Dann eben Tokyo 2020!

Nachgefragt bei der gebĂŒrtigen Wittenberger SportschĂŒtzin Stefanie Thurmann

Der olympische Countdown lĂ€uft auch fĂŒr die SportschĂŒtzinnen und SportschĂŒtzen aus aller Welt. In zweieinhalb Wochen starten die 31.Olympischen Spiele in Rio. Dort werden zwischen dem 6.August und 14.August 15 Entscheidungen im Sportschießen auf dem Programm stehen.

Eigentlich wollte dort auch eine SportschĂŒtzin dabei sein, die einst in Wittenberge (bis 1990 Bezirk Schwerin) zur Schule ging und bis 2004 der Wittenberger SchĂŒtzengilde von 1582 angehörte und bei nationalen wie internationalen WettkĂ€mpfen mit der Luftpistole und Sportpistole einige Erfolge feierte bzw. vordere Platzierungen belegte
 – Stefanie Thurmann, Jahrgang 1982, SchĂŒtzengilde Frankfurt an der Oder 1406 e.V. .

Nachgefragt bei Stefanie Thurmann

St.Thurmann ĂŒber ihre weiteren sportlichen Ziele, auch ohne Rio 2016, ĂŒber Olympia an sich, ihren Weg zum Sportschießen, ihr Leben neben dem Sport und baldige WettkĂ€mpfe

„Das große Ziel ist nun Tokyo 2020
“

Frage: Stefanie, die olympischen WettkĂ€mpfe im Sportschießen 2016 finden leider ohne Sie statt. Dennoch: Sie gehören seit Jahren zur Weltspitze mit der Luftpistole und Sportpistole. Welche sportlichen Ziele haben Sie nun – auch ohne Olympiastart in Rio


Stefanie Thurmann: Ich möchte noch einmal zu den Olympischen Spielen. Als großes Ziel steht also Tokio 2020. Bis dahin gibt es ein paar Zwischen-Ziele. Die Weltmeisterschaft 2018 und die Europaspiele 2019, jeweils mit Finalteilnahmen, mĂŒssen dann schon sein.

Frage: Olympische AtmosphÀre, olympische WettkÀmpfe konnten Sie dennoch bereits aktiv erleben, etwas, was sehr, sehr vielen Sportlern in ihrer Karriere versagt bleibt
 Wie war das seinerzeit, 2008 in Peking?

Stefanie Thurmann: Die Emotionen von den Olympischen Spielen lassen sich noch heute schwer fĂŒr mich in Worte fassen. Es war gigantisch, aufregend, emotional. Freude, Stolz, internationale Freundschaften, Frieden, Fairplay, Gemeinschaft – das und noch viel mehr empfinde ich mit dem Gedanken an Olympia, verbunden mit dem großen Wunsch, Bestleitung zum Höhepunkt zu schießen und siegen zu wollen.

Frage: Wann und wie gelangten Sie eigentlich zum Sportschießen? Wann sagten Sie sich: Das muß es sein


Stefanie Thurmann: Ich komme eigentlich vom Handball. Eines Tages habe ich meine Schwester vom Schießtraining abgeholt. Der dortige Trainer Jörg Dittmann sah mich und drĂŒckte mir sofort eine Luftpistole in die Hand. Ich hatte wohl Talent. Ich traf sofort und auch bei den  folgenden WettkĂ€mpfe stand ich immer wieder auf dem Treppchen.

Die Entscheidung Handball oder Schießen musste schnell getroffen werden, da WettkĂ€mpfe immer am Wochenende stattfinden und ich mich nicht „zerteilen“ konnte. Dass ich es war, die die Goldmedaillen in Empfang nehmen konnte, ganz allein gesiegt hatte, stĂ€rkte mein Selbstbewußtsein und war dann die Entscheidung fĂŒr das Sportschießen 1996.

Frage: Wie sieht Ihr Leben eigentlich neben dem Schießstand aus? Welche beruflichen Ziele haben Sie? Was sind Ihre Hobbys?

Stefanie Thurmann: Neben dem Schießstand bin ich Ehefrau und Mutter eines dreijĂ€hrigen Sohnes. Ich habe mich auf Trainerebene weiter qualifiziert und bin seit kurzem im Besitz der DOSB-Lizenz „Trainerin A Leitungssport“. Neben der sportlichen Laufbahn habe ich von 2008 bis 2014 ein Studium zur Diplom-MusikpĂ€dagogin (FH) absolviert. Zurzeit unterstĂŒtze ich die SchĂŒtzengilde Frankfurt (Oder) in meiner Freizeit im Nachwuchstraining und singe leidenschaftlich gern mit meinem Chor „Corona vokalis“.

Letzte Frage: Welche sportlichen WettkĂ€mpfe stehen ansonsten 2016 fĂŒr Sie noch auf der Agenda?

Stefanie Thurmann: Mein nĂ€chstes Ziel sind die Deutschen Meisterschaften am letzten August-Wochenende, bei denen ich an die guten Leistungen vom letzten Weltcup in Baku, bei dem ich in beiden olympischen Disziplinen das Finale der besten Acht erreichte, anknĂŒpfen möchte.

Vielen Dank, weiterhin bestes Engagement fĂŒr den Schießsport und maximale Erfolge – persönlich, beruflich und sportlich!

Exkurs: Erfolgreiche olympische SportschĂŒtzen „aus M-V“

Bekannte SportschĂŒtzen aus Mecklenburg und Vorpommern sind Axel Wegner, der 1963 in Demmin geboren wurde, belegte 1984 bei den WettkĂ€mpfen der Freundschaft, der Alternativ-Veranstaltung fĂŒr die SportschĂŒtzen, die aufgrund des Boykotts nicht an den Olympischen Spielen in Los Angeles teilnehmen durften, im Skeetschießen Platz eins und erkĂ€mpfte 1988 in Seoul bei den Olympischen Spielen Gold.

Uwe Potteck, der 1955 in Wittenberge zur Welt kam, das damals noch zum Bezirk Schwerin gehörte, wurde 1976 in Montreal Olympiasieger mit der Freien Pistole. Axel Wegner und Uwe Potteck sind nur zwei Erfolgsbeispiele von einigen aus unserer Region.

Denn: Norbert Klaar, 1954 in Wittenberge geboren, wurde außerdem 1976 Olympiasieger in der Disziplin „Olympisch Schnellfeuer“.

Marko Michels

 

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