Rio nach den Spielen: Zwischen Generalabrechnungen, Katzen-Jammer und Rückblicken

Kaum sind die Spiele 2016 Vergangenheit, da beginnt die große Generalabrechnung. Der Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees, Philip Craven, und die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Verena Bentele, kritisierten den Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees, Dr. Thomas Bach, weil dieser den Paralympics fern blieb und diese auch bei seiner Rede auf der Abschlußfeier der Olympischen Spiele nicht erwähnte.

Wo bleibt die große Kritik?

Dass einst wiederum Philip Craven Verena Bentele kritisierte, weil diese 2014 nicht bei den Winter-Paralympics 2014 in Sotschi weilte, ist da schon eine groteske Rand-Notiz. Offizielle Besuche von deutschen Regierungsvertretern in Sotschi  waren – auf Druck der schwarz-roten Bundesregierung – wegen der Krim-Krise seinerzeit verpönt. Im Prinzip „Klein-Klein-Kritiken“, die das „große Ganze“ nicht im Blick haben.

Kosten über Kosten

Inzwischen werden die Kosten berechnet, die im Sotschi-Bereich, also 50 Milliarden Dollar, liegen dürften – angefangen von der Planung über die Organisation bis zur Durchführung der „Olympics“ und „Paralympics“. Dazu kommen noch die finanziell-materiellen Aufwendungen für die Sicherheit, für den temporären und nicht nachhaltigen Weiterbetrieb der Sportanlagen und für den Rückbau unnötiger sportlicher Infrastruktur.

Das Not leidende und von extremer Armut betroffene brasilianische Volk, einmal abgesehen von den „oberen Zehntausend“, wird noch mit den extremen Folgen der beiden Spiele zu kämpfen haben.

Aus deutscher Sicht sportlich so „la la“

Sportlich betrachtet lief es für das deutsche Paralympics-Team zwar durchaus gut, aber es blieb insgesamt hinter den Erwartungen zurück. Bei den Paralympics 2004 in Athen gewann die deutsche Mannschaft bei 519 Entscheidungen noch 78 Medaillen, darunter 19 x Gold, 2008 in Peking bei 472 Entscheidungen 59 Medaillen, darunter 14 x Gold, 2012 in London bei 503 Entscheidungen 66 Medaillen, darunter 18 x Gold, und nun, in Rio de Janeiro 2016, bei 528 Entscheidungen insgesamt nur 57 Medaillen, darunter 18 x Gold.

Nach dem rechtsstaatlich fragwürdigen Ausschluss Russlands aufgrund des angeblichen Staatsdopings dort – es gab keine Einzelfallprüfungen – hätte man durchaus mit mehr Medaillen für das deutsche Team rechnen können.

Sauber oder doch nicht

Schaut man sich einige paralympische Leistungen in Rio an, so kommt man doch mehr als ins Grübeln, ob dort alles, auch ohne Russland, „sauber“ zuging. Medizinisches wie technisches Doping, Betrug bei der Handicap-Klassifizierung und eine weitere intensive Professionalisierung des paralympisches Sportes machen diesen nicht gerade sympathisch, was auch für den olympischen Sport gilt.

Paralympisches Resümee vom VBRS M-V

Nun erreichte M.M. noch ein resümierendes Statement zu den Paralympics 2016 in Rio de Janeiro vom Verband für Behinderten- und Reha-Sport in Mecklenburg-Vorpommern, vom dortigen Projektleiter Torsten Hardtstock:

„Zwölf Sportlerinnen und Sportler mit Handicaps, die einem Sportverein in Mecklenburg-Vorpommern angehören, nahmen an den 15.Paralympics teil. Deren Bilanz, vier Medaillen, ein Europarekord, fünf persönliche Bestleistungen, zwei Saison-Bestleistungen, siebenmal Platz vier bis sechs und viermal Platz sieben bis neun, kann sich wahrlich sehen lassen.

Die Paralympics von Rio zeigten insgesamt betrachtet sehr spannende und emotionale Wettbewerbe. Es war zu erkennen, dass der paralympische Sport seit London 2012 noch professioneller geworden ist und es kaum noch Unterschiede zum olympischen Sport gibt.

Es gibt eine große Leistungsdichte. Die vielen Rekorde unterstreichen dabei das Leistungsvermögen der Sportlerinnen und Sportler. Oftmals entscheiden Kleinigkeiten über Medaille oder Platzierung.  Natürlich sollten hierbei die Themen Doping, Material-Entwicklung und Klassifizierung nicht ausgeklammert werden.

Die MV-Athletinnen und -Athleten haben die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt. Das Team bestand aus erfahrenen bzw. gestandenen und jungen hoffnungsvollen Sportlerinnen und Sportlern. Die gezeigten Ergebnisse machen Mut und Hoffnung den eingeschlagenen Weg in M-V weiterzugehen – gerade im Hinblick auf die Spiele von Tokio 2020.

Die Schwerpunktsetzung im VBRS M-V auf einige Sportarten war richtig und es können auch zukünftig nur so die entsprechenden Erfolge erzielt werden. Zum anderen steht mit dem Nachwuchs-Team bereits eine neue Generation in den Startlöchern.

Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang das Projekt: WIR in Rio, welches auch zukünftig seinen Beitrag zum Gelingen des Sports leisten wird.“

Marko Michels