Ein RĂŒck- und Ausblick

Eisschnelllaufen – Michels

Die EisschnelllĂ€uferinnen und EisschnelllĂ€ufer haben den Februar 2018 fest im Blick, dann werden in Pyeongchang auch deren olympische Entscheidungen ausgetragen. Bei den Einzelstrecken-WM 2017 waren die Niederlande wieder einmal das erfolgreichste Land mit 15 Medaillen, darunter 8 x Gold. Die Weltmeister-Titel 2017 bei den Herren im Sprint (Kai Verbij) und im Mehrkampf (Sven Kramer) gingen ebenfalls an die Niederlande. Die Sprint-WM 2017 bei den Frauen entschied die Japanerin Nao Kodaira fĂŒr sich. Die Tschechin Martina Sablikova war hingegen die Nummer eins bei den Mehrkampf-WM der Frauen 2017.

Bei den olympischen Eischnelllauf-WettkÀmpfen 2014 dominierten die NiederlÀnderinnen und NiederlÀnder ganz extrem und holten 23 der 36 Medaillen bzw. 8 der 12 Goldmedaillen im Eisschnelllaufen. Bei den Eisschnelllauf-Konkurrenzen in Pyeongchang sind die NiederlÀnderinnen und NiederlÀnder ebenfalls haushohe Favoriten.

Vom 10.November 2017 bis 12.November 2017 in Heerenveen gibt es aktuell den ersten Weltcup im Eisschnelllaufen der olympischen Saison 2017/18.

Wie war das aber noch einmal vor vier Jahren? Kurz vor den Olympischen Winterspielen 2014 und den Entscheidungen im Eisschnelllaufen in Sotschi…

MV-SPORT blickt zurĂŒck

Sportliches Kalenderblatt vom 21.Oktober 2013

Sotschi 2014 fest im Blick / Die EisschnelllÀuferinnen und EisschnellÀufer starten in zwei Wochen in ihre Weltcup-Saison 2013/14 / M-V mit guter Eisschnelllauf-Tradition

Bald geht die olympische Saison 2013/14 im „Langbahn“-Eisschnelllaufen los. Der erste Weltcup findet dabei vom 8.November 2013 bis 11.November 2013 in der Olympiastadt von 1988, in Calgary, statt. Dann folgen bis MĂ€rz 2014 fĂŒnf weitere Weltcup-Stationen: vom 15.November 2013 bis 17.November 2013 in der Olympiastadt von 2002, in Salt Lake City, vom 29.November 2013 bis 1.Dezember im kasachischen Astana, vom 6.Dezember 2013 bis 8.Dezember 2013 in der Olympiastadt von 1936, in Berlin, vom 7.MĂ€rz 2014 bis 9.MĂ€rz 2014 in Inzell und vom 14.MĂ€rz 2014 bis 16.MĂ€rz 2014 in Heerenveen.

Zwischen Olympia, WM, Weltcups und EM

ZusÀtzlich sind die EisschnelllÀuferinnen und EisschnelllÀufer bei den Mehrkampf-EM vom 11.Januar 2014 bis 12.Januar 2014 in Hamar, dem Austragungsort der olympischen Eisschnelllauf-WettkÀmpfe von 1994, bei den Sprint-WM vom 18.Januar 2014 bis 19.Januar 2014 in der Olympiastadt von 1998, in Nagano, und bei den Mehrkampf-WM vom 22.MÀrz 2014 bis 23.MÀrz 2014 in Heerenveen gefordert.

Der Saison-Höhepunkt sind zweifellos die olympischen WettkÀmpfe der 22.Olympischen Winterspiele in Sotschi, die vom 7.Februar 2014 bis 23.Februar 2014 ausgetragen werden.

RĂŒckblick auf die Einzel-WM 2013 in Sotschi

Apropos Sotschi
 Die olympische Generalprobe fĂŒr die deutschen EisschnelllĂ€uferinnen und EisschnelllĂ€ufer verlief auf dem kommenden „Olympia-Eis“ in Sotschi vor einem halben Jahr eher suboptimal. Bei den Einzel-WM 2013 in der kommenden Olympia-Stadt waren andere Nationen erheblich erfolgreicher und schneller


Niederlande in Sotschi 2013 am erfolgreichsten

Zwischen 500 Metern und 10000 Metern, auch in der Team-Verfolgung, jubelten vor allem die fliegenden HollĂ€nderinnen und HollĂ€nder. Mit 13 WM-Medaillen, davon 6 x Gold, waren die Niederlande in Sotschi 2013 das Maß aller Eisschnelllauf-Dinge. Dahinter folgen SĂŒdkorea mit 2 x Gold, 2 x Silber, 1 x Bronze und Russland mit 2 x Gold, 3 x Bronze. WM-Titel erkĂ€mpften auch Tschechien und Kasachstan (je einen).

