Zwischen den U 23-WM in Plowdiw, den Junioren-WM in Trakai und den Elite-WM in Sarasota

Es gab Grund zum rudersportlichen Jubel in M-V am ersten Juli-Wochenende für M-V. Bei der traditionsreichen Henley-Regatta in Großbritannien setzte sich der gebürtige Rostocker Hannes Ocik, Jahrgang 1991, der für die Schweriner Rudergesellschaft startet, mit dem Deutschland-Achter durch.

Hannes Ocik konnte ohnehin schon einige Erfolge feiern: vierfacher Achter-Europameister 2013, 2015, 2016, 2017, zweifacher Vize-Weltmeister mit dem Achter 2013 bzw. 2015 sowie Olympia-Zweiter mit dem Achter 2016.

Damit können die deutschen Achter-Ruder-Recken mit viel Selbstbewußtsein zum Weltcup-Finale vom 7.Juli bis 9.Juli in Luzern reisen – und dann weiter zum Jahreshöhepunkt 2017, den Weltmeisterschaften vom 24.September bis 1.Oktober im amerikanischen Sarasota.

Aber nicht nur im rudersportlichen Elite-Bereich „glänzte“ ein Ruderer aus M-V.

Junge Ruderinnen und Ruderer aus M-V zu den Junioren- und U 23-WM nominiert

Für die kommenden internationale Nachwuchsmeisterschaften, den Junioren-WM (Altersklasse U 19) vom 2.August bis 6.August in Trakai (Litauen) und den U 23-WM vom 19.Juli bis 23.Juli in Plowdiw, wurden ebenfalls Ruderinnen und Ruderer aus M-V nominiert.

So startet bei den Junioren-WM im August Leon Münch vom Landesruderverband M-V. Zuvor, bei den U 23-WM im Juli, sind Max John (Olympischer Ruder-Club Rostock 1956), Benjamin Leibelt (Stralsunder RC), Carolin Dold (Greifswalder RC „Hilda“ 1892), Leah Labudde (ebenfalls Greifswalder RC „Hilda“ 1892) und Frauke Hacker (Olympischer Ruder-Club Rostock 1956) dabei.

Aktuell muß nun aber der Schlagmann des Deutschland-Achters, Hannes Ocik, beim Weltcup auf dem Rotsee in Luzern ran. Die bisherigen Weltcup-Stationen 2017 waren Mitte Mai Belgrad und Mitte Juni Poznan.

Wie lief es dort für die deutschen Ruderinnen und Ruderer eigentlich noch vor Jahresfrist?

Luzern  ist ein Ruder-Standort mit Tradition. Viermal fanden dort Ruder-Weltmeisterschaften statt, so die ersten WM bei den Herren überhaupt (1962) sowie die ersten Frauen-WM (1974). Dazu kommen noch die Welt-Titelkämpfe 1982 und 2001.

Seit Jahren werden dort auch Weltcups ausgetragen. Das war in diesem Jahr ebenfalls der Fall.

Weltcup 2016 in Luzern – ein Resümee

In den olympischen und nicht-olympischen Entscheidungen beim Weltcup 2016 in Luzern kamen die deutschen Ruderinnen und Ruderer auf lediglich einmal Gold und zweimal Silber. Der Frauen-Doppelvierer schaffte hinter den Polinnen Silber.

Gleiches vollbrachte der Herren-Achter mit dem gebürtigen Rostocker Hannes Ocik (Schweriner Rudergesellschaft) und dem gebürtigen Bad Doberaner Felix Drahotta (jetzt Leverkusen). Wobei: Beiden Booten hatte man eigentlich den Sieg zugetraut…

Für den einzigen deutschen Triumph auf dem Rotsee sorgte Anja Noske im leichten Frauen-Einer. In den olympischen Einer-Disziplinen gewannen hingegen bei den Frauen Kimberly Brennan (Australien) und bei den Herren Mahe Drysdale (Neuseeland).

Im Frauen-Achter waren die Amerikanerinnen am besten.

Aus M-V-Sicht belegte unter anderem Stephan Krüger (Rostock), mit Marcel Hacker, Rang vier (hinter Kroatien, Neuseeland sowie Litauen) im Doppelzweier und Marie-Louise Dräger (Rostock), mit Fini Sturm, Rang elf im leichten Doppelzweier der Frauen.

Neuseeland die Nummer eins

Ansonsten dominierten beim Weltcup in Luzern 2016 Neuseeland mit 3 x Gold, 2 x Silber, 3 x Bronze, Großbritannien mit 2 x Gold, 2 x Silber, 1 x Bronze, Australien mit 2 x Gold, 2 x Silber, die USA mit 2 x Gold, 1 x Silber, 2 x Bronze und Kroatien mit 2 x Gold. Neben Deutschland ruderten auch die Niederlande (wie erwähnt), Frankreich, Litauen, Kanada und Polen zu Erfolgen. Podestplätze schafften Ruderinnen und Ruderer aus 20 Nationen.

Und: Wie war das eigentlich noch bei den historischen Ruder-WM 1962 und 1974 auf dem Rotsee in Luzern aus regionaler und nationaler Sicht?!

Bereits bei den ersten Ruder-Weltmeisterschaften überhaupt, 1962 in Luzern, jubelten Ruderer aus Mecklenburg und Vorpommern. Im siegreichen westdeutschen Achter 1962 ruderte auch eine MV-Troika – mit Karl-Heinrich Groddeck (Geburtsort Tutow), Hans-Jürgen Wallbrecht (Geburtsort Neubrandenburg) und Klaus Aeffke (Geburtsort Neustrelitz). Insgesamt gab es aus deutscher Sicht damals 5 x Gold, 1 x Bronze in den sieben Ruder-Entscheidungen nur für Herren.

