Italien am erfolgreichsten

Alles hat bekanntlich ein Ende. So auch die „World Games“ in Cali, die neunten nach Santa Clara 1981, London 1985, Karlsruhe 1989, Den Haag 1993, Lahti 1997, Akita 2001, Duisburg 2009 und Kaohsiung 2009.

Die Weltspiele in den nicht-olympischen Sportarten in Cali begeisterten zwischen 25.Juli und 4.August die Sportfans in aller Welt. Zahlreiche Wettkämpfe, 202 Entscheidungen in 36 Sportarten, standen an den 11 Wettkampftagen auf dem Programm.

Italien – erfolgreichste Nation bei den „World Games“ 2013

Nach Abschluss der sportlichen Wettbewerbe konnte – im Hinblick auf das offizielle Programm – Italien mit 18 x Gold, 13 x Silber, 18 x Bronze vor Russland mit 17 x Gold, 23 x Silber, 13 x Bronze, Frankreich mit 16 x Gold, 11 x Silber, 13 x Bronze, Deutschland mit 15 x Gold, 7 x Silber, 8 x Bronze und China mit 14 x Gold, 6 x Silber, 2 x Bronze den Medaillenspiegel gewinnen.

Bei den Demonstrations- bzw. Einladungssportarten waren Ungarn mit 12 Medaillen, davon 5 x Gold, China mit 7 Medaillen, davon 5 x Gold und der Iran mit 4 x Gold besonders erfolgreich. Deutschland kam hier auf 1 x Gold, 2 x Bronze.

Die deutschen Athletinnen und Athleten erkämpften in Cali 15 Goldmedaillen, wobei die Konkurrenz – rund 3000 Athletinnen und Athleten aus 98 Staaten – sehr stark war.

Deutsche Erfolge und Goldmedaillen „Made in M-V“

Gerade die Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmer waren aus deutscher Sicht sehr erfolgreich. Insgesamt gab es für diese 5 x Gold, 2 x Silber, 2 x Bronze in Cali. Auch zwei Vorpommern, Christian Ertel und Danny Wieck von der DLRG Stralsund, waren am Medaillen-Reigen aus deutscher Sicht beteiligt.

Im Wettbewerb „Life Saving Manikin Relay 4 x 25 m“ waren neben Marcel Hassemeier sowie Anil Sezen auch die beiden Stralsunder am Gold-Erfolg beteiligt. Dazu gab es Gold für Christian und Danny, zusammen mit Adrian Flügel sowie Marcel Hassemeier, in der Entscheidung „Life Saving Obstacle Relay 4 x 50 m“.

Des Weiteren belegten die Zwei, zusammen mit Adrian Flügel, Marcel Hassemeier sowie Anil Sezen, den Silber-Rang im Wettkampf „Life Saving Medley Relay 4 x 50 m“. Aus deutscher Sicht erkämpfte Marcel Hassemeier noch zweimal Gold in Einzel-Entscheidungen und Gold errangen auch Laura Ernicke, Stephanie Kasperski, Anke Palm und Julia Schatz in der Entscheidung „Life Saving Manikin 4 x 25 m“.

Zwischen Rettungsschwimmen, Kanu-Marathon und Flossenschwimmen

Großen Jubel im deutschen Team entfachten auch die beiden Goldmedaillen von Max Lauschus vom TSC Rostock 1957, der über 200 Meter und 400 Meter Flossenschwimmen siegreich war.

Aus M-V-Sicht belegte Jan Bast (SV Motor Barth) zudem einen hervorragenden sechsten Platz im Kraftdreikampf (Gewichtsklasse: Schwergewicht).

Gold erkämpfte auch Jonathan Werner Horne im Karate-Sport: im Kumite in der Gewichtsklasse über 84 Kilogramm.

Tänzerisch hatte die deutsche „World Games“-Mannschaft 2013 ebenfalls goldene Momente. Das Paar Benedetto Ferrugia/Claudia Köhler siegte bei den Standard-Tänzen. Im Kanu-Polo waren sowohl die deutschen Herren als auch die deutschen Damen die Nummer eins. Im Faustball setzten sich die deutschen Herren durch. Last but not least: Yul Oeltze erkämpfte außerdem Gold im Kanu-Marathon, das in Cali zu den Demonstrationssportarten gehörte.

Das Ju-Jutsu-Turnier im Blick

Zu den deutschen Erfolgssportarten bei den neunten „World Games“ 2013 gehören aus deutschen Blickwinkel ebenfalls die 13 Entscheidungen im Ju-Jutsu, die am 29. und 30.Juli stattfanden. Bestes Team wurde nämlich Deutschland  mit 3 x Gold, 2 x Bronze. So siegten Dries Beyer/Raphael Rochner im Duo (Herren), Tom Ismer/Dominika Zagorski im Duo (Mixed) und Mandy Sonnemann in der Gewichtsklasse bis 55 Kilogramm. Bronze erkämpften Manuela Lukas in der Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm und Carina Neupert in der Gewichtsklasse bis 62 Kilogramm. Wie beliebt Ju-Jutsu global betrachtet ist, beweist die Tatsache, dass 17 Länder in Cali Medaillen errangen, davon 8 Länder eine oder mehrere Goldmedaillen.

Interview mit Dr. Sabine Felser (Rostock)

Wie beurteilt nun die „World Games“-Siegerin im Ju-Jutsu von 2005, Dr. Sabine Felser, die Ergebnisse bei den „World Games“ 2013 in Cali, speziell im Ju-Jutsu?!

