Die XXII. Winter-Paralympics in Pyeongchang stehen nach der glanzvollen Eröffnungsfeier am 9. März 2018 derzeit im Fokus des sportlichen Interesses. Die erfolgreiche Radsportlerin, Skilangläuferin und Biathletin Andrea Eskau trug bei der Eröffnungszeremonie die deutsche Fahne in das Stadion. Insgesamt zwanzig Athletinnen bzw. Athleten und vier Begleitläufer umfasst das deutsche Paralympics-Team. Mehr als 570 Handicap-Sportlerinnen und -sportler aus 49 Ländern wetteifern noch bis zum 18. März in 80 Entscheidungen der sechs Sportarten Biathlon, Rollstuhl-Curling, Sledge-Hockey, Ski-Alpin, Skilanglauf und Snowboarden um Edelmetall.

Schaffelhuber mit sechstem Gold / Rothfuss in der Erfolgsspur

Die ersten 12 Entscheidungen standen am Samstag auf dem Programm. Dabei gab es auch die ersten Medaillen für das deutsche Team. Mono-Skifahrerin Anna Schaffelhuber erkämpfte Gold in der Abfahrt. Die 25-Jährige vom TSV Bayerbach gehört ohnehin zu den erfolgreichsten alpinen Para-Ski-Athletinnen aus schwarz-rot-goldener Sicht. So erkämpfte die Bajuwarin bereits fünfmal Gold  2014 in Sotschi und einmal Bronze 2010 in Vancouver.  Bei den IPC-WM zwischen 2011 und 2017 stehen insgesamt neunmal Gold, siebenmal Silber und dreimal Bronze auf ihrer Haben-Seite. In Pyeongchang 2018 möchte die Lehramts-Studentin der LMU München natürlich wieder maximale Erfolge erreichen.

Abfahrtsläuferin Andrea Rothfuss (Jahrgang 1989) gewann in der Startklasse der Damen stehend Silber. Damit führt auch die Athletin des VSG Mitteltal ihre Erfolgsserie weiter. Bei den Para-WM von 2009 bis 2017 erlief sie sich insgesamt neunzehn Medaillen, darunter dreimal Gold. Bei den Winter-Paralympics 2006, 2010 und 2014 errang Rothfuss acht Medaillen, darunter Slalom-Gold in Sotschi.

Ohnehin waren die deutschen Alpinen bei den Winter-Paralympics seit 1976 bestens dabei. Bereits bei den ersten Spielen in Örnsköldsvik schafften sie achtmal Gold, siebenmal Silber, zweimal Bronze. Die Goldenen von 1976 errangen Petra Merkott (drei), Annemie Schneider (drei), Hans Strasser (eine) und Ulli Helmbold (eine). Die alpine Bilanz von 1976 bis 2014 imponiert: 192 Medaillen, darunter 81 x Gold, 54 x Silber, 57 x Bronze.

 

Von den Winter-Paralympics zum paralympischen Judo-Sport – Ramona Brussig im Blickpunkt

Ramona Brussig Foto: Wolfgang Gross

Eine Sportlerin aus M-V, die das (sommer-)paralympische Ambiente bestens kennt, ist die Judoka Ramona Brussig (Jahrgang 1977) vom PSV Schwerin. Dabei stehen ihr Erfolge wie Edelmetall 2004 in Athen (Gold), 2008 in Peking (Silber), 2012 in London (Gold) und 2016 in Rio (Silber) zu Buche. Eine ähnliche Bilanz hat ihre Zwillingsschwester Carmen. Sie gewann 2008 Bronze, 2012 Gold und 2016 Silber. Beide streben nun auch einen Start bei den Judo-Wettkämpfen 2020 in Tokyo an. Für einen Trainingsaufenthalt weilten die sehbehinderten Schwestern kürzlich bereits in der japanischen Metropole.

INTERVIEW

Ramona Brussig über ihr Interesse an den Winter-Paralympics, ihr Trainingslager in Japan, weitere Zielstellungen und Ambitionen von ihr und ihrer Zwillingsschwester Carmen sowie ihren Ausgleich zum Leistungssport

„Würden sehr gern die Quali für Tokyo 2020 schaffen…“

Frage: Zurzeit finden die Winter-Paralympics in Pyeongchang statt… Werden da auch paralympische Gefühle in Ihnen wach? Verfolgen Sie ein wenig das winter-paralympische Geschehen? Welche Sportarten interessieren Sie besonders?

Ramona Brussig: Ich verfolge natürlich die Winterspiele. Allerdings habe ich keine besondere Vorliebe. Ich werde das Geschehen in allen Sportarten verfolgen, sofern es meine Zeit erlaubt. Ich drücke den deutschen Athletinnen und Athleten jedenfalls fest die Daumen.

Frage: Ihre Schwester Carmen und Sie sind auf dem Weg zu den Paralympics 2020 in Tokyo… Dort waren Sie kürzlich zu einem Trainingsaufenthalt. Wie verlief dieser? Wie war das ganze Drumherum?

Ramona Brussig: Carmen und ich waren fünfeinhalb Monate in Tsukuba. Wir wollten frische Luft atmen. Eine Veränderung nach so vielen Jahren tat uns daher sehr gut. Unsere Arbeitgeber standen bei unserem Vorhaben hinter uns, was uns natürlich wichtig war. Die Entscheidung nach Tsukuba zu gehen, war resümierend betrachtet richtig. Wir hatten eine Top-Unterstützung der japanischen Sehgeschädigten-Nationalmannschaft und durften an allen Lehrgangsmaßnahmen teilnehmen.

Auch in Tsukuba sind wir herzlich aufgenommen worden. Das Training war sehr intensiv und lang. Anders als in Deutschland sind die Trainingseinheiten allerdings sehr monoton, aber körperlich äußerst anstrengend.

Frage: Welche sportlichen Zielstellungen haben Sie für 2018 und darüber hinaus?

Ramona Brussig: Ich habe im April einen World-Cup in Antalya, dort teste ich mich aus. Die ersten wichtigen Punkte für Tokio 2020 werden erst im Oktober zum World-Cup in Abu-Dhabi gesammelt. Einen Monat steht dann die WM in Portugal auf dem Programm. Carmen und ich würden sehr gern die Qualifikation für die Paralympics 2020 in Tokyo schaffen – das wäre ein schöner Abschluss unserer sportlichen Karriere. Es wird ein schwerer Weg werden, wobei wir uns sagen, dass wir bereits sportlich alles erreicht haben. Klappt es nicht, verabschieden wir uns vorher.

Letzte Frage: Was ist Ihr Ausgleich zum Judosport?

Ramona Brussig: Es ist kaum Zeit für einen Ausgleich. Ich gehe arbeiten und eben viel trainieren. Zwischendurch versuche ich, das erlernte Japanisch zu behalten. Ich gehe gerne shoppen und halte Kontakt zu Freunden. Ich hänge aber auch gerne auf dem Sofa ab.

Vielen Dank, dann ein erfolgreiches 2018er Wettkampf-Jahr und mit Blickrichtung Tokyo 2020 ein „großes Daumen drücken“!

Marko Michels

 

Zurück nach Pyeongchang

vorläufiger Medailenspiegel: Nach dem ersten zwölf Entscheidungen der Winter-Paralympics 2018 waren die USA (fünf Medaillen, darunter dreimal Gold), die Ukraine (fünf Medaillen, darunter einmal Gold), Russland (drei Medaillen, darunter zweimal Gold) und Frankreich (drei Medaillen, darunter zweimal Gold) am erfolgreichsten.