Die 16.Leichtathletik-Weltmeisterschaften in London in den Startblöcken…

„Ja, wo laufen sie denn?!“, diese „geflügelte Bemerk(el)ung“, die einst Loriot konzipierte, ist auch Anfang August „in aller Munde“.

Leichtathletische August-Zeit

Denn: August-Zeit bedeutet mittlerweile alle vier Jahre Leichtathletik-WM-Zeit. Erstaunlicherweise ist London zum ersten Mal Gastgeber weltmeisterlicher Elite-Leichtathletik-Wettkämpfe, nachdem es 1908, 1948 und 2012 bereits olympische Leichtathletik-Entscheidungen organisierte.

Eine „fliegende Holländerin“ mit viermal Gold

Bei den Londoner Leichtathletik-Wettbewerben unter den fünf olympischen Ringen waren stets die „Amis“ die Nummer eins, 1908 mit 34 Medaillen, darunter 16 x Gold, 1948 mit 27 Medaillen, darunter 12 x Gold, und 2012 mit 28 Medaillen, darunter 9 x Gold. Bester Athlet war 1908 Melvin Sheppard (natürlich USA) mit 3 x Gold über die 800 Meter, 1500 Meter und mit der olympischen Staffel.

Im Jahr 1948 indes gab es die „fliegende Holländerin“ Fanny Blankers-Koen, die viermal Gold über die 100 Meter, 200 Meter, 80 Meter Hürden und mit der niederländischen 4 x 100 Meter-Staffel holte.

Und 2012 schaffte der Jamaikaner Usain Bolt jeweils Gold über 100 Meter, 200 Meter und mit der 4 x 100 Meter-Staffel Jamaikas, wie schon 2008 in Peking und dann 2016 in Rio. Allerdings: Jamaika wurde die Staffel-Goldene 2008 in Peking aberkannt, weil Nesta Carter, der damals Mitglied der Staffel war, des Dopings überführt wurde.

Ja, London erlebte schon große Stunden der Leichtathletik – zumindest olympisch betrachtet.

Positive Leichtathletik-Momente 2017…

2017 dürfte es wieder ähnliche „Jubel-Arien“, „Dramen“ und „Anekdoten“ geben. Auf positive Momente hofft natürlich auch das deutsche Leichtathletik-Team 2017, das 72 Athletinnen und Athleten umfasst und – nicht nur, aber insbesondere –  im Speerwerfen der Herren auf Medaillen hofft.

Nicht alle Medaillen-Aspirantinnen und -Aspiranten sind für Schwarz-Rot-Gold dabei, so der Diskus-Olympiasieger 2016 Christoph Harting, die Kugelstoß-Weltmeisterin 2015 Christina Schwanitz oder die Vize-Weltmeisterin 2015 über 100 Meter Hürden, Cindy Roleder. Andere wiederum beendeten ihre sportive Karriere, wie die Erfolgsathletinnen Christina Obergföll bzw. Linda Stahl (jeweils im Speerwerfen) und Betty Heidler (Hammerwerfen).

Aber die eine oder andere Plakette sollte es dennoch geben. Wenn es wieder so viele werden wie bei den letzten WM 2015 in Peking, wäre es ein riesiger Erfolg, aber ein halbes Dutzend sollten es schon sein… Allerdings: Zu tief sollte man auch nicht „stapeln“. Immerhin wurde Deutschland bei den Team-EM in der Leichtathletik 2017 im Juni in Lille ja Team-Europameister.

Wo sind die MV-Athleten?!