Dr. S.Felser über die Ju-Jutsu-Wettkämpfe bei den „World Games“, die großartigen Leistungen der Athletinnen und Athleten in Cali und die Bedeutung der „World Games“ allgemein

„Ein wenig Aufmerksamkeit für die Athletinnen und Athleten bei den `World Games` ist das Mindeste …“

Wie beurteilt nun die „World Games“-Siegerin von 2005, Dr. Sabine Felser, die Ergebnisse im Ju-Jutsu bei den „World Games“ 2013 in Cali?!

Frage: Sabine, die Wettkämpfe bei den „World Games“ 2013 im Ju-Jutsu sind schon wieder Sportgeschichte. Wie lautet Dein Resümee zu den deutschen Resultaten?

Dr. Sabine Felser: Einfach absolute Spitzenklasse! Sechs besetzte Wettkampfklassen, fünf erkämpfte Medaillen, davon drei Goldene. Damit hat der DJJV (Deutsche Ju-Jutsu-Verband) wieder einmal voll und ganz überzeugt.

Es gibt nicht viele deutsche Spitzensportverbände die erfolgreicher sind als die Ju-Jutsuka. Alle gestarteten Athleten und Athletinnen überzeugten und auch die Kämpfer, die nicht ganz oben auf dem Treppchen standen, haben super gefightet und meist nur sehr knapp verloren.

Frage: Siebzehn Länder holten in Cali Ju-Jutsu-Medaillen … Wie bewertest Du die Ju-Jutsu-Resultate aus internationalem Blickwinkel? Gab es für Dich in Cali Überraschungen?

Dr. Sabine Felser: Im Fighting und Duo gab es für mich keine all zu großen Überraschungen. Nach wie vor dominieren die europäischen Kämpfer, vor allem die Deutschen, Dänen, Polen, Russen und Franzosen.

Da sich die Sportler über die Weltrangliste qualifizieren müssen, starten bei den „World Games“ nur die besten Kämpfer der letzten Jahre, damit sind große Überraschungen fast ausgeschlossen.

Die Kämpfe im „Ne-Waza“ habe ich nicht verfolgt, deswegen kann ich hier nichts dazu sagen. Aber, dass so viele Länder Medaillen gewannen, liegt unter anderem auch daran, dass eine Nation maximal sechs Klassen besetzten darf, auch wenn sich mehr Kämpfer qualifiziert haben.

Somit rutschen dann Kämpfer anderer Nationen nach und bekommen ihre Chance. Aber die Ergebnisse zeigen auch, dass andere Länder kämpferisch aufholen und Ju-Jutsu jetzt wirklich international ist.

Vor einigen Jahren wurden die Medaillen innerhalb Europas verteilt, allen voran Frankreich, Deutschland, Niederlande – und nun haben die Franzosen bei einem so wichtigen Turnier wie die „World Games“ keine einzige Goldmedaille gewinnen können. Soweit ich mich erinnere, gab es das noch nie. Das überrascht schon.

Frage: Aus Rostocker Sicht gewann der Flossenschwimmer Max Lauschus zwei Goldmedaillen. Die Stralsunder Rettungsschwimmer Christian Ertel und Danny Wieck erkämpften zweimal Gold und einmal Silber.

Woanders gäbe es einen sachlichen „Hype“ angesichts dieser Erfolge – hierzulande spielt aber nach wie vor „König Fußball“, „Profi-Boxen“ und Motorsport die Hauptrolle. Welchen Wert hat aus Deiner persönlichen Sicht ein Erfolg bei den „World Games“?

Dr. Sabine Felser: Für den Sportler, der bei den „World Games“ an den Start geht und gewinnt, bedeutet dieser Sieg alles – ähnlich einem Sportler, der Olympiasieger wird.

Es ist der Höhepunkt, das größte bzw. bedeutendste Turnier für einen Sportler einer nichtolympischen Sportart. Auch die „World Games“ finden nur alle vier Jahre statt, aber wer weiß dieses schon?

Ich kann die Medien nicht verstehen, es sind so viele geniale Sportarten bei den „World Games“, wo es richtig Spaß macht, zuzuschauen, zum Beispiel die nichtolympischen Disziplinen der Rhythmischen Sportgymnastik, Trampolinspringen oder auch Duathlon und Frisbee.

Gerade die öffentlich-rechtlichen Sender sind in meinen Augen in der Pflicht, ein breit gefächertes Angebot auszustrahlen sowie auch Sportlerinnen und Sportler dieser Sportarten zu zeigen.

Man darf nicht vergessen, dass auch in nichtolympischen Sportarten die Konkurrenz groß ist und diese Sportler viele Stunden pro Woche trainieren. In meiner Magisterarbeit 2004 habe ich unter anderem  eine Befragung deutscher Ju-Jutsuka zum Trainingsumfang durchgeführt. Die A-Kaderathleten trainierten in der Phase der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung im Durchschnitt 15,5 Stunden (Frauen) bzw. 18 Stunden (Männer) pro Woche und das ohne Sportförderung und große Sponsoren.

Im Gegensatz zu Medaillengewinnern der Olympischen Spiele bekommen „World Games“-Siegerinnen und –Sieger  keine horrenden Siegprämien… Und ein wenig Aufmerksamkeit und Anerkennung sind das Mindeste, was diese Sportler erfahren sollten. Aber in diesen Punkt hat sich im Vergleich zu 2005 wohl nicht viel geändert.

Ich gratuliere allen Medaillengewinnern aus M-V zu ihren tollen Erfolgen!

Vielen Dank und weiterhin bestes Engagement für den Ju-Jutsu-Sport und alles erdenklich Gute beruflich und persönlich!

Marko Michels