Olympische Zeitreise ins Jahr 1980 auch aus M-V-Sicht

Zurzeit ist sportlich betrachtet eine Menge los, unter anderem finden gegenwärtig, seit dem 12.Juni und noch bis zum 18.Juni, die Europameisterschaften im Wasserspringen in Kiew und ebenfalls seit dem 12.Juni (bis 17.Juni) die Fecht-EM in Tiflis statt.

Des Weiteren werden beispielsweise der America`s Cup im Regatta-Segeln vor Hamilton, die Weltmeisterschaften im Taekwondo in Muju vom 22.Juni bis 30.Juni, die Team-EM in der Leichtathletik in Lille vom 24.Juni bis 25.Juni, die ICC Champions Trophy imCricket in Großbritannien (bis 19.Juni) bzw. der Weltcup der Frauen im Kricket in Großbritannien vom 26.Juni bis 30.Juni ausgetragen.

Vom 17.Juni bis 2.Juli steht aber der vermeintliche „König Fußball“ wieder im Vordergrund. Dann wird nämlich in Sankt Petersburg, in Kasan, in Moskau und in Sotschi der Konföderationen-Pokal im Herren-Fußball 2017 mit den Mannschaften aus Portugal, Mexiko, Neuseeland, Russland, Kamerun, Chile, Deutschland und Australien.

Das Finale des Konföderationen-Pokals wird dann am 2.Juli angepfiffen – im Olympiastadion in Sotschi, dem Austragungsort der „sommerlichen“ Winterspiele 2014….

Vor 37 Jahren waren jedoch die Olympischen Sommerspiele 1980 in Moskau das sportliche Haupt-Thema allerorten…

Die Olympischen Spiele 1980 in Moskau – „eine sportive Zeitreise“

In der Rostocker Traditionssportart, dem Wasserspringen, ging es damals sehr spannend zu, wobei sich die damalige UdSSR (2 x Gold, 2 x Silber, 2 x Bronze) und die damalige DDR (2 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze) nicht nur dort einen spannenden sportiven Zweikampf lieferten. Nur zwei Medaillen – 1 x Silber an Mexiko und 1 x Bronze an Italien – gingen an andere Länder.

Im Kunstspringen der Damen siegte die Irina Kalinina (UdSSR/Russische SFSR) vor Marina Proeber (SC Empor Rostock) und Karin Guthke (Berliner TSC). Martina Jäschke (SC Chemie Halle) setzte sich bei den Turmspringerinnen vor Sirvard Emirzyan (UdSSR/Armenische SSR), Liana Tsotadze (UdSSR/Georgische SSR) und Ramona Wenzel (SC Empor Rostock) durch.

Ramona Wenzel mit Silber

Die gebürtige Stralsunderin Ramona Wenzel ist dabei übrigens eine von insgesamt 13 Olympia-Teilnehmerinnen bzw. -Teilnehmer, die ihre „Wiege“ am Sund hatten. Sechs davon wurden in den 1960ern geboren, so die Gewichtheber Andreas Behm (1992, 1996 bei Sommer-Olympia), Udo Guse (1992 bei Sommer-Olympia), der Bobfahrer Carsten Embach (1994, 2002 bei Winter-Olympia), die Handball-Spielerin Silke Fittinger (1992 bei Sommer-Olympia), die Leichtathletin Silke Möller (1988 bei Sommer-Olympia) und eben Ramona Wenzel, die Wasserspringerin und Olympia-Vierte 1980 vom Drei-Meter-Brett.

Bei den Herren wurde im Kunstspringen der gebürtige Aserbaidschaner Alexander Portnow, der für die UdSSR und seine Heimat-Vereine Dynamo bzw. Spartak Minsk (Weissrussland) startete, die Nummer eins vor Carlos Giron (Mexiko), Franco Giorgio Cagnotto (Italien) und Falk Hoffmann (SC Chemie Halle). Dieter Waskow (SC Empor Rostock) wurde hier Zehnter.

Gold für Falk Hoffmann

Und für großen Jubel im Wassersprung-Team der DDR sorgte dann auch Falk Hoffmann (Halle/Saale) im Turmspringen, der  vor Vladimir Aleynik (UdSSR/Weissrussische SSR), David Ambartsumyan (UdSSR/Armenische SSR), Carlos Giron (Mexiko) und den beiden Rostockern Dieter Waskow und Thomas Knuths triumphierte. Bis 2016 war Falk Hoffmann, Jahrgang 1952, Nachwuchs-Trainer beim WSC Rostock.