Leider qualifizierte sich keine Athletin und kein Athlet eines MV-Vereines für die 16.Leichtathletik-WM. Nur Diskuswerferin Anna Rüh, die gebürtige Greifswalderin, die einst für den Greifswalder SV 04 bzw. den SC Neubrandenburg startete, seit 2015 Mitglied des SC Magdeburg ist, unter anderem U 20-WM-Gold 2012 bzw. U 23-EM-Silber 2015 erkämpfte, bei den EM 2012 sowie 2014 jeweils Rang vier belegte und Olympia-Zehnte 2012 war, ist in London 2017 dabei. Bei den Deutschen Meisterschaften 2017 in Erfurt schaffte Anna Rüh Rang zwei hinter Julia Harting. Vielleicht geht für Anna 2017 wieder etwas in Richtung Edelmetall?!

Die erste und die letzte Entscheidung 2017…

Die erste WM-Entscheidung von insgesamt 47 bei den 16.Leichtathletik-WM 2017 ist jene über die 10000 Meter der Herren am 4.August. Dort war in der WM-Historie seit 1983  Äthiopien mit 9 x Gold, 5 x Silber, 4 x Bronze bis dato am besten, wobei der Italiener Alberto Cova 1983 das erste WM-Gold gewann und der für Großbritannien startende, gebürtige Somalier Mo Farah die WM-Titel zuletzt 2013 bzw. 2015 gewann. Die Äthiopier Haile Gebrselassie (1993, 1995, 1997 bzw. 1999)

und  Keninisa Bekele (2003, 2005, 2007 bzw. 2009) schafften über die 10000 Meter jeweils viermal WM-Gold. Aus deutscher Sicht kamen bei Welt-Titelkämpfen Werner Schildhauer (SC Chemie Halle, 1983 Silber) und Hansjörg Kunze (SC Empor Rostock, jeweils Bronze 1983 und 1987) zu Medaillen.

Am 13.August ist dann die letzte WM-Entscheidung jene mit der 4 x 400 Meter Staffel der Herren, wobei hier die USA mit 9 x Gold, 1 x Silber seit 1983 dieTop-Nation sind. Der WM-Premieren-Titel 1983 über 4 x 400 Meter „ging“ damals an die Sowjetunion mit dem Olympiasieger 1980 über die 400 Meter bzw. die 4 x 400 Meter Wiktor Markin. Titelverteidiger von 2015 sind die USA mit LaShawn Merritt, dem Olympiasieger 2008 über die 400 Meter bzw. 4 x 400 Meter und auch Olympiasieger 2016 über die 4 x 400 Meter. Deutsche Medaillen über die 4 x 400 Meter der Herren bei IAAF-WM gab es 1983 (Silber) und 1993 (Bronze).

Wie war das noch bei den vorerst letzten Leichtathletik-WM vor zwei Jahren, 2015 in Peking?!

Auch bei den 15.Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Peking im August 2015 wurde schnell gelaufen, weit geworfen und hoch gesprungen. Fast 2000 Athletinnen und Athleten aus 207 Ländern maßen die Kräfte, die hoffentlich alle auf natürlichem Weg entstanden waren. Das heißt – durch das angeborene Talent, durch fleißiges Training, eine ausgewogene Ernährung und eine positive Lebenseinstellung.

47 Titel wurden feil geboten

47 WM-Titel wurden auch 2015 vergeben und eigentlich wollten die US-Amerikanerinnen und US-Amerikaner wieder die „Pole Positionen“ im Medaillen-Ranking erobern.  Aber: Es ist wie so oft im Leben, gerade im sportlichen Dasein: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt…

USA nicht Erster

Team U.S.A. mußte eine Reihe von empfindlichen Niederlagen insbesondere auf den Lauf-Distanzen einstecken. Keine Medaillen in den traditionsreichen US-Disziplinen Herren-Weitsprung, Herren-Stabhochsprung, Herren-Hochsprung oder Herren-Diskuswerfen und und und  – ein Desaster.

Am Ende belegten die USA mit 6 x Gold, 6 x Silber, 6 x Bronze gar nur Rang drei im Medaillenspiegel. Kenia wurde bestes Leichtathletik-Land mit 7 x Gold, 6 x Silber, 3 x Bronze vor Jamaika mit 7 x Gold, 2 x Silber, 3 x Bronze.

