„Es ist eine gro√üe Last von mir gefallen…“

Short Trackerin Bianca Walter √ľber die olympische Saison 2017/18

Short Track-Ass aus Dresden: Bianca Walter Foto: B.Walter/privat

Die olympische Saison 2017/18 im Short Track hat l√§ngst begonnen – mit den Weltcups in Budapest und in Dordrecht Ende September/Anfang Oktober. In den 16 Entscheidungen der beiden Weltcup-Veranstaltungen setzten S√ľdkorea (neun Erfolge), Kanada (vier Erfolge) und China, Ungarn bzw. die Niederlande (jeweils ein Erfolg) die sportlichen Akzente.

√úberhaupt sind die S√ľdkoreanerinnen und S√ľdkoreaner mit Blickrichtung auf „ihre“ Olympischen Winterspiele im Februar 2018 in der Favoriten-Stellung. Olympische Ziele hat jedoch auch eine deutsche Short Trackerin: Bianca Walter, Jahrgang 1990, vom Dresdner EV.

MV-SPORT fragte nach

Bianca Walter √ľber die bisherigen Wettk√§mpfe 2017/18, die geschaffte Olympia-Norm, das Sommer-Training, das internationale Kr√§fteverh√§ltnis im Short Track, die Entwicklung der Winterspiele und ihren Ausgleich zum Sport

„Es ist eine gro√üe Last von mir gefallen…“

Frage: Frau Walter, die olympische Short Track-Saison hat längst begonnen. Wie bewerten Sie die ersten Ergebnisse?

Bianca Walter: Ich bin mit meinen ersten beiden Weltcups schon recht zufrieden, ich hatte einige sehr gute Läufe dabei Рtaktisch und auch läuferisch. Aber so wie im Training lief es trotzdem noch nicht und das zeigt mir, dass da durchaus noch Luft nach oben ist. Auch meine Platzierungen offenbaren das.

Aber trotz allem habe ich die nationale Olympia-Norm, an der ich die letzten zweimal (2010 und 2014) gescheitert bin, auf Anhieb geschafft! Das motiviert unheimlich und es ist eine gro√üe Last von mir gefallen. Jetzt geht es in den letzten beiden Weltcups noch darum, auch gen√ľgend Startpl√§tze zu erlaufen.

Frage: Wie verlief eigentlich Ihr Sommer-Training?

In Aktion: Bianca Walter. Foto: B.Walter/privat

Bianca Walter: Das war ziemlich spannend, wir haben in der letzten Saison unseren Bundestrainer „verloren“. Dieser ist nach vielen langanhaltenden Unstimmigkeiten mit dem Verband gegangen und wir hatten √ľbergangswei√üe zwar zwei gute Trainer, die uns aber nicht diese Saison auf dem Weg zu Olympia ausreichend betreuen konnten.

Daher bin ich mit einem Teil der Nationalmannschaft vor drei Monaten nach Holland gezogen und hier bereiten wir uns mit einem holländischen Club sowie einer sehr guten Trainerin auf die anstehenden Wettkämpfe bzw. Olympia vor. Ein kleines Abenteuer und alles sehr kurzfristig, aber das Risiko zahlt sich aus, wie ich jetzt schon sehen kann.

Und wir stehen schon seit Anfang Juni wieder auf dem Eis, so viel reines Sommertraining haben wir also gar nicht. Wir trainieren sehr vielseitig – Rennradfahren, Kraft-, Lauf- oder Imitationstraining und vieles mehr. Es wird nie langweilig und ist abwechslungsreich.

Frage: S√ľdkorea ist im Hinblick auf die olympischen Short Track-Konkurrenzen in Pyeongchang klar favorisiert. Wie beurteilen Sie das internationale Kr√§fteverh√§ltnis derzeit im Short Track?

Bianca Walter: Die letzten Jahre ist das gesamte Feld auf jeden Fall noch enger zusammenger√ľckt. Und immerhin ist im M√§rz eine Britin Weltmeisterin geworden und keine Koreanerin! Europa ist sehr stark geworden, Short Track ist hier eben noch eine junge Sportart im Vergleich zu Korea oder auch Kanada.

