Erster Schweriner Box-Olympiasieger feiert seinen „65.“

Symbolfoto – Boxen

Heute, am 17.Dezember 2017, wird boxsportlich gefeiert. Jochen Bachfeld, Schwerins erster Box-Olympiasieger 1976, wird junge „65“.

Tja, der Boxsport und Mecklenburg-Vorpommern. Das war, das ist seit 1920 ff. ohnehin eine große Erfolgsgeschichte. Box-Legende Max Schmeling wurde 1905 im vorpommerschen Klein Luckow geboren. Erfolgs-Trainer Ulli Wegner boxte Anfang der 1960er Jahre für den ASK Vorwärts Rostock. Bekannte Box-Trainer aus M-V sind zudem unter anderem Uwe Behrendt, Fiete von Thien, Horst Femfert, Uwe Fox oder Karsten Röwer.

Der leider viel zu früh verstorbene Fritz Sdunek entdeckte, formte und trainierte hier jahrzehntelang Boxsportler, die zu olympischen, weltmeisterlichen und europameisterlichen Ehren kamen.

Namen, wie Bruno Guse, Paul Nickel, Dieter Neidel, Karl Degenhardt, Jürgen Schlegel, Manfred Weidner, Bernd Wittenburg, Rene Breitbarth, Dieter Berg, der früh verunglückte Sven Lange, Torsten Schmitz, Jan Quast, Michael Timm, Martin Dreßen, Sebastian Zbik, Sebastian Sylvester, Jürgen Brähmer oder insbesondere Andreas Zülow, Andreas Tews und Jochen Bachfeld haben weit über die mecklenburgischen bzw. vorpommerschen  Box-Grenzen hinaus einen ausgezeichneten Klang. Der Amateur-Boxsport „Made in M-V“ hatte (und hat durchaus noch immer) „Weltruf“.

Montreal 1976 – Goldene Momente

Vor 40 Jahren gab es dann, wie eingangs erwähnt, auch endlich das erste boxsportliche Olympia-Gold für Mecklenburg-Vorpommern. Beim olympischen Box-Turnier 1976 in Montreal schaffte der 1952 in Sülten geborene Jochen Bachfeld, der für den SC Traktor Schwerin kämpfte, im Weltergewicht die Überraschung. Überraschend deshalb, weil sich der Wahl-Schweriner vor den Spielen verletzte, rechtzeitig aber wieder fit und nachnominiert wurde…

In Montreal konnte den Mecklenburger niemand aufhalten. In der ersten Runde besiegte er den Iraner Ali Bahri Khomani durch RSC 1.Runde, dann bezwang er den Griechen Athanasis Illiadis in der zweiten Runde mit 5:0, glänzte folgend gegen den Russen Waleri Rachkow in der dritten Runde mit 4:1 (Ein vorweg genommenes Finale!), ließ dem Kanadier Carmen Rinke im Viertelfinale keine Chance (5:0), erreichte anschließend ein 3:2 gegen den Rumänen Victor Zilberman im Halbfinale – und im Finale gab es einen spannenden Fight gegen den Venezuelaner Pedro Gamarro, den Jochen Bachfeld zu seinen Gunsten knapp entschied (3:2).

Der erste Olympiasieg im Boxsport für „M-V“ war damit am 31.Juli 1976 perfekt.

Silber-Medaille im Federgewicht

Im Federgewicht sorgte ein weiterer mecklenburgischer Boxer 1976 für Furore – Richard Nowakowski, Jahrgang 1955, Geburtsort: Sztum, Verein: SC Traktor Schwerin.

Richard Nowakowski konnte bis zum Finale alle Kämpfe gewinnen, so in der zweiten Runde gegen Ruben Mares (Philippinen) mit 5:0, in der dritten Runde gegen Behzad Ghaedi Bardeh aus dem Iran durch RSC 3.Runde, im Viertelfinale gegen Gheorghe Ciochina (Rumänien), der in der dritten Runde den Westdeutschen Rene Weller mit 4:1 besiegt hatte, durch RSC 3.Runde und im Halbfinale gegen Leszek Kosedowski (Polen) mit 5:0. Im Finale unterlag Richard Nowakowski dann dem Kubaner Angel Herrera durch K.O. in der 2.Runde.

Gute Kämpfe von Bernd Wittenburg

Ein weiterer mecklenburgischer Boxer in Montreal 1976 war der gebürtige Neuklosteraner Bernd Wittenburg, Jahrgang 1950. Dieser trat im Mittelgewicht an. In der ersten Runde konnte Bernd Wittenburg klar gegen den Kanadier Bryan Gibson mit 5:0 gewinnen, unterlag folgend jedoch dem Kubaner Luis Felipe Martinez in der 2.Runde umstritten mit 2:3.

Das Box-Turnier 1976 – ein Resümee

Das olympische Box-Turnier 1976, das in der fast 18000 Zuschauer umfassenden „L`Arena Maurice Richard“ in Montreal zwischen dem 18.Juli und 31.Juli 1976 ausgetragen wurde, litt unter dem Boykott der afrikanischen Länder.

Diese gewannen bei den ersten Amateur-Weltmeisterschaften im Männer-Boxsport 1974 in Havanna unter anderem WM-Gold durch Ayub Kalule aus Uganda im Halbweltergewicht und WM-Silber durch Stephen Muchoki aus Kenia im Halbfliegengewicht. Hatten – mit den afrikanischen Boxern – ursprünglich 348 Teilnehmer aus 69 Nationen gemeldet, so waren es nach dem Abzug der afrikanischen Box-Teams nur noch 267 Teilnehmer aus 51 Ländern.

