Winter-Olympia in Rückblenden und Gegenwart

Lange dauert es nicht mehr. Dann beginnen die XXIII.Olympischen Winterspiele vom 9.Februar 2018 bis 25.Februar 2018 in Pyeongchang und folgend, vom 9.März 2018 bis 18.März 2018, werden die XII.Winter-Paralympics an gleicher Stelle ausgetragen.

Politische Konflikte überschatten Olympia

Noch gibt es aber auch Fragezeichen, ob es überhaupt zur Durchführung der Winterspiele 2018 in Pyeongchang kommen wird, die politischen Spannungen und das militärische „Säbelrasseln“ zwischen Nord- bzw. Südkorea lassen Olympia auf der koreanischen Halbinsel zurzeit in den Hintergrund geraten.

Schon gestartet: Die olympische Wintersport-Saison 2017/18

Die olympische Wintersport-Saison 2017/18 hat indes längst begonnen. Ende August startete die Weltcup-Saison der Ski-Freestyler. Seit Anfang September sind auch die Snowboarder in ihren Weltcup-Konkurrenzen 2017/18 aktiv.

Vom 28.September bis 1.Oktober sind dann die Short Tracker bei ihrem ersten Weltcup 2017/18 in Budapest gefordert und dann geht es „Schlag auf Schlag“: erste Station 2017/18 der Grand Prix-Serie im Eiskunstlaufen vom 20.Oktober bis 22.Oktober in Moskau (zuvor 49.Nebelhorn-Trophy in Oberstdorf vom 27.9. bis 30.9.), erster Weltcup 2017/18 im Ski-Alpin am 28./29.Oktober (Riesenslalom) in Sölden, erster Weltcup im Bobsport und im Skeleton am 9./10.November in Lake Placid, erster Weltcup 2017/18 im Eisschnelllaufen vom 10.November bis 12.November in Heerenveen, erster Weltcup 2017/18 im Rennrodeln am 18./19.November in Igls und erster Weltcup 2017/18 im Skispringen (Herren) ebenfalls am 18./19.November in Wisla.

Und auch die anderen Winter-Sportarten müssen auf den Beginn ihrer Saison 2017/18 nicht mehr „unendlich“ warten: vom 24.November bis 26.November haben die Skilangläufer und Nordisch Kombinierten ihre ersten Auftritte und  am 1./2.Dezember erklimmen die Skispringerinnen die Schanze in Lillehammer.

Auch die Curling- und Eishockey-Asse haben ihre Vorbereitungsturniere auf Pyeongchang.

Pyeongchang und Olympia

Tja, Olympia in Pyeongchang bereitet derzeit politische Sorgen, aber auch ohne den politischen Konflikt zwischen den beiden Koreas ist Pyeongchang eher ein umstrittener Ort für Winter-Olympia. Wieder so eine wintersportive Retorten-Stadt, die Spiele eher in einem „sterilen Ambiente“ verspricht. Winter-Olympia „gekünstelt“ – ohne natürliche Leidenschaft…

Wie echte Begeisterung bei Winter-Olympia funktioniert, zeigten – neben Lillehammer 1994 – vor allem die kanadischen Städte Calgary 1988 und Vancouver (nebst Umgebung) 2010.

MV-SPORT blickt wintersportiv zurück…

Vor fast 30 Jahren: Die Olympischen Winterspiele in Calgary 1988 / UdSSR war damals die Nummer eins / Im olympischen Demonstrationsprogramm 1988: Short Track

Vor fast 30 Jahren fanden die Olympischen Winterspiele in Kanada statt. 12 Jahre nach den Olympischen Sommerspielen in Montreal 1976 gastierten die Spiele wieder in Kanada.

Calgary 1988 – beeindruckende Winterspiele

Calgary 1988 – das waren Spiele der ganz großen Emotionen, zum Beispiel  als der gebürtige Güstrower Frank-Peter Roetsch zweifacher Olympiasieger im Biathlon wurde, Kati Witt den Dreikampf mit Liz Manley (Kanada) und Debbie Thomas im Eiskunstlaufen gewann, der Finne Matti Nykänen dreimal von der Sprungschanze triumphierte, die Geschwister Duchesnay das Eistanzen revolutionierten und hoffnungslos unterbewertet wurden, die Bob- und Rodelbahn ihre Tücken hatte, die sowjetischen Eishockey-Cracks wieder einmal triumphierten, die Holländerin Yvonne van Gennip so manchen DDR-Goldtraum im Eisschnelllauf zunichte machte und die letztmals auf der Bühne der Winterspiele präsenten Sowjetunion und DDR Platz eins des Medaillenspiegels unter sich ausmachten, denn 20 Monate später sollte sich die politische Welt nachhaltig verändern …

Calgary 1988 – das war auch beste und herzliche kanadische Gastfreundschaft.

Calgary 1988 setzte Maßstäbe in puncto Herzlichkeit, Toleranz und Gastfreundschaft.

Herausragende Leistungen…

Bei den Winterspielen`88 gab es ohnehin eine Reihe herausragender Leistungen, eine ungemeine Begeisterung auf den Zuschauer-Rängen, Wetter-Kapriolen, umstrittene Preisrichter-Entscheidungen (im Eiskunstlaufen) und den (damals noch nicht erahnten) Abschied zweier großer Sport-Nationen – der DDR und der Sowjetunion.

46 Entscheidungen standen auf dem olympischen Programm – hinzu kamen noch Wettbewerbe in den Demonstrationssportarten Curling, Trick-Ski, Short Track und Nordischer sowie Alpiner Skisport für Athletinnen und Athleten mit Handicap.

Einen ersten Höhepunkt gab es, als die erst 12jährige Eiskunstläuferin Robyn Perry als letzte Fackelläuferin fungierte und dafür viel Applaus im Stadion erhielt. Mehr als 1400 Wintersportlerinnen und –sportler aus 57 Ländern nahmen in Calgary teil und in den Tagen zwischen dem 14.Februar und 28.Februar 1988 gab es den erwarteten Zweikampf zwischen der Sowjetunion und der DDR.

