Blick zu den Frauen-Fußball-EM in den Niederlanden, den Beachvolleyball-WM in Wien und den Leichtathletik-WM in London

Das erste August-Wochenende 2017 stand ganz im Zeichen der 12. Frauen-Fußball-EM in den Niederlanden, die 11. Beachvolleyball-WM in Wien und die 16. IAAF-WM in der Leichtathletik in London.

2017er EM-Titel im Frauen-Fußball an die Niederlande

2009 fanden noch die WM in der Leichtathletik in Berlin statt (Impression), nun ist London dran. Foto: Michels

Nur „kühnste Niederländer und Dänen“ hätten ein Finale Niederlande gegen Dänemark bei den zwölften Frauen-Fußball-EM prognostiziert. Waren beide Teams bis dato nie über das Halbfinale hinaus gekommen. Den Niederländerinnen gelang ein Halbfinal-Einzug vor 2017 sogar nur einmal, den Däninnen immerhin fünfmal.

Und beide Mannschaften wollten die Erfolgsbilanzen ihrer jeweiligen Fußballverbände mit einem Erfolg im Endspiel am 6.August in Enschede etwas aufpolieren. Blickt man nämlich auf die Siegerinnen- und Siegerlisten der bisherigen Fußball-EM, Fußball-WM und auch Olympia-Turniere, bei den Damen und den Herren, so standen sowohl die Niederlande als auch Dänemark nur einmal auf ersten Plätzen: die niederländischen Herren 1988 bei den EM in Westdeutschland und die dänischen Herren 1992 bei den EM in Schweden.

Vor fast 30 Jahren, am 25.Juni 1988, im Endspiel der achten Herren-EM 1988 im Münchener Olympiastadion, bezwang die niederländische Auswahl dank Toren von Ruud Gullit (33.Minute) und Marco van Basten (54.Minute) die Sowjetunion mit 2:0 und jubelte über EM-Gold.

Fussball Symbolfoto

Der Fußballsport pulsiert im Sportsommer 2017 mit Konföderationen-Pokal der Herren, U 21-EM der Herren und Frauen-Fußball-EM. Symbolfoto

Über EM-Gold vier Jahre später, bei den neunten Herren-EM 1992, triumphierte im Endspiel am 26.Juni 1992 im Ullevi-Stadion in Göteborg Dänemark mit 2:0 über Deutschland. Die Tore erzielten damals John Jensen (18.Minute) und Kim Vilfort (78.Minute). Dänemark war erst kurzfristig zum 1992er Turnier gelangt, nachdem das qualifizierte Jugoslawien aufgrund des Balkankrieges nicht zum Turnier zugelassen wurde… Die DFB-Auswahl, in der unter anderem auch Thomas Doll, der gebürtige Malchiner und ehemalige Hansa-Spieler, agierte, mußte sich mit Rang zwei begnügen.

Nur als Rand-Notiz: Die dänischen Herren gewannen bereits 1906 das Fußball-Turnier der „Olympischen Zwischenspiele“ in Athen, diese Spiele wurden vom IOC aber nicht als offizielle Olympische Spiele anerkannt. Also bleibt es somit bei einem offiziellen dänischen Fußball-Titel im Elite-Bereich…

Tja, nach fast 30 Jahren (Niederlande) und genau 25 Jahren (Dänemark) mußte wieder ein Titel für beide Fußball-Nationen her.

Das gelang nun den Niederlanden, genauer gesagt, den Niederländerinnen. In einem hochklassigen, offensiv geführten Endspiel bezwangen die „Meisjes“ die Däninnen mit 4:2. Die Tore für die Niederlande erzielten dabei Vivianne Miedema (10.Minute, 89.Minute), Lieke Martens (28.Minute) und Sherida Spitse (51.Minute). Für Dänemark waren Nadia Nadim (7.Minute, verwandelter Elfmeter) und Pernille Harder (33.Minute) erfolgreich.

Die fußballsportlichen Niederlande jubeln  damit zum zweiten Mal europameisterlich – nach den Herren 1988 jetzt die Damen 2017.

Wieder Gold für Laura und Kira – nach Olympia-Gold 2016 nun WM-Gold 2017

Einen Tag vor dem Endspiel der Frauen-Fußball-EM 2017 wurden die Beachvolleyball-WM in Wien entschieden.

Unvergessen vor Jahresfrist der Olympiasieg von Laura Ludwig/Kira Walkenhorst bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro. Bei den WM 2017 wollten die Beiden natürlich wieder Edelmetall.

