Ein Rückblick auf die Frauen-Handball-EM 2016

Sie sind wieder da. Die deutschen Handball-Frauen sind nach einigen sportlichen Flaute-Jahren wieder in der erweiterten Weltspitze angelangt, die ohnehin von europäischen Teams bestimmt wird.

Bei den zwölften Handball-Frauen-Europameisterschaften in Schweden imponierten die „Ladies“ mit viel Kampfgeist und nie endendem Einsatz – selbst in scheinbar aussichtslosen Spielen. Das wurde mit Platz sechs belohnt. Dass es nicht ganz zu einer Medaille reichte, ist zwar schade, aber auch ohne Edelmetall entfachten die DHB-Mädels, nicht zuletzt dank der Arbeit von Bundestrainer Michael Biegler, in Deutschland wieder eine Begeisterung für den Frauen-Handballsport, wobei stets das ganze Team „der Star“ war.

Eine wichtige Akteurin des DHB-Teams war bzw. ist die 18jährige Emily Bölk, die bereits 2014 den Erhard-Wunderlich-Preis für die beste deutsche Nachwuchsspielerin erhielt.

Nun, 2016, überzeugte Emily, die ansonsten beim Buxtehuder SV aufläuft, auch bei der EM. Ihr großes Ziel, wie jenes des gesamten Teams, ist die Heim-WM 2017 in Deutschland – und dann das Olympia-Turnier 2020 in Tokyo…

Nachgefragt

„Ein wichtiger Schritt in Richtung Heim-WM 2017…“

Frage: Die Frauen-Handball-EM 2016 ist wieder Historie. Wie lautet Ihr persönliches Resümee zu den Europa-Titelkämpfen in Schweden?

Emily Bölk: Insgesamt war das Turnier ein sehr wichtiger Schritt in Richtung Heim-WM 2017. Wir konnten in sieben Spielen auf höchstem Niveau viele Erfahrungen sammeln und als Team näher zusammen wachsen. Bei der EM hat man mal wieder gesehen, wie nah die Weltspitze beieinander ist und dass wir durchaus das Potenzial haben dort anzuklopfen.

Frage: Die DHB-Mannschaft überzeugte, hatte sogar das Potenzial für das Halbfinale… Was überwiegt – die Freude über eine sehr gute EM oder die kleine Enttäuschung, nicht in die Runde der besten Vier gelangt zu sein?

Emily Bölk: Die Freude – vor dem Turnier hätten nur wenige damit gerechnet, dass wir überhaupt die sehr starke Hauptrunde überstehen. Auch wenn rückblickend im Turnier-Verlauf mehr drin gewesen wäre als der 6. Platz und wir die Teilnahme des „Finale-4s“ in Schweden natürlich sehr gerne mitgenommen hätten, sind wir mit unserer Leistung sehr zufrieden und mit einem positiven Gefühl wieder nach Hause gefahren.

Frage: Was waren – subjektiv betrachtet – die Stärken der Mannschaft in Schweden? Welche Defizite gilt es – mit Blick auf 2017 – noch zu beseitigen?

Emily Bölk: Ganz klare Stärken unserer Mannschaft sind unser Zusammenhalt, Teamspirit, mit viel Spaß, aber hoher Fokussierung an die Dinge heranzugehen, Kampfgeist und der Glaube an uns und unsere Stärken. Die Mannschaft ist absolut intakt und es macht riesigen Spaß mit den Mädels auf dem Spielfeld zu stehen. Auch unsere gefestigte Abwehr mit überragenden Torhüterinnen war im Turnier oftmals die Basis für viele schnelle Kontertore.

Trotzdem müssen wir noch weiter Konstanz in unser Spiel bringen und besonders im Angriff uns und die verschiedenen Laufwege noch besser kennenlernen. Dann denke ich, können wir es jeder Mannschaft über 60 Minuten sehr schwer machen.

Frage: Wie war ansonsten die Stimmung in der Mannschaft? Es heisst ja so schön, wenn Frauen länger als zwei Stunden zusammen sind, beginnt „das grosse Zicken“…

Emily Bölk: Das Team ist sehr harmonisch und wir verstehen uns alle super gut. Auch nach 4 Wochen hat es immer noch Spaß gemacht mit den Mädels zusammen zu sein und selbst „kleines Gezicke“ gab es bei uns nicht.

Frage: Was zeichnet aus Ihrem Blickwinkel nun die Europameisterinnen 2016 aus?

Emily Bölk: Norwegen hat das gesamte Turnier über sehr attraktiven, schnellen und dynamischen Handball gespielt und ist auf jeder Position sehr ausgeglichen stark besetzt. Das Team kennt sich sehr gut und konnte seine Stärken auch im sehr spannenden und attraktiven Finale durchsetzen.

Frage: Wie geht es nun persönlich, sportlich und beruflich erst einmal für Sie weiter? Zwischen Weihnachten und Neujahr gibt es doch auch einige Tage zum Relaxen – oder?

Emily Bölk: Alle Buxtehuder Nationalspielerinnen aus Deutschland und aus den Niederlanden steigen erst wieder nach Weihnachten mit ins Training ein. Das tut sehr gut, um mal wieder den Kopf frei zu kriegen und dann mit voller Energie für den Verein zu starten. Ansonsten bin ich gerade auf Uni-Suche, da ich im nächsten Jahr gerne ein Fernstudium beginne möchte. Jetzt genieße ich aber erstmal Weihnachten und freue mich auf die Feiertage mit meiner Familie.

Letzte Frage: 2016 war ein sehr ereignisreiches Sportjahr mit Olympia bzw. Paralympia in Rio, der Fußball-EM in Frankreich, den erfolgreichen Tennis-Auftritten von Angelique Kerber, dem Formel 1-WM-Titel für Nico Rosberg oder dem EM-Titel der „Bad Boys“…  Welche Sportler und Sportereignisse beeindruckten Sie 2016?

Emily Bölk: Bei Olympia verfolge ich sehr gerne so viele Sportarten wie möglich und bin oft von verschiedenen sportlichen Leistungen beeindruckt. Dieses Jahr ist mir aber ganz besonders unser deutscher Turner Andreas Toba in Erinnerung geblieben, der trotz eines frischen Kreuzbandrisses seine Kür am Pferd turnte, damit sein Team im Finale antreten konnte. Vor dieser beeindruckenden Leistung und Einstellung habe ich größten Respekt.

Aber natürlich freue ich mich auch für alle anderen Deutschen, die in diesem Jahr sehr erfolgreich abschneiden konnten. Am meisten mitgefiebert habe ich dabei selbstverständlich mit unseren Handball-Männern und auch mit Angelique Kerber, die alle überragende Turniere gespielt haben.

Vielen Dank, alles erdenklich Gute persönlich, sportlich bzw. beruflich und maximale Erfolge 2017!

M.Michels

Foto (Michels): Emily Bölk ist die Tochter der ehemaligen Spielerin des SC Empor Rostock bzw. der TSG Wismar und Handball-Weltmeisterin 1993, Andrea Bölk. /  Impression zu einem Handballspiel der Wismarer TSG-Mädel.