UdSSR vor DDR

Mit 11 x Gold zu 9 x Gold setzte sich der „große Bruder“ gegen den „kleinen Bruder“ durch, was vor allem daran lag, dass die Eisschnellläuferinnen um Karin Kania sowie Andrea Ehrig nicht die erhofften Goldmedaillen über 1500, 3000 sowie 5000 Meter gewannen. Die fliegende Holländerin Yvonne van Gennip ließ die DDR-Läuferinnen jeweils hinter sich.

Und auch im Bobsport gab es nicht das erhoffte DDR-Gold. „Sand in der Bahn“ bedeutete bei manchen Bobs auch „Sand im Getriebe“ – die Bobsportwettbewerbe in Calgary waren „dank“ der Windböen des „Chinook“, des warmen Fallwindes, auch eine Glückslotterie. Während der Sieg im Zweier-Bob an die lettisch-russische Kombination Janis Kipurs und Wladimir Koslow ging, waren die Schweizer um Ekkehard Fasser im Vierer-Bob erfolgreich. Für die Hoppe-Bobs aus der DDR sollte es zweimal Silber geben.

11 x Gold für Deutsche aus Ost und West

Dass die Deutschen aus Ost und West letztendlich aber dennoch auf insgesamt 11 x Gold kamen, ist ein Verdienst der westdeutschen Nordisch Kombinierten, , die mit Hans-Peter Pohl, Hubert Schwarz und Thomas Müller den Team-Wettbewerb gewannen. Im Abfahrtslauf siegte Marina Kiehl – das zweite Gold für Deutschland-West 1988.

Außerdem gab es für Deutschland-West noch drei weitere Goldmedaillen 1988 in den olympischen Demonstrationswettbewerben – durch Tatjana Mittermayer sowie Hermann Reitberger im Ski-Freestyle und durch Alexander Spitz im Alpinen Skisport für Athleten mit Handicap.

Große Momente

Für große Momente sorgten Matti Nykänen im Skispringen, Katarina Witt, Brian Boitano, Brian Orser sowie Jekaterina Gordejewa und Andrej Grinkow im Eiskunstlaufen, Alberto Tomba und Vreni Schneider im Alpinen Skisport, Tomas Gustafsson und bereits genannte Yvonne van Gennip im Eisschnelllauf, die Sbornaja im Eishockey oder die deutschen Rennrodler aus Ost und West.

Gastgeber Kanada gewann schon wie bei den Sommerspielen 1976 in Montreal erneut keine Goldmedaille, konnte aber in den Demonstrationswettbewerben im Curling, Short Track und Trick-Ski insgesamt drei Siege erringen.

Für furiose und kuriose Momente sorgten 1988 „Eddie, the Eagle“, der Brite Eddie Edwards, im Skispringen und der Jamaika-Bob. In Anlehnung an die Olympia-Teilnahme der jamaikanischen Bobsportler entstand der Spielfilm „Cool Runnings“. Der „Chinook“ sorgte für Terminverschiebungen im Skispringen, im Nordischen Skisport und im Alpinen Skisport.

Dafür setzte die Olympia-Begeisterung der Kanadierinnen und Kanadier 1988 Maßstäbe für die Zukunft. Es gab 6,6 Millionen Interessenten für den olympischen Fackellauf, 300000 meldeten sich als ehrenamtliche Helferinnen und Helfer und weit mehr als 1,3 Millionen Zuschauer sahen die Wettkämpfe vor Ort. Das „Olympic Saddledome“ für Eiskunstläufer und Eishockeyspieler, das Olympic Oval für die Schnellläufer oder das Skistadion Canmore waren ausgezeichnete Wettkampfstätten.

Die größten Sympathien erwarben allerdings neben den sportbegeisterten Kanadiern und den Sportlern aus aller Welt auch zwei Polar-Bären: Hidy und Howdy waren die glücklichen Olympia-Maskottchen in Calgary 1988.

Glückliche Momente – zumindest zunächst –  gab es dann ein Jahr später für die Deutschen aus Ost und West: Mauer und Stacheldraht wurden friedlich überwunden, 1990 folgte die Einheit Deutschlands und in Albertville 1992 war dann nach 28 Jahren – nach Innsbruck und Tokyo 1964 – wieder ein gesamtdeutsches Olympia-Team bei Olympia am Start … Eine gebürtige Wismarerin Jacqueline Börner wurde dort Olympiasiegerin über 1500 Meter im Eischnelllauf!

Short Track – die olympische Demonstrationssportart 1988

Auch eine Sportart mit bester Rostocker Sport-Tradition wurde in Calgary 1988 olympisch demonstriert – Short Track.

Short Track, der Kurzbahn-Eisschnelllauf, ist mittlerweile seit 21 Jahren ein Bestandteil Olympischer Winterspiele. In Calgary 1988, wie erwähnt,  noch olympisch demonstriert, wurde Short Track 1992 in Albertville fester Bestandteil Olympischer Winterspiele.

In der Max-Bell-Arena in Calgary 1988 hatten die Kurzbahn-Eischnellläuferinnen und – Eisschnellläufer ein Heimspiel, ist der Kurzbahn-Eischnelllauf in Nordamerika ähnlich beliebt wie in China, Korea oder Japan.

Wilfred O`Reilly der Beste

Doch der erfolgreichste Teilnehmer in Calgary`88 war ein Brite: Wilfred O`Reilly gewann sowohl über die 500 als auch über die 1000 Meter. Lokal-Matadorin Sylvie Daigle setzte sich über die 1500 Meter durch. Erfolgreichste Short Track-Nation bei den olympischen Demonstrationswettbewerben wurden jedoch die Niederlande mit 2 x Gold, 2 x Silber und 1 x Bronze vor Großbritannien bzw. Südkorea mit jeweils 2 x Gold, Kanada mit 1 x Gold, 6 x Silber und 3 x Bronze, Italien mit 1 x Gold, 1 x Silber und 2 x Bronze, Japan mit jeweils einmal Gold, Silber und Bronze und China mit einmal Gold und 2 x Bronze. Die Zuschauer-Begeisterung erreichte echte olympische Dimensionen und so sollten die Short Tracker ab 1992 zu „richtigen“ olympischen Ehren gelangen.

