„Nur über große Herausforderungen kann man wachsen!“

Volleyball-Ass Louisa Lippmann über die kommenden Herausforderungen mit dem SSC und der deutschen Auswahl

Louisa Lippmann FOTO: © Die Fotokumpel

Sie ist nicht mehr nur das Talent im deutschen Frauen-Volleyball, nein, Louisa Lippmann entwickelte sich längst zu der Leistungsträgerin in puncto deutscher Frauen-Volleyballsport. Im letzten Jahr wurde sie verdientermaßen zur „Volleyballerin des Jahres in Deutschland“ gekürt. Das 23-jährige Volleyball-Ass konnte schon einige Erfolge feiern, wurde mit dem Dresdner SC 2015 bzw. 2016 Deutsche Meisterin, dazu 2016 ebenfalls deutsche Pokalsiegerin, und konnte mit dem Schweriner SC 2017 erneut die deutsche Meisterschaft gewinnen – und den Supercup.

Dazu war Louisa Mitglied des deutschen WM-Teams, das 2014 bei der Endrunde in Italien Rang neun belegte. Beim WM-Turnier triumphierten seinerzeit die USA vor China, Brasilien und Italien. Auch bei der WM 2018 vom 30. September bis 21. Oktober in Japan dürfte Louisa wieder dabei sein…

Geboren wurde die gebürtige Herforderin im September 1994 – einen Monat später, im Oktober 1994, gab es die 12. WM im Frauen-Volleyball in Brasilien, die mit einem Erfolg Kubas vor Brasilien, Russland und Südkorea endete. Faktisch die erste Volleyball-WM, die Louisa Lippmann „verfolgen konnte“…

Wie beurteilt nun Louisa Lippmann das aktuelle Sport- und Volleyball-Geschehen?! Marko Michels fragte für MV-SPORT nach.

Louisa Lippmann über die bisherige Saison 2017/18 mit dem SSC, die kommenden Herausforderungen mit dem Verein bzw. der Nationalmannschaft, ihre Begeisterung für den Volleyballsport und ihre „Erfahrungen“ beim Beachvolleyball bzw. beim Wintersport

„Nur über große Herausforderungen kann man wachsen!“

Frage: Louisa, noch herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung „Volleyballerin des Jahres 2017 in Deutschland“ und noch alles Gute für 2018! Welche sportlichen Ziele – mit dem SSC und mit der deutschen Nationalmannschaft – haben Sie für 2018?

Louisa Lippmann FOTO: © Ecki Raff

Louisa Lippmann: Mit dem SSC Palmberg Schwerin hoffe ich natürlich auf eine erfolgreiche Titelverteidigung in der Meisterschaft und im Europapokal, also im CEV-Cup, ist das Viertelfinale das Minimalziel. In der Runde der letzten Acht könnten wir dann auf das enorm starke Team auf Pomi Casalmaggiore (Italien) treffen. Aber erst einmal wollen wir die Spiele gegen Khimik Yuzhny im Achtelfinale erfolgreich gestalten – ein Schritt nach dem anderen.

Was die Herausforderungen mit der Nationalmannschaft betrifft: Im Mai/Juni steht das Geschehen im Grand Prix auf dem Programm. Dort treffen die derzeit besten Mannschaften der Welt aufeinander, wobei „jeder gegen jeden“ spielen muß. Es ist ein echter Härtetest über fast sechs Wochen, vorausgesetzt das Final-Turnier wird erreicht. Was eine besondere Herausforderung darstellt: Es ist Wettbewerb, der wirklich global ist – die verschiedenen Turniere finden in Europa, Asien und Amerika statt. In Stuttgart gibt es ebenfalls eine Turnier-Station, wobei das deutsche Team auf China, die Türkei und die Niederlande treffen wird.

Gerade an solchen globalen Wettbewerben wächst man sportlich wie persönlich. Als Sportlerin kann man bei solchen Turnieren eine Menge lernen, erkennt seine Stärken und Schwächen noch besser. Natürlich kann es mitunter auch „Packungen“ geben, aber selbst aus hohen Niederlagen gewinnt man wichtige Erkenntnisse, die für kommende Aufgaben wichtig sind. Und letztendlich gilt im Sport wie im allgemeinen Leben: Nur über große und stetig neue Herausforderungen kann man wachsen!

Der Jahreshöhepunkt auf internationaler Ebene sind dann die Weltmeisterschaften vom 29. September bis 20. Oktober. Dort trifft die deutsche Mannschaft in der Vorrunden-Gruppe A auf Argentinien, Kamerun, Japan, Mexiko und die Niederlande. Ziel ist es bei den Welttitelkämpfen, eine erfolgreiche Vorrunde zu spielen – und dann wird man weiter sehen…

Frage: Zurück zum SSC: Was sind aus Ihrer Sicht die Stärken des SSC 2017/18? Was könnte noch etwas besser werden?

