Die frühere Rostocker Erfolgstrainerin im Wasserspringen, Monika Dietrich, über die Universiade-Wettkämpfe und eigene Aktivitäten

Anna Shyrykhay in Aktion. Foto: Monika Dietrich

Die beiden Rostocker Studentinnen Anna Shyrykhay und Saskia Oettinghaus zeigten bei den Wassersprung-Entscheidungen der Universiade in Neapel ihr Können. Zwar reichte es bei den Wettbewerben vom 2. bis 8. Juli bei starker Konkurrenz nicht zu Edelmetall, aber gute Platzierungen konnten dennoch erreicht werden.

Wie beurteilt die einstige Erfolgstrainerin des WSC Rostock, Monika Dietrich, die Wettbewerbe in der italienischen Metropole? Monika Dietrich über die Wassersprung-Konkurrenzen, die Resultate von Oettinghaus und Shyrykhay, frühere Universiade-Erfolge und ihren sportlichen „Unruhestand“

Interview

Die Wassersprung-Wettkämpfe der Universiade sind Geschichte. Wie beurteilen Sie die dortigen Ergebnisse?

Monika Dietrich: Die Universiade-Wettkämpfe lagen in diesem Jahr zeitlich ungünstig für die Top-Athleten im Wasserspringen. Diese bereiteten sich während der Zeit, in der die Universiade stattfand, auf die kommenden WM vom 12. bis 28. Juli in Gwangju (Korea) vor. Das betraf natürlich die Wasserspringer aller Nationen.

Insofern konnten die Springer der zweiten Reihe die Universiade-Wettkämpfe bestreiten. Das soll nicht despektierlich klingen, aber Fakt ist, die Weltspitze war nicht am Start.

Eine gute Gelegenheit für einige Springer, das Siegerpodest zu erklimmen. Gute Sprünge kann man, unabhängig von der Konkurrenz, immer dem Kampfgericht präsentieren. Die Chinesen taten das und kamen mit elf Goldmedaillen und vier Silbermedaillen in der Gesamtwertung auf Rang eins vor Mexiko und Russland.

Wie bewerten Sie die Leistungen des deutschen Wassersprung-Teams, insbesondere der beiden Rostockerinnen?

Monika Dietrich: Die Leistungen der deutschen Wasserspringer blieben sicher hinter ihren eigenen Erwartungen und denen der Trainer zurück. Lediglich Frithjof Seidel sprang in die Medaillen-Ränge. Er belegte Rang zwei im Wettbewerb vom Ein-Meter-Brett. Alexander Lube aus Aachen errang in diesem Wettkampf einen beachtlichen vierten Platz.

Die nächstbeste Platzierung (Rang fünf) schaffte Saskia Oettinghaus, die an der Uni Rostock studiert, im Synchronspringen vom Dreier zusammen mit Jana Lisa Rother. In den Einzeldisziplinen (Ein-Meter- und Drei-Meter-Brett) konnte Saskia leider nicht ins Finale einziehen. Für Anna Shyrykhay, ebenfalls aus Rostock, waren die Wettbewerbe jeweils nach dem Vorkampf beendet. Sie blieb deutlich unter ihrem Leistungsvermögen.

Dazu gab es noch zwei sechste Plätze. Einer ging an Jana Lisa vom Ein-Meter-Brett und den anderen erkämpften die Herren (Seidel/Herzog) im Synchronspringen vom Drei-Meter-Brett. Das Team Deutschland kam in der Medaillenwertung letztendlich auf Rang acht.

Das Resümee für Anna und Saskia: Für die Rostocker Mädchen lief es nicht optimal. Das betrifft nicht nur die Platzierung, sondern auch die Leistungen. Beide hatten sich im Vorfeld nicht auf eine anzustrebende Platzierung festgelegt, sondern wollten ihre besten Sprünge zeigen. Das ist ihnen leider nicht gelungen. Beide haben wesentlich mehr drauf!

Beiden muss man zugute halten, dass sie und die anderen Deutschen keine gute Vorbereitung hatten. Die Wettbewerbe fanden im Freibecken statt und in Deutschland kann man sich auf solche  Bedingungen bedauerlicherweise nicht vorbereiten. Eine Umstellung von der Halle ins Frei-Becken ist vor allem wegen der Sichtorientierung nicht so einfach.

Welchen Stellenwert haben aus Ihrer Sicht die Universiade-Wettbewerbe speziell im Wasserspringen?

Monika Dietrich: Die Universiade ist ein guter Beitrag, vielen Sportlern die Möglichkeit zu geben, Erfahrungen in Wettbewerben mit großer Teilnehmerzahl zu sammeln. Außerdem erhalten sie die Möglichkeit einen Wettkampf zu bestreiten, der so eine Art olympisches Flair vermittelt. Das macht auch Lust auf mehr, auf Olympische Spiele, Weltmeisterschaften, usw.

Ich habe mit meinen Athleten an zwei Universiaden teilgenommen. Es war ein tolles Gefühl, Teil des deutschen Teams und der Universiade zu sein. Ich hatte bei der Auswertung einiger Universiaden manchmal das Gefühl, dass man mit den Leistungen sehr schnell zufrieden war, unser Anspruch in Wirklichkeit aber viel höher lag.

In den 1990er Jahren glänzten die Rostocker Springerinnen Silke Krüger und Dörte Lindner mit Universiade-Medaillen. Welche Erinnerungen haben Sie an jene Leistungen?

Monika Dietrich: Ich erinnere mich sehr gern an die Universiade 1995 in Fukuoka. Silke Krüger und Dörte Lindner waren sehr erfolgreich. Ich war fasziniert von den Gastgebern und der sehr guten Organisation. So hatte ich mir Olympische Spiele vorgestellt.

Wie auch später bei Olympischen Spielen habe ich bei den Universiaden die Gelegenheit genutzt, Wettkämpfe in anderen Sportarten zu besuchen.

Sie sind ja im sportlichen „Unruhestand“… Sind Sie dem Wasserspringen dennoch weiterhin eng verbunden?

Blick in die 1955 eröffnete Neptunschwimmhalle in Rostock. Archiv-Foto: Wolfgang Gross

Monika Dietrich: Dem Wasserspringen werde ich immer verbunden sein. Ich liebe diese Sportart sehr. Ich bin noch sehr oft in der Schwimmhalle, treibe dort selbst Sport, halte engen Kontakt zu den Trainern sowie den Mitarbeitern der Schwimmhalle und verfolge die Entwicklung meiner ehemaligen Sportler.

Meine „Aufgaben“ im Wasserspringen sind ehrenamtlich. Ich engagiere mich im Organisationsteam des Springertages. Diese Arbeit ist umfangreich und beginnt lange vor dem Event. Für den WSC Rostock übernehme ich Trainingseinheiten in Vertretung, wenn einmal der eine oder andere Trainer nicht anwesend sein kann.

Auf Anfrage stehe ich auch als Kampfrichterin für Prüfungswettkämpfe, Landesmeisterschaften oder andere nationale Wettkämpfe zur Verfügung.

Gegenwärtig bin ich für die B-Lizenzausbildung zweier junger Kollegen verantwortlich. Zusammen mit anderen Referenten möchte ich den jungen Kollegen ein gutes Rüstzeug für ihre Trainerlaufbahn vermitteln.

Vielen Dank und weiterhin bestes Engagement für das Wasserspringen!