber Bronze vom Ein-Meter-Brett.

 

 

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