Traditionsreiche Veranstaltungen im Langstreckenschwimmen in M-V im Blickpunkt

Am letzten August-Wochenende 2017 wird es in Mecklenburg-Vorpommern auch schwimmsportlich wieder spannend – bei zwei traditionsreichen Veranstaltungen im Langstreckenschwimmen.

Vom 19.Internationalen Vilmschwimmen…

So wird am 26.August das 19.Internationale Vilmschwimmen von der Insel Vilm zum Hafen Lauterbach über 2500 Meter ausgetragen, wobei der Hauptwettkampf um 11.15 Uhr beginnen wird.

Im letzten Jahr, 2016,  nahmen 384 Schwimmerinnen und Schwimmer erfolgreich am Vilmschwimmen teil. Bei den Frauen triumphierte Lydia Reimann (Steinhöfel, Ortsteil Buchholz, Jahrgang 2000) in 31:11 Minuten vor Tina Kehlitz (Wittenberg, Jahrgang 1998, 32:47 Minuten), Angela Delissen (Hamburg, Jahrgang 1966, 34:25 Minuten) bzw. Ina Ziegler (Berlin, Jahrgang 1966, ebenfalls 34:25 Minuten). Der Dortmunder Michael Prüfert (Jahrgang 1964) war hingegen in 30:09 Minuten bei den Herren vor Tom Maron (Bremen, Jahrgang 1995, 30:22 Minuten), Frank Gomoll (Gladbeck, Jahrgang 1963, 32:41 Minuten) und Jakob Albrecht (Berlin, Jahrgang 1995, 33:26 Minuten) am besten.

Das erste Internationale Vilmschwimmen, mit 87 Schwimmerinnen bzw. Schwimmern, gab es im Jahr 1999. Damals siegten bei den Frauen Verena Tänzer und bei den Herren Jan Gräfe.

…zum 23.Wismarbuchtschwimmen

Bereits das 23.Wismarbuchtschwimmen „steigt“ am 27.August. Dort steht im Hauptwettkampf ab 11.15 Uhr eine Strecke über 3500 Meter von Wangern/Insel Poel nach Hohen Wieschendorf auf dem Programm.

Im Jahr 2016 setzte sich bei den Frauen Livia Keusch (Dresden, Jahrgang 1995, 56:05 Minuten) vor Sabine Kost (Berlin, Jahrgang 1971, 56:19 Minuten), Heike Siegrun Ott (Jabel, Jahrgang 1961, 57:00 Minuten) und Elke Brinkmann (Niederklütz, Jahrgang 1965, 57:05 Minuten) durch.

Bei den Herren jubelte 2016 Jakob Albrecht (Berlin, Jahrgang 1995, 51:27 Minuten) vor Christian Riedrich (Berlin, Jahrgang 1993, 51:38 Minuten), Tom Richter (Rostock, Jahrgang 1990, 51:57 Minuten) und Tim Herrmann (Berlin, Jahrgang 1996, 54:28 Minuten).

Vor nunmehr 23 Jahren, im Jahr 1994, wurde das erste Wismarbuchtschwimmen mit 12 Schwimmerinnen bzw. Schwimmern veranstaltet, seinerzeit noch über eine Strecke von 5,2 Kilometern von Hohen Wieschendorf nach Timmendorf/Insel Poel. Die Besten waren damals Mirjam Kriegelstein, Bengt Behrens und Martin Schulz.

Eine der erfolgreichsten Langstreckenschwimmerinnen – nicht nur in Deutschland – gewann unter anderem 1997 das Wismarbuchtschwimmen über 3500 Meter. Britta Kamrau aus Rostock wurde Erste in der Zeit von 42:47 Minuten.

Schwimmsportliches Kalenderblatt: Vor zehn Jahren…

Vor zehn Jahren gewann die Rostocker Langstreckenschwimmerin Britta Kamrau, den letzten ihrer vier WM-Titel: 2007 in Melbourne über die 25 Kilometer.

Mit Schwimmerin Britta Kamrau im Interview / Beitrag mit Britta Kamrau vom 7.Dezember 2007

Geschätztes Alter 18, tatsächliches Alter 28 – die ewig junge Langstreckenschwimmerin Britta Kamrau-Corestein „nimmt Kurs“ auf „Peking 2008“. Seit mehr als einem Jahrzehnt gehört die Hanseatin zur nationalen und internationalen Elite in der erstmals olympischen Disziplin. Im zurückliegenden Jahr wurde die Athletin vom SC Empor Rostock 2000 Weltmeisterin über die 25 Kilometer und Gesamt-Weltcup-Zweite.

Kürzlich wurde auch ihr Sponsorenvertrag mit AIDA Cruises bis Ende 2008 verlängert, so dass sich die erfolgreiche Sportlerin optimal auf Olympia vorbereiten kann.

