Vor 20 Jahren wurde Nicola Thost erste deutsche Snowboard-Olympiasiegerin

Snowboarden und Winter-Olympia. Das ist eine noch relativ junge „Verbindung“, denn erst seit 20 Jahren, seit den 18.Olympischen Winterspielen 1998 in Nagano, ist die sportliche Aktivität mit dem Snowboard olympisch. Gleich bei der Olympia-Premiere war Nicola Thost, Jahrgang 1977, in Pforzheim geboren, erfolgreich. In der Halfpipe siegte sie vor Stine Brun Kjeldaas (Norwegen) und Shannon Dunn (USA). An dieser olympischen Entscheidung am 12.Februar 1998 nahmen 26 Snowboarderinnen aus elf Nationen teil. Bei den gleichen Winterspielen belegte Heidi Renoth (Berchtesgaden) den Silber-Rang im Riesenslalom.

NicolaThost FOTO: © David Carlier

Bis Pyeongchang 2018 konnten die deutschen Snowboarderinnen diese Bilanz um zweimal Silber und einmal Bronze erweitern: durch Amelie Kober mit Silber 2006 im Parallel-Riesenslalom bzw. mit Bronze im Parallel-Slalom 2014 und Anke Karstens mit Silber ebenfalls im Parallel-Slalom 2014.

Was macht Nicola Thost heute? Wie verlief der olympische Wettkampf 1998 aus Ihrer Sicht?

Nachgefragt! Nicola Thost über ihren olympischen Wettkampf 1998, den Stellenwert ihres Olympiasieges und ihre heutigen Aktivitäten

„Ein einschneidendes Erlebnis…“

Frage: Vor 20 Jahren gewannen Sie Olympia-Gold in Nagano. Wie verlief der Wettkampf aus Ihrer Sicht? Was blieb von dieser Entscheidung nachhaltig in Erinnerung?

Nicola Thost: Die Erinnerungen an den Wettkampf sind schon ambivalent. So konnte ich wegen einer Verletzung erst einen Tag  zuvor anreisen. Es regnete in Strömen. Zu allem Überfluß hätte ich zu meinem letzten Run fast den Lift verpasst. Meine Eltern waren damals die Ersten, die mich nach dem erfolgreichen Wettkampf in die Arme nahmen. Danach kam dann viel, fast zu viel, auf mich zu…

Frage: War Olympia immer Ihr sportliches Ziel?

Nicola Thost mit ihrem Snowboard Nachwuchsförderprogramm Sprungbrett im Januar in Leogang (FOTO: © Maren Krings)

Nicola Thost: Die Teilnahme an den Winterspielen hat sich eher so ergeben. Ich bin keine Athletin, die sich nur auf ein Ziel fokussiert, das nur alle vier Jahre einmal auf der sportlichen Agenda steht.

Für mich war Snowboarden stets „eine Sache“, mit der ich viel Zeit verbringen wollte. Außerdem hatte ich die Ambition, zu testen, inwieweit ich mein Können auf dem Snowboard verbessern, perfektionieren kann.

Dann schaffte ich tatsächlich die Olympia-Quali und reiste nach Nagano. Der Olympiasieg 1998 in Nagano war für mich ein einschneidendes Erlebnis, das mich bis heute begleitet. Ich brauchte allerdings einige Jahre, um mich mit dem Olympia-Gold 1998 so richtig anzufreunden.

Das Wertvollste an einer Olympia-Medaille ist für mich, dass man über diese Menschen erreichen kann. Sie hören dir zu. Ein Olympiasieg ist wie ein Diplom oder ein Doktortitel.

Frage: Sie holten den ersten Snowboard-Olympiasieg für Deutschland… Wie verlief die Siegerehrung? Wann spürten Sie: „Es ist tatsächlich passiert. Ich bin Olympiasiegerin!“ ?!

Nicola Thost: Ich kannte dieses Bild, wenn die TV-Kameras bei der Sieger-Zeremonie die Emotionen der Siegerinnen und Sieger zeigen und habe mich immer gefragt, was wohl in den Sportlern vorgeht…

Es ist der einzige Moment, den du komplett für dich hast und an dem dennoch die ganze Welt teilhaben kann. Ich war zutiefst dankbar und stolz, dass ich diesen Weg  mit allen Höhen und Tiefen gemeistert habe. Der ganze Druck und die Anspannung fielen wie Tonnen Gewicht von mir ab. Während der damaligen Sieger-Ehrung spürte ich erst, wie hart ich wirklich für diesen Erfolg in Nagano gearbeitet hatte. Dann kamen auch die Tränen der Erleichterung und Freude.

Frage: Wie sieht Ihr Leben heute aus – mit und ohne Snowboard?

Nicola Thost: Mit „The Path – ein Weg“ werde ich meine Erfahrungen als Mental Coach weitergeben und Menschen auf ihrem persönlichen Weg begleiten, mehr Klarheit für ihre Lebensziele zu erlangen, schlummerndes Potential wieder zu entdecken und zu entfalten.

Ob berufliche, private oder auch  gesundheitliche Themen: Naturerlebnisse und Bewegung spielen bei „The Path“ eine massgebliche Rolle. Die Natur bietet einen wohltuenden Rahmen als Quelle zu neuer Kraft und Inspiration. Über Körpererfahrungen erlangen wir nämlich unmittelbar mehr Bewusstsein für unsere aktuelle Lebenssituation und neue Perspektiven bzw. Handlungsoptionen.

Mit dem Snowboard bin ich dennoch weiterhin aktiv. Das Snowboarden wird mich wohl mein Leben lang begleiten – es ist einfach mein Lieblingshobby. Ein Tag im Powder macht mich heute noch genauso glücklich wie zum Beginn meiner sportlichen Karriere.

Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg!

M.Michels

 

Weitere Infos unter: www.nicolathost.com.

Info: Die ersten olympischen Entscheidungen 2018 im Snowboarden gingen an die USA: im Slopestyle bei den Frauen an Jamie Anderson und im Slopestyle der Herren an Redmond Gerard.