In der Länderwertung der olympischen Wassersprung-Wettbewerbe (Plätze 1-8) 1980 belegte die UdSSR mit 41,25 Punkten Rang eins vor der DDR mit 34 Punkten, Mexiko mit 9 Punkten, Italien mit 4 Punkten, Australien mit 1,75 Punkten, Großbritannien mit 1 Punkt sowie Österreich, Spanien, Kuba und Ungarn mit 0,25 Punkten.

USA-Springerinnen und -Springer leider nicht dabei

Leider fehlten bei den Spielen 1980 insbesondere die starken Springerinnen und Springer aus den USA, Kanada und China. Bei den WM 1978 im Westteil Berlins, also zwei Jahre vor den Spielen in Moskau, waren noch die USA die erfolgreichste Wassersprung-Nation mit 2 x Gold, 1 x Silber, 2 x Bronze. Philipp Boggs gewann das Kunstspringen und Greg Louganis das Turmspringen – jeweils vor Falf Hoffmann. Für Cynthia Potter sowie Jennifer Chandler gab es im Kunstspringen hinter Irina Kalinina (UdSSR) Silber bzw. Bronze. Im Turnspringen war in Berlin 1978 ebenfalls im Turmspringen vor Martina Jäschke (DDR) und Melissa Briley (USA) vorn.

Aber letztendlich schmälert der Boykott des Westblocks 1980 nicht die Leistungen der teilnehmenden Athletinnen und Athleten in Moskau – im Wasserspringen und anderswo. Ebenso wenig wie der Boykott des Ostblocks 1984 die Leistungen der startenden Sportlerinnen und Sportler in Los Angeles relativierte.

Exkurs: Die Olympischen Spielen 1980 in Moskau – ein Resümee und ein Abriss aus M-V-Sicht

Die XXII.Olympischen Spiele 1980 (19.7.1980-3.8.1980) wurden vom Boykott vieler westlicher Länder dennoch überschattet. Nachdem die Sowjetunion im Dezember 1979 Afghanistan besetzte, beschloss US-Präsident Jimmy Carter einen Boykott der Spiele, dem sich einige Alliierte und Verbündete, darunter Japan, die Bundesrepublik, Kanada, Kenia, aber auch die Volksrepublik China, anschlossen.

Leider auch Boykott-Spiele…

Damit setzte sich die Reihe unsinniger politisch motivierter Boykott-Maßnahmen gegen Olympia fort: Bereits 1976 gab es einen Boykott afrikanischer Staaten; 1984 nahmen einige Ostblock-Staaten, darunter die UdSSR, die DDR oder Kuba, nicht an den Spielen in Los Angeles teil.

Dennoch: Die Olympischen Spiele in Moskau vom 19.Juli bis 3.August sorgten für hochklassigen Sport und unvergessene Momente auch aus M-V- Sicht.

Mehr als 5200 Athletinnen und Athleten aus 81 Ländern nahmen in Moskau teil. Auf dem Programm standen 203 Wettbewerbe in 23 Sportarten. 5,5 Millionen Zuschauer verfolgten die Wettbewerbe, die Segel-Regatten fanden vor Tallinn statt, live. Rund 2 Millionen besuchten die Fußballspiele in Moskau, Minsk, Leningrad und Kiew.

Am Ende lag das Team der UdSSR mit 80 x Gold klar vor der DDR mit 47 x Gold, Bulgarien, Kuba sowie Italien mit je 8 x Gold, Ungarn mit 7 x Gold, Rumänien bzw. Frankreich mit je 6 x Gold, Großbritannien mit 5 x Gold und Polen mit 3 x Gold. Insgesamt kamen 36 Länder zu Medaillen-Ehren.

Übrigens: Berücksichtigt man ausschließlich die Einzel-Wettkämpfe und die Herkunft der verschiedenen Starterinnen und Starter aus den einzelnen Sowjetrepubliken, so war die Russische Föderative Sowjetrepublik genau so erfolgreich wie die DDR. Die anderen Olympiasiege der UdSSR verteilen sich u.a. auf die damaligen Sowjetrepubliken Ukraine, Weißrussland, Georgien, Kasachstan, Kirgisien oder die baltischen Republiken.

