Echte sportliche Begeisterung durch gastfreundliche Norwegerinnen und Norweger

Die zweiten Olympischen Jugend-Winterspiele sind bereis wieder Geschichte. Es gab 70 Goldmedaillen, aber noch viel mehr und viel Wichtigeres: Es entstanden neue Freundschaften, Sportlerinnen bzw. Sportler unterschiedlichster Kulturen bzw. Nationen traten in gemeinsamen Mannschaften an und in Lillehammer lebte der Sport und das friedliche Miteinander.

Lillehammer – „Zurück zu den Wurzeln!“

Die Stadt, in der schon die 17.Olymischen Winterspiele im Jahr 1994 stattfanden, gab es natürliche sowie nachhaltige Wettkampfstätten, eine echte Begeisterung bei den Zuschauern, keinen übertriebenen Luxus und kein nervendes Marketing. „Back to the Roots!“ – „Zurück zu den Wurzeln!“ – Also: Zu den Ursprüngen des olympischen Sportes… Das war, das ist das eigentliche Motto, die eigentliche Botschaft von Lillehammer 2016!

Alles war ein paar Nummern kleiner, als in den „olympischen Retorten-Winter-Städten“ a la Albertville 1992, Nagano 1998, Turin 2006 oder Sotschi 2014. Dafür war alles viel herzlicher, viel sportlicher, viel angenehmer.

In Lillehammer nahmen letztendlich 1068 Athletinnen und Athleten zwischen 15 und 18 Jahren aus 71 Ländern teil, die um Medaillen friedlich wetteiferten. Die deutsche Mannschaft umfasste 44 Sportlerinnen und Sportler.

Ja, um die obligatorischen Medaillen ging es natürlich auch. Der Wettkampf-Gedanke ist eben nur allzu menschlich und wenn er fair beherzigt wird, ist ein sportlicher Wettbewerb sogar ein gesellschaftlicher Gewinn, der zum Mit- und Nachmachen inspirieren kann…

USA und Südkorea am erfolgreichsten

Die USA, Südkorea, Russland, Deutschland, die Schweiz und Norwegen stellten letztendlich die erfolgreichsten Mannschaften. Multinationale Teams errangen auch einige Medaillen. Nur im Sport ist es gegenwärtig anscheinend möglich, dass Russen, Amerikanerinnen, Chinesen, Japanerinnen und Schweizer in einer gemeinsamen Mannschaft bestmögliche Leistungen und Haltungen zeigen können. Schön, zugleich aber traurig, weil es woanders nicht praktziert wird oder werden soll…

Russland im Eiskunstlaufen am besten

Im Eiskunstlaufen sammelten die russischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den bisherigen vier von fünf Entscheidungen die meisten Medaillen (3 x Gold, 1 x Silber, 3 x Bronze), wobei Polina Tsurskaya bei den Mädchen, Ekaterina Borisova bzw. Dimitri Sopot im Paarlaufen und Anastasija Schpilevaja bzw. Grigori Smirnov im Eistanzen gewannen.

Der Japaner Sota Yamamoto war hingegen bei den Jungen der Beste. Die traditionsreiche Eiskunstlauf-Nation Kanada „schrammte“ dreimal (!) denkbar knapp an den Medaillen vorbei. Roman Sadovsky bei den Jungen, Marjorie Lajoie bzw. Zachary Lagha im Eistanzen und Justine Brasseur bzw. Mathieu Ostiguy im Paarlaufen wurden jeweils Vierte.

Insbesondere Justine Brasseur hatte sich eine Medaille so erhofft, war doch ihre Mutter Isabelle Brasseur, zusammen mit Lloyd Eisler, bei den 17.Olympischen Winterspielen 1994 in Lillehammer 1994 Dritte im Paarlaufen geworden.

Ein echter Höhepunkt der Eiskunstlauf-Wettbewerbe waren der Mannschaftswettbewerb mit multinationalen Teams. So gewann „Team Desire“ mit Dimitri Alijew (Russland), Li Xiangning (China), Sarah Rose bzw. Joseph Goodpaster (USA) sowie Anastasija Skoptcova bzw. Kirill Aleshin (Russland) vor „Team Future“ mit Ivan Shmuratko (Ukraine), Diana Nikitina (Lettland), Anna Duskova bzw. Martin Bidar (Tschechien) sowie Julia Wagret bzw. Mathieu Couyras (Frankreich) und „Team Discovery“ mit Deniss Vasiljevs (Lettland), Fruzsina Medgyesi (Ungarn), Gao Yumeng bzw. Li Bowen (China) und Marjorie Lajoie bzw. Zachary Lagha (Kanada) – endlich doch noch Eiskunstlauf-Edelmetall für Kanada…

Rennrodel-Gold für Kanada

Dafür gab es Gold für Kanada im Rennrodeln. Brooke Apshkrum verwies bei den Mädchen im Einsitzer Deutschlands Jessica Tiebel auf Platz zwei. Beim Jungen-Einsitzer erkämpfte Kristers Aparjods vor Paul-Lukas Heider (Deutschland) Gold – ebenso wie Felix Schwarz bzw. Lukas Gufler (Italien) im Doppelsitzer vor Hannes Orlamuender bzw. Paul Gubitz (Deutschland). Die Team-Staffel war hingegen „eine Sache“ der deutschen Mannschaft.