Insgesamt erkämpften 43 Länder WM-Medaillen, darunter 19 Staaten eine oder mehrere Goldmedaillen. Nicht einmal ein Viertel aller teilnehmenden Nationen gewann damit eine Plakette. Dominierten früher die „Großen Vier“, USA, DDR, Sowjetunion, Westdeutschland, so sind heute rund 20 Nationen, darunter viele afrikanische Länder, sehr stark. Einige Länder spezialisierten sich auf Einzel-Disziplinen, wie zum Beispiel Kolumbien im Dreisprung der Frauen (Weltmeisterin Caterine Ibarguen).

Kenia die neue Nummer eins?!

Auch Kenia ist und bleibt eine Lauf-Nation – vorzugsweise auf den mittleren und langen Kanten, auch wenn durch Julius Yego ein Überraschungserfolg im Speerwerfen gelang.

Die WM 2015 „im Detail“

Die läuferischen Herren

In den Lauf-Disziplinen der Herren holten Kenia 4 x Gold, 4 x Silber, 2 x Bronze und Jamaika 3 x Gold, 1 x Silber. Die USA enttäuschten mit 1 x Gold, 3 x Silber, 2 x Bronze.

Der Brite Mo Farah war wieder das „Maß aller Dinge“ über die 5000 Meter und 10000 Meter. Usain Bolt aus Jamaika triumphierte über 100 Meter, 200 Meter und über 4 x 100 Meter. David Rudisha aus Kenia lief am schnellsten über die 800 Meter. Den Marathonlauf entschied der Äthiopier Ghirmay Ghebreslassie für sich. Russlands Läufer-Ehre rettete Sergej Schubenkow über die 110 Meter Hürden.

Im Gehen waren Miguel Angel Lopez (Spanien / 20 Kilometer) und Matej Toth (Slowakei / 50 Kilometer) am besten. Wenigstens der „König der Athleten“, Ashton Eaton, kam aus den USA und beschloss seinen Wettkampf mit dem neuen Zehnkampf-Weltrekord von 9045 Punkten.

Polen mit besten Technikern

Zur besten Nation in den technischen Disziplinen der Herren avancierte Polen mit 2 x Gold, 4 x Bronze. Polnische Goldmedaillen gab es durch Piotr Malachowski im Diskuswerfen und Pawel Fajdek im Hammerwerfen. Je zweimal Gold im Technik-Bereich erkämpften ebenfalls Kanada (Shawnacy Barber im Stabhochspringen und Derek Drouin im Hochsprung) und die USA (Christian Taylor im Dreisprung und Joe Kovacs im Kugelstoßen).

Die läuferischen Frauen

In den Lauf-Wettkämpfen bei den Frauen waren Jamaika (4 x Gold, 1 x Silber, 2 x Bronze), Äthiopien (3 x Gold, 2 x Silber, 1 x Bronze) und Kenia (2 x Gold, 2 x Silber, 1 x Bronze) die Top-Nationen.

Shelly-Ann Fraser-Price (Jamaika) gewann erwartungsgemäß die 100 Meter. Die „inoffizielle Miss Leichtathletik 2015“, Dafne Schippers (Niederlande), setzte sich über die 200 Meter durch. Die Amerikanerin Allyson Felix sicherte für die USA wenigstens den Erfolg über die 400 Meter. Die Äthiopierin Mare Dibaba distanzierte hingegen im Marathonlauf die Konkurrentinnen.

Für das Gastgeberland China sorgte die Geherin Liu Hong (20 Kilometer) für goldene Momente. Die Britin Jessica Ennis-Hill wurde beste Siebenkämpferin.

Deutschland mit besten Technikerinnen

In den Technik-Disziplinen bei den Frauen wurde – fast unbemerkt – Deutschland die erfolgreichste Nation mit 2 x Gold, 1 x Silber, gefolgt von Kuba mit 2 x Gold (Yarisley Silva im Stabhochspringen und Denia Caballero im Diskuswerfen). Die grazile Russin Marija Kuchina gewan das Hochspringen und die US-Amerikanerin Tianna Bartoletta das Weitspringen.