Erfolge auch für Sportler aus Rostock, Schwerin, Wismar, Greifswald und Neubrandenburg

Im Schwimmen konnte Andrea Pollack Gold über 4 x 100 Meter-Lagen und Silber über 100 Meter-Butterfly erobern. Im Boxen erkämpfte Richard Nowakowski im Leichtgewicht Bronze. Im olympischen Volleyball-Turnier der Frauen sorgte die DDR-Auswahl mit Siegen über Peru und Kuba für Überraschungen und erreichte das Finale gegen die UdSSR, das nach großem Kampf zwar mit 1:3 verloren wurde, aber bis zum heutigen Tag die einzige deutsche Olympia-Medaille im Frauen-Volleyballsport bedeutet.

In der DDR-Auswahl standen mit Karla Roffeis, Anke Westendorf, Martina Schmidt und Andrea Heim auch vier Spielerinnen des damaligen SC Traktor Schwerin sowie mit Heike Lehmann eine gebürtige Neustrelitzerin. Gerd Wessig (SC Traktor) gewann außerdem den Hochsprung mit Weltrekord – 2,36 Meter. Doch nicht nur Schwerinerinnen und Schweriner sorgten für Höhepunkte in Moskau:

Im Zehnkampf avancierte der Brite Daley Thompson zum „König der Athleten“. Die gebürtige Wismarerin Marita Koch gewann die 400 Meter. Die männlichen Sprint-Distanzen wurden eine Angelegenheit des Italieners Pietro Mennea und des Schotten Allan Wells. Weltrekordler Mennea wurde Erster über 200 Meter, Wells kam zu Gold über 100 Meter.

Spannende Duelle

Hauchdünn siegte Ljudmilla Kondratjewa aus der UdSSR über 100 Meter in 11,06 Sekunden vor Marlies Göhr in 11,07 Sekunden. Bärbel Wöckel sprintete über 200 Meter auf Rang eins. Miruts Yifter aus Äthiopien trat in Moskau die Nachfolge des Finnen Lasse Viren an und belegte sowohl über die 5000 Meter als auch über die 10000 Meter Platz eins. Sebastian Coe und Steve Ovett lieferten sich auf den Mittelstrecken einen „Showdown“: Coe siegte über 1500 Meter, Ovett über 800 Meter. Den Hochsprung gewann „Bella Italia“, Sara Simeoni. Im Dreisprung verhinderte der Este Jaak Uudmäe den vierten Olympiasieg des Georgiers Viktor Sanejew in Folge. Marita Koch vom SC Empor Rostock lief über 400 Meter allen davon, auch Dauer-Konkurrentin Jarmila Kratochvilova (CSSR), und wurde zudem mit der 4 x 400 Meter-Staffel der DDR Zweite (hinter der UdSSR).

Teofilo Stevenson mit drittem Box-Gold

Indien sicherte sich den achten Olympiasieg im Feldhockey; Simbabwe triumphierte bei der Olympia-Premiere des Frauen-Feldhockeys. Im Herren-Turnen und im Ringen war die Sowjetunion eine Macht, im Rudern die DDR. Die Kubaner stellten die beste Boxstaffel, wobei Teofilo Stevenson sein drittes Gold erkämpfte. Neben Richard Nowakowski (Bronze/Leichtgewicht) nahm für den SC Traktor Schwerin auch Dietmar Schwarz, der in Warin geboren wurde, am olympischen Box-Turnier 1980 teil.

Nadia Comaneci wieder klasse

Die beste Turnerin 1980 war erneut die Rumänin Nadia Comaneci, die nach dreimal Gold und je einmal Silber sowie Bronze in Montreal 1976, zweimal Gold bzw. zweimal Silber in Moskau 1980 gewann. Turnsportliche Mehrkampf-Olympiasiegerin wurde 1980 jedoch Jelena Dawydowa (UdSSR). DDR-Turnerin Maxi Gnauck (SC Dynamo Berlin) schaffte hingegen Gold am Stufenbarren, dazu noch eine Silber- und zwei Bronze-Medaillen.

DDR im Schwimmbecken bei den Frauen klar vorn

Im Schwimmbecken sorgten die DDR-Schwimmerinnen, um die bereits erwähnte gebürtige Schwerinerin Andrea Pollack und die für Rostock startende Caren Metschuck (3 x Gold, 1 x Silber), die ihre Wiege in Greifswald hatte, für Rekorde bzw. Gold – und Michelle Ford für einen australischen Triumph über 800 Meter-Freistil. Wladimir Salnikow schaffte über 1500 Meter-Freistil glänzende 14:58,27 Minuten. Der gebürtige Rostocker Nils Pfütze errang mit der 4 x 200 Meter Freistil-Staffel der DDR die Silbermedaille, hinter der UdSSR und vor Brasilien, Schweden und Italien. Und die gebürtige Rostockerin Sarina Hülsenbeck schaffte mit der 4 x 100 Meter-Freistil-Staffel und auch mit der 4 x 100 Meter Lagen-Staffel (Einsatz im Vorlauf) der DDR sogar jeweils Gold.

