Den Herren- und Frauen-Boxsport im Fokus

Kaum sind die 19.Weltmeisterschaften im Amateur-Boxsport der Herren in Hamburg beendet, da warten national bereits neue Herausforderungen.

Neue Saison im Blick

So bereiten sich der BC Traktor Schwerin intensiv auf die neue Saison vor, wobei der BC Traktor sein Bundesliga-Comeback feiern wird (Beim Boxteam Hanse Wismar ist eine Bundesliga-Teilnahme noch offen.). Am 4.November gibt es in Schwerin zudem einen Vergleichskampf zwischen dem BC Traktor Schwerin und der finnischen Auswahl-Staffel. Sieben Tage später, am 11.November, stehen dann die Schülermeisterschaften des BC Traktor auf der Agenda. Und vom 14.Dezember bis 16.Dezember wird zum fünften Sven-Lange-Gedächtnisturnier in die Landeshauptstadt M-V eingeladen.

Von den boxenden Herren zu den Box-Amazonen

Auch die Box-Amazonen sind bald gefragt. Vom 11.Oktober bis 14.Oktober stehen die fünfzehnten Deutschen Meisterschaften in Cottbus auf dem Programm, bei denen aus MV-Sicht im Elite-Bereich auch Marie Maciejewski (Stralsund, bis 48 Kilogramm), Domenique Susette Görlich (Stralsund, bis 54 Kilogramm), Joelle Seydou (Schwerin, bis 64 Kilogramm), Sarah Scheurich (Schwerin, bis 75 Kilogramm) und Sabrina Wollmann (Rostock, ebenfalls bis 75 Kilogramm) starten werden. Auch die am Box-Leistungszentrum in Schwerin bei Michael Timm trainierende Ornella Wahner (gebürtige Dresdnerin, bis 57 Kilogramm) wird in Cottbus dabei sein.

Im nächsten Jahr, 2018, haben die boxsportlichen Frauen mit den zehnten Box-WM in Neu-Delhi ihren Saison-Höhepunkt.

Historisches zu den Frauen-Box-WM

Bei den vorerst letzten WM im Frauen-Boxen 2016 in Astana war Kasachstan mit 4 x Gold, 2 x Bronze am erfolgreichsten. 19 Nationen errangen dort Medaillen, darunter 6 Länder eine oder mehrere Goldmedaillen. Nadine Apetz gewann in Astana im Weltergewicht mit Bronze die erste Medaille bei Amateur-Frauen-WM für eine deutsche Staffel.

Das folgende olympischen Frauen-Box-Turnier 2016 hatte insgesamt ein gutes Niveau, wobei die Britin Nicola Adams im Fliegengewicht, die Französin Estelle Mosselly im Leichtgewicht und die US-Amerikanerin Claressa Shields im Mittelgewicht jeweils Gold erkämpften. 36 Boxerinnen aus allen Kontinenten nahmen am Turnier in Rio teil.

WM im Frauen-Boxsport seit 15 Jahren

Im Frauen-Boxen finden mittlerweile, seit 2001 in Scranton, auch Amateur-Welt-Titelkämpfe statt (Olympia-Medaillen werden im Frauen-Boxen seit 2012 vergeben!). Bei den bisherigen Welt-Titelkämpfen zwischen 2001 und 2016 waren dabei Russland mit 53 Medaillen (21 x Gold), China mit 40 Medaillen (13 x Gold), die USA mit 32 Medaillen (6 x Gold), Indien mit 28 Medaillen (8 x Gold) und Kanada mit 25 Medaillen (7 x Gold).

Insgesamt sicherten sich bisher 43 Länder WM-Edelmetall bei WM im Frauen-Boxen, davon 23 Staaten eine oder mehrere Goldmedaillen.

Die WM-Box-Turniere bei den Frauen zwischen 2001 und 2014

Bei den ersten Amateur-WM im Frauen Boxen in Scranton 2001 stellte Russland die erfolgreichste Staffel mit 4 x Gold, 1 x Silber, 2 x Bronze. Die meisten Medaillen erkämpfte indes das kanadische Team (neun Medaillen, darunter 1 x Gold). In der Klasse bis 45 Kilogramm siegte die Russin Jelena Sabitowa. Kanadas Crystelle Samson war hingegen in der Klasse bis 60 Kilogramm die Beste.

In Antalya 2002 waren dann Nordkorea (2 x Gold, 2 x Silber, 1 x Bronze), die Ukraine (2 x Gold, 1 x Silber, 2 x Bronze) und Russland (1 x Gold, 1 x Silber, 3 x Bronze) am erfolgreichsten. Die Nordkoreanerin holte sich Gold in der Klasse bis 48 Kilogramm, Larissa Berezenko aus der Ukraine jubelte in der Klasse bis 71 Kilogramm.

Drei Jahre später, 2005 in Podolsk, wurden die dritten Frauen-Box-WM veranstaltet. Russland dominierte diese Meisterschaften mit 7 x Gold, 1 x Silber, 4 x Bronze, wobei Olessja Gladkowa in der Klasse bis 48 Kilogramm triumphierte. Aus schwedischer Sicht wurde ebenfalls gejubelt – über das Gold von Anna Laurell in der Klasse bis 75 Kilogramm.