Und die Eisschnelllauf-Nation Deutschland 
 Wo landete die? FĂŒr das deutsche Team gab es in den zwölf Konkurrenzen nur 2 x Bronze – durch die erfahrene und dennoch ewig junge Claudia Pechstein ĂŒber die 3000 Meter und 5000 Meter. Man ist „schwarz-rot-gold“ betrachtet in Sachen Eisschnelllaufen ohnehin bescheiden geworden.

Überhaupt war die die Anzahl der LĂ€nder, die in Sotschi WM-Medaillen im Eisschnelllaufen gewannen, sehr ĂŒbersichtlich geblieben. Gerade einmal zehn Nationen holten weltmeisterliche Plaketten. Die Eisschnelllauf-Nation USA begnĂŒgte sich auch mit 1 x Silber, 2 x Bronze. Tja, wenn die NiederlĂ€nderinnen und NiederlĂ€nder zulangen, bleibt fĂŒr „den Rest der Welt“ nicht viel ĂŒbrig.

Sven und Ireen dominierten

Der WM-König in Sotschi war wieder einmal Sven Kramer, der 2 x Gold, 1 x Silber erkĂ€mpfte – bislang gewann der NiederlĂ€nder schon 13 x WM-Gold bei Einzel-WM. Die Königin in Sotschi hieß 2013 Ireen, genauer gesagt, Ireen WĂŒst, natĂŒrlich auch aus den Niederlanden. 3 x Gold, 2 x Silber – so die atemberaubende Bilanz der schnieken Dame, wobei sie in Sotsch ihr insgesamt 9.WM-Gold bei Einzel-WM feierte.

Im ewigen Medaillenspiegel bei WM auf den Einzelstrecken im Eisschnelllaufen zwischen Hamar 1996 und Sotschi 2014 fĂŒhrt nunmehr Holland mit 159 Medaillen, davon 58 x Gold, vor Deutschland mit 90 Medaillen, davon 36 x Gold, Kanada mit 68 Medaillen, davon 21 x Gold, den USA mit 38 Medaillen, davon 11 x Gold, und Japan mit 30 Medaillen, davon 7 x Gold.

Mal schauen, wie es in Sotschi 2014 in puncto Eisschnelllaufen aussehen wird 
 Neuer Wettkampf, neues GlĂŒck – auch fĂŒr die EisschnelllĂ€uferinnen und EisschnelllĂ€ufer „Made in Germany“!

M-V mit Eisschnelllauf-Tradition

Übrigens: 1975 gewann die gebĂŒrtige Rostockerin Karin Kessow WM-Mehrkampf-Gold und die ebenfalls gebĂŒrtige Rostockerin Heike Lange WM-Sprint-Silber – wie der gebĂŒrtige Rostocker Horst Freese 1976 in Innsbruck auch bei den Winterspielen am Start. Lang, lang ist es her


Und dennoch erinnern sich die Protagonistinnen von einst gern zurĂŒck, so auch Karin Kessow, verheiratete Drbal, die 1976 auch Olympionikin in Innsbruck war: „Mit der heutigen Leiterin des Rostocker OlympiastĂŒtzpunktes fĂŒr die Sportart „Short Track“ (Kurzbahn-Eisschnelllauf) war ich ja in einer Trainingsgruppe.

Ihre Mutter Gerda Hoffmann war unsere Trainerin. Nicht zuletzt dank ihres Trainings konnte ich 1970 Spartakiade-Siegerin werden. Die Grundlagen fĂŒr meine spĂ€tere international erfolgreiche Laufbahn wurden in Rostock gelegt.  GlĂŒcklicherweise hatten Karin und ich zwei Jahre Altersunterschied, so wurden wir nie direkte Konkurrentinnen und blieben Freundinnen.

Aber auch heute habe ich noch regen Kontakt nach Rostock. Im Sommer, zumeist im August, haben die Berliner EisschnelllĂ€ufer und die Rostocker Short Tracker ihre TrainingslehrgĂ€nge zum gleichen Zeitpunkt (Ist aber Zufall!) in Zinnowitz auf Usedom, so dass die „Beziehungen“ zwischen Rostock und Berlin eng sind
“

Vor mehr als 20 Jahren: Gold fĂŒr Jacqueline Börner aus Wismar

Und die gebĂŒrtige Wismarerin und Wahl-Berlinerin Jacqueline Börner, verheiratete Schubert, die 1990 Mehrkampf-Weltmeisterin sowie 1992 in Albertville Olympiasiegerin ĂŒber die 1500 Meter wurde, blickt ebenfalls gern auf ihre aktive Zeit – gerade aus olympischer Sicht – zurĂŒck: „
 Olympia ist fĂŒr jede Sportlerin und jeden Sportler so großartig. Es gibt sportlich nichts Besseres.