Das deutsche Team bei den WM 2015

Überhaupt das deutsche Team. Es schnitt mit 2 x Gold, 3 x Silber, 3 x Bronze besser als befürchtet ab, aber wenn man aufrichtig zu sich selbst ist, dann fragt man sich dennoch: Was ist aus der einstigen Leichtathletik-Top-Nation Deutschland nur geworden?! Es gab in Peking für die DLV-Mannschaft sicher großartige Erfolgsmomente, aber auch zahlreiche bittere Enttäuschungen – bereits vor Peking… Die deutschen Staffeln laufen seit Jahren der Weltspitze hinterher, die immer besser wird. Warum wissen wir. Das, was andere machen, müssen wir nicht nachmachen. In diesem Fall gilt nicht: „Mach mit! Mach`s nach! Mach`s besser!“.

Keinen Sand in die Augen

Aber man sollte sich auch nicht Sand in die Augen streuen. Die sportliche Förderung, gerade in olympischen Kernsportarten, ist in Deutschland alles andere als optimal. Das „große Geld“ wird lieber in „Kirmes-Spottarten“ a la Profiboxen, Formel 1 sowie der „Profi-Fußballerei“ und von Getränkeherstellern erfundenen wie protegierten „Fun-Sportarten“ investiert. Zum Ruhme des Profits, aber alles andere als zur Ehre des aufrichtigen Sportes.

Wer keine echten beruflichen Perspektiven hat, um die Existenz kämpfen muß und den Kopf nicht frei für den Leistungssport hat, der besitzt jedoch keine Chance gegen die läuferischen Staatsprofis aus Kenia, Äthiopien oder Jamaika. …Die zu Hause alles bekommen, während der „Rest der Bevölkerung“ darben muß.

Imponierend ist die Medaillensammlerei der Kenianer, Äthiopier, Jamaikaner auf den Laufstrecken daher nicht. Es stimmt nur nachdenklich, wenn sportliche Leistungssprünge in Peking von den „Experten“ am Mikrofon hochgejazzt werden,  obwohl bekannt und nachvollziehbar ist, wie diese zustande kommen. Seien wir jedoch ehrlich: Die Sportfreaks im Stadion oder vor dem TV-Bildschirm wollen eine Show präsentiert bekommen – und diese wird halt geliefert. Wie was zustande kam, interessiert kaum jemanden. Auch nicht, dass der Medaillenspiegel spätestens in ein paar Jahren wieder korrigiert wird.

Freude angebracht

Deutschland kann und sollte sich dennoch über die acht Medaillen freuen, die Katharina Molitor (Gold im Speerwerfen), Christina Schwanitz (Gold im Kugelstoßen), Raphael Holzdeppe (Silber im Stabhochspringen), David Storl (Silber im Kugelstoßen), Cindy Roleder (Silber über 100 Meter Hürden), Rico Freimuth (Bronze im Zehnkampf), Gesa Felicitas Krause (Bronze über 3000 Meter Hindernis) und Nadine Müller (Bronze im Diskuswerfen) gewannen. Alles sympathische Athletinnen und Athleten, die auch in Rio 2016 ihre Medaillen-Chancen haben sollten.

Blick aus M-V auf das Ganze

Was bliebe aus M-V-Sicht zu den WM 2015 anzumerken? Bekanntermaßen nahm mit Martina Strutz nur eine Athletin aus M-V (vom Schweriner SC) teil. Die Vize-Weltmeisterin von 2011, Vize-Europameisterin 2012 und Olympia-Fünfte 2012, wurde immerhin Achte. (Red. Anmerkung: Bei den Spielen in Rio 2016 belegte Martina dann Rang neun. Leider ist Martina zurzeit, 2017, verletzt.)