Albertville 1992 und Short Track

In Albertville standen erst einmal nur vier Wettbewerbe auf dem Programm – jeweils ein Einzel-Wettbewerb und ein Staffel-Wettbewerb bei den Damen und den Herren. Der Koreaner Kim Ki-Hoon sicherte sich zweimal Gold, das US-Girl Cathy Turner erkämpfte jeweils einmal Gold und Silber. Im Damen-Staffel-Wettbewerb triumphierte Kanada mit der 1988er Siegerin Sylvie Daigle.

Seit 1998 (bis 2010) stets dabei – die Kurzbahn-Eisschnellläufer aus Rostock

Seit 1998 sind auch stets Rostockerinnen und Rostocker im Short Track bei Olympia dabei. Nach 1998 in Nagano (Arian Nachbar, Katrin Weber, Anne Eckner), 2002 in Salt Lake City (Arian Nachbar, Andre Hartwig, Ulrike Lehmann, Aika Klein) und 2006 in Turin (Arian Nachbar, Andre Hartwig, Aika Klein) vertrat 2010 in Vancouver Aika Klein – zum dritten Mal – die Farben von M-V bei den Olympischen Winterspielen.

Apropos Vancouver 2010

Vancouver 2010 begeisterte / Gastgeber Kanada mit vierzehn Goldmedaillen auf Rang eins des Medaillenspiegels – Deutschland mit zehn Goldmedaillen Zweiter

Die Olympischen Winterspiele 2010 – das waren die bislang aufrichtigsten, authentischsten und menschlichsten Winterspiele aller Zeiten. Dabei begannen sie extrem traurig … Der tödliche Trainingsunfall des georgischen Rennrodlers Nodar Kumaritaschwili überschattete die Eröffnungsfeier, warf einen traurigen Schatten auf die Spiele.

Wenn Spiele so beginnen, stehen sie meistens nicht „unter günstigen Sternen“ … Aber sollte man Spielen, die traurig, nachdenklich beginnen, nicht eine Chance geben ?!

Mit Leben erfüllt

Ja, die olympischen Ideale mußten und wurden in Whistler und in Vancouver mit Leben erfüllt. Es gab große Momente, sehr, sehr traurige, große Sieger und noch größere Verlierer.

Große Gewinner

Die größten Gewinner der XXI.Olympischen Winterspiele waren jedoch die Sportlerinnen und Sportler selbst, das großartige kanadische Publikum und die Sportfans in aller Welt. 17 Tage wurde eindrucksvoller Sport geboten – facettenreich, exotisch, leistungsstark, spannend und emotionsreich, verbunden mit vielen individuellen Schicksalen, Dramen, Tragödien und Glücksmomenten.

Gewonnen hat auch das deutsche Team, das so ungemein sympathisch, natürlich und erfolgreich auftrat. Anders als viele Politiker vor Ort, deren gekünsteltes Lächeln, deren olympische Selbstgefälligkeit und deren Sucht nach den goldenen Fotos mit goldigen Olympionikinnen fast schon Züge einer realen olympischen Satire annahm.

Sportliche Heldinnen und Helden

Sportliche Heldinnen und Helden wurden geboren. Maria Riesch ist so eine. Eben so wie Magdalena Neuner. Claudia Nystad. Evi Sachenbacher-Stehle, die inzwischen erfolgreichste deutsche Skilangläuferin aller Zeiten. Viktoria Rebensburg. Die Rodel-Damen. Die Skeleton-Mädel. Die Team-Eisschnellläuferinnen. Auch Alexandra Grauvogl gehört zu den sportlichen Heldinnen in Deutschland. Alexandra Grauvogel ?! Ja, sie war nicht dabei, die so aussichtsreiche Medaillen-Aspirantin im Ski-Cross. Wegen eines Kreuzbandrisses, der die Teilnahme so unglücklich verhinderte. Alexandra steht aber für diejenigen, die auf tragische Weise Olympia verpassten, obwohl sie das Leistungsvermögen gehabt hätten, zumindest dabei zu sein. Dann in Sotschi 2014!

Beeindruckende Leistungen in Vancouver 2010

Große Momente hatten nicht nur die deutschen Olympionikinnen und Olympioniken… Lindsey Vonn war eine der großen Siegerinnen, auch wenn sich die Goldmedaillen-Flut für sie nicht einstellte. Aber erste amerikanische Olympiasiegerin in der Abfahrt – das hat etwas, zumal das US-Girl mit Schienbein-Verletzung und weiteren gesundheitlichen Handicaps startete.

Doch was ist eine Schienbein-Verletzung gegen das, was der Slowenin Petra Majdic im Einzel-Sprint des nordischen Skisportes passierte … Beim Aufwärmen hatte sie einen Unfall, brach sich vier Rippen, zog sich einen Riss im Lungenfell zu, startete dennoch und wurde Dritte – eine übermenschliche Leistung.

Die traurigsten Momente ihres Lebens im schönsten Wettkampf ihres Lebens musste die Kanadierin Joannie Rochette in Vancouver erleiden. Ihre Mutter Therese starb zwei Tage vor Beginn der Wettbewerbe – die Emotionen der so sympathischen Eisläuferin bleiben unvergessen und berührten jedes Herz.
Joannies Bronzemedaille, die sie ihrer Mutter widmete, hatte goldene Tränen.

Weitere sportive Momente

Die norwegische Skilangläuferin Marit Björgen wurde die erfolgreichste Athletin der Winterspiele mit dreimal Gold, einmal Silber und einmal Bronze. Norwegens Biathlon-König schaffte gar seine sechste Goldmedaille seit 1998.

Lee Jung-Su, der koreanische Short Tracker, Petter Northug, der norwegische Skilangläufer, der über 50 Kilometer Axel Teichmann nur knapp auf Rang zwei verwies, und Emil Svendsen, der norwegische Biathlet, wurde mit jeweils 2 x Gold, 1 x Silber die erfolgreichsten männlichen Athleten. Für „Premieren“ sorgten der kanadische Langläufer Brian Mc Keever und der Lette Haralds Silovs. Der fast vollständig erblindete Brian Mc Keever ist der erste Sportler, der sowohl an Paralympischen als auch Olympischen Spielen teilnahm. Haralds Silovs ist der erste Athlet, der bei Olympischen Spielen innerhalb von 24 Stunden in zwei verschiedenen Sportarten (Eisschnelllauf/Short Track) startete.

