Parchim-Dargelütz • „Stress- und Konfliktmanagement“ lautete das Thema der Lehrveranstaltung am vergangenen Samstag (26. März 2022) für alle Unparteiischen im Kreisfußballverband Westmecklenburg. Mehrere unsportliche Vorfälle gegenüber Schiedsrichter*innen in jüngster Vergangenheit im Amateur- und Profisport zeugen von der Wichtigkeit der Behandlung und Aufarbeitung dieser Thematik. Der Kreisschiedsrichterausschuss hatte dafür drei Expert*innen eingeladen.

Ernestin Lauber (stehend) gab Tipps für den „Umgang mit Stress im und nach dem Spiel“. Foto: KFV WM

Verbale Entgleisungen von Spielern und Offiziellen, körperliches Bedrängen auf und neben dem Platz, sogar mehrere Spielabbrüche in jüngster Vergangenheit. Nicht zuletzt der „Becherwurf“ eines Zuschauers in Bochum auf den Schiedsrichterassistenten hat gezeigt, dass die Hemmschwelle gegenüber Unparteiischen (leider) weiter sinkt. Die unsportlichen Vorfälle sowie Übergriffe nehmen deutschlandweit zu, auch in Mecklenburg-Vorpommern. Dies zeigen auch die Fallzahlen des Sportgerichtes im Kreisfußballverband Westmecklenburg e. V. (KFV WM). Die Folge: Immer mehr Schiedsrichter*innen hängen die Pfeife „an den Nagel“. Als Reaktion auf diese Entwicklung hat der Schiedsrichterausschuss des KFV WM ein Seminar zum Thema Stress- und Konfliktmanagement konzipiert. Hierzu wurden eigens drei Referent*innen sowie Vertreter des Landesfußballverbandes Mecklenburg-Vorpommern in die Bildungsstätte „Lütt Pütt“ nach Parchim eingeladen.

So beleuchtete Mike Gielow – ehemaliger Zweitliga-Referee und aktueller Beobachter in der Frauen-Bundesliga – kritische Situationen und Unsportlichkeiten gegen Unparteiische aus regeltechnischer Sicht. Der Sportrichter gab insbesondere anwesenden jungen Schiedsrichter*innen wichtige Tipps für die Praxis mit auf den Weg. „Klarer Pfiff, den Spieler stellen, Blickkontakt, dazu Ansprachen und Verwarnungen immer in einem gewissen Abstand von etwa zwei Metern aussprechen.“ Dabei gilt generell: „Sicherheit geht vor Schnelligkeit!“

Mimik und Gestik sind auch für den zweiten Referenten, Deeskalationstrainer Thorsten Rosenbäck, wichtige „Werkzeuge“, um sich auf dem Platz Gehör und Respekt zu verschaffen sowie als Autorität anerkannt zu werden. „Ruhig und professionell bleiben, erst deeskalieren – dann reagieren, stringente Körpersprache mit einbringen.“ So helfe es auch, sich vorher „Sätze zurechtzulegen, weil sich gewisse Situationen entsprechend wiederholen“.

Die dritte Expertin, Ernestin Lauber, vermittelte ihr Fachwissen als Sportpsychologin. Sie ging speziell auf (überkochende) Emotionen, deren Entstehung und auf Möglichkeiten ein, wie in solchen Situationen reagiert werden kann. Auch sie konnte den Schiedsrichter*innen fundierte Erfahrungswerte für den „sportlichen Alltag“ an die Hand geben. Im regen Austausch konnten gemeinsam Lösungswege für gewisse Konfliktsituationen aufgezeigt werden.

Pauline Meincke erhielt von Schiedsrichterobmann Robert Holst die Ehrennadel in Bronze des KFV WM. Foto: KFV

Im Kontext der Reflexion wurde noch einmal verdeutlicht, dass in solchen Situationen niemand allein gelassen wird und die Unparteiischen auf ein vorhandenes Netzwerk des Kreis- und Landesfußballverbandes zur Unterstützung zurückgreifen können.

Im Rahmen der lohnenden Veranstaltung gab es aber auch Zeit für den einen oder anderen Plausch mit Kolleg*innen, welcher zuletzt infolge der Corona-Pandemie oftmals viel zu kurz kam. Daneben blieb auch Zeit für eine Auszeichnung. So wurde die Schiedsrichterin Pauline Meincke vom SV Stralendorf für ihr ehrenamtliches Engagement mit der Ehrennadel des KFV WM in Bronze ausgezeichnet. Mit ihren erst 22 Jahren hat sie schon rund 390 Spiele geleitet und konnte dabei bereits Erfahrungen als Assistentin in der 2. Frauen-Bundesliga sammeln. Die Ehrung erhielt sie aus den Händen von Schiedsrichterobmann Robert Holst.

 

Text: Torsten Schünemann, KFB WM