Nachbarschaftsduell gegen Polen/Hagen Stamm: „Die EM-Qualifikation ist für uns ein Muss!“

Wasserball ist auch in Warnemünde beliebt… Foto: Wolfgang Gross

Kassel, 6. November 2017. In der dritten und finalen Qualifikationsrunde zur Wasserball Europameisterschaft 2018 trifft das Wasserball-Team Deutschland der Männer auf Polen. Der Sieger des Nachbarschaftsduells wird in Hin- und Rückspiel ermittelt und hat das EM-Ticket für Barcelona in der Tasche.

„Was unsere Zielstellung betrifft, hätte es für mich keinen Unterschied gemacht, ob wir auf Litauen oder Polen treffen. Für uns ist die EM-Qualifikation ein Muss! Ich freue mich aber, dass wir es mit unseren Nachbarn zu tun bekommen. Das ist das eindeutig attraktivere Los, auch weil es immer wieder enge Verbindungen zum polnischen Wasserball gegeben hat. Namen wie Piotr Bukowski, Slawomir Andruszkiewicz oder Lukasz Kieloch kennen Wasserball-Fans in Polen und Deutschland“, so Wasserball-Bundetrainer Hagen Stamm.

Respektvoll zeigt sich der Bundestrainer auch gegenüber dem aktuellen Leistungsvermögen der polnischen Nationalmannschaft: „Wir sind sicherlich der Favorit in beiden Begegnungen, aber die Polen werden sich gegen uns teuer verkaufen wollen. Der polnische Wasserball arbeitet sehr engagiert daran, international den Anschluss zu schaffen. Dass wir zuerst auswärts antreten werden, eröffnet uns die Möglichkeit vor heimischer Kulisse den Sack zuzumachen. Das ist eine schöne Vorstellung, die sich aber nur erfüllt, wenn wir den Gegner nicht unterschätzen.“

Das Hinspiel in der entscheidenden Qualifikationsrunde zur Wasserball Europameisterschaft 2018 findet am 24. Februar 2018 in Polen statt, das Rückspiel eine Woche später am 03. März in deutschen Gefilden. Die Spielorte sind noch nicht bekannt.

Wasserball-Frauen gegen Rumänien

Auch das Wasserball-Team Deutschland der Frauen will sich das EM-Ticket sichern. Dafür muss sich die DSV-Sieben von Bundestrainer Milos Sekulic gegen Rumänien durchsetzen. Anders als bei den Männern treten die deutschen Frauen zunächst zu Hause an. Das Hinspiel ist auf den 17. Februar terminiert, das Rückspiel auf den 03. März.

Harald Gehring, Gehring Sport & Medien, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Deutscher Schwimm-Verband (DSV)

Exkurs: 

Bei den olympischen Wasserball-Turnieren im letzten Jahr (2016) in Rio de Janeiro setzten sich bei den Frauen die USA und bei den Herren Serbien durch.

Insgesamt waren 260 Wasserball-Spielerinnen und -Spieler aus 14 Ländern bei den 2016er Spielen aktiv. Aus sechs Ländern, vom Gastgeber Brasilien, aus Australien, aus Ungarn, aus den USA, aus Spanien und aus Italien, gingen jeweils die Damen- und die Herren-Mannschaften  im Wasserball an den Start gehen. Deutsche Wasserball-Teams meisterten die Olympia-Qualifikation leider nicht.

1900 erstmals olympisch

Im Jahr 1900, bei den zweiten Olympischen Spielen der Neuzeit in Paris, stand Wasserball, nur für Herren, zum ersten Mal auf dem olympischen Programm. Seinerzeit siegte der „Osborne Swimming Club Manchester“ aus Großbritannien vor dem „Club de Natation de Bruxelles“ aus Belgien. Eine deutsche Wasserball-Mannschaft, vom Berliner Schwimm-Club, mit Herbert von Petersdorff nahm ebenfalls am Turnier 1900 teil und wurde Fünfter. Herbert von Petersdorff war bei den Spielen 1900 indes ebenfalls Schwimmer und erkämpfte mit der deutschen Schwimm-Mannschaft im Wettbewerb über die 200 Meter Gold.

Ungarn bislang am erfolgreichsten, deutsche Mannschaften mit vier Medaillen

Auch bei den folgenden drei olympischen Wasserball-Turnieren, 1908 in London, 1912 in Stockholm und 1920 in Antwerpen, gab es jeweils Gold für britische Teams. Bei den Spielen 1924 in Paris holte mit Frankreich erstmals eine nicht-britische Mannschaft den Olympiasieg im Wasserball.

Deutsche Wasserball-Mannschaften belegten bei Olympischen Spielen viermal Medaillenplätze, wobei der Olympia-Gold 1928 in Amsterdam der bislang größte Erfolg für den deutschen Wasserball-Sport darstellt. 1932 in Los Angeles und 1936 in Berlin folgte jeweils Silber und 1984 in Los Angeles errangen die Wasserballer des Deutschen Schwimm-Verbandes mit Bronze die bis dato letzte Olympia-Medaille aus deutscher Sicht.

Rekord-Olympiasieger im Wasserball (Herren) sind die Ungarn, die 1932, 1936, 1952, 1956, 1964, 1976, 2000, 2004 und 2008 jeweils Gold erkämpften.

Wasserball für Frauen – seit 2000 in Sydney olympisch

Erst seit 16 Jahren, seit den Olympischen Spielen 2000 in Sydney, dürfen die Wasserball-Spielerinnen „in das olympische Wasser“. Premieren-Sieger wurden die Australierinnen. Die US-Amerikanerinnen triumphierten hingegen 2012 in London und 2016 in Rio de Janeiro, nachdem sie bereits bei den vorangegangenen drei Turnieren jeweils zu einer Medaille kamen – 2000 zu Silber, 2004 zu Bronze und 2008 zu Silber.

Wasserball – eine „europäische“ Ballsportart

Bisher errangen zwanzig Länder Medaillen im Wasserballsport, darunter dreizehn Staaten eine oder mehrere Goldmedaillen.

Aus kontinentalem Blickwinkel waren europäische Teams bei den bisherigen olympischen Wasserball-Turnieren (Damen, Herren) sehr erfolgreich, erkämpften 79 von 93 möglichen Medaillen bzw. 28 von 31 möglichen Olympiasiegen. Das entspricht einem Anteil des „alten Kontinents“ von 85 Prozent bezüglich der Olympia-Medaillen und sogar von 90 Prozent bezüglich der Olympiasiege.

Für den amerikanischen Doppelkontinent gab es bislang (dank den USA) elf Medaillen, darunter zweimal Gold, und für Australien-Ozeanien (dank Australien) drei Medaillen, darunter ebenfalls einmal Gold.

Paul Schüler, ein bekannter Wasserball-Spieler aus MV

Ein bekannter Wasserball-Spieler aus Mecklenburg-Vorpommern ist Paul Schüler, Jahrgang 1987, geboren in Ribnitz-Damgarten und Mitglied des ASC Duisburg. Paul Schüler wurde unter anderem mit der deutschen Mannschaft 2012 EM-Fünfter, belegte bei der WM 2011 Rang acht und nahm zudem 2013 an der WM teil.

… Bei den diesjährigen Weltmeisterschaften (2017) in Budapest gewannen bei den Frauen die USA und bei den Herren Kroatien.

Marko Michels