Duo von der HSG Uni Greifswald am Start

Leichtathletik – Symbolfoto

Kaum sind die Leichtathletik-EM für Athleten ohne Handicaps (7.August 2018-12.August 2018)  in Berlin beendet, da starten bereits die Para-Leichtathletik-EM am 20.August 2018 (bis zum 26.August 2018) ebenfalls in Berlin. Zwar nicht im Olympiastadion, aber im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark werden 1350 Teilnehmende erwartet, darunter 650 Athletinnen und Athleten aus rund 45 Nationen. Diese wetteifern in 182 Wettbewerben um die Medaillen.

Lindy Ave und Hanna Wichmann von der HSG Uni Greifswald am Start

Aus M-V sind die Läuferin bzw. Weitspringerin Lindy Ave, Jahrgang 1998,  von der HSG Uni Greifswald, die Kugelstoßerin Hanna Wichmann, Jahrgang 1996, ebenfalls von der HSG Uni Greifswald, 2016 Junioren-Weltmeisterin mit der Keule bzw. JWM-Zweite mit der Kugel, und die gebürtige Pasewalkerin und Kugelstoßerin, Diskus- bzw. Speerwerferin Martina Willing, Jahrgang 1959, Mitglied des BPRSV Cottbus, dabei.

Vor zwei Jahren in Grosseto und in Rio

Bei den EM vor zwei Jahren, 2016 in Grosseto, konnten die deutschen Para-Leichtathletinnen und -Leichtathleten 43 Medaillen, darunter dreizehnmal Gold gewinnen – Platz vier im Medaillenspiegel. Besser waren nur Russland, Großbritannien und Polen. Martina Willing schaffte 2016 Silber im Kugelstoßen und Bronze mit dem Diskus. Lindy Ave belegte über die 100 Meter bzw. 200 Meter jeweils Rang fünf und kam im Weitsprung auf Rang sechs.

Und bei den paralympischen Entscheidungen in der Leichtathletik in Rio, ebenfalls vor zwei Jahren, sorgten indes die M-V-Starterinnen und -Starter zudem für positive Schlagzeilen.

Ausgezeichnete paralympische Leistungen für M-V in Rio

Die gebürtige Schwerinerin Vanessa Low (für Leverkusen startend, jetzt Australien) errang Weitsprung-Gold sowie 100 Meter-Silber, die gebürtige Ueckermünderin Marianne Buggenhagen (für Berlin startend) schaffte zum Karriere-Ende, nach neunmal Paralympics-Gold seit 1992, noch  einmalDiskus-Silber und Jana Schmidt (1.LAV Rostock) bzw. Lindy Ave (HSG Uni Greifswald) belegten vordere Platzierungen. Lindy verpasste über die 4 x 100 Meter mit Rang vier Bronze nur knapp. Martina Willing, bereits dreifache Paralympics-Siegerin 1992, 1996 bzw. 2008 im Speerwerfen, wurde Zweite in dieser Disziplin.

Lindy mit vorderen Rängen

Für Lindy waren die Wettkämpfe in Rio dennoch etwas ganz Besonderes: „Das Paralympische Dorf und der Olympia-Park waren sehr beeindruckend. Dort war immer was los, man konnte viele Sportler treffen. Toll war auch die Abschlussfeier. Alle haben mitgefeiert. Das hat mir sehr gut gefallen. Ich habe in Rio alles erreicht, was ich mir vorgenommen habe. Über 100 m und beim Weitsprung mit 13,20 s bzw. 4,47 m neue persönliche Bestleistungen und deutsche Rekorde aufstellen. DIe Stimmung war prima und die Brasilianer überaus freundlich und feuerten alle Sportler, nicht nur die brasilianischen, an.“

Von Rio 2016 nach London 2017

Höhepunkt waren für Lindy dann ein Jahr später die IPC-WM 2017 in London. Die gebürtige Neubrandenburgerin dort schaffte  Silber über die 200 Meter und Bronze über die 100 Meter erkämpfen…

Dazu seinerzeit ihr Trainer Dr. Peer Kopelmann: „Lindys Medaillenerfolge in London waren der absolute Höhepunkt einer insgesamt sehr erfolgreichen Saison für die Para-Leichtathleten Mecklenburg-Vorpommerns. Neben Lindy Ave war auch die 21jährige Hanna Wichmann bei den Grand Prix-Meetings in Dubai und Berlin erfolgreich…“

Lindy und die Para-Leichtathletik

Wie kam Lindy Ave aber zur Leichtathletik?! Die erfolgreiche Sportlerin über ihren Weg zum Laufsport bzw. zum Weitsprung: „Ich habe in Neubrandenburg die KÖS, das ist die Schule für Körperbehinderte, besucht. Dort hat mich Frau Dittmer `entdeckt` und für den Vereinssport beim SC Neubrandenburg gewonnen. Ich nahm am Schwimm-Training und am Leichtathletik-Training teil und war in beiden Sportarten erfolgreich. Seit meinem Wechsel nach Greifswald  konzentriere ich mich auf die Leichtathletik. Seitdem trainiere ich bei der HSG Universität Greifswald. Das Training ist hier umfangreicher und oftmals auch sehr anstrengend, macht aber auch viel Spaß.“

Auch für ihre Entdeckerin in Neubrandenburg, Christina Dittmer,  ist die Entwicklung von Lindy seitdem schon beeindruckend: „Lindy war schon immer fleißig und diszipliniert. Im Training hat sie die anderen Sportler mit gezogen. Das ist noch heute so. Es ist eine Freude, sie zu beobachten. Sie gibt immer 100 Prozent. Oft muss man sie bremsen. Ein `Zuviel` ist bei ihr manchmal nicht gut. Bedingt durch ihre Krankheit verkrampfen dann ihre Muskeln und es geht gar nichts mehr. Das war auch früher schon so. Dann fiel sie beim Training oft aus.

Ein großer Dank gilt hier ihren Eltern. Sie glaubten stets an Lindy, haben alle nur möglichen Therapien mit ihr gemacht und sorgten stets für ihre medizinische Betreuung. Das hat sich ausgezahlt. Andere hätten vielleicht gesagt: Lindy darf keinen Sport mehr treiben, das ist gefährlich für die Gesundheit des Kindes… Aber dem war nicht so und das Ergebnis sehen wir jetzt. Es hat sich gelohnt, dran zu bleiben.“

Na dann, eine erfolgreiche Para-EM für Lindy und die anderen deutschen Athletinnen bzw. Athleten in Berlin!

Marko Michels