Und: Wie waren die Wettkämpfe vor Jahresfrist, also die olympischen Leichtathletik-Entscheidungen im August 2016 in Rio de Janeiro?

141 Medaillen, darunter 47 Goldene, wurden bei den Leichtathletik-Wettbewerben der 31.Olympischen Spiele in Rio de Janeiro vergeben. Die Wettbewerbe brachten kaum nennenswerte Überraschungen – und wenn, dann fast nur im negativen Sinne.

Russinnen und Russen ausgeschlossen, andere nicht…

Das russische Leichtathletik-Team wurde – bis auf die Weitspringerin Darija Klischina (Neunte) – komplett von den Spielen ausgeschlossen, darunter auch Stabhochsprung-Medaillen-Favoritin Jelena Issinbajewa, die bereits zweimal Olympia-Gold (2004 bzw. 2008) sowie einmal Olympia-Bronze (2012) erkämpfte.

In den vergangenen  17 Jahren feierte sie 20 internationale Erfolge, wurde ausgiebig auch in nichtrussischen Ländern kontrolliert, nie fand man verbotene Substanzen bei ihr, aber wegen des „russischen Staatsdopings“ durfte auch sie nicht starten. Eigentlich sind nach rechtsstaatlichen Kriterien Einzelfallprüfungen notwendig – zumal bekannte Doping-Sünderinnen und Doping-Sünder aus „nichtrussischen Regionen“ wieder in Rio starteten.

Na klar, das ist dann Regional- und nicht Staatsdoping. (Zur Info: Auch bei den WM 2017 in London bleibt das russische Team gesperrt. Es werden aber 19 Athletinnen und Athleten aus Russland an den WM 2017 teilnehmen, die allerdings nicht im russischen Nationaltrikot antreten dürfen, den Status „Unabhängige Athletin“/“Unabhängiger Athlet“ erhalten.)

Argwöhnischer Blick auf das olympische Treiben in Rio

So verfolgte der aufrichtige Sportfan nicht nur das leichtathletische Treiben in Rio mit einem gewissen Argwohn und dachte sich: Bevor die anderen laufend dopen, laufe ich lieber durch die freie Natur.

Blick auf die „nackten Zahlen“

Wenn man auf die „nackten Leichtathletik-Ergebnisse“ in Rio blickt, ergibt sich für den Laufbereich bei den Herren folgendes „Bild“. Der amerikanische Doppel-Kontinent errang 18 Medaillen, darunter 7 x Gold, Afrika folgte mit 11 Medaillen, darunter 4 x Gold, und Europa mit 8 Medaillen, darunter 2 x Gold. Asien und Ozeanien begnügten sich mit jeweils einer Medaille.

Usain Bolt wieder mal mit drei Goldenen

Erwartungsgemäß schaffte der Jamaikaner Usain Bolt nach 2008 (minus eins, wie eingangs erwähnt) und 2012 wieder Gold über die 100 Meter, 200 Meter und mit der 4 x 100 Meter-Staffel aus Jamaika. Der oft erwischte Justin Gaitlin bekam über die 100 Meter Silber. Der Brite Mo Farah wiederholte seinen olympischen Doppel-Erfolg von 2012 über die 5000 Meter und 10000 Meter.

Und für Afrika triumphierten Wayde van Niekoh (Südafrika, 400 Meter), David Rudisha (Kenia, 800 Meter), Conseslus Kipruto (Kenia, 3000 Meter Hindernis) und Eliud Kipchoge (Kenia, Marathon).

Der „Große Bruder aus dem Westen“, der ehemals „Große Bruder aus dem Osten“ war ja aus besagten Gründen nicht zugegen, holte dank Matthew Centrowitz junior (1500 Metr) sowie Kerron Clement (400 Meter Hürden) und dank der 4 x 400 Meter-Staffel dreimal Gold. Neben den drei Siegen für Usain Bolt und seinen Gefährten in der kurzen Staffel erlief auch Omar McLeod aus Jamaika Gold – über die 110 Meter Hürden.

