Die Winterspiele von 1924 und die Winter-Universiade von 1960 in der Rückblende

Olympische Ringe (in Berlin). Michels

28 Jahre, nachdem es die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 in Athen gegeben hatte, durften auch die Wintersport-Asse unter den fünf olympischen Ringen starten: 1924 in Chamonix.

Erst „im Nachgang“ olympisch

Dabei galt das Ganze zunächst offiziell als eine „Wintersportwoche“ mit internationalem Charakter, ehe das Internationale Olympische Komitee 1926 den Entschluss fasste, „im Nachgang“ das wintersportliche Geschehen in Chamonix als erste Olympische Winterspiele zu bezeichnen.

Alles überschaubar

Nicht einmal 300 Sportler (294, darunter „sage und schreibe“ nur 13 Frauen) aus 16 Nationen starteten in Chamonix und die Wettkämpfe waren äußerst überschaubar – gerade einmal 14 Gold-Entscheidungen im Nordischen Skisport, im Eisschnelllaufen, im Eiskunstlaufen, im Bobfahren und im Eishockey standen im Programm. Dazu noch Curling als Demonstrationssportart, das aber im Jahr 2006 vom IOC – ebenfalls „im Nachgang“ – als offizielle Wettkampfsportart 1924 anerkannt wurde.

Außerdem stand ein Team-Wettkampf im Militärpatrouillenlauf als weitere Demonstrationssportart auf der Wettkampf-Agenda, der von den Schweizern gewonnen wurde. Die besondere Goldmedaille im Bergsteigen – auch diese Auszeichnung wurde in das Wettkampf-Geschehen in Chamonix 1924 integriert – erhielt Charles Bruce aus Großbritannien, der 1922 versucht hatte, den Mount Everest zu erklimmen.

Eiskunstläufer und Eishockey-Cracks 1924 bereits „olympia-erfahren“

Zum dritten Mal – nach den Entscheidungen bereits bei den Sommerspielen 1908 in London bzw. 1920 in Antwerpen – war Eiskunstlaufen 1924 „olympisch“. Die Eishockey-Cracks hatten ebenfalls bei den Sommerspielen bereits einen Champion gekürt – 1920 in Antwerpen. Kanada holte dabei 1924 im Eishockey wieder Gold – wie der Schwede Gillis Grafström im Herren-Eiskunstlauf. Österreich war ebenfalls im Eiskunstlaufen bestens dabei mit zweimal Gold (durch Herma Planck bei den Frauen bzw. Helena Engelmann/Alfred Berger im Paarlaufen sowie Silber durch Willy Böckl bei den Herren).

Eine Potsdamerin mit Silber 1924

Die gebürtige Potsdamerin Ludowika Eilers, verheiratete Jakobsson, schaffte mit ihrem finnischen Ehemann Walter nach Gold 1920 nun Silber 1924 – für Finnland. Deutschland war in Chamonix im Winter 1924 noch unerwünscht, ähnlich wie 1920 in Antwerpen und dann bei den Sommerspielen 1924 in Paris – als maßgeblicher Verursacher des ersten Weltkrieges…

Thorleif Haug und Clas Thunberg überragend

Die großen sportlichen Akzente setzten also andere, wie der Norweger Thorleif Haug mit drei Goldenen im Nordischen Skisport (18 Kilometer Langlauf, 50 Kilometer Langlauf, Nordische Kombination), die Finnen mit vier Goldmedaillen im Eisschnelllaufen (durch Clas Thunberg über 1500 Meter, 5000 Meter bzw. im Mehrkampf und durch Julius Skutnabb über 10000 Meter) oder das Bob-Team Schweiz II des Bobpiloten Edouard Scherrer.

Jubeln durfte auch der US-Amerikaner Charles Jewtraw über Gold im Eisschnelllaufen über 500 Meter und der Skispringer Jacob Tullin Thams aus Norwegen über seine Goldene. Den ersten Rang im Curling-Herren-Turnier erkämpfte das britische Team um Laurence Jackson.

Norwegen und Finnland am besten

Letztendlich waren Norwegen (17 Medaillen, darunter 4 x Gold) und Finnland (10 Medaillen, darunter 4 x Gold, plus eine weitere Medaille in der Demonstrationssportart Militärpatrouillenlauf) die besten Mannschaften in Chamonix 1924, dass die „Winter-Spiele“ elf Tage – vom 25.1.1924 bis 4.2.1924 – präsentierte.

In Mecklenburg nahm man nur sehr begrenzt Notiz von der Wintersport-Veranstaltung in Chamonix, in Schwerin wurde damals die Gründung des „Schweriner Motorrad-Clubs von 1924“ vorbereitet…

Resümierend lässt sich zu Chamonix 1924 sagen: Alles war damals noch etliche winterolympische Nummern kleiner als heute, aber der olympische Geist von 1924 war um einiges größer als „anno“ 2018…

Von den ersten Olympischen Winterspielen 1924 zur ersten Winter-Universiade 1960

Chamonix war nicht nur der Austragungsort der ersten Olympischen Winterspiele, nein, im traditionsreichen Ski-Ort gab es 36 Jahre später, 1960, auch die erste Winter-Universiade, die ersten Winter-Weltspiele im Studentensport.

Vom 28.Februar bis 6.März 1960 wetteiferten seinerzeit 145 Athletinnen sowie Athleten aus 16 Ländern in fünf Sportarten/Sportdisziplinen um Siege und Medaillen, wobei die französischen Gastgeberinnen bzw. Gastgeber am Ende mit 4 x Gold, 2 x Silber, 1 x Bronze vor der Sowjetunion mit 3 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze das damalige Medaillen-Ranking gewannen.

Die Französin Marie-José Dusonchet war damals die „Gold-Marie“, die im alpinen Skisport die Abfahrt und die Kombination für sich entschied und dazu Silber im Slalom erkämpfte. Die Entscheidungen in den Skilanglauf-Staffeln der Damen und Herren waren hingegen eine Angelegenheit für die UdSSR. Und im Eiskunstlaufen brillierten vor 58 Jahren Alain Calmat (Frankreich) und Jitka Hlavackova (Tschechoslowakei).

… Tja, wäre klasse, wenn Winterspiele wieder einmal an traditionsreichen Wintersportorten stattfinden könnten und nicht nur wintersportive Retorten-Städte geschaffen werden, um „neue Märkte“ für Wintersportartikel zu erschließen. Da mag dann der „olympische Rubel klingeln“, aber der Sport, die olympischen Ideale bleiben auf der Strecke oder Loipe…

Marko Michels