Eiskunstläuferin Nathalie Weinzierl über ihre bisherige Saison 2017/18

Die ambitionierte Eiskunstläuferin Nathalie Weinzierl. Foto: © Nicole Trucksess

Die Grand Prix-Serie im Eiskunstlaufen der olympischen Saison endete am zweiten Advents-Wochenende in Nagoya. Am dritten Advents-Wochenende gibt es dann die Deutschen Meisterschaften in Frankfurt/Main. Mit dabei ist auch die erfolgreichste deutsche Eiskunstläuferin der letzten Jahre Natalie Weinzierl, Jahrgang 1994, vom Mannheimer ERC (MV-SPORT stellte Nathalie im Oktober 2017 vor!).

Dennoch wird wohl der olympische Wettkampf in Pyeongchang im Februar 2018 ohne die Mannheimerin, die 2014 bei Winter-Olympia in Sotschi startete, stattfinden. So meldete die Deutsche Eislauf-Union, dass in Frankfurt/Main zwischen Nicole Schott und Lea Dastich die Entscheidung fallen wird, wer letztendlich Deutschland im Damen-Einzel in Pyeongchang vertreten darf, nachdem Nathalie Weinzierl aus gesundheitlichen Gründen leider nicht alle Olympia-Qualifikationswettbewerbe bestreiten konnte…

Wie ist aber nun die Sachlage?

Nathalie Weinzierl über ihre bisherige Saison 2017/18, die gesundheitlichen Handicaps, die leider verpasste Olympia-Teilnahme, das Grand Prix-Finale in Nagoya und eigene Ambitionen

„Möchte meine Leistung in Frankfurt/Main abrufen…“

Frage: Nathalie, wie die Deutsche Eislauf-Union meldete, wird die Entscheidung zur Olympia-Teilnahme zwischen Nicole Schott und Lea Dastich fallen… Ist Pyeongchang für Dich bereits endgültig abgehakt?

Nathalie Weinzierl: Ja, denn leider habe ich aufgrund einer Verletzung den Wettbewerb in Minsk absagen und bei der Tallinn Trophy aufgrund gesundheitlicher Probleme unmittelbar vor der Kür zurückziehen müssen.

Somit habe ich nicht genügend Wettbewerbe, die ich in die Qualifikationsrangliste einbringen kann. Dies ist sehr ärgerlich und frustrierend, wenn man sich über den Sommer sehr gut vorbereitet, viel und hart trainiert, zumal ich nicht einmal wirklich um den Olympia-Platz kämpfen konnte.

Trotzdem Glückwunsch an Nicole, denn auch Lea kann sie eigentlich nicht mehr überholen. Da müsste sie bei der Deutschen Meisterschaft  (am 15./16.Dezember 2017 in Frankfurt/Main – red.Anm.) schon über 195 Punkte laufen und gleichzeitig mehr als 30 Punkte besser sein als Nicole.

Frage: Wie verlief die bisherigen Saison für Dich? Mit welchen gesundheitlichen Handicaps hattest Du zu kämpfen?

Nathalie Weinzierl: Anfangs bin ich gut in die Saison gestartet und übertraf bei meinem ersten Qualifikationswettbewerb, der Nebelhorn Trophy in Oberstdorf, gleich die vom Deutschen Olympischen Sportbund geforderte Olympianorm von 150 Punkten und hatte zudem für die in Minsk und Tallin geplanten Wettbewerbe auch noch einiges an Luft nach oben.

Vor allem läuferisch und in der Präsentation meiner Programme habe ich mich gut verbessert. Leider bin ich im Training mit dem rechten Fuß umgeknickt und hätte eigentlich pausieren müssen. Da allerdings die Qualifikation für die Olympischen Spiele in vollem Gange waren, musste ich schauen, wie ich die Schmerzen reduzieren konnte, ohne komplett Pause zu machen.

Ich hatte die Hoffnung, dass ich dann beim Challenger-Wettbewerb in Minsk laufen könnte, allerdings ist der Fuß nicht schnell genug wieder in Ordnung gekommen. Beim anschließenden Wettbewerb in Tallinn hatte ich starke Kreislaufprobleme, jedoch nicht nur dort, sondern auch schon des Öfteren während des Trainings.

Normalerweise habe ich hierfür Kreislauftropfen, die ich in einem solchen Fall nehmen kann, allerdings sind diese von der NADA (der Nationalen Anti-Doping-Agentur)  nur im Training erlaubt und mein seit dem Sommer laufender Antrag auf eine medizinische Ausnahmegenehmigung wurde quasi zeitgleich mit dem Wettbewerb in Tallin abgelehnt. Somit konnte ich nichts dagegen tun, weil leider nichts anderes hilft und musste somit auch Tallinn ohne Ergebnis beenden.

