WM in der Rhythmischen Sportgymnastik mit russischer Dominanz

Vom 30. August bis 3. September ging es für die Rhythmischen Sportgymnastinnen zweltmeisterlich zu. In Pesaro (Italien) standen die 35. Welt-Titelkämpfe auf der Agenda. Wie schon bei den EM im Mai (Budapest) und bei den „World Games“ im August (Wroclaw) begeisterten auch hier die russischen Awerina-Zwillinge in den Einzel-Konkurrenzen Kampfrichter und Publikum. Dina Awerina holte Gold im Mehrkampf, mit dem Reifen und den Keulen sowie Silber mit dem Ball und den Bändern. Für ihre Schwester Arina gab es Gold mit dem Ball und den Bändern, jeweils Silber im Mehrkampf und am Reifen sowie Bronze mit den Keulen.

Für den „Rest“ der Welt blieben fünf Einzel-Medaillen: Silber für die Weißrussin Katsiaryna Halkina (Keulen), zweimal Bronze für die Israelin Linoy Ashram (Mehrkampf und Bänder), Bronze für Kaho Minagawa aus Japan (Reifen) und Bronze für die Bulgarin Neviana Vladinova (Ball).

Auch Team-Entscheidungen mit starken Russinnen

In den Team-Entscheidungen triumphierte Russland im Gruppen-Mehrkampf vor Bulgarien und Japan. Im Gruppen-Wettkampf mit drei Seilen und zwei Bällen vor Japan sowie Bulgarien. In der Gruppen-Konkurrenz mit fünf Reifen errang Italien vor Russland und Japan die Goldmedaille.

Die russischen Sportgymnastinnen bestätigten wieder einmal ihre Ausnahmestellung in der Welt und die japanischen Gymnastinnen offenbarten, dass mit ihnen bei Olympia 2020 in Tokyo unbedingt zu rechnen sein wird.

Insgesamt nahmen Gymnastinnen aus 51 Ländern an den WM 2017 teil. In der Einzel-Qualifikation starteten 90 Sportlerinnen. Aus schwarz-rot-goldener Sicht wurde Lea Tkaltschewitsch dort als 39. beste deutsche Gymnastin. In der Gruppen-Qualifikation (Mehrkampf) belegte die deutsche Mannschaft Rang 14 unter 29 Länder-Teams.

Sechs Länder gewannen letztendlich bei den WM 2017 Edelmetall, so Russland (7 x Gold, 5 x Silber, 1 x Bronze), Japan (1 x Silber, 3 x Bronze), Bulgarien (1 x Silber, 2 x Bronze), Israel (2 x Bronze), Italien (1 x Gold) und Weissrussland (1 x Silber).


 

Rückblick

Medaillenerfolge bei RSG-Großveranstaltungen 2014 bis 2016

Rio 2016

Einzel-Wettkampf
Gold – Margarita Mamun (WM-Bilanz 2013 bis 2015: 7 x Gold, 6 x Silber, 1 x Bronze)
Silber –
Yana Kudryavtseva (WM-Bilanz 2013 bis 2015: 13 x Gold, 3 x Silber)
Bronze:  Ganna Rizatdinova

Den fünften Erfolg seit 2000 in der Gruppe sicherte sich Russland ebenfalls.

WM 2013 in Kiew

  • Russland – 6 x Gold, 2 x Silber, 2 x Bronze
  • Ukraine – 1 x Gold, 2 x Silber, 2 x Bronze
  • Weißrussland – 1 x Gold, 1 x Silber, 3 x Bronze
  • Spanien – 1 x Gold, 1 x Bronze
  • Italien 2 x Silber

Einzel-Titel:

  • Jana Kudrjavtseva (Russland/dreimal Gold)
  • Margarita Mamun (Russland/zweimal Gold)
  • Ganna Rizatdinova (Ukraine/einmal Gold)

Die Gruppen-Titel errangen Weissrussland, Spanien und Russland. Damit gingen die 24 Medaillen, einschließlich der neun WM-Titel, an nur fünf Nationen.

WM 2014 in Izmir

  • Yana Kudryavtseva 5x Gold (Team, Reifen, Ball/mit Margarita Mamun, Keulen und Einzel-Mehrkampf)
  • Margarita Mamun 3x Gold (Team, Ball/mit Yana Kudryavtseva, Band)

Für eine große Überraschung sorgte die Südkoreanerin Yeon-Jae Son mit Bronze im Einzel-Wettkampf mit dem Reifen. In den drei Gruppen-Konkurrenzen setzten sich Bulgarien, Spanien und Russland durch.

  • Russland (7 x Gold, 5 x Silber)
  • Bulgarien (1 x Gold, 1 x Silber)
  • Spanien (1 x Gold)
  • Weissrussland (1 x Silber, 4 x Bronze)
  • Italien (1 x Silber)
  • Israel (1 x Silber)
  • Ukraine (4 x Bronze)
  • Südkorea (1 x Bronze)

 

WM 2015 in Stuttgart

  • Russland (achtmal Gold, sechsmal Silber)
  • Italien (einmal Gold, einmal Silber)
  • Weissrussland (einmal Silber, zweimal Bronze)
  • Bulgarien (einmal Silber, einmal Bronze)
  • Ukraine (viermal Bronze)
  • Spanien (einmal Bronze)
  • Japan (einmal Bronze).

Die russische Siegesserie in Stuttgart wurde nur von den Italienerinnen durchbrochen. Das italienische Team um Martina Centofanti setzte sich mit fünf Bändern durch.

Einzel-Titel:

  • Yana Kudryavstseva (Gold mit dem Team, dem Ball, den Keulen und dem Band)
  • Margarita Mamun (Gold mit den Reifen)

 

Vor 65 Jahren war die Gruppengymnastik bei den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki erstmals im olympischen Programm. Damals siegten die Schwedinnen vor den Russinnen und den Ungarinnen. Brigitte Kiesler, 1924 in Ludwigslust geboren, wurde seinerzeit mit der Bundesrepublik Fünfte im Turn-Mannschaftsmehrkampf und sogar Vierte in der Gruppengymnastik mit Handgeräten (auch mit Westdeutschland).

Vor 50 Jahren, bei den WM in Kopenhagen 1967, wurde Ute Lehmann von der HSG DHfK Leipzig  Vize-Weltmeisterin im Mehrkampf und WM-Dritte mit dem Seil  – die ersten WM-Medaillen für eine deutsche Sportgymnastin überhaupt.

Bei der ersten olympischen Einzel-Konkurrenz 1984 in Los Angeles belegte Regina Weber vom TV Wattenscheid Rang drei.  26 Jahre später, bei den ersten Olympischen Jugend-Spielen 2010 in Singapur,  schaffte Jana Berezko-Marggrander vom TSV Schmiden ebenfalls Bronze und nahm auch an den Olympischen Spielen 2012 in London bzw. 2016 in Rio de Janeiro teil.

 

Bericht: Marko Michels