Der Feldhockeysport 2018: Zwischen WM und M-V

Nachgefragt bei Wolfgang Hillmann, PrÀsident des Deutschen Hockey-Bundes

Ein Feldhockey-Klassiker – Deutschland gegen Indien (Hier bei den WM 2006 in Mönchengladbach). Foto: M.M.

Bei der vergangenen Feldhockey-WM der Damen (21. Juli bis 5. August in London) gab es zwar nicht das erhoffte Edelmetall fĂŒr das deutsche Team.  Dennoch konnte die DHB-Auswahl um um die beiden Bundestrainer Akim Bouchouchi und Xavier Reckinger ĂŒberzeugen. Nach drei klaren Vorrunden-Siegen zeigte sie auch im Viertelfinale gegen Spanien große FeldĂŒberlegenheit. Nur leider sollte hier kein Tor fallen und nach einem Gegentor folgte das unglĂŒckliche EM-Aus (0:1).

In drei Monaten (28.11. bis 16.12.) folgt dann die WM der Herren in Bhubaneswar/Indien. Vorrundengegner der Deutschen werden die Niederlande, Pakistan und Malaysia sein.

Interview

Nachgefragt beim PrĂ€sidenten des Deutschen Hockey-Bundes. Wolfgang Hillmann, ĂŒber die WM der Frauen, die anstehenden Welt-TitelkĂ€mpfe der Herren, die baldige Bundesliga-Saison, die Nachwuchs-Situation im deutschen Hockeysport und die Entwicklung in Mecklenburg-Vorpommern

„Haben starke Vereine mit einer großen Leidenschaft fĂŒr Talentfindung und –entwicklung…“

Frage: Herr Hillmann, die Frauen-Feldhockey-WM 2018 ist schon wieder Geschichte. Wie lautet Ihr ResĂŒmee aus internationaler und nationaler Sicht?

Wolfgang Hillmann: International war es eine großartig organisierte Weltmeisterschaft mit erstmals sechzehn teilnehmenden Mannschaften und einem neuen Modus mit Viertelfinal-Überkreuz- und Viertelfinalspielen, die sportlich einige Überraschungen von weltrangniedrigeren Nationen mit sich brachte. Europa sicherte mit den NiederlĂ€nderinnen als Weltmeisterinnen, den Irinnen als Vize-Weltmeisterinnen und die Spanierinnen als WM-Dritte alle MedaillenplĂ€tze.

National betrachtet sahen wir eine sehr starke Gruppenphase unserer Danas (die deutschen Frauen-Nationalmannschaft im Feldhockey). Leider mußten diese nach einer enttĂ€uschenden Viertelfinalleistung gegen Spanien ein frĂŒhes Aus hinnehmen. Die AtmosphĂ€re der Veranstaltung, die in Deutschland auch beim Sender DAZN mitverfolgt werden konnte, war eine großartige Werbung fĂŒr das MĂ€dchen- und Damen-Hockey.

Frage: Wie beurteilen Sie das sportliche Niveau des WM-Turniers insgesamt?

Wolfgang Hillmann: Hockeysportlich bietet jedes Welt-Turnier eine Weiterentwicklung in Bezug auf Athletik, technische Neuentwicklungen, taktisches Agieren und herausragende Entwicklungen bei Standard-Situationen, wie Strafecke, Shoot-out und einzelnen Spielerinnen-Positionen, wie zum Beispiel den TorhĂŒterinnen.

Frage: Im indischen Bhubaneswar wird Ende des Jahres die Feldhockey-WM der Herren ausgetragen. Wie beurteilen Sie das internationale KrÀfteverhÀltnis im Herren-Hockey derzeit? Was erhoffen Sie sich vom deutschen Team?

Wolfgang Hillmann: Die Honamas (die deutsche Herren-Nationalmannschaft im Feldhockey) erzielten beim gerade abgelaufenen „real Four Nations Cup“ sehr gute Ergebnisse und gewannen letztendlich auch das Turnier. Jetzt startet erst einmal die Bundesliga-Saison und dann im Anschluß gibt es eine kurze WM-Vorbereitung.

Die örtlichen Voraussetzungen in Bhubaneswar sind neben dem Turnier an sich auch schon eine Herausforderung. Was die sportlichen Ziele aus deutscher Sicht betrifft: Die Jungs nehmen sich zumindest das Erreichen des Halbfinals vor. Wir sind ĂŒberzeugt, dass wir um die Medaillen mitspielen können.

Frage: Wie steht es ansonsten um die Nachwuchs-Situation im deutschen Hockey-Sport?

Wolfgang Hillmann: Wir haben starke Vereine mit einer großen Leidenschaft fĂŒr Talentfindung und –entwicklung. Wir erzielen mit den Nachwuchs-Nationalmannschaften (weiblich bzw. mĂ€nnlich im Alterbereich U 16-U 18) gute bis sehr gute Ergebnisse vorwiegend im europĂ€ischen Vergleich und mit den Nachwuchs-Team im Altersbereich U 21 (weiblich bzw. mĂ€nnlich) auch im interkontinentalen Vergleich. Die Ergebnisse lassen uns auf eine erfolgreiche Zukunft der Danas und Honamas hoffen.

Letzte Frage: Innerhalb des Deutschen Hockey-Bundes ist der Landeshockeyverband M-V nur ein kleiner Fachverband. Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Hockeysportes in M-V?

Wolfgang Hillmann: Auch in Mecklenburg-Vorpommern haben wir im Jugendbereich erfolgreiche Vereine mit Ausbildungsmöglichkeiten im Kunstrasen- und Hallenhockey, die auch in den regionalen Erwachsenen-Ligen prĂ€sent sind. Insgesamt könnte eine grĂ¶ĂŸere Anzahl von Klubs mit Hockey-Kunstrasen die Entwicklung des Hockeysportes in M-V natĂŒrlich optimieren.

Vielen Dank und weiterhin ein erfolgreiches Engagement fĂŒr den Hockeysport

[box]Infobox: Erfolgreiche Hockeyspieler aus M-V

Dass Feldhockey in Mecklenburg-Vorpommern Tradition hat, zeigen immer wieder einzelne Erfolgsgeschichten. Der gebĂŒrtige Rostocker Detlef Okrent erkĂ€mpfte 1936 Olympia-Silber mit der deutschen Mannschaft hinter Indien. Ulrich HĂ€nel, in Plau am See geboren, wurde 1984 (hinter Pakistan) bzw. 1988 (hinter Großbritannien) jeweils Olympia-Zweiter mit der deutschen Auswahl. Und Heinz Radzikowski, 1925 in Stolpe (Vorpommern) geboren, wurde 1956 in Melbourne Dritter mit der gesamtdeutschen Auswahl – vor Großbritannien und hinter Indien und Pakistan. Mit dem ATSV GĂŒstrow hat M-V zudem aktuell eine erfolgreiche Traditionsmannschaft (Die Herren spielen in der 2. Bundesliga Ost).

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M.Michels

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