Auch M-V mit Eishockey-Tradition

Nun sind die 81.Eishockey-WM der Herren in Paris und in Köln auch schon wieder Geschichte.

Sechzehn Mannschaften nahmen am Turnier der „Division I“ vom 5.Mai bis 21.Mai teil und am Ende waren (fast nur) die üblichen „Anwärter“ auf die vorderen Plätze unter sich.

Zweimal Nordamerika und sechsmal Europa im Viertelfinale

Das Viertelfinale erreichten Tschechien, die USA, Kanada, Schweden, Finnland, Russland, Deutschland und die Schweiz.

Dort cancelten – ziemlich unerwartet – die Finnen die favorisierten  US-Amerikaner dank einer herausragenden Defensiv-Leistung mit 2:0 aus dem Turnier.

Mehr Mühe als erwartet  hatte auch Titelverteidiger Kanada gegen Deutschland (2:1). Russland setzte sich hingegen klar mit 3:0 gegen Tschechien durch und die Schweden bezwangen die Schweizer mit 3:1.

Duell der Giganten und der ewigen Rivalen im Halbfinale

Im Nordeuropa-Duell Schweden gegen Finnland distanzierte Schweden den Erz-Rivalen mit 4:1 und Kanada schaffte nach einem 0:2 gegen Russland in einem furiosen Schlußdrittel noch einen 4:2-Erfolg.

Bronze sicherte sich letztendlich Russland durch ein 5:3 über Finnland.

Gold-Triumph für Schweden

Und das Finale war dann „eine Angelegenheit“ für Schweden, die Kanada in einem taktisch und defensiv geprägten Spiel mit 2:1 nach Penalty-Schießen (1:1 nach 60 Minuten und Verlängerung) bezwangen und damit den Titel-Hattrick der „Ahornblätter“ verhinderten. Zudem konnte „Team Canada“ damit nicht mit Russland (einschließlich Sowjetunion) hinsichtlich der erkämpften WM-Titel gleich ziehen…

Deutsches Team zufrieden

Das deutsche Eishockey-Team von Bundestrainer Marco Sturm kann und darf mit dem 2017er Turnier ebenfalls sehr zufrieden sein. Vier Niederlagen (gegen Schweden mit 2:7, gegen Russland mit 3:6, gegen Dänemark mit 2:3 nach Verlängerung sowie das erwähnte 1:2 gegen Kanada) stehen vier Erfolge gegenüber (gegen die USA mit 2:1, gegen die Slowakei mit 3:2 nach Penalty-Schießen, gegen Italien  mit 4:1 und gegen Lettland mit 4:3 nach Penalty-Schießen). Das macht Hoffnung auf ein erfolgreiches Olympia-Turnier in Pyeongchang 2018.

Was bliebe noch anzumerken?!

Nach wie vor ist damit Russland (einschließlich UdSSR und GUS) im WM-Ranking der Herren zwischen 1920 und 2017 der Rekord-Weltmeister (27 Titel) vor Kanada (26 Titel), Tschechien (mit CSR bzw. CSSR, 12 Titel), Schweden (nun 10 Titel), den USA sowie Finnland (je 2 Titel) bzw. der Slowakei und Großbritannien (je 1 Titel). Deutsche Teams erkämpften bislang 2 x Silber (1930, 1953) und 2 x Bronze (1932, 1934, plus 1 x separates Olympia-Bronze 1976).

Hinsichtlich der Anzahl der Medaillen bei Eishockey-WM der Herren führt jedoch Kanada mit 49 x Edelmetall vor Tschechien (mit CSR bzw. CSSR, 46), Schweden (46), Russland (einschließlich UdSSR und GUS, 46), USA (19), Finnland (13), der Schweiz (10), Großbritannien (5), der Slowakei (4), Deutschland (4) und Österreich (2).

Und in neun Monaten steigen die olympischen Eishockey-Turniere der Damen und der Herren in Pyeongchang 2018!

Historisches zum Eishockey-Sport aus M-V-Sicht

Ein Blick in die Eishockey-Geschichte sei auch den Mecklenburgern und Vorpommern gegönnt…

Vor fast 50 Jahren, bei den Olympischen Winterspielen 1968 in Grenoble, erreichten auch die DDR-Eishockey-Spieler mit ihrer Teilnahme an der Finalrunde Beachtliches.

Einer dieser Spieler war 1949 der in Grapzow geborene Dietmar Peters. In Rostock erlernte Peters das Eishockey spielen und nahm 1968 an den Olympischen Winterspielen in Grenoble teil. Dort wurde er als Neunzehnjähriger mit der DDR-Auswahl Achter – und war damit allerdings nicht der einzige Mecklenburger im DDR-Eishockey-Team 1968.

Denn: Mit Petra Prusa, Jahrgang 1944, stand damals auch ein gebürtiger Rostocker im DDR-Team.  Und zusätzlich war auch Bernd Karrenbauer, der zunächst in Rostock (bei der SG Dynamo Rostock), dann beim SV Dynamo Berlin aktiv war, in der DDR-Mannschaft aktiv. Bernd Karrenbauer wurde dabei ebenfalls in Mecklenburg geboren, 1944 in Rom bei Parchim.

Den DDR-Eishockey-Cracks gelang ein Sieg gegen Norwegen mit 3:1 und erreichte auch gegen die USA (4:6), Finnland (2:3), Schweden (2:5) und die Bundesrepublik (2:4) achtbare Resultate. Lediglich die Spiele gegen die UdSSR (0:9), gegen Kanada (0:11) und die Tschechoslowakei (3:10) verliefen suboptimal.

Ansonsten machten die „Großen Vier“, die UdSSR, Schweden, Kanada und die Tschechoslowakei, die damaligen Olympiamedaillen unter sich aus. Dabei lieferten sich die vier Teams fast ausschließlich spannende Duelle untereinander. Lediglich das 5:0 der UdSSR über Kanada war sehr deutlich. Die „Ahornblätter“ wiederum bezwangen Schweden mit 3:0 und waren auch gegen die CSSR mit 3:2 siegreich. Die Tschechoslowakei konnte jedoch die SU mit 5:4 bezwingen und spielte gegen Schweden 2:2. Schweden lieferte sich auch gegen die SU eine denkwürdige Partie und zog mit 2:3 äußerst knapp den Kürzeren.

Letztendlich entschied die UdSSR mit Trainer Arkadi Tschernyschow das Olympia-Turnier 1968 für sich, vor der Tschechoslowakei, Kanada, Schweden, Finnland, den USA, Westdeutschland und der DDR mit Trainer Rudi Schmieder.

Beste Spieler waren damals der Goalie Ken Broderick (Kanada), Anatoli Firsow (UdSSR) als bester Scorer und Josef Horesovsky (CSSR) als bester Verteidiger.

Für „Team Canada“, das von Jackie McLeod trainiert und von Pater David Bauer gemanagt wurde, sollte die Bronzemedaille in Grenoble das vorerst letzte olympische Edelmetall bis 1992 bedeuten… Erst in Albertville 1992 eroberten die Kanadier mit Silber wieder eine olympische Medaille im Eishockey. Kanada ist jedoch Rekord-Olympiasieger bei den Herren (neun Goldmedaillen, zuletzt 2014) vor Russland (einschließlich UdSSR und GUS, acht Goldmedaillen).

Marko Michels

Foto (Michels): Auch am Puck aktiv – Eiskunstläuferinnen des Rostocker Eiskunstlaufvereines.