Der Olympiasieg war die ErfĂŒllung eines Lebenstraumes, ein großes GlĂŒck, eine SelbstbestĂ€tigung und ein erfolgreicher Augenblick, den man nicht vergisst. An die ersten drei Tage danach erinnere ich mich gar nicht mehr so genau (Nicht etwa, weil ich zu viel `Champus` getrunken hĂ€tte!), ich lebte wie in Trance. Es war Freude und GlĂŒcksgefĂŒhl zugleich!

Auch wenn ich ansonsten nicht `bibelfest` bin: Der liebe Gott hat es mehr als gut mit mir gemeint: Er hĂ€tte mir in Albertville`92 auch Bronze `schenken` können – und ich wĂ€re sehr, sehr glĂŒcklich gewesen … Jedoch Gold – das war der `Hammer`!“

Karin Kessow und Jacqueline Börner – zwei Eislauf-Asse mit MV-Wurzeln.

Ein gebĂŒrtiger Barther startete ebenfalls bereits im Eisschnelllaufen bei Winter-Olympia: In Calgary 1988 wurde Roland Freier (SC Karl-Marx-Stadt) jeweils Achter ĂŒber die 5000 Meter bzw. 10000 Meter.

GegenwĂ€rtig hat M-V zwar kein olympischen Eisschnelllauf-Ass auf den langen Kanten  „im Ärmel“, dafĂŒr gibt es mit Hannes und Torsten Kröger vom ESV Turbine Rostock jedoch zwei hoffnungsvolle und ambitionierte Kurzbahn-EisschnelllĂ€ufer, welche die Qualifikation zu den Olympischen Winterspielen durchaus schaffen könnten.

Eisschnelllaufen – seit 90 Jahren im olympischen Programm

Ansonsten gehört der „Langbahn“-Eisschnelllauf zu den traditionsreichen olympischen Wintersportarten, denn schon bei den ersten Spielen 1924 in Chamonix war dieser im olympischen Programm. Damals gingen die Medaillen – nur Herren-Wettbewerbe waren ausgeschrieben – an Finnland, die USA und Norwegen. Der Finne Clas Thunberg gewann ĂŒber die 1500 Meter, 5000 Meter, 10000 Meter sowie im Mehrkampf und der US-Amerikaner Charles Jewtraw jubelte ĂŒber die 500 Meter.

Erst 36 Jahre spĂ€ter, bei den Spielen in Squaw Valley, durften auch die EisschnelllĂ€uferinnen ihr Können unter den fĂŒnf olympischen Ringen beweisen (1932 in Lake Placid wurde Frauen-Eisschnelllaufen bereits olympisch demonstriert.). Lidija Skoblikowa aus der UdSSR wurde damals zweimal Erste ĂŒber die 1500 Meter sowie 3000 Meter; ihr Mannschaftskamerad Jewgeni Grischin schaffte zweimal Gold`60 ĂŒber die 500 Meter und 1500 Meter.

Eine gebĂŒrtige Danzigerin, die bis 1952 in Schwerin-NeumĂŒhle wohnte, sogar fĂŒr die BSG Empor Schwerin bis 1952 Handball spielte, wurde in Squaw Valley dann Olympiasiegerin ĂŒber die 500 Meter und Olympia-Zweite ĂŒber die 1000 Meter: Helga Haase, die damals dem SC Dynamo Berlin angehörte.

Die „Großen FĂŒnf“ dominierten

Die erfolgreichsten LĂ€nder bei den olympischen „Langbahn“-Konkurrenzen im Eisschnelllaufen waren ĂŒbrigens die „Großen FĂŒnf“: Die USA fĂŒhren mit 29 x Gold, 22 x Silber, 16 x Bronze vor den Niederlanden mit 27 x Gold, 29 x Silber, 26 x Bronze, Russland (mit UdSSR) mit 27 x Gold, 21 x Silber, 22 x Bronze, Norwegen mit 25 x Gold, 28 x Silber, 27 x Bronze und Deutschland (mit Westdeutschland , DDR und vereint) mit 25 x Gold, 28 x Silber, 19 x Bronze hier das Medaillen-Ranking an.

Besondere Akzente setzten Lidija Skoblikowa (UdSSR) mit ihren sechs Goldmedaillen 1960/1964 sowie Clas Thunberg (Finnland) mit 5 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze 1924/1928 und der US-Amerikaner Eric Heiden mit 5 x Gold 1980.

Aus deutscher Sicht waren Claudia Pechstein mit 5 x Gold, 2 x Silber, 2 x Bronze zwischen 1992 bzw. 2006 sowie Uwe-Jens Mey mit 2 x Gold, 1 x Silber 1988/1992 und Erhard Keller mit 2 x Gold 1968/1972 die erfolgreichste EisschnelllÀuferin bzw. die erfolgreichsten EisschnelllÀufer.