Die erfolgreichste Box-Staffel 1976 in Montreal war nicht jene aus Kuba, sondern aus den USA, die 5 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze verbuchen konnte. Die US-Olympiasiege im Boxsport`76 gingen auf das sportliche Konto von Leo Randolph (Fliegengewicht), Howard Davis junior (Leichtgewicht), Sugar Ray Leonhard (Halbweltergewicht), Michael Spinks (Mittelgewicht) und Leon Spinks (Halbschwergewicht).

Die erfolgsverwöhnten Kubaner kamen hingegen auf 3 x Gold, 3 x Silber, 2 x Bronze. Jorge Hernandez (Halbfliegengewicht), der erwähnte Angel Herrera (Federgewicht) und der legendäre Teofilo Stevenson (Schwergewicht) waren Kubas Olympiasieger im Box-Ring 1976.

Die restlichen drei olympischen Goldmedaillen im Boxsport`76 gingen an Nordkorea (Gu Yong-Jo, Bantamgewicht), Polen (Jerzy Rybicki, Halbmittelgewicht) und eben die DDR (Jochen Bachfeld, Weltergewicht).

Für die DDR gab es dank Jochen Bachfeld bzw. Richard Nowakowski (SC Traktor Schwerin) je einmal Gold und Silber. Für die westdeutsche Staffel holte Reinhard Skricek (Bayer Leverkusen) in der „Jochen-Bachfeld-Gewichtsklasse“ die Bronze-Medaille.

Medaillen für 16 Länder

Insgesamt erkämpften Boxer aus 16 Ländern olympisches Edelmetall in Montreal 1976. Neben den genannten Bilanzen für die USA, Kuba und die beiden Deutschländer konnten sich auch die Boxer aus Nordkorea (1 x Gold, 1 x Silber), Polen (1 x Gold, 4 x Bronze), Rumänien (2 x Silber, 3 x Bronze), der Sowjetunion (1 x Silber, 4 x Bronze), Jugoslawien (1 x Silber, 1 x Bronze), Venezuela (1 x Silber) sowie Puerto Rico, Thailand, Großbritannien, Mexiko, Bulgarien und von den Bermudas (je 1 x Bronze) in das olympische Medaillen-Ranking 1976 „fighten“.

Die Auszeichnung für den besten Techniker des Olympia-Turnieres 1976 (Val-Barker-Pokal) erhielt der Amerikaner Howard Davis junior.

Für „M-V“ folgten dann 1988 in Seoul (Andreas Zülow, SC Traktor Schwerin) und 1992 in Barcelona (Andreas Tews, Schweriner SC) weitere olympische Goldmedaillen im Boxsport. In Havanna, bei den „Wettkämpfen der Freundschaft“ im Boxen, dem Ersatz-Turnier für die Ostblock-Boxsportler, die nicht an den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles teilnehmen durften, triumphierte in der Gewichtsklasse bis 67 Kilogramm Torsten Schmitz vom SC Traktor Schwerin. Und… Bei den Olympischen Jugend-Spielen 2014 in Nanjing gewann Peter Kadiru (BC Traktor Schwerin) zudem eine Goldmedaille im Superschwergewicht.

Olympische und paralympische Gold-Asse aus Schwerin

Olympische und paralympische Erfolge gab es für Athletinnen und Athleten mit Geburtsort Schwerin oder als Mitglied eines Schweriner Sportvereines neben Jochen Bachfeld bei folgenden Spielen:

1976 bei Olympia in Montreal für die Schwimmerin Andrea Pollack bzw. den Ruderer Michael Wolfgramm, 1980 bei Olympia in Moskau für den Hochspringer Gerd Wessig, 1988 bei Olympia für den Boxsportler Andreas Zülow bzw. den Diskuswerfer Jürgen Schult, 1992 bei Olympia in Barcelona für den Boxsportler Andreas Tews, 2004 bei Olympia in Athen für den Bahn-Radsportler Stefan Nimke bzw. 2004 bei Paralympia in Athen für die Judoka Ramona Brussig, 2012 bei Olympia in London für den Kanu-Rennsportler Peter Kretschmer bzw. bei Paralympia 2012 in London für die Judo-Zwillingsschwestern Ramona und Carmen Brussig und bei Paralympia 2016 in Rio de Janeiro für die Weitspringerin Vanessa Low.

Marko Michels

Last but not least: Bei den 95. Deutschen Meisterschaften der Herren (Elite) im Boxsport Mitte Dezember 2017 in Lübeck gewannen zwei Athleten des BC Traktor Schwerin jeweils Gold: Artur Beck-Ohanyan (Mittelgewicht) und Peter Kadiru (Superschwergewicht). Zudem wurde Artur Beck-Ohanyan als bester Kämpfer der Titelkämpfe geehrt. mm

Zur Info: Vom 15.Dezember 2017 bis 17.Dezember 2017 fand das V. Sven-Lange-Gedenkturnier in Schwerin mit 20 Teams aus Deutschland und der ganzen Welt statt. Geboxt wurde in den Altersklassen U 17 und U 19. Schweriner Boxsportler konnten bis 2016 insgesamt fünf Erfolge für sich verbuchen. mm