Mehrere deutsche Medaillen-Kandidaten im Skeleton/Einst war ein gebürtiger Teterower bei Winter-Olympia dabei

Die deutsche Erfolgsskeletona Tina Hermann beim Weltcup in Altenberg im Januar 2018. Copyright: BSD/Dietmar Reker

PyeongChang (bsd/08.02.2018) Im Bereich Skeleton zeigt sich der Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) zurzeit bärenstark aufgestellt und schickt mehrere Medaillen-Kandidatinnen in Pyeongchang ins Rennen. Vor allem dank der amtierenden Welt- und Europameisterin Jacqueline Lölling darf sogar vom ersten deutschen Skeleton-Gold bei Olympia überhaupt geträumt werden. Die 22-jährige Senkrechtstarterin der Szene wurde bereits 2012 mit nur 16 Jahren erstmals deutsche Meisterin und feierte im selben Jahr den Olympiasieg bei den ersten Olympischen Jugendwinterspielen in Igls. Mit vier Saisonsiegen feierte die Bundespolizistin im Olympia-Winter erstmals in ihrer noch jungen Karriere den Weltcup-Gesamtsieg.

Zweite Anwärterin auf olympisches Edelmetall ist Tina Hermann. Die 25-jährige Weltmeisterin von 2016 raste in fünf von acht Weltcup-Rennen in dieser Saison auf das Podium (4x Zweite & 1x Dritte) und belegte in der Weltcup-Endabrechnung Rang zwei hinter Teamkollegin Lölling. Dritte BSD-Starterin in Südkorea ist die frischgebackene Junioren-Weltmeisterin Anna Fernstädt. Die 21-Jährige, die sich vor gut einer Woche bei den Nachwuchs-Titelkämpfen in St. Moritz Gold sichern konnte, überzeugte im Weltcup-Winter mit einem Podiumsplatz (Dritte in Altenberg) sowie insgesamt vier Top-Sechs-Ergebnissen bei sechs Weltcup-Einsätzen.

Bei den Männern ruhen die Olympia-Hoffnungen vor allem auf Vizeweltmeister Axel Jungk. Der 26-Jährige, der im Vorjahr den deutschen Skeleton-Männern bei den Welt-Titelkämpfen am bayerischen Königssee die erste WM-Medaille seit fünf Jahren bescherte, untermauerte seine olympischen Medaillen-Ambitionen vor gut zwei Wochen, als er beim Weltcup-Finale an gleicher Stelle den ersten Weltcupsieg seiner Karriere einfahren konnte.

Mit Außenseiter-Chancen gehen die zwei weiteren BSD-Nominierungen an den Start. Dass Christopher Grotheer jedoch an einem guten Tag einiges zuzutrauen ist, demonstrierte der 25-jährige ehemalige Junioren-Weltmeister zuletzt Anfang Januar beim Weltcup in Altenberg. Als Drittplatzierter feierte der Oberhofer, der bei den Weltmeisterschaften 2015 Silber im Team gewinnen konnte, seine einzige Podest-Platzierung im Olympia-Winter. Und auch der zweimalige Deutsche Meister Alexander Gassner schaffte in der Olympia-Saison den Sprung aufs Weltcup-Podium. Beim Rennen auf der traditionsreichen Natureisbahn in St. Moritz vor knapp vier Wochen raste der 28-jährige Winterberger, der bei den Weltmeisterschaften im Vorjahr im Team-Wettbewerb Bronze gewann, auf den starken dritten Rang.

Als Topfavorit auf den Olympiasieg bei den Männern wird einmal mehr Martins Dukurs gehandelt. Der große Mann des Skeletonsports war allerdings noch nie Olympiasieger. Der Lette holte bei den vergangenen sechs Weltmeisterschaften fünfmal den Titel, wurde achtmal in Folge Gesamtweltcupsieger. Doch 2010 in Vancouver (Jon Montgomery) und 2014 in Sotschi (Alexander Tretjakow) nutzte jeweils ein Lokalmatador seinen Heimvorteil und schnappte Dukurs Olympiagold weg. Und das Drama könnte sich auch in Südkorea wiederholen: Der Koreaner Yun Sungbin, der den Olympia-Winter beinahe nach Belieben dominierte und bei sieben Starts fünfmal siegreich war sowie dazu zweimal auf Rang zwei fahren konnte, dürfte in seiner Heimat nur schwer zu schlagen sein.

Mit insgesamt achtmal Edelmetall, davon dreimal Gold, führen die USA den olympischen Medaillenspiegel im Skeleton an. 2010 gewannen Kerstin Szymkowiak und Anja Huber im Hochgeschwindigkeitseiskanal von Whistler Silber und Bronze und fuhren die bislang einzigen olympischen Skeleton-Medaillen für Deutschland überhaupt ein.

Die BSD-Nominierungen

Damen

Jacqueline Lölling (RSG Hochsauerland)
Tina Hermann (WSV Königssee)
Anna Fernstädt (RC Berchtesgaden)

Herren

Axel Jungk (BSC Sachsen Oberbärenburg)
Christopher Grotheer (BSR Oberhof)
Alexander Gassner (BSC Winterberg)

Der Zeitplan

Herren Lauf 1 und 2: Do, 15.02., 02:00 Uhr MEZ
Herren Lauf 3 und 4: Fr, 16.02., 01:30 Uhr MEZ

Damen Lauf 1 und 2: Fr, 16.02., 12:20 Uhr MEZ
Damen Lauf 3 und 4: Sa, 17.02., 12:20 Uhr MEZ

 

Pressemitteilung / Margit Dengler-Paar, Pressechefin, Bob- und Schlittenverband für Deutschland e. V.

