Nachgefragt beim ehemaligen Säbel-Fechter Gerd May

Vom 19. bis 26. Juli finden die diesjährigen Fecht-WM in Leipzig statt. Nach der Medaillen-Flaute bei Olympia 2016 in Rio hoffen die deutschen Fechterinnen und Fechter nun wieder auf Edelmetall.

Heute vor 37 Jahren sorgten zwei Mecklenburger für einige positive Schlagzeilen bei den Spielen in Moskau. Der gebürtige Rostocker Gerd May (Jahrgang 1953) war 1980 Mitglied des DDR-Säbel-Teams, das Platz sechs belegte. Ebenfalls dabei war Hartmuth Behrens, der 1951 in Dömitz-Rütergerg geboren wurde.  Mit dem DDR-Florett-Team erkämpfte dieser Rang vier.

Was macht Gerd May heute? Welche Erinnerungen hat er an Moskau 1980? Nachgefragt…

„Olympia war auch für mich der Höhepunkt!“

Frage: Herr May, so kurz vor den WM in Leipzig: Wie beurteilen Sie die Medaillen-Chancen des deutschen Teams? Mit wem rechnen Sie im Säbel-Fechten?

Gerd May: Es ist für mich eher schwierig, eine Prognose für das deutsche Fecht-Team zu den WM in Leipzig abzugeben, dazu bin ich vom aktiven Sportgeschehen zu weit weg. Mein Tipp wäre je eine Medaille in den Entscheidungen im Säbel-Einzel und mit der Säbel-Mannschaft, jeweils bei den Herren und vielleicht noch eine Medaille im Herren-Florett- Einzel.

Frage: Wie kamen Sie eigentlich zum Fechtsport? Gibt es heute noch Kontakte nach und zu M-V?

Gerd May: Der Grund ist eigentlich simpel und  war der kurzen räumlichen Distanz zwischen eigenem Kinderzimmer und Fechthalle geschuldet… Das Fechten erlernte ich ja in Greifswald, wobei sich die Trainingshalle genau in der Strasse befand, in der ich wohnte, so dass die meisten Kinder unserer Strasse im Fechtverein waren.

Im Jahr 1967 wurde ich dann als einziger „ Südschwede“ nach Berlin an die Kinder- und Jugendsportschule delegiert  und dort nahm dann mit Beginn der 8.Klasse meine fechtsportliche Entwicklung ihren weiteren Verlauf. Mein Klubtrainer war Horst Dumke, der gleichzeitig auch als unser Nationalmannschaftstrainer fungierte.

Nach einigen nationalen Erfolgen und Einsätzen in der Nationalmannschaft mit guten Resultaten, so wurde ich 1977 mit dem Säbel DDR-Meister und nicht zuletzt dreifacher Gewinner des Internationalen Dynamo-Cups,  beendete ich 1981 meine aktive Zeit, war bis 1987 Verbandstrainer für den Nachwuchs im Fechtverband der DDR. Folgend wechselte ich aus privaten Gründen in die Volksbildung als Sportlehrer an eine Berliner Berufsschule, an der  ich bis heute als Sportlehrer und Sozialkundelehrer tätig bin.

Aktuelle Kontakte zu M-V bestehen, da Greifswald meine Heimatstadt geblieben ist. Ich besuche mindestens ein- bzw. zweimal im Jahr meine dortige Verwandtschaft, vergesse nie den „obligatorischen Stadtrundgang“,  unternehme stets einen Ausflug in mein „Eldorado“, das Fischerdorf Wieck und lasse „die Seele baumeln“.

Frage: Sind Sie dem Fechtsport noch auf irgendeine Weise „treu“ geblieben?

Foto (Fecht-Abteilung des PSV Berlin): Fecht-Aktive des PSV Berlin, ganz rechts Trainer Gerd May, ganz links Trainer Horst Dumke.

Gerd May: Seit circa sechs Jahren bin ich ehrenamtlich beim PSV Berlin in Marzahn als Trainer im Säbel-Bereich tätig und betreue eine Säbel-Gruppe von bis zu 15 Sportlern im Alter von 10 Jahren bis 60 Jahren – eine wirklich coole Truppe.

Dazu ist bei uns auch Deutschlands bester Säbel-Rollifechter, Steffen Nordmann, im Verein aktiv, der vorher Mitglied bei Makabbi  Rostock war. Er wird dabei trainiert – und jetzt der Clou – von Horst Dumke, meinem früheren Trainer. So schließt sich der Kreis im Leben.

Frage: Und zur WM nach Leipzig reisen Sie auch?

Gerd May: Am 21. Juli fahre ich mit einigen Mitgliedern meiner Säbel-Gruppe nach Leipzig um uns die Entscheidung im Wettbewerb „Herren-Säbel“ anzuschauen.

Letzte Frage zum eigenen Olympia-Erleben: Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Moskau 1980?

Gerd May: Unsere damalige Teilnahme an den Olympischen Spielen 1980 in Moskau war natürlich der Top-Höhepunkt für uns Fechter, die im DDR Leistungssport ja längst nicht so gefördert wurden wie die etablierten Sportarten Leichtathletik, Schwimmen, Rudern, Radsport oder die Wintersportarten…

Insofern war das Abschneiden für damalige Verhältnisse okay. Und die Teilnahme an Olympischen Spielen ist und bleibt letztendlich für jede Sportlerin und für jeden Sportler immer d e r Höhepunkt in der Karriere, so auch für mich!

Vielen Dank und weiterhin maximale Erfolge!

 

Neben Gerd May und Hartmuth Behrens gab es noch weitere Olympiateilnehmer aus MV. Eckhard Mannischeff (geb. 1943 in Wismar) kämpfte 1972 mit dem Degen für die DDR. Der Neustrelitzer Reinhard Münster war im selben Jahr dabei, startete allerdings mit der dänischen Mannschaft. Inoffiziell sprang für ihn eine Top-Ten-Platzierung heraus. Mit dem Degen auf der olympischen Planche aktiv war 1968 und 1972 Bernd Uhlig (geb. 1942 in Wiek auf Rügen). Im DDR-Team kam er ’68 auf Rang fünf. Und ’72 zusammen mit Eckhard Mannischeff inoffiziell auf Rang 10. Seine Heimat in Seehof bei Schwerin hatte Franz Rompza (geb 1934). Der Degenfechter glänzte 1964 und 1968 bei Olympia. Mit dem Team wurde es für ihn erst Platz 6, vier Jahre später dann Platz vier.

 


Rückblick

Das Olympische Fecht-Turnier 1980

1980 nahmen in Moskau 182 Fecht-Sportlerinnen und -Sportler aus 20 Ländern teil, wobei Ungarn, Polen und Rumänien mit jeweils 18 Fechterinnen und Fechtern die zahlenmäßig stärksten Aufgebote stellten. Die meisten Medaillen gewannen die Sowjetunion (achtmal Edelmetall, darunter dreimal Gold) und Frankreich (sechsmal Edelmetall, darunter viermal Gold).

Die Goldmedaillen erkämpften im Säbel-Fechten Wladimir Krowopuskow (Sowjetunion/Einzel) und die sowjetische Mannschaft. Im Florett-Fechten der Frauen holte Pascale Trinquet (Frankreich) jeweils Gold im Einzel und mit der Mannschaft. Die französischen Florett-Herren gewannen ebenfalls Team-Gold. Im Einzel der Herren belegte Wladimir Smirnow (Sowjetunion) den ersten Rang. Im Degen-Fechten der Herren triumphierten Johan Harmenberg aus Schweden im Einzel und die französische Mannschaft im Team-Wettbewerb.


 

Marko Michels