SSC-Leichtathlet Luca Meinke über seine sportliche Leidenschaft und berufliche Ambitionen

Luca Meinke vom Schweriner SC will hoch hinaus. Und ganau darin ist der Schützling von Hochsprunglegende Gerd Wessig richtig gut. Im letzten Jahr sprang der 19-Jährige persönliche Bestleistung (2,21 m) bei der Junioren-WM. Zwar verpasste er nur knapp eine Medaille, allerdings überbot er damit den 40 Jahre alten U20-Landesrekord seines Trainers. Promt folgte die Auszeichnung zum Sportler des Jahres 2018 am Schweriner Sportgymnasium.

Luca Meinke aus Schwerin beim Pfingstmeeting in Zeven. FOTO: © Jens Zschiesche

Luca Meinke beim Pfingstmeeting in Zeven. FOTO: © Jens Zschiesche

Interview

Luca, 2018 war ein sportlich sehr erfolgreiches Jahr für dich. Dein persönliches Resümee?

Luca Meinke: Die Saison 2018 war unglaublich! Nachdem ich acht Monate gar nicht trainieren konnte, da ich mir im Juni 2017 den Arm so gebrochen hatte, dass ich mehrfach operiert werden musste, war es gewissermaßen ein Wunder, dass ich nach nur circa vier Monaten Training so gut in die Saison fand und tatsächlich mit zur Junioren-WM 2019 nach Tampere fahren konnte. Als dort dann auch noch der vierzig Jahre alte Landesrekord meiner Altersklasse, der noch von meinem Trainer Gerd Wessig stammt, fiel und ich mit 2,21 Meter Fünfter wurde, war das einfach nur krass.

Ich bin auf jeden Fall mega stolz und dankbar für die Unterstützung von Seiten meines Trainers, meiner Familie, meiner Freundin und meinen Freunden!

Und die Wintersaison?

Eine Wintersaison 2018/19 hatte ich leider nicht, weil ich mir kurz vor Weihnachten das Außenband in meinem Sprungfuß im Training angerissen hatte.

Wie sehen da deine Ambitionen für die diesjährige Freiluft-Saison aus?

Nach der Verletzung freue ich mich erst einmal wieder auf das Springen aus vollem Anlauf! Aber natürlich ist auch dieses Jahr wieder das Ziel, an einer internationalen Meisterschaft, speziell an der U 23-Europameisterschaft in Gävle teilzunehmen. Und natürlich werde ich auch bei den Deutschen Meisterschaften wieder angreifen, um mit um den Titel zu kämpfen.

Was fasziniert dich eigentlich am Hochsprung? Wann hattest du dich für das Hochspringen entschieden?

Schweriner Hochsprungtalent Luca Meinke - FOTO: Marko Michels

Luca Meinke – FOTO: Marko Michels

Am Hochspringen fasziniert mich tatsächlich irgendwie alles. Die Bewegung ist elegant, obwohl die wirkenden Kräfte brutal sind. Alles muss perfekt aufeinander abgestimmt sein, aber lässt bei leichten Abweichungen, zum Beispiel beim Anlauf, immer noch Spiel für Improvisation. Anders als unter anderem im Weitsprung, wo der Sprung dann direkt ungültig ist… Und natürlich fasziniert mich beim Hochsprung auch das Gefühl vom Fliegen! Wenn man das einmal so richtig erlebt hat, dann ist das wie eine Sucht!

Meine Entscheidung mich auf Hochsprung zu spezialisieren fiel 2015, als mich Herr Wessig fragte, ob ich nicht ab und zu bei ihm trainieren möchte, da er sah, dass ich Talent für das habe, was ich mache. Das hat mir in dem Augenblick natürlich erst einmal die Sprache verschlagen, aber auch die Entscheidung sehr, sehr leicht gemacht, welche Disziplin es denn werden soll, die ich zukünftig intensiver trainiere.

Wie sieht Dein Leben ohne Hochsprung aus? Anderen Sportarten, Hobbys? Welche beruflichen Ziele hast du?

Mein Leben ohne Hochsprung… Das klingt irgendwie merkwürdig, weil Hochsprung schon auch mein Leben ist. Aber ich weiß, wie Sie das meinen! Natürlich dreht sich mein gesamtes Leben um den Sport, aber wenn ich dann doch einmal einen Ausgleich brauche, dann widme ich mich kreativen Dingen, wie Musik oder der Fotografie bzw. dem Filmen! Mit diesen Dingen beschäftige ich mich tatsächlich schon recht lange und so kam es auch, dass ich mir vor circa anderthalb Jahren eine Video-Drohne kaufte, um nicht nur Aufnahmen und Kamera-Fahrten am Boden, sondern auch aus der Luft machen zu können!

Ich finde das einfach unglaublich beeindruckend, wenn man Dinge ebenfalls aus einer Perspektive vor die Linse bekommt, die man nicht alle Tage sieht! Deswegen ist meine Drohne mittlerweile tatsächlich sogar mein Lieblings-„Spielzeug“ beim Fotografieren und Filmen!

Ob das irgendwann nach dem Sport mein Beruf wird, steht jedoch noch in den Sternen. Zuerst möchte ich mich nämlich voll und ganz auf den Sport konzentrieren und irgendwann, wenn ich genau weiß, was ich mein Leben lang GERNE machen möchte, wird die Entscheidung fallen. Wichtig ist mir auf jeden Fall, dass ich in meiner Arbeit später aufgehe und mich nicht zwingen muss, morgens aufzustehen, um zur Arbeit zu gehen. Natürlich wünscht sich das jeder und eventuell klingt das wie eine utopische Vorstellung…

Ich denke jedoch, dass sich heutzutage keiner in einen Beruf zwingen muss, der ihm nicht erfüllt. Solange er bereit ist, wirklich alles dafür zu geben, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen!

Vielen Dank und weiterhin maximale Erfolge!

Das Interview führte Marko Michels

EXKURS

Goldene Olympiamomente für Deutschlands Hochspringer

1972 triumphierte Ulrike Meyfarth bei den Olympischen Spielen in München, mit gerade einmal sechzehn Jahren.  Zwölf Jahre später wiederholte sie ihren Olympiasieg in Los Angeles. Olympisches Gold holten auch Rosemarie Ackermann 1976 in Montreal, Gerd Wessig (SC Traktor Schwerin) 1980 in Moskau und Dietmar Mögenburg in 1984 Los Angeles (wie eben auch Ulrike Meyfarth). Die bislang letzte Goldene holte Heike Henkel 1992 in Barcelona.