Das Interview mit Britta Kamrau, Jahrgang 1979, SC Empor Rostock 2000

Britta Kamrau über das Langstreckenschwimmen allgemein, die Konkurrentinnen, die baldige olympische Premiere des Langstreckenschwimmens, ihr Leben neben dem Wasser und den Auftritt beim „TV total“-Wasserspringen

Frage: Britta, dieses Jahr war für Sie ein wechselhaftes, aber dennoch erfolgreiches Jahr: schwieriger Beginn bei den Langstrecken-WM, dann versöhnliches WM-Gold über 25 Kilometer. Die Dauer-Konkurrentin Angela Maurer konnten Sie im Gesamt-Weltcup zwar nicht schlagen, aber es gab letztendlich Gesamt-Silber. Und beim „TV total“-Turmspringen holten Sie sogar Gold.

Falls es, was die olympischen Schwimm-Götter verhindern mögen, mit Olympia in Peking nicht klappt, werden Sie dann zu den Wasserspringerinnen wechseln?

Britta Kamrau: Naja, beim „TV total“-Turmspringen war ich beste Frau und insgesamt Zweite. Allerdings: Ein gewisses Talent für das Wasserspringen habe ich schon. Das bestätigte mir die erfolgreiche Rostocker Trainerin Monika Dietrich bereits bei meiner ersten Teilnahme im Wasserspringen bei „TV total“. Faktisch war ich schon damals das „älteste“ gesichtete Talent in dieser fantastischen Sportart. So oft trainieren wie vor zwei Jahren – drei Wochen intensive Vorbereitung – konnte ich dieses Mal nicht … Der Erfolg kann sich jedoch wahrlich sehen lassen. Aber dem Langstreckenschwimmen bleibe ich auf jeden Fall treu.

Und das Jahr 2007 verlief auch zu 100 Prozent optimal für mich. Mit Blickrichtung Peking 2008 waren die Wettbewerbe sehr hart, die Konkurrenz äußerst stark. Seitdem Langstreckenschwimmen offiziell olympisch ist, haben viele Länder, wie Australien, Brasilien oder die USA, alle Anstrengungen mobilisiert, um vorn mit zu schwimmen. Aber so muß es auch sein: Eine olympische Disziplin sollte schon ein entsprechendes  olympisches Niveau und hervorragende Konkurrentinnen haben. Das mobilisiert die eigenen Kräfte zusätzlich.

Mit meinem sechsten Platz über die 10 Kilometer bei den WM war ich alles andere als unzufrieden. Sollte dieser Rang auch bei den kommenden Welt-Titelkämpfen herausspringen, dann habe ich mein Peking-Ticket. Ich glaube auch: Hätte ich bereits bei den WM 2007 Edelmetall über die 5 Kilometer oder die 10 Kilometer gewonnen, so wäre Gold über den langen Kanten gar nicht möglich gewesen.

Letztendlich war ich war „so angefressen“ über den „suboptimalen Verlauf“ der Wettbewerbe zuvor, dass ich unbedingt über die 25 Kilometer allen „die Daumen“ zeigen wollte – was letztendlich auch gelang.

Was den Weltcup betrifft: Im zurückliegenden Jahr war dieser für mich eher „Nebensache“. Ich nahm an drei wichtigen Höhen-Trainingslagern teil und hatte mit der WM meinen Höhepunkt. Zudem schwamm ich nur bei den Weltcup-Stationen, die auch in mein persönliches, sportliches Zeitraster passten. Also 2007 halte ich in sehr guter Erinnerung !

Frage: Zurück zur WM 2007: Die weltmeisterlichen Langstrecken-Wettbewerbe waren mitunter eher „Unterwasser-Catchen“, Ihre Mit-Konkurrentinnen teilweise „maritime Zicken“. Wie haben Sie sich – nach den Rückschlägen über 5 Kilometer und 10 Kilometer, als es nicht das erhoffte Edelmetall gab – noch einmal so erfolgreich für die 25 Kilometer motivieren können ?

Britta Kamrau: Tja, Frauen können untereinander schon „grausam“ sein. Manchmal frage ich mich schon, ob ein Weiterbildungskurs in Sachen „Catchen“ und „Ringen“ für mich nicht auch vorteilhaft wäre. So hart, so brutal wie bei den WM 2007 ging es eigentlich noch nie zu. Sicherlich die Weltspitze rückt näher zusammen, das Leistungsvermögen der Konkurrenz wird mit Richtung Olympia stärker, aber was sich einige Gegnerinnen erlaubten, ist jenseits der Fairness.

Außerdem sind die Referees oft zu zaghaft, wenn es um Disqualifikationen aufgrund unsportlichen Verhaltens geht. Hier müsste energischer durchgegriffen werden.