Neu-Delhi 2006 war dann die vierte Station der bisherigen Amateur-WM im Frauen-Boxen, wobei die indischen Gastgeberinnen mit 4 x Gold, 1 x Silber, 3 x Bronze das beste Team üräsentierten. Mary Kom (Indien) gelang in Neu-Delhi 2006 der dritte ihrer fünf WM-Titel bis 2010 (in den Gewichtsklassen 45 Kilogramm – 48 Kilogramm). Katie Taylor aus Irland errang 2006 den ersten ihrer bisherigen fünf WM-Titel in der Klasse bis 60 Kilogramm plus Olympia-Gold 2012.

Von Ningbo zu Qinhuangdo

Im chinesischen Ningbo 2008 ging es für die boxenden Frauen weltmeisterlich weiter. China „sammelte“ dort die meisten Medaillen (5 x Gold, 2 x Silber, 4 x Bronze) im Box-Ring. Tang Jieli (China) wurde die Nummer eins in der Klasse bis 80 Kilogramm und die Türkin Semsi Yarali schaffte Gold in der Klasse bis 86 Kilogramm.

In Bridgetown 2010 gewann China zwar ebenfalls die meisten Medaillen (1 x Gold, 3 x Silber, 3 x Bronze), aber Russland siegte letztendlich im Medaillenspiegel mit 2 x Gold, 1 x Silber. Jelena Saweljewa (Russland) erreichte den Titel in der Klasse bis 54 Kilogramm. Die Brasilianerin Roseli Amaral Feitosa errang 2010 den bisher einzigen WM-Titel im Frauen-Amateur-Boxsport für ihr Land.

2012 war China erneut Gastgeber von WM im Frauen-Boxen. Nach Ningbo 2008 trug 2012 Qinhuangdo die Welt-Titelkämpfe aus.  Die besten Teams kamen vor vier Jahren aus China (3 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze) und den USA (1 x Gold, 2 x Silber, 2 x Bronze). Die Russinnen erkämpften allerdings das meiste Edelmetall (neun, darunter 1 x Gold). In der Klasse bis 48 Kilogramm setzte sich Josie Gabuco (Philippinen) durch, in der Gewichtsklasse bis 51 Kilogramm Ren Cancan (China).

Die russische Staffel 2014 mit 3 x Gold

Und bei den 2014er WM im Amateur-Frauen-Boxsport in Jeju konnte die russische Staffel, als erfolgreichste, mit 3 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze glänzen. In der Klasse bis 69 Kilogramm avancierte Atheyna Bylon zur neuen Weltmeisterin. Die Beste in der Klasse über 81 Kilogramm kam aus Russland – Zenfira Magomedalijewa.

London 2012 – Rückblick auf die olympische Premiere

Das erste  olympische Frauen-Box-Turnier wurde vor fast genau fünf Jahren ausgetragen – 2012 in London. Allerdings standen – wie auch 2016 in Rio de Janeiro – nur drei Entscheidungen auf dem olympischen Programm. Die ersten Olympiasiegerinnen im Frauen-Boxen waren vor vier Jahren Nicola Adams (Großbritannien) im Fliegengewicht, Katie Taylor (Irland) im Leichtgewicht und Clarissa Shields (USA) im Mittelgewicht.

Die neun olympischen Medaillen 2012 im Frauen-Boxen wurden letztendlich „eine Beute“ von Asien (fünf Medaillen), Europa (vier Medaillen) und Amerika (drei Medaillen). Das Interesse am ersten olympischen Frauen-Turnier kann im Rückblick als enorm bezeichnet werden, Frauen-Boxen ist inzwischen bei den Sportfans mehr als nur „angekommen“.

M-V mit guter Tradition im Frauen-Boxsport

In M-V hat der Frauen-Boxsport mittlerweile ebenfalls eine gute Tradition. Namen wie Alice Altmann, Anne Cravaack, Elli Wohlgemuth, Sophie Schwartz, Stefanie Sawall, Schuschan Surmaschjan, Nicole Schwarz oder Sarah Scheurich prägen und prägten das (frauen-)boxsportliche Geschehen seit den 2000er Jahren in M-V. Insbesondere in Schwerin, Wismar, Rostock, Stralsund und Greifswald ist der Frauen-Boxsport hierzulande sehr populär.

Unvergessen sind noch die erfolgreichen Deutschen Frauen-Box-Meisterschaften 2010 in Wismar. Dort wurden unter anderem Sabine Felser (Rostock), beispielsweise auch World Games-Siegerin im Ju Jutsu 2005, und die heutige erfolgreiche Profi-Boxerin Ikram Kerwat (Berlin) jeweils Dritte in ihren Gewichtsklassen.

Im Frauen-Bereich ist aktuell die bereits erwähnte Sarah Scheurich die derzeit beste Boxsportlerin in M-V. Sarah wurde Jugend-WM-Dritte 2011, Vize-Europameisterin 2014 und Dritte der Europa-Spiele 2015 jeweils im Mittelgewicht.

2018 gibt es, wie erwähnt, für die Box-Amazonen dann die nächste WM – in Neu-Delhi. Und 2020 ist dann Olympia in Tokyo auch im Frauen-Boxsport das große Thema.

Übrigens: Zum Jahresende 2017 gibt es noch ein boxsportliches Jubiläum in M-V. Der erste Box-Olympiasieger aus M-V, Jochen Bachfeld (Gold 1976 in Montreal im Weltergewicht), wird 65…

Marko Michels

Foto (Michels): Sarah Scheurich vom BC Traktor Schwerin.