Zurück zu den Wurzeln…

Symbolbild – Eisschnelllauf

In drei Wochen ist es so weit. Dann, am 9.Februar 2018,  beginnen die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang. Standen diese Winterspiele aufgrund des politischen Konflikts vor atomarer Drohkulisse zwischen Nordkorea bzw. den USA zunächst unter keinem guten „olympischen Stern“, so ist plötzlich Entspannung angesagt.

Sportlich-politische Entspannung auf der koreanischen Halbinsel

Die beiden verfeindeten Koreas, also die Demokratische Volksrepublik Korea (Nordkorea) und die Republik Korea (Südkorea), werden mit einer gemeinsamen Mannschaft sowie unter gemeinsamer Flagge bei der Eröffnungsfeier in das Olympiastadion von Pyeongchang einmarschieren und zudem wird es eine gemeinsame koreanische Frauen-Eishockey-Mannschaft bzw. eventuell ein gemeinsames koreanische Frauen-Bob-Team geben.

Trotz des olympisch-politischen Tauwetters zwischen beiden Teilen Koreas werfen die Olympischen Winterspiele 2018 viele Fragen auf. Eigentlich sollte der Gigantismus der Spiele endgültig der Vergangenheit angehören. Statt immer mehr Entscheidungen sollte es weniger geben. Was ist jedoch? Im Vergleich zu 2014 kamen weitere vier Wettkämpfe hinzu…

Weniger ist „Mehr“

Es sollte weniger Raubbau an der Natur geben und auch die Nachhaltigkeit der Sportstätten sollte vorhanden sein, das heißt, eine intensive Nutzung der Sportanlagen auch nach den Spielen sollte gegeben sein. Was ist jedoch? Natürlich mußten Bäume weichen, Menschen umziehen und von fundierten Plänen für die Nutzung der neuen Sportbauten auch nach 2018 ist nichts bekannt.

Natürlich verschlangen die Kosten für die Spieler wieder Milliarden Euros und Dollar. Das IOC machte Auflagen und stellte Ansprüche – auch im Hinblick auf die Unterbringung der eigenen Funktionäre.

Dass Pyeongchang nicht gerade ein natürlicher Wintersport-Ort ist war letztendlich nicht mehr wichtig… Es werden also wieder sterile Kunst-Spiele, denen Seele und echte Hingabe fehlen wird.

Im olympischen Vorfeld aufrichtige Wintersport-Begeisterung

Schön ist es, dass es im Vorfeld der Winterspiele 2018 noch aufrichtige wintersportliche Begeisterung gab, zum Beispiel in Lillehammer, dem Austragungsort der Winterspiele 1994.

Dort fanden Anfang Dezember 2017 Weltcup-Konkurrenzen im Frauen-Skispringen, im Skilanglauf und in der Nordischen Kombination statt. Im Skilanglauf gab es dabei zwei Erfolge für den Lokal-Matador Johannes Hosflot Klaebo im Klassik-Sprint bzw. im Klassik-Skiathlon. Dessen Landsfrau Maiken Caspersen Falla gewann den klassischen Frauen-Sprint. Die Schwedin Charlotte Kalla war die Beste im klassischen Frauen-Skiathlon.

Bei den drei Entscheidungen im Skispringen der Frauen triumphierten die Norwegerin Maren Lundby einmal und Deutschlands Katharina Althaus zweimal.

In der Nordischen Kombination gingen die Goldmedaillen jeweils an Norwegen – im Team-Wettkampf und in der Einzel-Konkurrenz an Espen Andersen.

Weitere Weltcup-Entscheidungen 2017/18 in der Winter-Olympia-Stadt von 1994 folgen noch, so im Rennrodeln vom 20.Januar 2018 bis 21.Januar 2018, im Alpinen Skisport der Herren in Kvitfjell, dem Austragungsort der alpinen Speed-Konkurrenzen 1994, vom 10.März 2018 bis 11.März 2018 und im Herren-Skispringen am 13.März 2018.

Viel Zuspruch,  viel Natürlichkeit und viel Enthusiasmus vor einer natürlichen Kulisse gab es und wird es noch geben…

Wintersportliche Erinnerungen an 1994

Lillehammer 1994 – da werden Erinnerungen an die XVII.Olympischen Winterspiele wach, an Olympische Winterspiele, die diesen Namen verdienten. Mit echter Herzlichkeit sowie Gastfreundschaft an einem kleinen, urigen Wintersport-Ort mit skisportlichen Traditionen. Ohne gigantischen Wettkampfplan und extremer Werbung. Ohne viel Show-Brimborium. Ohne extremen Luxus. Wintersport in natürlicher Umgebung und mit viel Nachhaltigkeit.

