Nachgefragt bei Detlef Brandt vom Landeshockeyverband M-V

Im August 2017 fanden die 13.Feldhockey-EM für Damen seit 1984 und die 16.Feldhockey-EM für Herren seit 1970 in Amstelveen (Niederlande) statt. Aus deutscher Sicht verliefen diese eher enttäuschend. Beide Mannschaften, sowohl jene der Frauen als auch jene der Herren, wurden „nur“ Vierte.

Bei den Frauen gewann die Niederlande vor Belgien, England und Deutschland und bei den Herren gab es die gleiche Reihenfolge.

Damit blieben die deutschen Feldhockey-Damen zum ersten Mal seit 1987 in London ohne Medaille. Damals triumphierte die Niederlande vor England, der Sowjetunion und Deutschland. Die deutschen Feldhockey-Männer blieben hingegen erstmals seit 2007 in Manchester medaillenlos. Damals jubelten die Niederlande vor Spanien, Belgien und Deutschland.

Ansonsten hatten deutsche Frauen- bzw. Herren-Mannschaften bei Feldhockey-EM stets Plaketten errungen.

Die deutschen Frauen erkämpften bis dato zweimal EM-Gold (2007 bzw. 2013) und die deutschen Herren sogar achtmal (1970, 1978, 1991, 1995, 1999, 2003, 2011 bzw. 2013) – 1978 auch dank eines Mecklenburgers, des 1957 in Plau am See geborenen Uli Hänel (Rot-Weiß Köln).

Für die Niederlande bedeuten die EM-Erfolge 2017 Titel-Nummer 9 bei den Frauen und Titel-Nummer 5 bei den Herren.

Ansonsten haben folgende Länder noch die wichtigsten aktuellen Titel und Goldmedaillen im Feldhockey in ihrem Besitz: Bei den WM 2014 in Den Haag holten die niederländischen Frauen bzw. die australischen Männer jeweils Gold, bei den olympischen Turnieren 2016 in Rio de Janeiro belegten die britischen Frauen bzw. die argentinischen Männer jeweils Rang eins.

Wie beurteilt nun aber Detlef Brandt (Rostock), Vize-Präsident und Sportwart des Landeshockeyverbandes M-V, das aktuelle Feldhockey-Geschehen in M-V und darüber hinaus?!

MV-SPORT fragte nach

Detlef Brandt über die Feldhockey-EM 2017, kommende Turniere und den Hockeysport in M-V sowie dessen Nachwuchs

„Sogar Lob von den Bundestrainern…“

Frage: Die EM im Feldhockey der Frauen/Herren in Amstelveen sind auch bereits wieder Geschichte. Wie beurteilen Sie die dortigen Ergebnisse – nicht nur aus deutscher Sicht?

Detlef Brandt: Es hat sich wieder einmal gezeigt, dass die Leistungsunterschiede geringer geworden sind. Leichte Fehler werden schnell mit einem Gegentor bestraft. So zeigte sich nach dem Kaltstart bei den Herren gegen Irland, dass die Chancenverwertung verbessert werden muss. Die Damen und Herren haben allerdings dennoch die Vorrunde souverän als Gruppensieger beendet.

Im Halbfinale trafen die Herren auf Belgien. Zu Beginn des dritten Viertels gingen die Belgier in Führung und verteidigten den Vorsprung aufopferungsvoll. Kurz vor Ende des Spieles konnte Deutschland ausgleichen, es folge das Penaltyschießen, welches unsere Herren verloren, was passieren kann.

Im Spiel um Platz drei wurden viele kleine Fehler gemacht und zu wenige Chancen erarbeitet. England gewann mit 4:2.

Bei den Damen war es ähnlich. Im Spiel um Platz drei trafen sie auf England. Leider erspielten sie sich zu wenige zwingende Chancen, England siegte 2:0. Europameister bei den Damen und Herren wurden verdient die Niederlande.

Frage: Mit Blickrichtung auf die WM 2018 in London (Frauen) und in Bhubaneswar (Männer). Wer sind dort Ihre Favoriten bei den Frauen und Herren?

Detlef Brandt: In einem Jahr kann sich bei einer derzeitigen Leistungsdichte der Top-Teams eine Menge ereignen. Es wird sich zeigen, wie jedes Team ins Turnier finden wird. Einen Favoriten kann ich nicht benennen. Dafür müsste man die Teams weltweit beobachten. Dazu fehlt mir die Zeit. Es würde mich sehr freuen, wenn die deutschen Mannschaften mit Platz drei oder besser abschneiden könnten.

Frage: Zum Feldhockey in M-V… Was waren die Höhepunkte in den letzten acht Monaten?

Detlef Brandt: Die Herren vom ATSV Güstrow haben in der Halle die zweite Bundesliga gehalten, ebenso wie die Güstrower Damen die Regionalliga.

Frage: Wie ist ansonsten der Zuspruch zum Feldhockey bei den jungen Sport-Talenten in M-V?

Detlef Brandt: Im Landesverband haben wir einen Talente-Lehrgang für je 12 Mädchen und Jungen der Altersklasse 15 zur Vorbereitung für den Länderpokal, der im Dezember stattfindet.

Auch wenn in Deutschland das Land M-V im Hockey nicht die Spitze darstellt, bringen sich unsere Vertreter mit großem Einsatz und all ihrem Können ein. Beim letzten Mal wurden sie sogar von den Bundestrainern dafür gelobt. Das motiviert.

Kinder für die Sportart Hockey zu begeistern, ist nicht so einfach. Man muss dazu schon in die Schulen gehen. Der mediale Konsum bei der Jugend ist in meinen Augen erschreckend hoch. Die körperliche Bewegung ist eher gering. Kinder für eine Sportart zu begeistern ist das eine, sie für längere Zeit für den Sport zu gewinnen, etwas anderes. Hier steht der Teamgeist im Vordergrund, da Hockey eine Mannschaftssportart ist. Dazu bedarf es engagierter Übungsleiter, die auch erst einmal gefunden werden müssen.

Vielen Dank, weiterhin bestes hockeysportliches Engagement und maximale Erfolge dabei!

Zur Info: Im Herbst wird auch das vom ATSV Güstrow organisierte Wilhelm-Höcker-Turnier zum 60. Mal seit 1957 organisiert.

Marko Michels

Archiv-Foto (Michels): In Deutschland und auch in M-V beliebt – der Feldhockey-Sport.