Simon Ammann fügte seinen beiden Goldmedaillen 2002 im Skispringen nun 2010 zwei weitere hinzu. Damit ist der Schweizer der Skispringer mit den meisten Einzel-Goldmedaillen. Die chinesische Short Trackerin wurde mit 3 x Gold die erfolgreichste Eissportlerin 2010. Ja, es gibt noch die großen Persönlichkeiten „auf Eis und im Schnee“.

Deutsche Stars und Sternchen

Aber zurück zu den deutschen Stars und Sternchen: Die deutschen Olympionikinnen und Olympioniken boten wieder Herausragendes, aber die Frauen waren der Aktiv-Posten im Team. Ohne das olympische Fräulein-Wunder „Made in Germany“ wäre das Olympia-Team nicht wieder vorn gewesen.

Starke Persönlichkeiten, wie Maria Riesch, die noch 2006 wegen eines Kreuzbandrisses Olympia verpasste, wurde Doppel-Olympiasiegerin in der Kombination bzw. im Slalom, die junge Viktoria Rebensburg schaffte Sensations-Gold im Riesenslalom, Biathletin Magdalena Neuner sorgte für sportive Sternstunden, die Skeletoni Kerstin Szymkowiak und Anja Huber holten das erste Edelmetall in dieser Sportart für Deutschland, die junge Eisschnellläuferin Stephanie Beckert erkämpfte zweimal Silber, Rodlerin Tatjana Hüfner setzte die deutsche Gold-Tradition in ihrer Sportart fort, die Eisschnellläuferinnen im Team-Sprint mit Anni Friesinger-Postma, Katrin Mattscherodt, Stephanie Beckert oder Daniela Anschütz-Thoms, usw., usw.

Auch der Jubel der Skilangläuferinnen Claudia Nystad und Evi Sachenbacher war in ihrem Teamsprint grenzenlos – Gold hatte ihnen kaum jemand zugetraut.
Als Zugabe folgte Silber in der Staffel. Die Langläuferinnen, vorher als „trainingsfaul“ von „Experten“ kritisiert, erwiesen sich als fleißige Medaillensammlerinnen.
Die viel zitierte Frauen-Power – im deutschen Olympia-Team gab es sie wirklich.

Immer nur Medaillen?!

Aber sind Medaillen wirklich so wichtig, sind sie wirklich das „Nonplusultra“ ? Zählt nicht allein die Teilnahme mehr als der Sieg ? Frommes, naives Wunschdenken. Wer die tief-traurigen Augen der so anmutigen Skeletona Melissa Hollingsworth aus Kanada nach dem Skeleton-Wettbewerb sah – dort landete sie als Top-Favoritin nur auf Rang fünf – wußte spätestens da, dass nur ein Motto gilt „Ein guter Platz, der zählt nicht viel, eine Medaille ist das Ziel !“.

Deutsche, Amerikaner, Norweger, Koreaner oder Schweizer erwiesen sich bis zum 12.Wettkampftag als „ausverschämte Gäste“, nahmen an Edelmetall mit, was sie nur kriegen konnten.

Kanada und die Spiele

Dabei wollten die Kanadierinnen und Kanadier, die bei ihren bisherigen Heim-Spielen 1976 in Montreal oder 1988 in Calgary nie Gold gewannen, das erklärte Ziel „Stärkste Nation“ unbedingt erreichen. Doch es lief nicht wie gewünscht. Insbesondere nicht im alpinen Skisport, obwohl man gerade dort eine Erfolgstradition hatte. Die kanadischen Skilanglauf-Damen, die seit 2002 bei Olympia, WM oder im Weltcup immer auf Medaillenfang gingen, blieben 2010 ohne Edelmetall. Auch im Skeleton der Damen, im Herren-Einzel im Eiskunstlaufen, im Paarlauf, in einzelnen Disziplinen des Eisschnelllaufens und vor allem im Rennrodeln lief es für den Gastgeber nicht wie gewünscht.

Zu allem Übel verlor man in der Vorrunde gar gegen den Erz-Rivalen im Eishockey bei den Herren mit 3:5, aber es sollte ein „Happy End“ folgen …

Man sah den kanadischen Zuschauern zuvor allerdings ihre Enttäuschungen bei manchen aussichtsreichen Entscheidungen mit ungünstigem Ausgang für „Team Canada“ an, obwohl sie immer fair und gerecht blieben..

Das gilt auch für die kanadischen Sportler … Unvergesslich der herzliche Glückwunsch von Melissa Hollingsworth, die Top-Favoritin, die „nur“ Fünfte wurde, an Kerstin Szymkowiak oder Anja Huber im Skeleton.

Kanada ambitioniert

Aber Kanada kann kämpfen, wie gerade in der Nationalsportart Eishockey schon eindrucksvoll bewiesen. Nachdem es im Schlittensport (Rennrodeln/Zweierbob der Herren) oder Skisport (einschließlich Biathlon) überhaupt nicht gut lief, setzte der Gastgeber zum Endspurt an. Goldene oder medaillenträchtige Momente wurden im Ski-Cross, im Herren-Skeleton, im Eishockey, im Curling, im Eistanzen, im Eisschnelllaufen, im Short Track oder im Damen-Zweier-Bob zelebriert. Man gewann zwar nicht – wie erhofft – die meisten Medaillen, dafür stellte man verdientermaßen die zahlreichsten Olympiasiegerinnen und Olympiasieger – insgesamt 14. Die 15.Goldmedaille hat sich ohnehin das kanadische Publikum verdient.

Falsche Richtung und richtiges Gold

Doch nicht alles lief „gut“ bei diesen Winterspielen… Für den „Fauxpas“ der Spiele sorgte ein niederländischer Trainer. Der schickte seinen Schützling auf die unkorrekte Bahn. Falsche Entscheidung. Falsche Richtung. Das Gold ging „richtigerweise“ an die Konkurrenz.

Und: Nicht alles war zudem optimal bei Winter-Olympia 2010. Von der Bob- und Rodelbahn ganz zu schweigen. Die Eismaschinen funktionierten zunächst beim Eisschnelllauf nicht, die Zeitnahme beim Biathlon war defekt, u.a. wurden drei Schwedinnen bei der Verfolgung zu spät auf die Strecke geschickt. Wetter-Kapriolen waren an der Tagesordnung, Wettbewerbsverschiebungen und – verzerrungen die Folge. Olympia-Gegner randalierten in der Innenstadt.

