Nachgefragt bei Friedhelm Bögelsack

Die Eishockey-WM der Herren finden zurzeit, im Mai 2015, in der Tschechoslowakei statt und auch hierzulande gibt es viele Eishockey-Fans, denn M-V hat eine vielfältige Eishockey-Tradition.

Ein Eishockeyspieler mit Olympia-Teilnahme, der eigentlich beim FC Hansa Rostock eine fußballerische Karriere zunächst im Blick hatte, war der 1949 in Grapzow geborene Dietmar Peters. In Rostock erlernte Peters das Eishockey-”ABC” und nahm 1968 an den Olympischen Winterspielen in Grenoble teil. Dort wurde er als Neunzehnjähriger mit der DDR-Auswahl Achter. Dietmar Peters, der dann nach seiner Rostocker Zeit bei Dynamo Berlin durchstartete, nahm an fünf A-Weltmeisterschaften teil, wobei seine beste Platzierung mit der DDR unter anderem der sechste Rang 1983 war.

EM-Bronze 1965/66 gab es auch für einen weiteren Eishockey-Crack aus Rostock, für Bernd Karrenbauer, der 1962 von der Ostseeküste zu Dynamo Berlin wechselte. Weitere bekannte Eishockeyspieler, die einst für Rostock auf dem Eis standen, waren u.a. Rainer Patschinski (238 DDR-Länderspiele), Dietmars Bruder Roland Peters oder Friedhelm Bögelsack (189 DDR-Länderspiele), der 1955 in Greifswald geboren wurde und im September junge „60“ wird.

Der Greifswalder nahm dabei an drei A-WM (plus acht B-WM) teil, 1978 in Prag als die UdSSR vor der CSSR und Kanada Weltmeister wurde, 1983 in Westdeutschland als wieder die „Sbornaja“ vor der CSSR und Kanada triumphierte sowie 1985 in Prag als die CSSR vor Kanada und der UdSSR siegreich blieb.

Heute ist Friedhelm Bögelsack, der einst bei SC Empor Rostock und dem SC Dynamo Berlin spielte, Cheftrainer der Wedemark Scorpions, die unter anderem 2013/14 den Landesmeister-Titel schafften.

In diesem Jahr, seit dem 1.Mai und bis zum 17.Mai, werden  die Eishockey-WM der Herren wieder einmal in der Tschechoslowakei, in Prag und in Ostrava ausgetragen…

Was erwartet Friedhelm Bögelsack dabei vom deutschen Team?!

F.Bögelsack zur Eishockey-WM 2015, das deutsche Eishockey und seine frühere Zeit als Aktiver

„Leider wurden Entwicklungen verschlafen…“

Frage: Die diesjährigen Eishockey-WM der Herren finden in der Tschechoslowakei statt. Wer sind Ihre Favoriten? Auf welche Teams „tippen“ Sie?

Friedhelm Bögelsack: Nach den bisherigen zwei Spieltagen tippe ich insbesondere auf Kanada, das sich bislang außerordentlich stark präsentierte, und auf Schweden. Auch Gastgeber Tschechien ist weiterhin ein möglicher Titel-Kandidat und gerade vor heimischer Kulisse enorm steigerungsfähig. Respekt vor Jaromir Jagr, der mit seinen 43 Jahren noch immer ein Aktiv-Posten im Team ist. Ansonsten ist anzumerken, dass alle Team auf einem sehr hohen Niveau spielen – im Hinblick auf die technisch-taktische Spielweisen als auch auf das schlittschuhläuferischen Qualitäten. Und das Tempo hat ungemein zugenommen.

Frage: Was erwarten Sie von den deutschen Eishockey-Cracks?

Friedhelm Bögelsack: Ich hoffe sehr, dass das deutsche Team in der A-Gruppe verbleiben wird. Nach dem 0:10-Debakel im zweiten Spiel gegen Kanada erhält der knappe Auftaktsieg gegen Frankreich somit eine ganz wichtige Bedeutung. Hätte dieses Spiel nicht erfolgreich geendet, wäre es bereits zum WM-Beginn für die deutsche Mannschaft ganz bitter geworden. Ich hoffe nur, dass die WM daher noch Erfolgsmomente für unsere Mannschaft bereit halten wird. Denn: Es wurden ja neue Strukturen im deutschen Eishockey geschaffen – allerdings zwanzig Jahre zu spät. Da ist der „sportliche Zug“ für das deutsche Eishockey fast abgefahren. Andere Länder, wie Österreich, die Schweiz, Norwegen oder Dänemark, haben sich hingegen enorm entwickelt, während wir stagnierten, die rasante Entwicklung gerade im schlittschuhläuferischen Bereich verschliefen. Das Gruppen-Spiel gegen Kanada zeigte auf brutale Weise, wo das deutsche Eishockey gegenwärtig steht. Auch im Europapokal wurde das bereits deutlich. Alle sechs deutsche Teams scheiterten in der „Champions Hockey League“ bereits frühzeitig. Das muß mehr als zu denken geben!

