Goalball-WM: Gutes GefĂŒhl nach sanftem Umbruch

Viertelfinaleinzug ist das gesetzte Ziel | Erstes Spiel am Donnerstag gegen die TĂŒrkei

SpĂ€ter als geplant sind Deutschlands Goalballer zu den Weltmeisterschaften aufgebrochen. Eigentlich sollte das Turnier im Juni in China ausgetragen werden, stattdessen findet die WM nun vom 8.bis 16. Dezember im portugiesischen Matosinhos statt. Das deutsche Team hat den sanften Umbruch nach den enttĂ€uschenden Paralympics in Tokio gut gemeistert und sich zunĂ€chst den Einzug ins Viertelfinale als erstes Ziel gesetzt. ZusĂ€tzlichen Reiz bekommt die WM dadurch, dass den beiden Endspiel-Teilnehmern Tickets fĂŒr die Paralympischen Spiele 2024 in Paris winken.

Bei den Spielen in Tokio im September 2021 erlebten die deutschen Goalballer ein bitteres Vorrunden-Aus. Als Gruppenletzter platzte der Traum von der Paralympics-Medaille viel zu frĂŒh – punktgleich mit dem Gruppenersten aufgrund einer ziemlich verrĂŒckten Tabellenkonstellation. Das ist inzwischen abgehakt, die EnttĂ€uschung verarbeitet und der Blick geht lĂ€ngst wieder nach vorne. Schließlich sind es keine zwei Jahre mehr bis zu den nĂ€chsten Paralympischen Spielen. Mit Stefan Hawranke, Felix Rogge und Reno Tiede, der das Team nun als Co-Trainer begleitet, gehören drei langjĂ€hrige Spieler nicht mehr zur Nationalmannschaft. „DafĂŒr haben wir jĂŒngere Leute hinzugeholt und einen sanften Umbruch eingeleitet, der uns besonders in der zweiten JahreshĂ€lfte gut gelungen ist“, sagt Bundestrainer Stefan Weil.

Die erste JahreshĂ€lfte verlief hingegen ĂŒberhaupt nicht nach Plan – und das lag nicht nur an der verschobenen WM. „Wir hatten unheimlich viele AusfĂ€lle und Verletzungen, so dass wir kaum einen Lehrgang in voller Besetzung hatten“, berichtet Weil, der mit dem weiteren Verlauf der Vorbereitung hingegen sehr zufrieden ist. „Nach holprigem Start haben wir aus einer Gruppe wieder ein Team gemacht und sind richtig zufrieden mit der Entwicklung der Jungs und als Mannschaft“, betont Weil. Der Bundestrainer setzt neben einem erfahrenen Quartett auf zwei Neulinge. Zum sechsköpfigen Aufgebot zĂ€hlen zusĂ€tzlich zu den Paralympics-Teilnehmern Michael Dennis, Fabian Diehm, Oliver Hörauf und Thomas Steiger auch Philipp Tauscher und Nils Emig. Mit Diehm, Tauscher und Emig feiern drei Spieler ihre WM-Premiere, wobei nur Emig sein internationales DebĂŒt erlebt bei einem großen Turnier. Tauscher gehörte bereits zu dem Team, das bei den Europameisterschaften im November 2021 nach der Paralympics-EnttĂ€uschung einen guten vierten Platz errang.

Michael Dennis (1, GER) wehrt den Ball ab
(Archivfoto der Paralympics Tokio 2020: © Joachim Sielski / DBS)

„Wir haben richtig QualitĂ€t und auch VariabilitĂ€t in der Mannschaft. Vier von den Jungs sind noch immer nicht alt, aber dafĂŒr schon sehr erfahren und gereift. Dazu haben wir mit Philipp Tauscher einen sehr defensivstarken Spieler in unsere Reihen und mit Nils Emig den TorschĂŒtzenkönig der Goalball-Bundesliga“, erklĂ€rt Stefan Weil und fĂŒgt an: „Dazu sorgt Reno Tiede von außen als Co-Trainer fĂŒr die Emotionen und die Power.“ Beim hochkarĂ€tig besetzten Berlin-Cup im Oktober hat das deutsche Team trotz einiger Verletzungsprobleme bereits Ausrufezeichen gesetzt und teils auf sehr hohem Niveau gespielt. „Da haben wir Selbstvertrauen getankt und bestĂ€tigt, dass wir zu den besten Goalball-Mannschaften der Welt gehören können, wenn wir unser Potenzial abrufen und die Tagesform stimmt.“

Bei der WM in Portugal will das Team zunĂ€chst den Marathon in der Gruppenphase mit sieben Spielen ĂŒberstehen und ins Viertelfinale einziehen. „Das ist unser Ziel. Wenn wir das schaffen, erwarten uns weitere enge Duelle auf Augenhöhe und wir schauen von Spiel zu Spiel“, sagt Weil. Los geht es fĂŒr die deutsche Mannschaft am kommenden Donnerstag, 8. Dezember, gegen die TĂŒrkei (12.20 Uhr MEZ) – direkt ein harter Brocken, zumal die TĂŒrkei vor einigen Wochen bei der Generalprobe in Berlin gewonnen hat. Die weiteren Gruppengegner sind Paralympics-Sieger Brasilien, die vermutlich starken Japaner, Dauerrivale Belgien, Gastgeber Portugal sowie Kanada und Afrikameister Algerien. Um ins Viertelfinale einzuziehen, muss ein Platz unter den besten vier Teams her. Ab dann ist der Kampf um Medaillen und die ersten beiden Paralympics-Tickets fĂŒr Paris 2024 eröffnet. Weitere Chancen zur Paralympics-Qualifikation bieten sich im August 2023 bei einem Turnier in Birmingham (England) sowie bei der noch nicht terminierten Europameisterschaft. Doch erstmal liegt der volle Fokus auf den Weltmeisterschaften. Bundestrainer Stefan Weil: „Wir freuen uns auf das Turnier, wissen, was wir können und brauchen uns nicht zu verstecken. Und dann schauen wir mal, wie weit wir in Portugal kommen.“

Einen Livestream stellt der internationale Verband, die IBSA, auf youtube zur VerfĂŒgung.

Text: Kevin MĂŒller / DBS

Der deutsche Kader fĂŒr die WM:
Michael Dennis (30 / DĂŒren / FĂŒchse Berlin), Fabian Diehm (25 / Ansbach / BVSV NĂŒrnberg), Nils Emig (24 / HĂŒnfeld / SSG Blista Marburg), Oliver Hörauf (26 / Bautzen / Chemnitzer BC), Thomas Steiger (26 / Ellwangen / BVSV NĂŒrnberg), Philipp Tauscher (22 / Leipzig / SSV Königs Wusterhausen).
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