Mehr als 1700 Athletinnen und Athleten aus 67 Ländern nahmen an den damaligen Winterspielen teil. In 61 Entscheidungen – bei 6 Sportarten – wurden Medaillen vergeben. Völlig ausreichend. Daran hätte man sich halten sollen, anstatt immer neue Sportarten in die Winterspiele zu integrieren. Sicher, zum Beispiel Curling, Skeleton oder die Snowboarder hätten es schon 1994 verdient gehabt, Teil „der olympischen Familie“ zu sein, doch dann hätte man sich durchringen müssen, bei anderen Sportarten (Eischnelllauf, Short Track, Skilanglauf) die eine oder andere Disziplin-Streichung vorzunehmen…

Immer üppiger…

Das blieb aus – und so wurden die Spiele unnötig „aufgeblasen“, wobei die verantwortlichen „Bläser“ letztendlich auch daran Schuld tragen, dass die Winterspiele mittlerweile nur noch absurd erscheinen, denkt man an seltsame Wintersport-Orte „aus der Retorte“ wie Albertville 1992, Nagano 1998 bzw.  Turin 2006 oder das „mediterrane“ bzw. vulgär teure Sotschi 2014 zurück. Orte ohne echte Wintersport-Tradition – und -Begeisterung. Und in Pyeongchang 2018 erwartet uns „Ähnliches“.

Sportliches in Lillehammer 1994

Sportlich betrachtet gab es in Lillehammer den Dreikampf Russland-Norwegen-Deutschland um Platz eins im Medaillenspiegel. Russland schaffte 23 Medaillen (11 x Gold), Norwegen 26 Medaillen (10 x Gold) und Deutschland 24 Medaillen (9 x Gold).

Die deutschen Goldenen erkämpften 1994 die Alpinen Katja Seizinger bzw. Markus Wasmeier (gleich zwei!), Rennrodler Georg Hackl, die Biathlon-Staffel der Herren um Frank Luck, die Vierer-Bob-Crew von Harald Czudaj, die Eisschnellläuferin Claudia Pechstein und die Skispringer um Jens Weissflog (ebenfalls zwei Erfolge!).

Der gebürtige Neubrandenburger Ulf Hielscher und der gebürtige Stralsunder Carsten Embach kamen im Vierer-Bob von Wolfgang Hoppe (dazu noch Rene Hannemann) zu Bronze.

Stark in der Loipe: Norwegen, Italien und Russland

Im Skilanglauf dominierten damals Norwegen (3 x Gold, 4 x Silber, 1 x Bronze), Italien (3 x Gold, 2 x Silber, 4 x Bronze), Russland (3 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze), Kasachstan (1 x Gold, 2 x Silber) und Finnland (1 x Silber, 4 x Bronze). Die erfolgreichsten Skilangläuferinnen waren Ljubow Jegorowa (Russland, 3 x Gold, 1 x Silber) und Manuela di Centa (Italien, 2 x Gold, 2 x Silber, 1 x Bronze). Björn Daehli (Norwegen) kam in der Loipe zu 2 x Gold, 2 x Silber. Die Königsdisziplin, die 50 Kilometer, entschied Wladimir Smirnow (Kasachstan) für sich. Die Langlauf-Staffeln gingen an Russland (Frauen) und Italien (Herren).

In der Nordischen Kombination triumphierten Fred Borre Lundberg (Norwegen, Einzel-Gold, Team-Silber) und Takanori Kono (Japan, Team-Gold, Einzel-Silber).

Zweimal Gold für Jens Weißflog

Im Skispringen triumphierte von der kleinen Schanze Espen Bredesen (Norwegen) und zweimal siegte Jens Weißflog – von der großen Schanze und im Mannschafts-Springen mit Dieter Thoma, Hansjörg Jäkle und Christof Duffner vor Japan. Und das alles vor riesiger und begeisternder Zuschauer-Kulisse und mit sympathischen Organisatoren…

Viel Begeisterung gab es dann auch bei den VI. Winter-Paralympics 1994 zwei Wochen nach den XVII.Olympischen Winterspielen. Dort waren Norwegen und Deutschland mit jeweils 64 Medaillen am besten, Norwegen holte 29 x Gold und Deutschland 25 x Gold. Dahinter folgten die USA mit 24 Paralympics-Siegen vor Frankreich mit 14 Paralympics-Siegen und Russland mit 11 Paralympics-Siegen. Auch diese Winter-Paralympics vermittelten Aufrichtigkeit, Tradition und Natürlichkeit, so wie es eigentlich sein sollte.

Zurück zu den Wurzeln…

Das wäre es doch: „Zurück zu den Wurzeln“. Sommerspiele ständig in Athen, Winterspiele in Norwegen (in Oslo oder in Lillehammer mit Hamar, Hafjell und Kvitfjell).

Das würde Kosten sparen, an neue olympische Innovationen könnten sich alle beteiligen und eine Planungssicherheit wäre zudem vorhanden. Kein Land, keine Stadt müsste sich mehr verschulden, kein Raubbau mehr an der Natur, kein Bau mehr von Luxus-Hotels für maßlose Sportfunktionäre und keine künstlich entstandene „Olympia-Stadt“ mehr.

Aber eine einflussreiche Minderheit will das ja nicht.

… Mal schauen, wie sich Pyeongchang dann tatsächlich präsentieren wird. Die Koreaner werden sicherlich eine perfekte Organisation bieten, der Preis dafür ist aber sehr hoch – zu hoch, um sich für Winter-Olympia 2018 zu begeistern…

Marko Michels