Vorwürfe an die Olympiastadt sind jedoch fehl am Platze. Vancouver und Whistler wollten keine perfekten, sondern menschliche Spiele. Am Ende waren sie menschlicher, als manche ertragen konnten. Sie passten in die aktuelle widersprüchliche Zeit.

Olympia 2010 der Widersprüche

Olympia 2010 – das waren auch die Spiele der Sport-Politiker, der Sport-Funktionäre und Sport-Manager, also jene Spezies, die sich für wichtig halten, aber es in den seltensten Fällen sind.

Es wurden leider auch die Spiele der Funktionäre: Wie begeistert war so mancher Sportpolitiker, wenn es ihm gelang, einer erfolgreichen Olympionikin mit Gold die Hand schütteln zu können.. Daheim geht es ja zurzeit wenig „goldig“, begeisternd zu.
Wie borniert mitunter Sportfunktionäre sein können, zeigt die Reaktion einiger IOC-Altvorderen auf die Freude der kanadischen Eishockeyspielerinnen nach dem gewonnenen Finale gegen die USA. Da wurde auf dem Eis mit Sekt angestoßen und „Polonäse“ mit Zigarre gelaufen. „Solche Bilder“ wolle man nicht sehen !, so der offizielle IOC-Kommentar.

Wenn jemand „so“ feiern will, dann in der Kabine. Oder wie einige Funktionäre in luxuriösen Hotels, wo sicher nicht nur Selters getrunken und Abstinenz geübt wird.
Statt feucht-fröhliche Siegesfeiern zu kritisieren, wäre „trockene“ und deutliche Kritik zu vereisten Ski-Pisten oder zu gemein-gefährlichen Bob- bzw. Rodel-Bahnen seitens des IOC sicher angebrachter.

Olympia im Trend

Es gab aber auch die uneingeschränkt fröhlichen Momente im Olympiasport 2010: Viele trendige Sportarten wurden begeistert aufgenommen: Die Ski-Crossies „mundeten“ ähnlich wie die Auftritte von Shaun White mit dem Snowboard oder von der Australierin Lydia Lassila im Trick-Ski. Deutschland blieb zwar nicht im „Trend“, war aber medaillensüchtig im Schlittensport, bei den Alpinen oder im Bobsport bei den Herren. Andre Lange und Kevin Kuske komplettierten in Whistler ihre eindrucksvolle Medaillen-Bilanz auf viermal Gold und einmal Silber – einzigartig.

Besondere Augenblicke

Einzigartiges – im künstlerisch wie sportlichen Sinne – leisteten nicht zuletzt die nordamerikanische Eistanz-Paare Tessa Virtue/Scott Meir sowie Meryl Davis/Charlie White. Beide Duos zelebrierten Kunst auf dem Eis!

Die „Kracher“ für die kanadischen Sportfans waren jedoch die Olympiasiege im Damen-Eishockey und vor allem im Herren-Eishockey. 1920 gewann Kanada die erste Eishockey-Medaille überhaupt. In Vancouver gab es die achte – dank des Tores von Super-Star Sidney Crosby zum 3:2 in der Verlängerung gegen die USA. Kanada im Ausnahmezustand!

Auch die Welt war im olympischen Ausnahmezustand: 3,5 Milliarden Menschen sahen und „hörten“ die Wettkämpfe der Olympischen Winterspiele 2010 – die Hälfte der Menschheit. Trotz Kommerzes, extremer Vermarktung, Dopinggerüchten, Funktionärsgebaren oder sonstiger Vorbehalte – Olympia und die olympische Idee leben.

Der Sport bewegt: Das wurde auch bei der letzten Entscheidung der Olympischen Winterspiele deutlich, als Kanada die USA schlugen. Ausgelassene Freuden-Tänze auf dem Eis und auf den Rängen. In den Straßen Vancouvers und in ganz Kanada.

Diese Winterspiele, die so viele Emotionen weckten, bleiben unvergesslich.

Claudia Nystad im Fokus

Was auch die Erfolge der bereits angesprochenen Skilangläuferin Claudia Nystad vom WSC Erzgebirge Oberwiesenthal betrifft. Als es darauf ankam, war sie da – und ihre mittlerweile handzahmen Kritiker ebenfalls…

Interview mit dem deutschen Skilanglauf-Ass Claudia Nystad – vom 28.Februar 2010

„Medaillen sind das Symbol für den Schweiß, das Blut und die Tränen einer jeden Sportlerin, eines jeden Sportlers !“

Claudia Nystad über die Olympischen Winterspiele 2010, destruktive Kritik, die Stimmung bei den deutschen Skilangläuferinnen, ihr soziales Engagement und ihre „sommersportlichen Vorlieben“

Frage: Claudia, erst einmal einen ganz herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Gold im Teamsprint mit Evi und natürlich auch zu Staffel-Silber. Wie harmonieren eigentlich eine fröhliche Bajuwarin, wie Evi, und eine eher nachdenkliche Sächsin und „halbe Wikingerin“, wie Sie, im Training und außerhalb der Loipe. Immer alles „bestens“ ?

Claudia Nystad: Vielen Dank für die Glückwünsche. Ja, Evi und ich harmonieren im und neben dem Training sehr gut, anders kann man auch nicht so erfolgreich sein, wie wir es im Team waren. Dass Evi fröhlich ist und ich nachdenklich, das wurde allerdings über Jahre in den Medien aufgebaut, wenn man uns privat kennt, dann kann es durchaus sein, dass sich das Bild komplett dreht. Aber die Erfahrung will ich keinem vorweg nehmen. (Anmerkung:

Frage: Mehr als „bestens“ war Ihr Wettkampf im Teamsprint. Dabei: Was gab es in den letzten zwölf Monaten nicht alles an Negativ-Schlagzeilen aus dem Lager der deutschen Skilangläuferinnen: Trainer-Wechsel war angesagt, von „Zicken-Kriegen“ wurde gesprochen, viel mediale Häme und Spott ausgeschüttet, das Engagement der Athletinnen harsch kritisiert. In den meisten Fällen unsachlich wie unbegründet.
Wie sind Sie, aber auch Ihre Team-Kameradinnen, mit dieser Kritik, dieser Häme umgegangen? Schweißt so etwas eher zusammen ? Und: Fühlen Sie nun angesichts des Teamsprint-Goldes und des Staffel-Silbers eine „große Genugtuung“?