Zwei Olympiasieger vom DLV

In den technischen Leichtathletik-Disziplinen der Männer konnten die US-Amerikaner ebenfalls drei Goldene „einsacken“ – im Weitsprung durch Jeff Henderson, im Dreisprung durch Christian Taylor und im Kugelstoßen durch Ryan Crouser.

Dort, also in den technischen Disziplinen der Leichtathletik-Herren, verhinderte ein Trio „das deutsche Leichtathletik-Waterloo“ in Rio. Christoph Harting schleuderte den Diskus zu Gold, Daniel Jasinski das gleiche „Gerät“ zu Bronze und Thomas Röhler ließ seinen Speer auch zu Gold fliegen. Vor 80 Jahren hatte der Greifswalder Student Gerhard Stöck Speer-Gold bei den Spielen 1936 in Berlin erkämpft, dann folgte mit dem „Gold-Speer“ 1972 in München der Bayer Klaus Wolfermann.

Für Gastgeber Brasilien gab es Gold durch Thiago Braz da Silva mit übersprungenen 6,03 Metern im Stabhochsprung der Männer. Die nichtbrasilianische Konkurrenz wurde gnadenlos vom Publikum ausgepfiffen…

Im Gehen sicherten sich der Chinese Wang Zhen und der Slovake Matej Toth Gold über 20 Kilometer bzw. über 50 Kilometer.

„König der Leichtathleten“ 2016 in Rio wurde der Amerikaner Ashton Eaton, der es als dritter Zehnkämpfer der Olympia-Geschichte – nach Bob Mathias (USA) 1948/1952 und Daley Thompson (Großbritannien) 1980/1984 – schaffte, sein olympisches Zehnkampf-Gold zu verteidigen. Eaton hatte bereits in London 2012 Rang eins belegt.

USA im Frauen-Lauf-Bereich am besten

In den olympischen Lauf-Wettkämpfen der Frauen „lief“ auch alles erwartungsgemäß. Die US-Damen erkämpften 4 x Gold, 3 x Silber, 5 x Bronze, wobei die ersten Plätze auf die sportlichen Konten von Brianna Rollins (100 Meter Hürden), Dalilah Muhammad (400 Meter Hürden) sowie den Staffeln über 4 x 100 Meter und 4 x 400 Meter gingen.

Die amerikanische 4 x 100 Meter-Frauen-Staffel durfte ihren Vorlauf sogar wiederholen, nachdem sie beim ersten den Staffelstab verloren hatten. Die USA protestierte, weil sie durch eine brasilianische Läuferin angeblich behindert wurden und absolvierten im Alleingang den Vorlauf noch einmal… Mitunter geht und läuft alles, wenn man und andere nur wollen!

Der amerikanische Doppelkontinent sammelte auch im Frauen-Lauf-Bereich am fleißigsten Medaillen (20, darunter 7 x Gold). Afrika schaffte 13 Medaillen, darunter 5 x Gold, Europa 4 Medaillen und Asien 2 Medaillen (darunter 1 x Gold).

Zwischen 100 Meter der Frauen und Siebenkampf der Frauen

Elaine Thompson aus Jamaika war die Sprint-Königin von Rio mit jeweils Gold über die 100 Meter bzw. 200 Meter (vor Dafne Schippers aus den NIederlanden) und Silber mit der 4 x 100 Meter-Frauen-Staffel aus Jamaika.

Für Afrikas Frauen gab es läuferisches Gold über 1500 Meter (Faith Kipyegon, Kenia), über 5000 Meter (Vivian Cheruiyot, Kenia), im Marathon (Jemima Sumgong, Kenia) und über 10000 Meter (Almaz Ayana, Äthiopien). Almaz Ayana pulverisierte dabei den suspekten Weltrekord einer Chinesin (Wang Junxia, 1993) gleich um mehr als 14 Sekunden…

Im Gehen über 20 Kilometer wurde die Chinesin Liu Hong die Erste, die gerade erst im Frühsommer erwischt wurde.