Frage: Zurückgeblickt auf Ihre aktive Zeit… Was waren Ihre absoluten Highlights?

Friedhelm Bögelsack: Da gab es schon schöne Augenblicke, denke ich an die Jahre 1977/78 bzw. 1983/84 als ich mit dem SC Dynamo Berlin Dritter im Europapokal wurde oder an das Jahr 1983 als die DDR-Auswahl Platz sechs bei der WM bzw. Rang fünf in der EM-Wertung belegte. Wir waren doch damals gerade einmal 50 Eishockeyspieler in der DDR und erreichten trotz der alles andere als üppigen personellen Basis Herausragendes. Das hängt eben damit zusammen, dass wir viel intensiver trainierten. Fünf bis sechs Stunden täglich waren wir auf dem Eis. Das ist heute, bei weitaus besseren personellen Bedingungen, ja leider verpönt. Aber nur durch ein intensiveres und umfangreicheres Training wird es gelingen, das deutsche Eishockey international wieder konkurrenzfähig zu machen.  Andere Länder, ob Schweden, aber auch die Schweiz oder Österreich, um nur drei Beispiele zu nennen, machen es uns doch vor.

Frage: Was ist aus Ihrer Sicht schwieriger – die „Tätigkeit“ als Spieler oder als Trainer?

Friedhelm Bögelsack: Das sind schon zwei unterschiedliche Dinge… Als Trainer erwarten ich von den Kindern, Jugendlichen oder Jung-Profis, dass sie ehrgeizig, motiviert und ambitioniert sind. Jeder sollte das Ziel, den sportlichen Traum haben, einmal in der deutschen Nationalmannschaft zu spielen. Nur wer große Ziele hat, wird auch Großes erreichen können. Alles andere führt zum bzw. ins Mittelmaß. Entweder man brennt für das Eishockey, verspürt dafür eine echte Leidenschaft oder läßt es gleich ganz…

Allerdings wird es den deutschen Eishockey-Talenten auch nicht einfach gemacht. Oft spielen in den Vereinen bis zu zwölf Ausländer, der deutsche Eishockey-Nachwuchs bleibt auf der „Ersatzbank“. Konnten wir früher schon als Achtzehnjährige uns in der Meisterschaft, im Europapokal oder bei WM beweisen, so sind die deutschen Talente bereits 24 Jahre, wenn ihnen dazu intensiv die Chance gegeben wird. Das ist eindeutig zu spät. Hervorheben möchte ich aber, dass in Mannheim, Berlin oder in Bayern bereits jetzt schon eine gute Nachwuchsarbeit geleistet wird – aber alles Ausnahmen…

Und auch die Trainer haben es hierzulande alles andere als einfach. Obwohl es in Deutschland viele gut ausgebildete und engagierte Trainer gibt, wird oftmals auf die Kollegen aus anderen Ländern zurückgegriffen. Nichts gegen diese Kollegen, aber warum läßt man das große Potenzial hierzulande „brach liegen“?!

Letzte Frage: Vom aktuellen Eishockey zum Eishockey in M-V… Haben Sie noch regen Kontakt zu Ihrer Geburtsstadt Greifswald? Sind Sie regelmäßig in M-V?

Friedhelm Bögelsack: Es gibt natürlich schon noch Kontakte nach Mecklenburg-Vorpommern, vorwiegend im Oberliga-Bereich zu den Rostockern. Ansonsten habe ich eher regelmäßige Verbindungen nach Berlin, zu meinem einstigen langjährigen Sportheimat. Im norddeutschen Raum verzeichnete aus meiner Sicht insbesondere Hamburg eine sehr gute Entwicklung im Eishockey.

Vielen Dank und weiterhin bestes Engagement für den Eishockey-Sport!

Marko Michels