Claudia Nystad: Ich fühle keine Genugtuung … Mir tun solche Menschen leid, die sich über andere Personen profilieren wollen. Wenn wir als fast „zahnlose, alte Frauen, die zu faul sind, zu trainieren und ausgetauscht gehören“, trotzdem in der Lage sind, auf das Podium zu kommen, dann haben wir entweder ein überdurchschnittlich hohes Talent oder Olympia ist vom Niveau zu niedrig für uns, oder ganz einfach: Es stimmt nicht, was in den Medien über uns gesagt wurde.

Ich denke, es ist die dritte Variante, wobei ich eine der Frauen bin, die Zeitungen in der Saison nicht liest, da ich an den Berichten über mich festgestellt habe, dass manchmal höchstens ein Prozent stimmt, aber das auch nur, wenn der Name richtig geschrieben wurde.

Aus der Sicht von Athleten braucht man ein Umfeld, was einen in Erfolgszeiten und auch in harten Zeiten unterstützt sowie aufbaut. Es ist nur oft leider so, dass alle zu uns halten, wenn die Fahne gehisst wird und in schwierigeren Zeiten stehen wir fast allein da.

Frage: Sowohl im Teamsprint als auch in der Staffel demonstrierten Sie große Power. War Ihr Siegeswillen nach den ganzen Diskussionen ganz einfach „unbändig“?

Claudia Nystad: Als Athlet kann ich mich nicht vom Druck aus den Medien stören lassen, sonst hätte ich keine Chance auf internationalen Erfolg bei Großereignissen wie Olympia. Dass ich an den Sprint- und Staffeltagen in so guter Form war, lag an der Vorbereitung. Ich habe dieses Mal darauf verzichtet, jedes der sechs Rennen zu bestreiten, um mich auf zwei ganz bestimmte Läufe besser konzentrieren zu können. Damit habe ich mentale, als auch physische Energie gespart und war durch meine Erfahrungen aus den letzten Jahren perfekt vorbereitet. Dass allerdings solche, meist verletzenden Aussagen nicht helfen, ein Team voran zu bringen, das muss ich, und da bin ich mir sicher, keinem erklären.

Frage: Sie gelten für die Norwegerinnen und Norweger als „Drama-Queen“, nachdem sie den Nordländerinnen schon einige Male „gutes Edelmetall“ wegschnappten. Sie sind nun seit fünf Jahren mit dem Norweger Trond Nystad verheiratet. Angesichts der „ewigen Kritik und Nörgeleien `Made in Germany`“ hatten Sie da schon einmal gedacht: „Das alles tue ich mir hier nicht mehr an. Jetzt starte ich für Norwegen.“ ?! Wie beurteilen Sie generell den Stellenwert des Skilanglaufes in Deutschland?

Claudia Nystad: Ich habe in der Tat darüber nachgedacht, nach der Heirat die norwegische Staatsbürgerschaft anzunehmen. Aber die Konkurrenz in Norwegen ist auch nicht gerade einfach. Außerdem bin ich jetzt sehr froh, dass ich es nicht getan habe, weil mir so die schönen Momente entgangen wären, die ich mit Evi bei dem Teamsprint in Vancouver 2010 erlebt habe.
Der Stellenwert von Skilanglauf in Deutschland ist meiner Ansicht nach sehr hoch, da durch die vielseitigen Wettkampfarten und interessanten Massenstarts enorme Spannung aufgebaut wird. Im Vergleich zu Biathlon haben wir allerdings in den letzten Jahren in Sponsoren-Hinsicht und an Publicity etwas verloren.

Frage: Gerade die deutschen Winter-Olympionikinnen in Whistler und in Vancouver überzeugten, ob Biathletin Magdalena Neuner, die Skifahrerin Maria Riesch bzw. Viktoria Rebenburg, Rodlerin Tatjana Hüfner, die Skeletoni Kerstin Szymkowiak oder Anja Huber, Paarläuferin Aljona Sawtschenko, (Bobfahrerin Sandra Kiriasis), die Eisschnellläuferinnen Jenny Wolf bzw. Stephanie Beckert oder nun Evi und Sie. Schinden sich Sportlerinnen mehr als ihre Kollegen? Sind sportive Frauen willensstärker und selbstkritischer – und schieben Misserfolge nicht nur auf äußere Umstände? In Deutschland gibt es ja nicht nur im Sport die viel zitierte „Frauen-Power“?

Claudia Nystad: Der Grad zwischen Erfolg und Misserfolg ist sehr schmal. Ich denke nicht, dass es in dieser Hinsicht einen Unterschied gibt, zwischen uns deutschen Frauen und deutschen Männern. Wir sind alle ausgebildet in dem gleichen und einzigartigen Sportförderungssystem (Sportschulen, Sportfördergruppen Bundeswehr und Bundespolizei, ect.). Erfolg ist eher ein Faktor von Talent und unterstützendem Umfeld und hat weniger zu tun mit spezifischen männlichen oder fraulichen Qualitäten.

Frage: Sie gehören zu den Sportlerinnen, die auch über den sportlichen Tellerrand hinausblicken, sich für soziale Projekte engagieren. So versteigerten sie zu Gunsten der Stiftung „Hänsel und Gretel“, die Kinderschutzprojekte für missbrauchte Kinder fördert, ihre olympische Staffel-Goldmedaille 2002. Sich von der olympischen Goldmedaille zu trennen, die ja das „Nonplusultra“ für eine Sportlerin bzw. einen Sportler symbolisiert, ist Ihnen dieser Schritt nicht schwer gefallen? Gibt es einen ganz besonderen Beweggrund für Ihr soziales Engagement?

Claudia Nystad: Die Medaille an sich ist das Symbol für den Schweiß, das Blut und die Tränen. Wichtiger für den Athlet ist der lange Weg, den man gehen muss, um zu den Olympischen Spielen zu kommen und die Emotionen, die sich während dem Weg dorthin bzw. danach auftun. Mir ist dieser Schritt überhaupt nicht schwer gefallen, weil es das erste Mal war, dass ich mit meinem Namen anderen Menschen in Not helfen konnte. Ich fühle mich eher privilegiert, dass ich in einer Situation bin, in der dieses soziale Engagement im großen Stil möglich ist.

