Nachgefragt bei der Wahl-Rostockerin Ute Klawonn

Ja, Mecklenburg-Vorpommern und der Schlittensport. Das ist schon eine außergewöhnliche und dennoch große Erfolgsgeschichte. Athleten, wie Meinhard Nehmer, Carsten Embach, Torsten Voss, Ulf Hielscher oder Petra Lammert, schafften „den Sprung“ von der Leichtathletik auch erfolgreich in den Bobschlitten und gewannen zwischen 1976 und 2012 zahlreiche europameisterliche, weltmeisterliche und olympische Medaillen.

Aber nicht nur im Bobschlitten sind Mecklenburger oder Vorpommern erfolgreich. Der gebürtige Teterower Sandro Stielicke nahm 2010 sogar am olympischen Wettbewerb im Skeleton teil.

Aktuell gibt es ebenfalls einige Erfolgsmomente für Mecklenburger und Vorpommern im Eiskanal: Der gebürtige Anklamer Marko Hübenbecker siegte im Vierer-Bob mit Maximilian Arndt, Alexander Rödiger und Martin Putze beim Weltcup Anfang Januar 2013 in Altenberg.

Vom 12. bis 13.Januar stehen nun die Europameisterschaften im Rennrodeln, zugleich der sechste Weltcup der Saison, in Oberhof auf dem Programm. Die WM folgen in Whistler vom 1. bis 2.Februar 2013.

Im Rennrodeln hat M-V ja ebenfalls „eigene Erfolgsgeschichten“: Die spätere Wahl-Stralsunderin Ilse Geisler, unter anderem Olympia-Zweite 1964, und die spätere Wahl-Rostockerin Ute Rührold, verheiratete Klawonn, unter anderem Olympia-Zweite 1976, feierten in der Vergangenheit große Erfolge mit dem Rennschlitten.

Ute Rührold wurde dabei vor mehr als 40 Jahren, 1972, Europameisterin.

Wie beurteilt die einstige Rennrodlerin nun das aktuelle Wettkampf-Geschehen in ihrer Sportart?!

Nachgefragt…

„Natalie und Anke sind schon in guter Form…“

Frage: Frau Klawonn, die Rennrodel-Saison mit den verschiedenen Weltcups, der EM und den WM ist in „vollem Gange“. Wie beurteilen Sie das Kräfteverhältnis im Rennrodeln 2012/13, insbesondere bei den Frauen?

Ute Klawonn: Die deutschen Fahrerinnen dominieren schon das Renn-Geschehen. Der Saison-Auftakt war wieder sehr souverän, so dass die anderen Nationen dadurch sicher wachgerüttelt werden.

Natalie Geisenberger und Anke Wischnewski sind für die WM schon gut in Form. Tatjana Hüfner wird es schwer haben, ihren Titel zu verteidigen.

International betrachtet sind besonders die Russinnen und Kanadierinnen zu beachten, vielleicht auch die Athletinnen aus Österreich.

Frage: Apropos Russland und Kanada… Auf der rennschlittensportlichen Weltbühne haben gerade die Rennrodlerinnen aus Russland und Nordamerika aufgeholt. Mit welchen Ergebnissen bei den Damen rechnen Sie in einem Jahr bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi? Wie ist da Ihre Prognose?

Ute Klawonn: Der Heimvorteil der Russinnen wird eine große Rolle spielen.
Ich denke, dass Tatiana Iwanowa nicht die einzige russische Sportlerin bleiben wird, die bei der Medaillenvergabe eine Rolle spielt.

Auch Kanada und die USA haben gute Fahrerinnen – Alex Gough zum Beispiel und dann natürlich unsere „altbewährten“ Rodlerinnen. Vielleicht haben aber auch die jungen Fahrerinnen wie Aileen Frisch und Carina Schwab schon eine Chance.

Neu ist ja 2014 der Teamwettbewerb im Rodeln. Darauf bin ich gespannt. Bisher waren die deutschen Fahrer ja auch dabei dominierend.

Frage: Sie selbst wurden 1972 Europameisterin. Wie verlief der damalige Wettbewerb aus Ihrer Sicht?

Ute Klawonn: Die EM sollte eigentlich in Grenoble stattfinden, wurde allerdings kurzfristig wegen Tauwetters nach Königssee verlegt. Wir hatten nur drei Trainingsläufe –im drittenLauf bin ich gestürzt und mußte „so“ ins Rennen gehen.

Ich hatte seinerzeit gewonnen, – die „Bild-Zeitung“ schrieb damals „Lächerliche 81 Zentimeter fehlten Elisabeth Demleitner zum Europameisterschaftssieg“. – Es waren 0,004 Sekunden in vier Läufen…

Das war mein erster großer internationaler Erfolg.

Vielen Dank für Ihre Statements. Auf eine spannende EM und WM im Rennrodeln!

Marko Michels