Vor 43 Jahren – Die Ruder-WM 1974 in Luzern

Die Frauen durften erst 12 Jahre später, 1974 erneut in Luzern, in die weltmeisterlichen Ruder-Boote. Die erste gemeinsame Ruder-WM für die Entscheidungen bei den Frauen und bei den Männern war dabei eine sehr erfolgreiche aus deutscher Sicht, denn die Ruderinnen und Ruderer aus Deutschland-Ost und auch Deutschland-West konnten nach Ende der Welttitelkämpfe`74 10 x Gold, 3 x Silber, 4 x Bronze vorweisen.

Christine Scheiblich (DDR) siegte im Frauen-Einer und Wolfgang Hönig (DDR) im Herren-Einer. Im erfolgreichen DDR-Frauen-Achter ruderte zudem eine Schwerinerin mit – Sabine Brincker. Im goldenen Doppelvierer der DDR-Herren war unter anderem der gebürtige Greifswalder Joachim Dreifke (ASK Vorwärts Rostock) mit „an Bord“. Und der DDR-Vierer ohne wurde mit dem gebürtigen Rostocker Siegfried Brietzke Erster.

Nun gilt es aber in Luzern 2017 erfolgreich zu bestehen…

Ruder-WM 2017 in Sarasato – die zweiten Titelkämpfe in den USA

Und dann geht es weiter nach Sarasato, zu den WM 2017 im Rudern vom 24.September bis 1.Oktober.

Globale Ruder-Regatten im Elite-Bereich auf dem amerikanischen Doppel-Kontinent gab es bislang zwölfmal. So wurden die Ruder-WM 1970 bzw. 1999 in St.Catharines, 1984 bzw. 1992 in Montreal (jeweils in den nichtolympischen Bootsklassen) und 1994 in Indianapolis ausgetragen. Olympischen Regatten auf dem amerikanischen Doppel-Kontinent fanden 1904 in Saint Louis, 1932 in Los Angeles, 1968 in Mexico-City, 1976 in Montreal, 1984 in Los Angeles, 1996 in Atlanta und 2016 in Rio de Janeiro statt.

Bei den einzigen Ruder-WM im Elite-Bereich in den USA, 1994 in Indianapolis, schafften aus M-V-Blickwinkel Katrin Rutschow-Stomporowski, geboren in Waren/Müritz, bzw. Jana Sorgers-Rau, geboren in Neubrandenburg, zusammen mit Kerstin Köppen und Kristina Mundt-Richter Gold im Doppelvierer. Goldene Momente erlebten „für M-V“ in Indianapolis 1994 zudem im Frauen-Deutschland-Achter Kathrin Haacker, in Wismar geboren, Dana Pyritz in Kühlungsborn geboren, und die Schwerinerin Doreen Schnell.

Rückblick: Vor 47 Jahren – Erste Ruder-WM auf dem amerikanischen Doppel-Kontinent

1970 in Saint Catharines, Ontario, in Kanada wurden die ersten Ruder-Weltmeisterschaften im Elite-Bereich auf dem amerikanischen Doppel-Kontinent veranstaltet – ohnehin erst die dritten nach Luzern 1962 und Bled 1966.

Die deutschen Ruderer sammelten dort fleißig Medaillen. Die DDR kam auf 3 x Gold, 4 x Silber und Westdeutschland auf jeweils 1 x Gold, Silber und Bronze.

Aus M-V-Sicht gab es auch Grund zum Jubeln, so unter anderem für Peter Gorny bzw. Werner Klatt (beide ASK Vorwärts Rostock), die Gold im Zweier ohne eroberten, für den gebürtigen Rostocker Reinhard Gust bzw. den gebürtigen Bützower Eckhard Martens (beide SC Dynamo Berlin), die Gold mit dem DDR-Achter schafften, und für Bernd Meerbach, Rolf Zimmermann, Jochen Mietzner, Karl-Heinz Prudöhl und Karl-Heinz Danielowski (alle ASK Vorwärts Rostock) mit Silber im Vierer mit.

Die 21 Medaillen der WM 1970 waren vor allem eine sportliche Beute Europas, das sich 18 der 21 möglichen Medaillen sowie sechs der sieben erreichbaren WM-Titel sicherte. Lediglich der Argentinier Alberto Demiddi im Einer (Gold), die USA im Doppelzweier (Bronze) und die Neuseeländer im Achter (Bronze) durchbrachen vor 47 Jahren die europäische Ruder-Phalanx.

…Die Ruderinnen und Ruderer aus Nordamerika, Australien, Neuseeland und auch Asien dürften allerdings 2017 ungleich stärker sein.

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Statement von Hannes Ocik zur Henley-Regatta und zu den kommenden Aufgaben in Luzern und in Sarasota:

„Das Rennen hier in Henley lief gut. Wir hatten zwar Probleme mit den wechselnden Winden und der Strömung, aber „im Großen und Ganzen“ war alles gut. Was den Weltcup auf dem Rotsee betrifft: Luzern ist eine super Strecke. Nur leider konnte ich dort noch nie gewinnen. Das will ich nun mit dem Team ändern. Und hinsichtlich der WM gilt: Für diese Welt-Titelkämpfe haben wir uns den Titel vorgenommen. Der WM-Austragungsort Sarasota ist für uns alle eine Premiere. Niemand weiß so recht, wie es sich dort rudern wird…“

Marko Michels

Foto (Michels): Ruder-Ass Hannes Ocik von der Schweriner Rudergesellschaft.