Frage: Bei Ihnen hat der Alterungsprozess ja mit 18 aufgehört. Sotschi 2014 dürfte doch das nächste Ziel sein? Oder wollen Sie lieber die norwegischen Fjorde erkunden?

Claudia Nystad: Gerade jetzt bin ich in der Stimmung, mit meiner Mannschaft die Erfolge zu feiern und wir werden die Saison zusammen zu Ende laufen. Was danach kommt, das besprechen wir auch erst danach.

Frage: Was macht eine Claudia Nystad eigentlich im Sommer ? Träumen Sie unter heißer Sonne von verschneiten, klirrend kalten Gegenden ? Wird ganz einfach nur der gekühlte Cocktail genossen?

Claudia Nystad: Ich träume immer von warmen Stränden und heißer Sonne und nicht zuletzt von Beach-Boys. Ich bin eine Sommersportlerin, aber leider gefangen im Körper einer Wintersportlerin 😉 . Anders, als viele wissen, ist unsere Haupttrainingszeit im Sommer und somit auch die Zeit, wo wir am meisten reisen und trainieren.

Frage: Zurück zu den Begleitumständen bezüglich des Teamsprint-Olympiasieges … – Was die Kritik von Medien, Trainern und Funktionären der letzten Monate betrifft: Welche „Lehren“, Erkenntnisse ziehen bzw. zogen Sie aus diesen „verbalen Einlassungen“?

Claudia Nystad: Im Nachhinein weiß ich, dass jeder mit Erfolg umgehen kann, aber fast keine Menschen mit Misserfolg. Die sehr wenigen Menschen, die in schwierigen Zeiten zu mir gehalten haben, sind meine wahren Freunde.

Frage: Bereits vor Olympia gab es Druck von Sport-Politikern, -Funktionären oder sonstigen -„V.I.P.`s“ hinsichtlich der Medaillen-Ausbeute – in allen Sportarten. Wie ist die Meinung einer Sportlerin dazu?

Claudia Nystad: Ich finde es eher schön, dass sich so viele hoch profilierte Menschen unserer Gesellschaft für Sport interessieren. Für mich entsteht dadurch kein Druck. Ich freue mich, dass das Augenmerk somit auf unseren Sport gelenkt wird.

Letzte Frage: Was waren für Sie die besonderen Momente der Winterspiele 2010?

Claudia Nystad: Die Hilfsbereitschaft aller Attachés im olympischen Dorf hat mich tief beeindruckt. Eine der Frauen hat mir zum Beispiel vor meinem ersten Rennen meinen Laufanzug, der nicht perfekt gepasst hat, umgenäht. Die freiwilligen Helfer haben extrem hohe Anerkennung verdient. Bei Regen und Schnee standen sie draußen und hatten für jeden ein freundliches Wort. Auch das schlechte Wetter hat mich beeindruckt, sieben Tage Dauerregen…Wobei: An unserem Goldmedaillentag war es wunderschöner Sonnenschein!

Fakten zu Claudia Nystad

Jahrgang 1978 – Verein: WSC Erzgebirge Oberwiesenthal – Beruf: Sportsoldatin, Grafik-Design-Studentin – Erfolge: Olympische Spielen 2002-2010 – 2 x Gold, 3 x Silber, Weltmeisterschaften 2003-2009 – 1 x Gold, 4 x Silber, 3 Weltcup-Siege

Und hier der ultimative endgültige Medaillenspiegel der XXI.Olympischen Winterspiele 2010

(Anmerkung: Dieser „Spiegel“ schien ja medial ohnehin das Wichtigste zu sein, nur vergaßen dabei viele, dass in einem Spiegel alles seitenverkehrt erscheint. Die Realität „via Spiegel“ bleibt immer relativ …)

Rang-Nation-Gold-Silber-Bronze

01.Kanada 14-7-5
02.Deutschland 10-13-7
03.USA 9-15-13
04.Norwegen 9-8-6
05.Südkorea 6-6-2
06.Schweiz 6-0-3
07.China 5-2-4
08.Schweden 5-2-4
09.Österreich 4-6-6
10.Niederlande 4-1-3
11.Russland 3-5-7
12.Frankreich 2-3-6
13.Australien 2-1-0
14.Tschechien 2-0-4
15.Polen 1-3-2
16.Italien 1-1-3
17.Slowakei 1-1-1
17.Weißrussland 1-1-1
19.Großbritannien 1-0-0
20.Japan 0-3-2
21.Kroatien 0-2-1
21.Slowenien 0-2-1
23.Lettland 0-2-0
24.Finnland 0-1-4
25.Estland 0-1-0
25.Kasachstan 0-1-0

Die Top 4 im „ewigen Medaillenspiegel“ der Olympischen Winterspiele 1924-2010

1.Deutschland: 128 G/129 S/101 B (davon DDR 1956-88 – 43 G/35 S/36 B) 2.Russland (einschließlich Sowjetunion/GUS): 123 G/92 S/93 B 3.Norwegen: 107 G/106 S/90 B 4.USA: 87-94-71

Die erfolgreichsten Länder in den einzelnen Disziplinen bei den Winterspielen 2010

Alpiner Skisport/10 Entscheidungen: 1.Deutschland: 3 x Gold 2.USA: 2 x Gold, 3 x Silber, 3 x Bronze 3.Schweiz: 2 x Gold, 1 x Bronze

Biathlon/10 Entscheidungen: 1.Norwegen: 3 x Gold, 2 x Silber 2.Deutschland: 2 x Gold, 1 x Silber, 2 x Bronze 3.Russland: 2 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze

Bobsport/3 Entscheidungen: 1.Deutschland: 1 x Gold, 2 x Silber 2.Kanada: 1 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze 3.USA: 1 x Gold, 1 x Bronze

Curling/2 Entscheidungen: 1.Kanada: 1 x Gold, 1 x Silber 2.Schweden: 1 x Gold 3.Norwegen: 1 x Silber

Eishockey/2 Entscheidungen: 1.Kanada 2 x Gold 2.USA 2 x Silber 3.Finnland: 2 x Bronze