Bei den bisherigen zehn WM-Turnieren im Beachvolleyball der Frauen hatten sich drei Länder die Goldenen geteilt – Brasilien (fünf Titel), die USA (vier Titel) und China (einen Titel). Die WM-Premiere 1997 hatten die Brasilianerinnen Sandra Pires/Jackie Silva für sich entschieden. Die Amerikanerinnen Misty May-Treanor/Kerri Walsh holten dreimal WM-Gold (2003, 2005 bzw. 2007) und auch dreimal Olympia-Gold (2004, 2008 bzw. 2012). Den einzigen WM-Erfolg für Asien verbuchten die Chinesinnen Xue Chen/Zhang Xi 2013. Europäische Frauen-Duos blieben bislang ohne Gold…

Auch im Beachvolleyball ging es 2017 bislang „hoch her“, so zuletzt bei den WM in Wien. Symbolfoto

Um dieses zu ändern, das erste WM-Gold im Frauen-Beachvolleyball für Europa zu holen, waren Laura Ludwig/Kira Walkenhorst als Olympiasiegerinnen 2016  bestens prädestiniert und sie spielten bis zum Finale ein super WM-Turnier 2017. In der Vorrunde bezwangen sie Mahassine/Zeroual (Marokko) mit 2:0, dann die Konkurrenz aus dem eigenen Land Glenzke/Großner mit 2:1 bzw. Borger/Kozuch mit 2:0 und ließen in der Hauptrunde Yue/Wang Fan mit 2:0 ebenfalls keine Chance.

Im Achtelfinale bzw. im Viertelfinale schalteten sie zwei amerikanische Duos aus, zuerst Hughes/Claes mit 2:0 und folgend Summer Ross/Sweat ebenfalls mit 2:0. Und, wie schon beim Olympia-Turnier 2016 in Rio de Janeiro, distanzierten sie im Halbfinale die Brasilianerinnen Larissa/Talita mit 2:0

Im Finale am 5.August in Wien warteten letztendlich die Amerikanerinnen April Ross/Lauren Fendrick. April Ross hatte dabei bereits mit ihrer damaligen Beach-Partnerin Jennifer Kessy WM-Gold 2009 errungen – eine schwere Aufgabe also für Kira und Laura…

Aber: Wieder gab es für Kira und Laura „goldige Momente“. Sie bezwangen das amerikanische Duo nach einem 0:1-Satzrückstand noch eindrucksvoll mit 2:1.

Damit sorgten die Beiden endlich für das erste europäische Beachvolleyball-WM-Gold bei den Frauen. Von 34 Medaillen bei den bisherigen 11 Beachvolleyball-WM der Frauen gingen 31 an den amerikanischen Doppelkontinent, an Asien oder an Australien/Ozeanien, so  an Brasilien (5 x Gold, 5 x Silber, 6 x Bronze), die USA (4 x Gold, 4 x Silber, 2 x Bronze), China (1 x Gold, 1 x Silber, 2 x Bronze) bzw. Australien (1 x Bronze).

Für den „alten Kontinent“ holten seit 1997 Eva Celbova/Sona Novakova-Dosoudilova (Tschechien) mit Bronze 2001, Karla Borger/Britta Büthe (Deutschland) mit Silber 2013 und nun Laura Ludwig/Kira Wakenhorst (Deutschland) mit der Goldenen 2017 die bislang einzigen Plaketten…

Für Schwarz-Rot-Gold hatten die Beachvolleyball-Herren bei WM auch schon einige Medaillen-Erfolge erzielt – die Ausbeute bei diesen: 1 x Gold, 3 x Bronze. WM-Gold sicherten sich 2009 Julius Brink/Jonas Reckermann, wie auch Olympia-Gold 2012!

Nun können jedoch Laura und Kira ausgiebig feiern.

Den WM-Titel im Beachvolleyball der Herren 2017 holten dann am 6.August die Brasilianer Evandro Oliveira/Andre Stein – der siebente WM-Titel für Brasilien im Herren-Beachvolleyball seit der WM-Premiere 1997.

Goldene Marathon-Läufe für Kenia – und Bahrain

Einigen Jubel gab es jedoch auch schon bei den 16.IAAF-Leichtathletik-WM 2017 in London. Am 6.August standen bereits die Marathonläufe für die Frauen bzw. die Herren auf dem Programm und die 42,195 Kilometer waren in der WM-Historie immer auch weltmeisterliche Höhepunkte.