Nat√ľrlich werden die Koreaner ihren Heimvorteil nutzen und haben auch in den ersten beiden Weltcups wieder viel St√§rke gezeigt. Aber auch andere Nationen laufen immer wieder in die Weltspitze. Im Short Track ist alles m√∂glich und ich kann auf jeden Fall nicht behaupten, dass die Medaillen bei uns schon vergeben sind. Short Track bringt immer √úberraschungen mit sich, vor allem bei einem so gro√üen Event.

Frage: Es ist nicht mehr weit bis Pyeongchang… Was verbinden Sie mit Olympischen Winterspielen, deren Vergabe und Organisation zunehmend in der Kritik steht?

Bianca Walter: Nat√ľrlich besch√§ftigt mich rund um die Spiele auch die Themen der Vergabe bzw. Organisation und vor allem auch die Sicherheit. Die Nachhaltigkeit sollte zum Beispiel eine viel gr√∂√üere Rolle spielen und auch die politisch Lage eines Landes.

Ich finde es schrecklich, was f√ľr manche Spiele alles weichen musste oder nicht nachhaltig genutzt wird und verf√§llt. …Dass immer mehr neue teure Sportst√§tten gebaut werden, an Orten, wo eigentlich kein Platz ist, statt schon bestehende Olympiast√§tten zu nutzen.

Aber ich bin trotzdem seit vier Jahren, eigentlich schon seit 10 Jahren, in Vorbereitung auf diese Spiele und habe da nat√ľrlich den Fokus auf den sportlichen Wettk√§mpfen und muss mich auf die vielen Verantwortlichen verlassen, auch wenn ich selbst vieles anders machen w√ľrde. Es ist eben mein gr√∂√üter sportlicher Traum, den ich seit ich klein bin verfolge und damit m√∂chte ich vollends in die gro√üen Fu√üstapfen meiner Mama treten…

Letzte Frage: Was ist eigentlich Ihr Ausgleich zum Short Track?

Bianca Walter: Mein Ausgleich ist meine Familie, mein Freund und meine Freunde. Viel Freizeit haben wir zwar nicht, aber sie alle holen mich immer wieder mal raus aus dem Sportalltag, lenken mich von zu viel Verbissenheit oder Ehrgeiz ab und zeigen mir was neben dem Sport noch wichtig ist im Leben.

Vielen Dank, dann alles erdenklich Gute und maximale Erfolge in der olympischen Saison 2017/18!

Die Fragen stellte: M.Michels.

Exkurse

Sotschi 2014 und die Wettkämpfe im Short Track

Fast vier Jahre ist es her, dass auf dem olympischen Eis in Sotschi die Kurzbahn-Eisschelll√§uferinnen und ‚ÄďEisschnelll√§ufer ihre Champions k√ľrten. Am Ende wurde Russland mit 3 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze erfolgreichste Nation vor China mit 2 x Gold, 3 x Silber, 1 x Bronze, S√ľdkorea mit 2 x Gold, 1 x Silber, 2 x Bronze und Kanada mit 1 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze. Medaillen erk√§mpften auch Italien, die USA und die Niederlande.

Die erfolgreichsten Teilnehmer bei den Spielen waren letztendlich der dreifache Olympiasieger Viktor Ahn (Russland), der unter seinem fr√ľheren Namen Ahn Hyun-soo 2006 in Turin f√ľr S√ľdkorea auch dreimal Olympia-Gold erk√§mpfte, und die zweifache Olympiasiegerin Park Seung-hi aus S√ľdkorea. ¬†Die deutschen Farben in Sotschi vertraten der inzwischen zur√ľckgetretene Robert Seidel und Anna Seidel (beide Dresdner EV).