Eiskunstlauf/4 Entscheidungen: 1.China / USA jeweils 1 x Gold, 1 x Silber 3.Kanada: 1 x Gold, 1 x Bronze

Eisschnelllaufen/21 Entscheidungen: 1.Südkorea: 3 x Gold, 2 x Silber 2.Niederlande: 3 x Gold, 1 x Silber, 3 x Bronze 3.Kanada: 2 x Gold, 1 x Silber, 2 x Bronze

Freestyle-Ski/6 Entscheidungen: 1.Kanada: 2 x Gold, 1 x Silber 2.USA: 1 x Gold, 1 x Silber, 2 x Bronze 3.Australien: 1 x Gold, 1 x Silber

Nordische Kombination/3 Entscheidungen: 1.USA: 1 x Gold, 3 x Silber 2.Österreich: 1 x Gold, 1 x Bronze 3.Frankreich: 1 x Gold

Rennrodeln/3 Entscheidungen: 1.Deutschland: 2 x Gold, 1 x Silber, 2 x Bronze 2.Österreich: 1 x Gold, 1 x Silber 3.Lettland: 1 x Silber

Short Track/8 Entscheidungen: 1.China: 4 x Gold 2.Südkorea: 2 x Gold, 4 x Silber, 2 x Bronze 3.Kanada: 2 x Gold, 2 x Silber, 1 x Bronze

Skilanglauf/12 Entscheidungen: 1.Norwegen: 5 x Gold, 2 x Silber, 2 x Bronze 2.Schweden: 3 x Gold, 2 x Silber, 1 x Bronze 3.Deutschland: 1 x Gold, 4 x Silber

Skispringen/3 Entscheidungen: 1.Schweiz: 2 x Gold 2.Österreich: 1 x Gold, 2 x Bronze 3.Polen: 2 x Silber

Snowboard/6 Entscheidungen: 1.USA: 2 x Gold, 1 x Silber, 2 x Bronze 2.Kanada: 2 x Gold, 1 x Silber 3.Australien und Niederlande: 1 x Gold

– Exkurs: „Eine Große tritt ab …“

Aika Klein, eine sympathische Sport-Botschafterin für Mecklenburg-Vorpommern auch in Vancouver 2010

Sie war die Einzige, die einzige Olympia-Teilnehmerin die die Fahne Mecklenburg-Vorpommerns bei den Olympischen Winterspielen 2010 hoch halten musste. Dazu die einzige Dame im deutschen Short Track-Team. Da musste sie durch. Da kam sie durch. Jeder Sportfan, nicht nur hierzulande, hätte der 27jährigen bei ihren dritten Spielen noch einmal zumindest eine Top 8-Platzierung gegönnt. Aber bereits vor Olympia war klar, dass es ungemein schwer wird. Die aussichtsreiche deutsche Damen-Staffel, die sich schon gute Chancen auf eine gute Platzierung ausrechnete, qualifizierte sich nicht für Olympia. Die 500 Meter und 1500 Meter verliefen unglücklich für Aika, über die 1000 Meter-Distanz kam sie zumindest ins Viertelfinale.

Gegen die Übermacht aus China, Südkorea, Kanada und den USA war aber kein Kraut gewachsen. Von 24 Medaillen gewannen die Short-Trackerinnen und Short-Tracker aus diesen Ländern 23. Lediglich die Italienerin Arianna Fontana gelang es als Dritte über 500 Meter diese Phalanx zu durchbrechen.

Dennoch die großartige Bilanz von Aika sollte nicht vergessen werden: Sie nahm bereits 2002 (Staffel-Achte) und 2006 (Staffel-Sechste) an Olympischen Winterspielen teil. Bei Junioren-Weltmeisterschaften gab es für die Ostseestädterin 2003 Platz sieben mit der Staffel sowie 2004 Platz fünf ebenfalls mit der Staffel. Bei den EM konnte Aika bereits einige Medaillen erkämpfen: 2004, 2005 und 2008 jeweils Bronze mit der Staffel, 2009 erlief sie Staffel-Silber mit und 2004 errang Aika noch Bronze über 3000 Meter. Im Olympiajahr gab es sogar Staffel-Gold – eine phantastische Leistung. Auch ohne Olympia-Medaille hat Aika also außergewöhnliche Triumphe gefeiert. Nun gab sie offiziell ihren Rücktritt bekannt – Sotschi 2014 findet ohne Aika Klein vom SC Turbine Rostock statt.

Die intelligente Sportlerin mit dem besonderen Faible für das Short Track-Land Korea sollte aber auch in Zukunft dem Kurzbahn-Eisschnelllauf treu bleiben. Sie kann dem Sport eine Menge zurückgeben, sie wird für diese „Immer-noch-Randsportart“ in Deutschland weiterhin gebraucht. Denn Short Track in Deutschland ohne Aika Klein ist doch wie Rostock-Warnemünde ohne Leuchtturm!

Übrigens – aus M-V-Blickwinkel: Der gebürtige Greifswalder Robin Szolkowy (jetzt Chemnitz) gewann mit Partnerin Aljona Sawtschenko Bronze im Paarlauf – auch eine starke Leistung, die man als Mecklenburger und Vorpommer nicht vergessen sollte! Zudem wurde der gebürtige Teterower Sandro Stielicke (für Winterberg startend) wurde Zehnter im Skeleton.

Marko Michels

Archiv-Fotos (Michels):

1.Für olympisches Wintersport-Gold sorgte 1992 in Albertville die gebürtige Wismarerin Jacqueline Börner-Schubert über 1500 Meter im Eisschnelllaufen.

2.Maria Höfl-Riesch – auch mit zweimal Olympia-Gold 2010 (bei einer Pressekonferenz in der Skihalle Wittenburg 2010).

3.Impression zur Pressekonferenz 2010 in der Skihalle Wittenburg mit den Alpin-Olympiasiegerinnen Viktoria Rebensburg und Maria Höfl-Riesch.

4.Eisschnelllaufen – auch eine Sportart mit MV-Traditionen.

5.Skilanglauf – eine deutsche Erfolgsdisziplin, zumindest in der Vergangenheit.

Archiv-Foto (Deutscher Skiverband):

6..Claudia Nystad – das deutsche Skilanglauf-Ass.

Archiv-Foto (Michels):

Blick in die Skihalle Wittenburg.