 


 

Skeletonsportliches Kalenderblatt vom 26.November 2011 (Archiv-Beitrag von rostock-sport.de) / Der gebürtige Teterower Skeleton-Sportler Sandro Stielicke im Fokus

Dass Mecklenburg-Vorpommern eine wintersportliche Tradition besitzt, ist hinlänglich bekannt. Aber auch ein deutscher Skeleton-Fahrer hat in MV seine Wurzeln: Sandro Stielicke, der Junioren-Weltmeister 2009 am Königssee und Winter-Olympionike 2010, wurde 1986 in Teterow, eher bekannt für Speedway, geboren. Aber wie kommt ein „Nordlicht“, das nun auch Deutscher Meister 2011 ist, zum Skeletonsport beim WSC Winterberg?!

Nachgefragt bei Sandro Stielicke

Sandro Stielicke über seine Faszination am Skeletonsport, seinen olympischen Wettkampf 2010 und die Verbundenheit zur alten Heimat

„Es macht `sau-viel` Spaß…“

Frage: Herr Stielicke, Sie trainieren beim WSC Winterberg, sind ein großartiger Skeletonfahrer, waren bis 2005 auch en hervorragender Rennrodler, stammen jedoch aus dem „Wintersportland“ M-V. Wie kommt ein Teterower statt zum Bergringrennen in den Eiskanal?

Sandro Stielicke: Na ja, ich bin ja nicht über einen längeren Zeitraum in Teterow aufgewachsen. Im Jahr 1992, als ich sechs Jahre alt war, bin ich mit meinen Eltern nach Winterberg gezogen. Und das man hier in Winterberg zum Wintersport kommt, ist doch klar!

Frage: Zunächst waren Sie ja Rennrodler, bevor Sie zum Skeleton wechselten. Was waren die Gründe?

Sandro Stielicke: Ja, es waren leider keine schönen Gründe für meinen Wechsel vom Rennrodeln zum Skeleton. Einerseits schafften mein Doppel-Partner und ich den Sprung von den Junioren zu den Senioren leider nicht, andererseits stimmte die „Chemie“ zwischen uns nicht mehr, so dass es dann zum Aus kam.

Frage: Skeleton war 1928 und 1948 olympisch, ist es wieder seit 2002. Was ist das Faszinierende am Skeleton für Sie?

Sandro Stielicke: Die Faszination an Skeleton besteht darin, dass man nur ein paar Zentimeter, so zwei bis fünf Zentimeter, über dem Eis eine Bob-Bahn äußerst schnell hinunter fährt und das alles mit dem Kopf voraus. Die Geschwindigkeit beträgt mitunter  bis zu über 145 km/h – das macht einfach „sau-viel“ Spaß!

Frage: In Whistler, dem Austragungsort auch der olympischen Skeleton-Wettbewerbe. Bei den Damen gab es Silber und Bronze für die deutschen Starterinnen Kerstin Szymkowiak und Anja Huber, es siegte die Britin Amy Williams. Bei den Herren triumphierte der Kanadier Jon Montgomery, Sie wurden respektabler Zehnter. Wie lautet Ihr persönliches Resümee der olympischen Skeleton-Wettbewerbe 2010 – „im Rückspiegel“?

Sandro Stielicke: Eigentlich freue ich mich jetzt über meinem zehnten Platz, aber dennoch hatte ich das Ziel, ganz vorne mitzufahren. Ich wollte schon einen Podest-Rang, aber leider hat das aus bestimmten Gründen nicht geklappt.

Frage: Wie bewerten Sie Ihre Saison 2010/11 – mit dem zweiten Rang im Gesamt-Weltcup, EM-Platz sechs und WM-Platz vier?

Sandro Stielicke: Das war ein sehr erfolgreiche Saison, sogar meine beste bis jetzt. Ich bin sehr glücklich,  dass ich viele vordere Plätze erreichte.

Letzte Frage: Wann sind Sie mal wieder in Ihrem Geburtsland ?

Sandro Stielicke: Ich war seit langem, seit über zehn Jahren, vom 18.September 2011 bis 20.September 2011  in Teterow und besuchte mit meiner Freundin wieder einmal meine Geburts- und frühere Heimatstadt.

Vielen Dank!

 

Anmerkung: Bei den Junioren-WM 2009 am Königssee gewann Sandro Stielicke vor seinen deutschen Team-Kollegen David Lingmann bzw. Alexander Gassner und dem Briten Dom Parsons.

In der Weltcup-Saison 2009/10 wurde er in der Gesamt-Wertung Dritter, hinter Martins Dukurs (Lettland) bzw. Frank Rommel (Deutschland) und vor Tomass Dukurs (Lettland). Seine besten Platzierungen in den Einzel-Weltcups 2009/10 waren die jeweils zweiten Ränge in Park City, in Lake Placid und am Königssee. Beim olympischen Wettkampf in Whistler 2010, bei dem Sandro Stielicke Zehnter wurde, gewann der Kanadier Jon Montgomery vor Martins Dukurs (Lettland), Alexander Tretjakow (Russland) und Tomass Dukurs (Lettland).

Rang zwei gab es für Sandro Stielicke dann im Gesamt-Weltcup 2010/11, hinter Martins Dukurs (Lettland). Zweimal schaffte er bei den Einzel-Weltcups 2010/11 das Podest, mit Rang zwei in Park City und Rang drei in Cesana. In Sankt Moritz wurde er Vierter.

Bei den EM 2010 in Innsbruck-Igls und 2011 in Winterberg wurde er jeweils Sechster und bei den Elite-WM 2011 am Königssee fuhr Sandro Stielicke auf Rang vier. Aufgrund von Verletzungen mußte Sandro Stielicke seine skeletonsportliche Karriere vor fünf Jahren, 2013, beenden.

 

M.M.