Frage: Welche Chancen rechnest Du Dir bei den Deutschen Meisterschaften 2017 Mitte Dezember 2017 in Frankfurt/Main aus?

Nathalie Weinzierl: Wenn einmal in der Saison der Wurm drin ist, dann bekommt man ihn wohl auch nicht mehr raus… Ich bin die letzte Woche noch krank geworden und musste zu Hause bleiben. Als ich wieder das Training aufnehmen konnte, war es aber nur in reduziertem Umfang möglich. Jetzt geht es mir allerdings wieder gut und ich werde versuchen, bei der Deutschen Meisterschaft  trotzdem meine Leistung abzurufen bzw. meinen Titel zu verteidigen.

Frage: Wird es auch ohne Pyeongchang noch internationale Starts 2017/18 für Dich geben?

Nathalie Weinzierl: Da die OWS-Rangliste gleichzeitig auch für die Nominierung zur EM zählt, werde ich wohl auch dort dieses Jahr nicht starten können. Ich möchte aber auf alle Fälle noch ein paar internationale Wettbewerbe laufen, allerdings muss ich dieses noch genau mit meinem Trainer absprechen.

Letzte Frage: Wie beurteilst Du ansonsten die Damen-Entscheidungen des Grand Prix-Finales 2017 im Eiskunstlaufen in Nagoya, bei dem Alina Zagitova (Russland) vor Maria Sotskova (Russland), Kaetlyn Osmond (Kanada) und Carolina Kostner (Italien) gewann?

Nathalie Weinzierl: Das Niveau in Japan war sehr hoch. Die Programme der Damen sind technisch sowie auch künstlerisch sehr gut. Wenn dort ein Fehler unterläuft, verliert man gleich einen oder mehrere Plätze, da in der Summe die meisten kaum Fehler machen.

Vielen Dank, trotz allem optimistisch bleiben und dann wieder maximale Erfolge 2018/19! Schöne weihnachtliche Feiertage und einen optimalen Jahreswechsel!

Die Fragen stellte: M.Michels.

Rostocker Eiskunstläuferinnen können auch Eishockey. Hier bei einer früheren Show-Veranstaltung in Schwerin… Foto: M.M.

Exkurs: Eiskunstläuferinnen und Eiskunstläufer aus M-V bei olympischen Wettkämpfen

– Der gebürtige Rostocker Ralph Borghard, Jahrgang 1944, SC Dynamo Berlin, unter anderem EM-Sechster 1963/1966, konnten sich 1964 für den olympischen Wettkampf bei den Herren in Innsbruck qualifizieren und wurde Elfter. Es siegte Manfred Schnelldorfer (ERC München) vor Alain Calmat (Frankreich), Scott Allen (USA) und Karol Divin (Tschechoslowakei).

Bei den Winterspielen 1976 ebenfalls in Innsbruck nahm der gebürtige Rostocker Rolf Oesterreich, Jahrgang 1952, SC Dynamo Berlin, zusammen mit seiner späteren Ehefrau Romy Kermer im Paarlaufen teil. Das Duo belegte Rang zwei hinter Irina Rodnina/Alexander Saizew (Sowjetunion) und vor Manuela Groß/Uwe Kagelmann (SC Dynamo Berlin) und Irina Worobjowa/Alexander Wlassow (Sowjetunion).

– 34 Jahre später, bei den Winterspielen 2010 in Vancouver kam dann der gebürtige Greifswalder Robin Szolkowy, Jahrgang 1979, Chemnitzer EC, zusammen mit Aliona Savchenko zu Bronze im Paarlaufen – vor Juko Kawaguti/Alexander Smirnow (Russland) und hinter Shen Xue/Zhao Hongbo (China) bzw. Pang Qing/Tong Jian (ebenfalls China). Den dritten Rang belegten Robin Szolkowy und Aliona Savchenko ebenfalls bei den Winterspielen 2014 in Sotschi. Dort triumphierten Tatjana Wolossoschar/Maxim Trankow (Russland) vor Ksenija Stolbowa/Fjodor Klimow (ebenfalls Russland). Vierte wurden Pang Qing/Tong Jian (China).

Übrigens: Vor 17 Jahren, am 5.Dezember 2000, wurde der Rostocker Eiskunstlauf-Verein gegründet. Auch in diesem Jahr findet die traditionelle Weihnachtsgala des REV am 24.Dezember ab 13.00 Uhr in der Rostocker Eishalle an der Schillingallee statt.

M.M.