Das erste Frauen-WM-Gold gewann 1983 in Helsinki die Norwegerin Grete Waitz. Erst 20 Jahre später, 2003, schaffte eine Afrikanerin Gold – Catherine Ndereba aus Kenia, wobei Kenia bis 2015 auf 4 x Gold, 3 x Silber, 1 x Bronze kam und damit das erfolgreichste Land im WM-Ranking im Frauen-Marathonlauf ist. Das erste WM-Gold für Asien im Frauen-Marathonlauf holte die Japanerin Junko Asari 1993 und bei den vorerst letzten WM 2015 konnte sich die Äthiopierin Mare Dibaba durchsetzen. Aus deutscher Sicht belegte die Leipzigerin Katrin Dörre 1993 den dritten Rang, lief also zu Bronze. Die einzige Medaille im Frauen-Marathon für Schwarz-Rot-Gold bei WM…

Ansonsten konnten zwischen 1983 und 2015 siebzehn Länder im Frauen-Marathon WM-Medaillen gewinnen, darunter zehn Länder eine oder mehrere Goldmedaillen. Bei den Kontinenten führte bis 2015  – hinsichtlich der Anzahl der WM-Titel – Europa mit 6 Goldenen vor Afrika mit 5 Goldenen und Asien mit 4 Goldenen.

In der WM-Geschichte des Herren-Marathonlaufes ist es fast ähnlich. Dort gewannen Läufer aus 15 Ländern Medaillen, darunter neun Staaten eine oder mehrere Goldene.

Bester bei der WM-Premiere 1983 war der Australier Robert de Castella. Waldemar Cierpinski (SC Chemie Halle), der zweifache Marathon-Olympiasieger von 1976 in Montreal und 1980 in Moskau, errang 1983 Bronze. Sein dritter möglicher Olympiasieg, 1984 in Los Angeles, blieb ihm aufgrund des Boykotts der 1984er Spiele durch einen Großteil der damaligen Ostblock-Staaten verwehrt. Nur Abebe Bikila aus Äthiopien (1960 in Rom und 1964 in Tokyo) und eben Waldemar Cierpinski schafften jeweils zweimal Marathon-Gold bei Olympia…

Bei den WM-Marathonläufen der Herren gab es bis dato auch nur zwei Läufer, die „Ähnliches“ erreichten… Der Spanier Abel Anton (1997 bzw. 1999) und der Keniate Abel Kirui (2009 und 2011) erreichten jeweils zwei WM-Titel. Bei den Frauen jubelte übrigens Edna Ngeringwony Kiplagat aus Kenia bis 2015 als Einzige über zweimal Gold (2011 bzw. 2013).

Für die bislang einzigen WM-Erfolge für Australien/Ozeanien, Asien und den amerikanischen Doppelkontinent sorgten der bereits erwähnte Robert de Castella (für Australien/Ozeanien 1983), Hiromi Taniguchi (Japan, also für Asien, 1991) und Mark Plaatjes (USA, also für den amerikanischen Doppelkontinent, 1993). Das erfolgreichste Marathon-Land bei WM im Herren-Bereich war bis 2015 Kenia mit 4 x Gold, 3 x Silber vor Spanien mit 3 x Gold, 2 x Silber. Den vorerst letzten Titel bei den Herren erkämpfte Ghirmay Ghebreslassie aus Eritrea 2015.

Wie sah es jedoch 2017 aus? Wer gewann die weltmeisterlichen Marathonläufe bei den Frauen und bei den Herren am 6.August in London?

Im Marathon der Herren holte Geoffrey Kipkorir Kirui aus Kenia Gold, vor Tamirat Tola aus Äthiopien, Alphonce Felix Simbu aus Tansania und Callum Hawkins aus Großbritannien. Für Kenia war es damit das fünfte WM-Gold im Marathon bei den Herren seit 1983.

Den WM-Marathonlauf 2017 war hingegen eine Angelegenheit für die aus Kenia stammende und für Bahrain startende Rose Chelimo, die Edna Ngeringwony Kiplagat aus Kenia, die 2011 bzw. 2013 jeweils Marathon-WM-Gold erkämpft hatte, Amy Cragg aus den USA und Flomena Cheyech Daniel aus Kenia auf die Ränge zwei, drei und vier.

Zusatz-Info: Einen Tag zuvor, am 5.August, fand die 15.“hella marathon nacht“ in Rostock statt. Dort gewann bei den Frauen Friederike Preuß aus Eisenhüttenstadt die Marathon-Entscheidung, Der Rostocker Carsten Tautorat war hingegen in der Herren-Konkurrenz des Marathonlaufes der Beste. Insgesamt gab es 2166 Anmeldungen von Läuferinnen bzw. Läufern aus 22 Ländern. 1936 „Finisherinnen“ bzw. „Finisher“ konnten letztendlich registriert werden.

Marko Michels