Mal schauen, was fĂŒr die deutschen EisschnelllĂ€uferinnen und EisschnelllĂ€ufer in Sotschi 2014 möglich ist!

Eine, die in der Vergangenheit bereits große Erfolge feierte und auch entsprechende Ziele fĂŒr Sotschi 2014 hat, ist Jenny Wolf, Jahrgang 1979, vom Eissportverein Berlin`08. Jenny trainiert bei Thomas Schubert, dem Ehemann von Jacqueline Börner.

Nachgefragt bei der Weltklasse-EisschnelllÀuferin

Jenny Wolf ĂŒber ihre Begeisterung fĂŒr das Eisschnelllaufen, ihre einstigen Vorbilder, die kommende Olympiastadt und eigene Ziele fĂŒr 2014

„Bin auf die olympische Stimmung in Sotschi gespannt 
“

Frage: Jenny, Sie sind seit Jahren absolute Weltspitze im Eisschnelllaufen … Wie gelangten Sie eigentlich zum Eis-Oval? Wer waren Ihre Vorbilder, als sie anfingen?

Jenny Wolf: Zum Eisschnelllaufen bin ich mit sieben Jahren ĂŒber eine Zeitungsannonce gekommen: Gesucht wurden eigentlich EiskunstlĂ€ufer, aber dafĂŒr war ich zu alt. Über den Kontakt wurde ich dann zum Eisschnelllaufen vermittelt, zu meinem ersten Verein Dynamo SĂŒd-Ost. Eislaufen habe ich auf einer zugefrorenen PfĂŒtze gelernt, es hat mir sofort Spaß gemacht.

Mein erstes Vorbild war Christa Luding-Rothenburger, unter anderem Olympiasiegerin in Calgary und Silbermedaillengewinnerin in Seoul 1988.

SpĂ€ter war ich großer Fan von Catriona LeMay-Doan, deren Weltrekord ich 2007 selber verbessern konnte.

Frage: Nun sind Sie fĂŒr viele Eislauf-Talente ein Vorbild 
 Was waren fĂŒr Sie ganz persönlich die besonderen Highlights Ihrer sportiven Karriere?

Jenny Wolf: Mein erster WM-Titel 2007 ĂŒber 500 Meter mit Weltrekord in Salt Lake City und der Weltmeistertitel im Sprint-Vierkampf 2008 in Heerenveen.

Frage: Die Einzel-WM 2013 in Sotschi waren aus deutscher Sicht nicht so erfolgreich, bei Olympia 2014 wird es bestimmt ganz anders sein. Welche Hoffnungen und Ziele verbinden Sie mit Sotschi 2014?

Jenny Wolf: Sotschi werden dann meine vierten Olympischen Spiele sein, da weiß ich zumindest grob, was auf mich zukommt. Generell bin ich gespannt, wie die olympische Stimmung ist, wenn die Spiele fernab der offiziellen Austragungsstadt, in einem neu gebauten, kĂŒnstlich geschaffenen Areal, stattfinden.

Sportlich lasse ich die Spiele einfach auf mich zukommen. Erst im Saisonverlauf wird sich zeigen, welche konkreten Ziele ich mir setzen kann.

Frage: Anfang November findet bereits der erste Eisschnelllauf-Weltcup in der olympischen Saison 2013/14 statt – in der Olympiastadt von 1988, in Calgary. Welche Ambitionen haben Sie im Hinblick auf die Weltcups `13/`14?

Jenny Wolf: Wie auch in den vergangenen Jahren – seit 2006 – möchte ich in der Weltcup-Gesamtwertung ĂŒber 500 Meter auf dem Podium stehen. Da die Konkurrenz immer stĂ€rker wird und die AbstĂ€nde immer geringer, freue ich mich ĂŒber jede Einzelplatzierung  zwischen erstem und dritten Platz. Schön wĂ€re es auch, einmal wieder eine persönliche Bestzeit ĂŒber die 500 Meter zu laufen.

Frage: Wie verlief ansonsten Ihre Vorbereitung auf die Saison 2013/14?

Jenny Wolf: Meine Vorbereitung verlief optimal. Ich konnte ab April fast unterbrechungsfrei trainieren und alle Einheiten in gewohnter QualitÀt absolvieren.

Vielen Dank, eine weiterhin optimale Saison-Vorbereitung und alles erdenklich Gute fĂŒr die die sportlichen Herausforderungen 2013/2014!

Marko Michels

Last but not least: Jenny Wolf, mittlerweile auch ausgebildete Trainerin, war in Rostock auch beim 23.Hansecup 2017 im Short Track vor Ort. mm