Sechs Goldene an fünf Länder im Biathlon

Nach sechs von sechs Entscheidungen im Biathlon verteilen sich die Goldmedaillen auf fünf Länder – Norwegen zweimal, Frankreich, Deutschland, die Ukraine und China je einmal. Juliane Frühwirt gewann im Mädchen-Sprint sowie Silber in der Mixed-Staffel und in der Einzel-Mixed-Staffel setzten sich Chinas Zhenyu Zhu bzw. Fanqi Meng durch. Zur erfolgreichsten Biathletin in Lillehammer wurde die Norwegerin Marthe Krakstad Johansen mit 1 x Gold, 3 x Silber. Bei den Jungen schaffte Sivert Guttorm Bakken ebenfalls aus Norwegen 2 x Gold, 1 x Silber.

Erfolgreiche Alpine aus der Schweiz, den USA und Österreich

Im Alpin-Bereich erkämpften die jungen Alpinen aus vier Ländern die neun Goldmedaillen. Dabei war die Schweiz mit 3 x Gold, 1 x Silber, 2 x Bronze vor den USA mit 3 x Gold, Österreich mit 2 x Gold, 2 x Silber, 1 x Bronze und Deutschland mit 1 x Gold, 1 x Silber, 2 x Bronze am erfolgreichsten. Der US-Amerikaner River Radamus triumphierte dreimal, wurde die Nummer eins in der Kombination, im Super-G und im Riesenslalom. Die Slalom-Entscheidung war „eine Angelegenheit“ für Manuel Traninger aus Österreich).

Die Schweizerin Aline Danioth freute sich dagegen über Gold in der alpinen Kombination und im Slalom der Mädchen. Dazu gab es für Aline Bronze im Super-G und im Riesenslalom. Damit wurde Aline Danioth die erfolgreichste Alpine 2016 in Lillehammer. Das deutsche Alpin-Team holte Gold im Mixed-Team-Wettkampf vor Russland sowie Finnland und weitere drei Einzel-Medaillen durch Katrin Hirtl-Stanggassinger (Zweite im Riesenslalom, Dritte in der alpinen Kombination) und Anton Grammel (Dritter im Riesenslalom).

Skilanglauf – Skispringen – Nordische Kombination: Spannend und erfolgreich auch aus deutscher Sicht

Im Nordischen Skisport und dessen Disziplinen – Skilanglauf, Skispringen und Nordische Kombination – gab es Erfolge für Schweden, Norwegen, Südkorea, Slowenien, Russland und Deutschland.

Die Schwedinnen Johanna Hagström bzw. Moa Lundgren und Maja Jakunina (Russland) siegten bei den Skilangläuferinnen sowie der Südkoreaner Kim Magnus und der Norweger Thomas Helland Larsen bei den Skilangläufern. Kim Magnus wurde dabei mit 2 x Gold, 1 x Silber der erfolgreichste Skilangläufer, die Schwedin Johanna Hagström mit 1 x Gold, 1 x Silber die erfolgreichste Skilangläuferin.

Dass Slowenien nicht nur im Elite-Bereich bei den Reiferen „eine Macht“ ist, bewiesen Bor Pavlovcic (Jungen) und Ema Klinec (Mädchen) bei den Skisprung-Wettbewerben in Lillehammer`16. Jonathan Siegel sprang hier zu Bronze. In der Nordischen Kombination ließ sich aber Tim Kopp vom deutschen Team den Sieg nicht nehmen. Im Nordischen Mixed-Team-Wettkampf setzte sich Slowenien vor Deutschland und Österreich durch.

Südkorea sehr stark im Eisschnelllaufen

Im Eisschnelllaufen avancierten Südkorea und China in den sieben Entscheidungen zu den erfolgreichsten Ländern. Südkorea kam auf 5 x Gold, 1 x Silber, 2 x Bronze und China auf 1 x Gold, 3 x Silber, 1 x Bronze. Je zwei Goldmedaillen erkämpften Park Ji-woo (Südkorea)  über 1500 Meter bzw. im Massenstart bei den Mädchen und Kim Min-seok (Südkorea) über 1500 Meter und im Massenstart bei den Jungen. Den Teamsprint gewann ein multinationales Team in der Besetzung Noemi Bonazza (Italien), Sumiya Buyantogtokh (Mongolische Republik), Chung Jae-woong (Südkorea) und Shen Hanyang (China). Ole Jeske von der deutschen Mannschaft wurde in einem weiteren multinationalen Team Dritter.

Vom Snowboard zum Ski-Freestyle

Im Snowboarden kamen die USA zu 5 x Gold, 1 x Silber. Je zweimal Gold errangen Chloe Kim (USA) in der Halfpipe und beim Slopestyle bei den Mädchen und Jake Pates (USA) in der Halfpipe und beim Slopestyle bei den Jungen. Die deutschen Snowboarderinnen und Snowboarder schafften einmal Gold (Team Snowboard-Ski-Cross mit Jana Fischer, Celia Funkler, Sebastian Pietrzykowski und Cornel Renn) und einmal Bronze (Sebastian Pietrzykowski im Snowboard-Cross).

