Im Gespräch mit Wasserspringerin Saskia Oettinghaus

Frauen-Power und Wasserspringen – das ist in Rostock schon seit sechs Jahrzehnten eine Erfolgssymbiose. Dazu gehörnen Namen wie Ingrid Krämer, Christiane Lanzke, Heidi Becker, Christa Köhler, Ramona Wenzel, Annika Walter, Silke Krüger oder Dörte Lindner. Gegenwärtig überzeugen Saskia Oettinghaus und Anna Shyrykhay mit nationalen und internationalen Erfolgen und herausragenden Platzierungen. So sorgte Oettinghaus bereits 2015 für viel Furore, als sie  Gold und Bronze bei den ersten Europaspielen in Baku gewann. Beide werden nun auch bei der Sommer-Universiade im Juli in Neapel dabei sein.

Ein Wermutstropfen für Wasersprung-Standort Rostock und die Fans von Oettinghaus: Die 21-Jährige wechselte in die sächsische Metropole Dresden.

Saskia Oettinghaus und Louisa Stawczynski bei der goldenen Siegerehrung zum Wettbewerb Synchronspringen vom Drei-Meter-Brett bei den Europaspielen 2015. Foto: Monika Dietrich/WSC Rostock

Saskia Oettinghaus und Louisa Stawczynski bei der goldenen Siegerehrung zum Wettbewerb Synchronspringen vom Drei-Meter-Brett bei den Europaspielen 2015. Foto: Monika Dietrich/WSC Rostock

Interview

Saskia Oettinghaus über die kommende Universiade in Neapel, ihre Highlights beim WSC Rostock, den Wechsel nach Dresden, und ihren Trainingsalltag

Im Augenblick lebe ich aus dem Koffer…“

Frage: Die Konkurrenzen der Universiade 2019 warten… Was sind dort deine Ziele?

Saskia Oettinghaus: Für die diesjährige Universiade nehme ich mir vor, meine Sprünge stabil ins Wasser zu bringen und das zu zeigen, woran ich in den letzten Monaten gearbeitet habe. Ein festes Ziel stecke ich mir nicht, aber natürlich ist es für einen Sportler immer schön, ins Finale einzuziehen oder gar die harte Arbeit der Saison mit einer Medaille zu krönen.

Frage: Du warst ja schon 2017 Universiade-Teilnehmerin in Taipeh. Welche besonderen Erinnerungen und Erfahrungen verbindest du mit den Wettkämpfen dort?

Saskia Oettinghaus: Taipeh war unglaublich: die Stadt, das Athletendorf, die Atmosphäre – die gesamte Universiade war aufgebaut, wie Mini-Olympia, mit Eröffnungs- und Abschlussfeier. Meine Wettkämpfe sind damals leider nicht gelaufen, wie ich es erwartet hatte, aber dennoch ist es immer wieder schön an die gesamte Wettkampfreise zurück zu denken. Für einen Wettkampf bis ins südlichste Asien zu reisen, war ein unvergessliches Ereignis.

Frage: Wie sieht ein gegenwärtiger Trainingsalltag aus – speziell im Hinblick auf Neapel?

Saskia Oettinghaus: Im Augenblick lebe ich aus dem Koffer… Wir sind viel unterwegs, da fällt der normale Trainingsrhythmus und eine spezifische Wettkampfvorbereitung schwer. Wir waren Ende Mai in Aachen bei den Deutschen Meisterschaften ( und Qualifikationen), anschließend eine Woche zu Hause in Dresden und danach ging es direkt zum Grand Prix ins italienische Bozen sowie von dort direkt ins Trainingslager in Rostock.

Wir trainieren täglich zweimal drei Stunden. Diese beinhalten Landtraining mit turnerischen Elemente, Trampolin springen und Beweglichkeit bzw. dem Wassertraining, mit Wettkampf-Sprüngen, Technischen Grundlagen und und und… In der nächsten Woche haben wir noch drei Tage in Dresden Heimtraining, bevor es zur Universiade nach Neapel geht.

Frage: Nun wechselst du nach Dresden, bis zum Sommersemester 2019 bist du aber noch Lehramtsstudentin an der Uni Rostock. Geht es auch „studientechnisch“ in Dresden für dich weiter?

Saskia Oettinghaus: Mein Studienort wird zunächst erstmal Rostock bleiben, ich werde in Dresden die benötigten Praktika neben dem Training absolvieren und mich zum nächsten Semester dann umschreiben.

Frage: Warum bist du eigentlich nach Dresden gewechselt? Was waren die Gründe?

Saskia Oettinghaus: Aus trainingstechnischen Gründen bin ich nach Dresden gewechselt, hier in Rostock ging es für mich nicht mehr voran. Ich habe bemerkt, dass ich mich auf der Stelle bewege, da sind andere Reize manchmal sehr gut. Jetzt, nach vier Monaten muss ich sagen, dass es eine super Entscheidung war, meine Sprünge laufen, die Trainingsentwicklung steigt stetig.

Frage: Im Rückblick… Was waren die Highlights für dich als Springerin des WSC Rostock?

Blick in die 1955 eröffnete Neptunschwimmhalle in Rostock. Dort findet jährlich der Springertag statt. Archiv-Foto: Wolfgang Gross

Saskia Oettinghaus: Es war immer eine schöne Zeit beim WSC, ich habe den Sport in der Neptun-Schwimmhalle kennen- und lieben gelernt. Ein besonderes Highlight war natürlich immer der Springertag und als ich dann 2015 zum ersten Mal dort teilnehmen durfte, gab es diesen noch einmal von einer ganz anderen Perspektive. Vor heimischem Publikum – in der eigenen Halle, in der man damals das Schwimmen erlernt hat – gegen internationale Konkurrenz zu springen, ist eine unglaubliche Chance.

Die vielen Trainingsstunden in der Schwimmhalle, die Wettkampfreisen, die Trainingslager und auch die Vereinsreisen, bleiben mir fest in Erinnerung. Es war natürlich nicht immer alles rosarot, meine Erinnerungen bestehen nicht nur aus Highlights, aber zum Leistungssport gehören auch harte Zeiten und die damit verknüpften Kämpfe aus dem „Tal“.

Letzte Frage: Wie sieht dein sportlicher „Fahrplan“ aus? Welche sportlichen Ambitionen verfolgst du?

Saskia Oettinghaus: Nach der Universiade starte ich in die Sommerpause, bevor ich im August zu einem Lehrgang der Bundeswehr nach Hannover berufen wurde. Zum Start der neuen Saison stehen einige GrandPrixs auf dem Plan, welche der Bundestrainer noch besetzen wird. Mein Ziel bzw. Wunsch ist es natürlich dort eingesetzt zu werden.

Im neuen Jahr geht es in die heiße Phase, um die Plätze beim Weltcup, der EM und die Qualifikationen der Olympischen Spiele in Tokio. Ich werde sehen, wohin mich meine Reise führt, hoffe auf das Beste und werde hart trainieren um mich beweisen zu dürfen, bei dem ein oder anderen Wettkampf. Also einen bestimmten festen Fahrplan gibt es noch nicht.

Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg!

mm