Louisa Lippmann: Ich beginne zunächst, mit dem, was noch besser werden sollte. Leider haben wir zuletzt etwas die Konstanz verloren. Wir müssen daran arbeiten, ein Spiel konzentriert von Anfang bis zum Ende zu gestalten. Unsere Stärken sind zweifellos unsere variablen Angriffe, ein schnelles Spiel und eine abwechslungsreiche Spielgestaltung. Nach den personellen Veränderungen im Sommer mit einigen Abgängen und folgenden Neu-Zugängen sind wir noch nicht so eingespielt, wie es eigentlich optimal wäre. Wir mußten erst neu zueinander finden, dieser Prozess wurde und wird über den Jahreswechsel bzw. nun „im Winter“ verstärkt, um dabei den letzten „Feinschliff“ hinzubekommen. Wir sind dabei auf einem guten Weg.

Frage: Im DVV-Pokal gab es eine schmerzliche und hauchdünne Niederlage im Halbfinale beim Dresdner SC… Schmerzt diese knappe Niederlage noch etwas?

Louisa Lippmann: Eigentlich ist diese knappe Niederlage für uns längst abgehakt. Nicht nur im Sport ist es nun einmal so: Man gewinnt und man verliert. Es gibt aber ständig neue Aufgaben, die man meistern muß, da kann man sich nicht viel mit Vergangenem aufhalten. Man analysiert das Ganze, lernt dazu und weiß, was man künftig vielleicht noch besser machen muß. Mitunter werden wir aber immer noch auf diese Niederlage angesprochen, daher ist sie noch immer gegenwärtig. Schmerzhaft wird es dann am 4. März, wenn das DVV-Pokalfinale auf dem Programm stehen wird. Leider ohne uns…

Frage: Was ist aus Ihrer Sicht für den SSC im Europapokal drin… Wer sind Ihre Favoritinnen im CEV-Cup?

Louisa Lippmann: Wie gesagt, die Runde der besten acht Teams wollen wir schon erreichen. Die großen Favoritinnen auf den CEV-Cup bei den Frauen 2018 kommen jedoch aus der Türkei. Das Team von Eczacibasi Istanbul ist eine äußerst spielstarke Mannschaft, die ungemein ambitioniert ist.

Frage: Für Sie persönlich… Was ist das Faszinierende für Sie am Frauen-Volleyballsport? Wann sagten Sie sich: „Das ist meine Sportart!“ …?

Louisa Lippmann: Ich mußte mich letztendlich zwischen der Leichtathletik und dem Volleyballsport entscheiden. Und im Alter von 13/14 Jahren sagte ich mir, mein sportliches Herz gehört dem Volleyballsport. Für mich ist Volleyball eine perfekte Mischung aus Schnelligkeit, Vielseitigkeit, Team-Spirit, Technik, Ästhetik und Spielwitz. Der Volleyballsport bietet vielfältige Möglichkeiten – auch über das Volleyball-Parkett hinaus. Man spielt auf Turnieren in anderen Ländern, lernt neue Länder und Spielweisen kennen und kann sich ständig – sportlich wie persönlich – weiter entwickeln. Für mich ist der Volleyballsport eine Herausforderung und auch ein Abenteuer!

Louisa Lippmann FOTO: © Die Fotokumpel

Frage: Inzwischen ist es so, dass nach den Olympiasiegen von Julius Brink/Jonas Reckermann 2012 und Laura Ludwig/Kira Walkenhorst 2016 die Beachvolleyball-Asse den Hallenvolleyball-Assen den Rang ablaufen… Wäre eine Karriere im Beachvolleyball – während der Sommer-Monate – auch etwas für Sie?

Louisa Lippmann: Offen gesagt: Eher nicht. Wer mich schon einmal auf Sand spielen sah, würde ohnehin sagen: „Louisa, bleibe mal lieber in der Halle!“. Mir fehlt für Beach-Volleyball ganz einfach das Talent und ich fühle mich in der Halle viel besser aufgehoben. Letztendlich sind Beach-Volleyball und Hallen-Volleyball es schon zwei sehr unterschiedliche Sportarten…

Letzte Frage: In vier Wochen beginnen die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang… Verfolgen Sie diese Spiele auch etwas? Was sind Ihre winterlichen Lieblingssportarten? Sind Sie im Winter auch mal mit Skiern oder dem Snowboard unterwegs?

Louisa Lippmann: Ich drücke den deutschen Wintersportlerinnen und -sportlern schon die Daumen – allein, ich kann mich für den Wintersport nicht so recht begeistern. Als Sechsjährige war ich einmal im Ski-Urlaub und versuchte mich auf Skiern. Was soll ich da groß sagen: Das lief noch schlechter als beim Beachvolleyball… Seitdem bin ich gegenüber dem Wintersport wohl etwas „traumatisiert“ und weiß, was ich am Hallen-Volleyball habe!

Vielen Dank, weiterhin alles erdenklich Gute und viel Erfolg weiterhin mit dem SSC und dem deutschen Team!

Marko Michels

 

 

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