In den technischen Disziplinen in der Frauen-Leichtathletik in Rio wurden die Amerikanerinnen mit 2 x Gold, 2 x Silber ebenfalls das erfolgreichste Land. Tianna Bartoletta siegte im Weitsprung und Michelle Carter im Kugelstoßen. Kroatiens errang auch zwei Goldene – durch die ebenfalls bereits wegen Dopings gesperrte Sandra Perkovic im Diskuswerfen und durch Sara Kolak im Speerwerfen.

„Königin der Frauen-Leichtathletik 2016“ wurde Nafissatou Thiam aus Belgien.

Am Ende war der interessierte Sportfan nur froh, dass auch die Leichtathletik-Show in Rio endlich vorbei war. Athletinnen und Athleten aus 43 Ländern umjubelten ihre Medaillen, 20 Staaten freuten sich über eine oder mehrere Goldene in Rio de Janeiro. Ob das so bleibt, wissen die Götter oder die hoffentlich ehrlich arbeitenden Kontrolleure in den Doping-Laboren…

Marko Michels

Wichtige aktuelle Leichtathletik-Termine in M-V (Auswahl):

– am 5.August: die 15.“hella marathon nacht“ in Rostock

– am 9.September: der 1.Fischland-Darß-Zingst-Ultramarathon (Veranstalter/Ausrichter: LAV Ribnitz-Damgarten/Sanitz)

– am 16./17.September: der 25.Jedermann-Zehnkampf in Schwerin.

Schon in Sichtweite: Die deutschen Nachwuchs-Meisterschaften mit M-V-Beteiligung im August 2017

Mit reger MV-Beteiligung finden demnächst übrigens auch wichtige nationale Meisterschaften im Nachwuchsbereich statt, so die Deutschen Jugend-Meisterschaften (U 20/U 18) vom 4.August bis 6.August in Ulm, die Deutschen Jugend-Meisterschaften (U 16) vom 12.August bis 13.August  in Bremen und die Deutschen Mehrkampf-Meisterschaften (U 18/U 16) in Filderstadt-Bernhausen.

Teilnehmerinnen/Teilnehmer (Auswahl, Teilnahmelisten noch nicht vollständig) zu den einzelnen deutschen Nachwuchsmeisterschaften im August in Ulm und in Bremen.

Altersklasse U 20/weiblich

100 Meter: Wiebke Griephan (LAV Ribnitz-Damgarten/Sanitz), Fiona Bochert (LAV Ribnitz-Damgarten/Sanitz), auch 200 Meter), Vanessa Hammerschmidt (HSG Uni Greifswald, auch 100 Meter Hürden)

100 Meter Hürden: Janika Baarck (SC Neubrandenburg, auch WEitsprung und Kugelstoßen), Greta Gebhardt (HSG Uni Greifswald) / 400 Meter Hürden: Elisa Adams (1.LAV Rostock)

4 x 100 Meter: Vanessa Hammerschmidt, Nele Strack, Pia-Laureen Link, Fiona Hammerschmidt

Stabhochsprung: Luzy Lieger (Schweriner SC)

Kugelstoßen: Anne Wagenknecht (SC Neubrandenburg, auch Diskuswerfen)

Altersklasse U 18/weiblich

200 Meter: Manja Sachs (1.LAV Rostock, auch 400 Meter Hürden) / 400 Meter: Martha Gettel (SC Neubrandenburg, auch 800 Meter)

800 Meter: Svea Gipp (LAV Waren/Müritz) / 1500 Meter: Cindy Keipke (SC Neubrandenburg)

3000 Meter: Roxanna Schiwek (SC Neubrandenburg), Milla Mann (TC Fiko Rostock)

100 Meter Hürden: Sofia Robrahn (Schweriner SC) / 400 Meter Hürden: Gretha Gebhardt (HSG Uni Greifswald)

4 x 100 Meter: Jil Zoe Kleinikel, Emma Ihrke, Cheyenne Kühn und Emily Krüger (alle SC Neubrandenburg)