Nicht nur die „Unterwasser-Aktionen“ einiger Konkurrentinnen kosteten Zeit, Kraft und Nerven. Auch das „ewige Hin und Her“ beim Abbruch und Fortsetzen der 25 Kilometer-Entscheidung ging an die Substanz. Aufgrund des widrigen Wetters wurde erst abgebrochen, dann nach Stand der Leistungen bei Abbruch gewertet und dann doch das Rennen am nächsten Tag fortgesetzt.

Die Außenstehenden können sich gar nicht vorstellen, wie kraft- und nervenaufreibend das Ganze war. Nun, am Ende des Jahres, bin ich schon ungemein stolz über das 25 Kilometer-Gold!

Frage: Eine Wegbereiterin für das olympische Langstreckenschwimmen war zweifellos ebenfalls die Rostockerin Peggy Büchse, die in den 1990ern diese Disziplinen beherrschte. Ist Peggy für Sie ein Vorbild ? Holen Sie sich eventuell noch Ratschläge von ihr ?

Britta Kamrau: Bereits 1995 hatte ich meinen ersten Einsatz bei den deutschen Meisterschaften im Langstreckenschwimmen und „auf Anhieb“ wurde ich Dritte über die 5 Kilometer.

– Mittlerweile bin ich also bereits ein Dutzend Jahre dabei, fast so etwas wie eine „Schwimm-Omi“.  (Tja, wenn alle „Omis“ so aussehen würden- red.Anm.) –

…Als ich dann 1996 bei den deutschen Meisterschaften auch Dritte über 25 Kilometer wurde, beschloss ich – nicht zuletzt wegen meiner Vorbilder Peggy Büchse und Andre Wilde – endgültig „die Fronten“, vom Becken- zum Langstrecken-Schwimmen, zu wechseln.

Ich profitierte damals von der ungemeinen Erfahrung Peggys und bekam auch hilfreiche Tipps von ihr. Heute habe ich noch losen Kontakt zu ihr: Sie wohnt ja mittlerweile in Regensburg. Damals war sie aber eine richtig gute Freundin.

Frage: Sie sind eine attraktive Frau; „schlichte Gemüter“ würden sagen: „ein Hammer-Girl“ ! Wie wichtig ist neben der sportlichen Leistung auch ein „vorzeigbares Äußeres“ bei der Suche nach Sponsoren, bzw. um sich selbst, möglichst oft, im TV „zu platzieren“ ?

Britta Kamrau: Stellen Sie `mal Heidi Klum die Frage, ob ihr Äußeres für ihre Karriere eher hinderlich als förderlich gewesen ist. Nein, aber es ist gerade in einer Randsportart, wie Langstreckenschwimmen, schon enorm wichtig, dass man neben tollen Leistungen (und die müssen vorhanden sein) auch noch etwas „Zusätzliches“ bieten kann, um so für die Medien interessant zu werden.

Und ist es im täglichen Leben eigentlich so viel anders? Wer nett, sympathisch rüber kommt, hat es oft leichter. Aber Schönheit ist nicht alles und sollte „von innen“ kommen!

Frage: Ihr Ehemann Augusto Corestein ist Argentinier. „Färbt“ sein südamerikanisches Temperament mittlerweile auch auf ein „cooles Nordlicht“ wie Sie ab? Ist er ein guter Berater für das Langstreckenschwimmen und sogar ein sportiver Ehemann?

Britta Kamrau: Ja, wir zwei ergänzen uns prima. Bezüglich des südamerikanischen Temperamentes konnte ich eine Menge von ihm lernen. Von mir durfte er sich die norddeutsche Coolness abschauen. Ansonsten ist er schon (fast immer) ein ganz Lieber, der meinen Sport voll unterstützte und unterstützt. Wir lernten uns ja 1999 während eines Wettkampfes in Südamerika kennen und er ließ bei mir nicht „locker“ …

Bereits 2000 waren wir ein Paar und fünf Jahre später heirateten wir. Ohne ihn könnte ich im Langstreckenschwimmen nicht so erfolgreich sein !

Frage: Sie schwimmen „so irrsinnig lange“ Strecken, gerade auch bei Wettbewerben in Südamerika. Was geht Ihnen dabei während des Schwimmens „durch den Kopf“?

Denken Sie nur an den Sieg, an das erfolgreiche Ankommen oder machen Sie sich auch Gedanken für die „schönen Dinge“ nach dem Wettkampf, zum Beispiel über „das geplante Schuh-Shopping“, den „nächsten Disco-Besuch“ oder „ein leckeres Glas Caipirinha“ ?

Britta Kamrau: Bei Kilometer 5 denke ich an die Schuhe, bei Kilometer 10 an den „Caipirinha“ und bei Kilometer 15 an Augusto. Nein, natürlich nicht! Ich konzentriere mich schon sehr auf das Schwimmen.

