Niederlande vor Kanada…

Katharina Althaus gewann Olympia-Silber im Skispringen 2018. Foto: Deutscher Ski-Verband/DSV

Mehr als 25 Prozent der olympischen Entscheidungen bei den Spielen in Pyeongchang sind Geschichte – 26 Konkurrenzen von 102 sind bereits „abgehakt“.

Die meisten Goldmedaillen (fünf) gewann bislang Deutschland, dazu zweimal Silber, zweimal Bronze. Die meisten Medaillen bis dato holten indes die Olympia-Teams aus Norwegen (elf, darunter dreimal Gold), den Niederlanden (zehn, darunter viermal Gold) und Kanada (zehn, darunter dreimal Gold).

Niederlande sind top

Auf dem ersten Blick sind also die Niederlande – bisher – eine wintersportliche Top-Nation, obwohl diesen die Alpen fehlen… Denn: Sie sind ja im Medaillenspiegel, der noch immer intakt ist, gegenwärtig Zweiter. Bei den 2014er Winterspielen platzierten sie sich am Ende auf Rang fünf – damals einen Platz vor Deutschland.

Dass die Niederländerinnen und Niederlande seinerzeit im Skisport, im Schlittensport, im Curling, im Eiskunstlaufen, im Biathlon oder Snowboarden nichts holten und ihre führende Rolle fast ausschließlich den Eisschnellläuferinnen bzw. Eisschnellläufern (sowie ein wenig den Short Trackern) verdankten, sah man diesem „Spiegel“ nicht an. Anno 2018 ist es ebenso: Die Niederlande räumen im Eisschnelllaufen vieles ab, dazu noch etwas im Short Track. Das war es. Reicht aber, um „oben“ zu sein…

Deutschland ist vielseitiger

Da sind die Deutschen doch vielseitiger, besitzen jedoch im Gegensatz zu „Oranje“ vier Rodelbahnen und sogar ein Teil der Alpen. Und ein „paar“ mehr Einwohner als die niederländischen Nachbarn haben sie auch.

Die Schwarz-Rot-Goldenen erkämpften aktuell ihre Medaillen im Biathlon, im Rennrodeln und im Skispringen. Erstaunlicherweise auch nur drei Sportarten mit Medaillengewinnen. Aber: Im Bobsport, im Skeleton, im Snowboarden, im Eiskunstlaufen, im Eisschnelllaufen, im alpinen Skisport, in der Nordischen Kombination und weiterhin im Skispringen, Rennrodeln bzw. Biathlon hat Schwarz-Rot-Gold beste Medaillen-Chancen. Diese Vielseitigkeit, diese Möglichkeiten sieht man dem „Medaillenspiegel“ nicht an. Da erscheinen die kleinen Niederlande größer als das wirklich große Kanada.

Sind deutsche Frauen wintersportiver?

Man sieht diesem „Spiegel der Medaillen“, der von allen Medien so oft zitiert wird, indes ebenfalls nicht an, wer das ganze Edelmetall gewann. Im deutschen Team herrscht knappe Frauen-Power vor. Wieso? Fünf der bisher neun Medaillen erkämpften Frauen – hinsichtlich der Goldmedaillen steht es 3:2 für die Mädels.

Zweimal holte Biathletin Laura Dahlmeier bis zum 13.2. Gold (Sprint, Verfolgung) und einmal jubelte Rennrodlerin Natalie Geisenberger „goldig“. Den deutschen Männern war das in Pyeongchang bis zum heutigen Tag nur zweimal vergönnt – dank Arnd Peiffer (Biathlon, Sprint) und Andreas Wellinger (Skispringen, Normalschanze).

Zweimal Silber gab es wiederum für die deutschen Mädels durch Skispringerin Katharina Althaus und Rennrodlerin Dajana Eitberger. Die Männer begnügten sich mit zweimal Bronze durch Biathlet Benedikt Doll (Verfolgung) und Rennrodler Johannes Ludwig.

Sind die deutschen Mädels – kurze Zwischen-Analyse der Resultate von Pyeongchang – also nun wintersportiver als die „Männeken“ oder was ist los? Oder kommt die Männer-Power „Made in Germany“ noch..

Jedenfalls wird jetzt allerorten der Medaillenspiegel hoch gehalten. Aber bitte VORSICHT! Spiegel sind zerbrechlich. Ein Bruch derselben bedeutet sieben Jahre Pech. Nicht, dass es 2022 wieder eine deutsche Medaillenflaute gibt, nur weil einige 2018 nicht mit „Spiegeln“ umgehen können…

Marko Michels