Hochsprung: Maja Küßner (1.LAV Rostock) / Stabhochsprung: Laure Scheutzow (Schweriner SC)

Speerwerfen: Julia Ulbricht (1.LAV Rostock), Nele Aust (1.LAV Bergen)

Altersklasse U 20/männlich

100 Meter: Jonas Müller (SC Neubrandenburg, auch 200 Meter)

5000 Meter: Malte Propp (TC Fiko Rostock)

110 Meter Hürden: Marno Voigt (1.LAV Rostock)

400 Meter Hürden: Alexander Schwadtke (1.LAV Rostock)

Hochsprung: Ole Krischan Grevsmühl (SV Medizin Schwerin) / Stabhochsprung: Tom Linus Humann (Schweriner SC), Gillian Ladwig (Schweriner SC)

Kugelstoßen: Tom William Kalliske (SC Neubrandenburg) / Diskuswerfen: Tim Ader (SC Neubrandenburg)

Altersklasse U 18/männlich

100 Meter: Nick Woischwill (Schweriner SC, auch 200 Meter) / 200 Meter: Magnus Buchwald (1.LAV Rostock)

400 Meter: Timo Liedemit (1.LAV Rostock), Szymon Nastaly (1.LAV Rostock), Leonhard Wesols (1.LAV Rostock)

400 Meter Hürden: Tom Fischer (HSG Uni Greifswald)

Hochsprung: Chima Ihenetu (SC Neubrandenburg), Till Schomacker (Schweriner SC)

Weitsprung: Lukas Lappe (SC Neubrandenburg) / Dreisprung: Lennhard Voigt (HSG Uni Greifswald), Chris Rattke (Schweriner SC), Yannik Paulsen (Schweriner SC)

Diskuswerfen: Erik Marquardt (SC Neubrandenburg), Kai Gieraß (SC Neubrandenburg, auch Kugelstoßen), Silas Tervoort (SC Neubrandenburg)

Altersklasse Jugend 15/weiblich

100 Meter: Cheyenne Kühn (SC Neubrandenburg), Emma Ihrke (SC Neubrandenburg), Jil Zoe Kleinikel (SC Neubrandenburg)

300 Meter: Pia Liedemit (1.LAV Rostock)

3000 Meter: Thaina Santos Westphal (SC Neubrandenburg)

300 Meter Hürden: Lara-Joy Krasemann (1.LAV Rostock)

Hochsprung: Merle Wolf (Schweriner SC), Hannah Bittorf (1.LAV Rostock, auch Dreisprung), Emmelie Paris (Schweriner SC, auch Weitsprung)

Weitsprung: Jolina Skupch (1.LAV Rostock), Emily Krüger (SC Neubrandenburg)

Speerwerfen: Emely Grenzer (1.LAV Rostock)

Altersklasse Jugend 15/männlich

100 Meter: Ole Hendrik Ehrke (SC Neubrandenburg, auch Weitsprung) / 300 Meter: Roman Zöllner (Schweriner SC, auch Weitsprung)

3000 Meter: Marlon Letzin (SC Neubrandenburg)

Stabhochsprung: Niklas Tuschling (1.LAV Rostock)

Kugelstoßen: Tim Haker (SC Neubrandenburg, auch Diskuswerfen), Claudio Stoessel (SC Neubrandenburg, auch Diskuswerfen), Justin Wagenknecht (SC Neubrandenburg)

Speerwerfen: Eric Frank (1.LAV Rostock)

Ergänzung: In einzelnen Staffel-Disziplinen werden zudem Athletinnen und Athleten aus M-V starten.

Marko Michels

Foto: Symbolfoto-Leichtathletik