Rostockerinnen bzw. Rostocker bei olympischen Konkurrenzen im Short Track

Von 1998 bis 2010¬† pr√§sentierten sich die Rostocker Kurzbahn-Eischnelll√§uferinnen und -l√§ufer mit durchaus bemerkenswerten Platzierungen, gerade im Staffelbereich, bei Winter-Olympia sehr gut…

Die bisherigen Olympia-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer im Short Track des ESV Turbine Rostock waren dabei Katrin Weber, Jahrgang 1976, bei Winter-Olympia 1998, Anne Eckner, Jahrgang 1979, bei Winter-Olympia 1998, Arian Nachbar, Jahrgang 1977, bei Winter-Olympia 1998, 2002 sowie 2006, Ulrike Lehmann, Jahrgang 1982, bei Winter-Olympia 2002, Andre Hartwig, Jahrgang 1983, bei Winter-Olympia 2002 sowie 2006 und Aika Klein, Jahrgang 1982, bei Winter-Olympia 2002, 2006 und 2010.

Zudem startete Moritz Kreuseler vom ESV Turbine Rostock 2016 bei den Olympischen Jugend-Spielen in Lillehammer.

R√ľckblick auf die Elite-WM im Short Track 2017

Bei den Elite-Weltmeisterschaften in Rotterdam im M√§rz 2017 gab es letztendlich auch Erwartetes und nicht Erwartetes. S√ľdkorea avancierte jedenfalls mit 11 Medaillen, darunter 4 x Gold, zur erfolgreichsten Nation. Dahinter folgten Gastgeber Niederlande mit 5 Medaillen, darunter 3 x Gold, Grossbritannien (!) mit 4 Medaillen, darunter 3 x Gold, und China mit 4 Medaillen, darunter 2 x Gold. Kanada schaffte 7 Medaillen, aber kein WM-Gold… Plaketten erliefen sich auch Ungarn, Japan und Russland.

Die √úberraschung der WM war zweifellos der WM-Titel der Britin Elise Christie im Mehrkampf, die zwar vor Jahresfrist, bei den WM 2016 in Seoul, schon WM-Dritte war, der man aber nicht unbedingt die WM-Goldene zugetraut h√§tte… Zudem errang Elise Christie noch Gold √ľber die 1000 Meter bzw. 1500 Meter und Bronze √ľber die 3000 Meter.¬† Nach ihrem Landsmann Wilf O`Reilly, der bei den M√§nnern 1991 in Sydney Mehrkampf-Gold bei den Herren erreichte, ist Elise Christie nun die erste Britin, der das gelang. Wilf O`Reilly errang √ľbrigens auch zweimal Gold (500 Meter, 1000 Meter) bei den damaligen olympischen Demonstrationswettk√§mpfen im Short Track in Calgary.

Gold in Rotterdam ebenfalls an S√ľdkorea, China und die Niederlande

Goldene Augenblicke erlebten in Rotterdam 2017 ausserdem Seo Yi-ra (S√ľdkorea, Mehrkampf der Herren, 1000 Meter der Herren), dazu Silber √ľber 3000 Meter und zweimal Bronze √ľber 500 Meter und 1500 Meter. Sin Da-woon (S√ľdkorea) triumphierte √ľber die 1500 Meter. Lokal-Matador Sjinkie Knegt kam zu Gold √ľber 500 Meter bzw. 3000 Meter und mit der niederl√§ndischen Herren-Staffel (dazu Mehrkampf-Silber f√ľr den Mehrkampf-Weltmeister von 2015 in Moskau). Bei den Frauen eroberte Fan Kexin (China) Gold √ľber 500 Meter und mit der chinesischen Frauen-Staffel, Shim Suk-hee (S√ľdkorea) war √ľber die 3000 Meter die Beste.

Kommende internationale Termine im Short Track

– dritter Weltcup 2017/18 vom 9.November 2017 bis 12.November 2017 in Shanghai

– vierter Weltcup 2017/18 vom 16.November 2017 bis 19.November 2017 in Seoul

– Elite-Europameisterschaften vom 12.Januar 2018 bis 14.Januar 2018 in Dresden

– Olympische Winterspiele vom 9.Februar 2018 bis 22.Februar 2018 in Pyeongchang

РJunioren-Weltmeisterschaften vom 2.März 2018 bis 4.März 2018 in Warschau

РElite-Weltmeisterschaften vom 16.März 2018 bis 18.März 2018 in Montreal.

M.M.

 

 

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