Erfolgreichstes Land im Ski-Freestyle mit sechs Entscheidungen wurden die USA mit 1 x Gold, 2 x Bronze. Birk Irwing gewann in der Halfpipe.

Medaillen für Australien und Neuseeland

Sieben Medaillen gingen an Australien-Ozeanien, also in die südliche Hemisphäre… Finn Blous (Neuseeland) belegte Platz zwei in der Halfpipe und Platz drei beim Slopestyle (Ski-Freestyle). Für Australien gab es 5 Medaillen. Louis Muhlen (Australien) wurde Dritter im Ski-Cross (Ski-Freestyle). Und im Ski-Cross (Ski-Freestyle) jubelte auch die Australierin Zali Offord über eine Medaille, über Silber. Silber erkämpfte zudem Emily Arthur beim Snowboarden in der Halfpipe, wie ebenfalls Alex Dickson beim Snowboard-Cross. Eine weitere Silberne holte Julia Moore mit einer multinationalen Mixed-Staffel im Short Track.

Zwischen Skeleton, Mono-Bob und Curling

Im Skeleton waren Ashleigh Pittaway (Großbritannien) bei den Mädchen und Jewgeni Rukossujew (Russland) bei den Jungen nicht zu bezwingen. Aus deutscher Sicht belegten Hannah Neise Rang zwei und Robin Schneider Rang drei.

Goldene Momente erlebten für die deutsche Mannschaft Laura Nolte und Jonas Jannusch mit dem Mono-Bob. Laura siegte vor Mercedes Schulte aus Österreich und Kelsea Purchall (Großbritannien) und Jonas vor Maksim Iwanow (Russland) und Kristian Olsen (Norwegen).

Die jungen Curling-Asse fehlen in Lillehammer 2016 ebenfalls nicht. Im Mannschafts-Wettbewerb gewann Kanada vor den USA, der Schweiz und Russland und der Mixed-Paar-Wettkampf  endete mit einem Erfolg von Yako Matsuzawa (Japan) bzw. Philipp Hösli (Schweiz) vor Yu Han (China) bzw. Ross Whyte (Großbritannien).

Dreimal Gold für Südkorea im Kurzbahn-Eisschnelllaufen

Bei den Entscheidungen im Short Track dominierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Südkorea (3 x Gold, 1 x Silber) und China (je 1 x Gold, Silber, Bronze). Bei den Jungen gewann Kyunghwan Hong (Südkorea) die 500 Meter vor Kazuki Yoshinaga (Japan) und Wei Ma (China). Der Beste über die 1000 Meter war Daeheon Hwang (Südkorea) vor Wei Ma (China) und Shaoang Liu (China).

Und bei den Mädchen triumphierte Yize Zang (China) über die 500 Meter vor Petra Jaszapati (Ungarn) bzw. Katrin Manoilowa (Bulgarien) und Jiyoo Kim (Südkorea) über 1000 Meter vor Suyoun Lee (Südkorea) und Anna Seidel (Dresdner EV). Moritz Kreuseler (ESV Turbine Rostock) belegte über die 1000 Meter den zwölften Platz.

Die abschließende Mixed-Team-Staffel gewann hingegen eine multinationale Auswahl mit Ane Farstad (Norwegen), Kim Ji-yoo (Südkorea), Stijn Desmet (Belgien) und Quentin Fercoq (Frankreich).

Letztes olympisches Jugend-Gold an die USA

Natürlich dürfen bei Olympischen Jugend-Winterspielen auch die Eishockey-Cracks nicht fehlen. Für diese gab es zwei Turniere bei den Mädchen und den Jungen sowie Einzel-Wettkämpfe, bei denen die Schußgenauigkeit, die schnellste Runde, die Laufbeweglichkeit, der härteste Schuß, die Paßgenauigkeit und die Paßkontrolle bewertet wurden. Bei diesen Konkurrenzen gab es überraschende Erfolge. Sena Takenaka (Japan) wurde die Nummer eins bei den Mädchen und Eduard Casaneanu (Rumänien) bei den Jungen. Tabea Botthof (Deutschland) belegte Platz acht, Team-Kollege Erik Betzold sogar Platz drei.

Spannend verliefen die Eishockey-Turniere. Bei den Jungen gewannen die USA vor Kanada bzw.  Russland und bei den Frauen setzten sich die Schwedinnen durch.

Der „Star“ dieser Olympischen Jugend-Winterspiele hieß allerdings „Sjogg“, der Luchs – das Maskottchen von Lillehammer 2016.

– Resümee: Lillehammer 2016 ist Sporthistorie, aber die aufrichtigen sportlichen Werte und die echte sportliche Begeisterung, die dank der gastfreundlichen Norwegerinnen und Norweger wieder belebt wurden, bleiben. Hoffentlich…

Marko Michels