Während eines Wettbewerbes, selbst bei den ganz erfolgreichen, muß man einige Krisen meistern. Einige „Durchhänger“ gibt es immer. Man sollte nur dafür sorgen, dass ein Motivator, „Delfin“ oder irgendwelche „Quallen“ in der Nähe sind, die einen „oben“ halten :). Für mich sind der Trainer und die Betreuer auf dem Begleitboot wichtig, die einen auch durch Zurufe wieder „aufbauen“.

Eine besondere „Krise“, ein besonderes Negativ-Erlebnis, erlebte ich vor drei Jahren: 2004 hatte die Rennleitung bei einem Wettkampf vor der chinesischen Küste die Strömung falsch berechnet. Nach vier Stunden hatte ich keine Ahnung, wo ich überhaupt war. Dazu Gewitter und Regen – und mein Vater auf dem Begleitboot, zum ersten Mal. Man sah dann sogar die Begleitboote kaum noch. Da bekommt man schon Angst, dass man „verloren geht“.

Frage: Langstreckenschwimmen ist 2008 bei den Olympischen Spielen in Peking erstmals olympisch. Falls Sie teilnehmen (was natürlich klappen wird / red. Anm. 2017: Leider klappte es dann doch nicht.), werden Sie vielleicht Geschichte schreiben, unsterblich in die sportlichen Annalen als erste Olympiasiegerin im Langstreckenschwimmen eingehen und zugleich olympische Pionierin einer alten, neuen Sportdisziplin sein. Ist das zusätzliche Motivation ?

Britta Kamrau: Natürlich vergeht kein Augenblick, kein Moment, keine Sekunde, in der ich nicht denke: „Britta, es wird Zeit, dass Du praktisch Sportgeschichte schreibst…“

Ehrlich: Zunächst möchte ich im nächsten Jahr die Quali für Peking schaffen und wenn dann Edelmetall herausspringt, um so besser.  Aber es stimmt, gerade wenn eine Disziplin olympische Premiere feiert, ist es schon ein besonderes Gefühl für den aktiven Sportler.

Frage: Ein Ausblick für den Dezember 2008. Welche Schlagzeile möchten Sie im nächsten Jahr unbedingt über sich lesen wollen ?

Britta Kamrau: „Nicht nur blond, sondern auch erfolgreich: Hanseatin holt olympisches Edelmetall!“

Vorletzte Frage: Hätte ein einigermaßen begabter Schwimmer, der nicht gleich ertrinkt, wenn er mit dem Element Wasser in Berührung kommt, wie ich – aus Ihrer persönlichen Sicht – auch Chancen ein „Marathon-Rennen“ im Langstreckenschwimmen zu (über-)stehen ?

Britta Kamrau: Na ja, allerdings nur, wenn ein Wiederbeatmungsgerät und „Flipper“ in der Nähe sind…

Letzte Frage: Weihnachten steht vor der Tür. Geht es für Sie nach Argentinien?

Britta Kamrau: Da war ich ja letztes Jahr. 2007 sind wir in Rostock – mit Weihnachtsmann, Entenbraten und Rostocker Gebäck!

Vielen Dank, schöne Feiertage und weiterhin alles Gute!

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Erfolge von Britta Kamrau

WM-Bilanz: 4 x Gold, 2 x Silber, 4 x Bronze von 2002 bis 2007, zweimal Gesamt-WEltcup-Siegerin 2003 bzw. 2006, dreifache Europameisterin 2004 in Madrid (5 Kilometer, 10 Kilometer und 25 Kilometer)

WM-Gold: 2002 über 10 Kilometer vor Scharm El-Scheich, 2004 über 10 Kilometer und über 25 Kilometer vor Dubai und 2007 über 25 Kilometer vor Melbourne

Marko Michels

Schwimmen Symbolfoto

Symbolfoto

Übrigens: Vom 27.Oktober 2017 bis 29.Oktober 2017 findet das 62.Internationale Neptunschwimmfest im Becken-Schwimmen in Rostock statt. Im letzten Jahr, 2016, nahmen fast 400 Schwimmerinnen bzw. Schwimmer aus drei Ländern teil. Für die Rostocker Schwimm-Vereine, SC Empor Rostock 2000 und SV Olympia Rostock, gab es 20 x Edelmetall.

PS: Nun „rufen“ jedoch am 26.August 2017 das 19.Internationale Vilmschwimmen und am 27.August das 23.Wismarbuchtschwimmen. M.M.

Fotos:

1.Impression vom 13.Schloss-Schwimmen am 13.August 2017 in Schwerin (Michels / MV-SPORT berichtete).

2.Britta Kamrau, die frühere erfolgreiche Rostocker Langstreckenschwimmerin (Michels, Aufnahme vom Dezember 2007)

3.Symbolfoto – Beckenschwimmen.