Tokyo ist Gastgeber der Olympischen Sommerspiele 2020

Im Gespräch mit dem Vize-Präsidenten des Deutschen Ruderverbandes, Dr. Dag Danzglock

Ein letzter Blick zurück… Wie verlief das vergangene Jahr für den Deutschen Ruderverband?

Dr. Dag Danzglock: Im Großen und Ganzen können wir ganz zufrieden sein. Bei der Weltmeisterschaft in Plovdiv holten fünf der zehn Finalboote eine Medaille – drei in den nicht-olympischen und zwei in den olympischen Bootsklassen. Dennoch haben wir etwas Luft nach oben. Doch mit 26 Nationen im Medaillenspiegel ist die Breite größer geworden.

Im U23-Bereich haben wir uns mit sieben WM-Medaillen im Vergleich zum Vorjahr gesteigert. Aber auch hier ist definitiv noch mehr Potential vorhanden. Bei der Junioren-WM in Racice waren wir in elf Finals vertreten, fünf Medaillen sind es am Ende geworden. Insgesamt waren in diesem Jahr Ruderer aus 120 Vereinen in den Nationalmannschaften vertreten. Dies ist eine beeindruckende Zahl, die die Breite im Leistungssport widerspiegelt und die wir gerne ausbauen möchten.

Laut der aktuellsten Mitgliederstatistik sind 86.762 Aktive (davon 79.186 über 14 Jahre) aus 477 Vereinen im Deutschen Ruderverband gemeldet.

Und die ersten Monate 2019? Mittlerweile begann ja allerorten das Anrudern…

Dr. Dag Danzglock: Die Saisonvorbereitung läuft bislang gut. Seit November 2018 bereiten sich unsere Athletinnen und Athleten auf die Olympischen Spiele 2020 vor. Mit Hamburg/Ratzeburg (Männer-Skull), Berlin (Frauen-Skull), Potsdam (Frauen-Riemen) und Dortmund (Männer-Riemen) haben wir vier Disziplinstützpunkte ausgewählt, die unserer Meinung nach die besten Bedingungen für ein optimales Training in Hinblick auf Tokio und unser Ziel von vier Medaillen bieten.

Die jeweiligen Trainingslager sind gut verlaufen, die Rückmeldungen der Trainer und Athleten waren sehr positiv. Im März standen bereits die ersten Leistungsüberprüfungen auf dem Programm, bei den Deutschen Kleinbootmeisterschaften in Köln Mitte April wird es dann ernst für die Sportler.

Das Ergometer-Rudern erlebt aktuell einen richtigen Aufschwung. Bei der Women’s Rowing Challenge im Januar konnten wir die Teilnehmerzahl verdoppeln. In den Winter-Monaten ist das Concept2 Ruderergometer für uns alle ein wichtiges Trainingsgerät, um an der Grundlagenausdauer für die Saison zu arbeiten. Aber auf dem Wasser rudert es sich immer noch am schönsten, deshalb sind wir alle froh, dass der Winter so langsam vorbei ist und die Vereine mit dem Anrudern in die Saison starten konnten.

Welche Herausforderungen warten auf den DRV und seine Athleten?

Dr. Dag Danzglock: Dieses Jahr steht ganz im Fokus der Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio 2020. Die Deutschen Kleinbootmeisterschaften in Köln bilden hierfür den Auftakt. Bei der nachfolgenden Europameisterschaft in Luzern (Schweiz) sowie den zwei Weltcups in Poznań (Polen) und Rotterdam (Niederlande) geht es darum, den letzten Feinschliff vorzunehmen und sich in der Weltspitze zu etablieren, um dann zum Saisonhöhepunkt, der Weltmeisterschaft und gleichzeitigen Qualifikation der Boote für Tokio 2020 in Linz (Österreich), in Top-Form zu sein.

Das U23-Team kämpft in diesem Jahr in Sarasota um die WM-Medaillen, für die Junioren geht es nach Tokio – diese beiden Standorte sind natürlich auch logistisch eine Herausforderung.

Mit Blick auf Olympia: Welche Ruderinnen und Ruderer aus M-V haben aus Ihrer Sicht Chancen auf die Regatta in 16 Monaten?

Dr. Dag Danzglock: Ich denke Hannes Ocik (Schweriner Rudergesellschaft 1874/75) hat wieder gute Chancen auf die Position des Schlagmannes im Deutschland-Achter. Das DRV-Flaggschiff startet ungeschlagen in die vorolympische Saison und wird sich sicher bei der WM in Linz für die Olympischen Spiele qualifizieren.

Auch Vereinskollegin Marie Louise Dräger kann sich überden leichten Einer für einen Platz im Leichtgewichts-Doppelzweier empfehlen. Julia Leiding (Rostocker Ruder-Club von 1885 e.V.) hat es im Frauen-Skull-Bereich mit starker Konkurrenz zu tun. Beim Vortest im März hat sie gut abgeschnitten, jetzt kommt es auf die Ergebnisse der Deutschen Kleinbootmeisterschaft sowie der Internationalen Wedau Regatta an. Dann wird sich zeigen ob und für welche Bootsklasse Disziplintrainer Marcin Witkowski sie nominiert.

Ihre Meinung zum internationalen Kräfteverhältnis?

Hinsichtlich des internationalen Kräfteverhältnisses im Rudersport kann man feststellen, dass immer mehr Nationen in der Weltspitze mitmischen. Bei der vergangenen WM in Linz waren insgesamt 26 Nationen im Medaillenspiegel vertreten. In der Spitze ist es sehr eng – da mischen vor allem die Italiener, Amerikaner, Australier, Neuseeländer, Kanadier und auch die Niederländer mit.

Vielen Dank und weiterhin bestes Engagement für den Rudersport!

mic