Gold für reitsportliche Amazone

Eine Amazone mit einem Pferd gewann nicht nur Gold, sondern die Sympathien der Sportfans auf aller Welt. Die Dressur-Europameisterin 1979 Elisabeth Theurer aus Österreich nahm trotz des Boykotts des eigenen Fachsportverbandes an den olympischen Reiterspielen 1980 teil, wurde in der eigenen Heimat angefeindet (später aber „rehabilitiert“) und gewann auf „Mon Cherie“.

Juri Kowschow, der Zweitplatzierte, zollte der Österreicherin Respekt und überreichte ihr bei der Siegerehrung eine rote Rose. Den Team-Wettbewerb in der Dressur entschied die UdSSR, bereits 1972 in München Olympiasieger für sich (wie auch die Team-Entscheidungen in der Military und im Springreiten). Die anderen Einzel-Wettbewerbe im Reitsport waren „eine Angelegenheit“ für Italien (Gold für Federico Roman in der Military) und für Polen (Gold für Jan Kowalczyk im Springreiten).

Radsport-Erfolg für die Eidgenossen

Auch die Schweiz konnte in Moskau jubeln: Rad-Ass Robert Dill-Bundi siegte in der 4000 Meter-Einzelverfolgung vor Alain Bondue (Frankreich), Hans-Henrik Oersted (Dänemark) sowie Harald Wolf (DDR) und bedankte sich bei der Bahn mit einem Kuss. Im radsportlichen Medaillenspiegel`80 war auch die SU mit 3 x Gold, 1 x Silber, 2 x Bronze vor der DDR mit 2 x Gold, 2 x Silber am besten. Die Olympiasiege für die DDR-„Zweiräder“ gingen dabei an Lothar Thoms (1000 Meter-Zeitfahren) und Lutz Heßlich (Sprint). Der Russe Sergej Suchorutschenkow erkämpfte hingegen Gold im Straßen-Einzel.

Zwischen Segeln, Schwimmbecken und Fechten

Mal nicht im Fußball, dafür jedoch im Segeln, waren die Brasilianer am erfolgreichsten. Bei den olympischen Regatten 1980 vor Tallinn holten sie zweimal Gold. In der 470er Klasse belegten aus M-V-Blickwinkel die Rostocker Jörn Borowski/Egbert Swensson den zweiten Platz. Wolfgang Haase/Wolfgang Wenzel (SC Empor Rostock) gelang dazu der vierte Rang bei den Flying Dutchman. Der gebürtige Rostocker Dieter Below erreichte in der Soling-Klasse ebenfalls den vierten Platz.

Im Modernen Fünfkampf wurde der Russe Anatoli Starostin zweifacher Olympiasieger. Im Mannschaftswettbewerb kamen die traditionell starken Ungarn und Schweden zu Silber und Bronze. Eine Litauerin durchbrach wie die Australierin Michelle Ford über die 800 Meter-Freistil die DDR-Siegerinnen-Serie im Schwimmen. Lina Kaciusyte triumphierte indes über 200 Meter-Brust.

Im Fechten machten die Französinnen und Franzosen mit 4 x Gold den „vier Musketieren“ alle Ehre. Der gebürtige Rostocker Gerd May erreichte bei den spannenden Moskauer Fecht-Entscheidungen im Team-Wettbewerb bei den Säbel-Fechtern mit der DDR-Auswahl Rang sechs.

Der Florett-Fechter Hartmuth Behrens, in Dömitz-Rüterberg geboren, schaffte im Florett-Fechten bei den Spielen 1980 in Moskau auch gute Platzierungen, so Rang vier mit der DDR-Mannschaft und Rang neun im Einzel.

Im Judo war Frankreich – zusammen mit der UdSSR (je 2 x Gold) – ebenfalls die dominierende Nation.

Im Bogenschießen und Sportschießen wurden jeweils die Starterinnen und Starter aus der UdSSR reichlich mit Gold und Medaillen belohnt. Für die DDR gab es im Sportschießen 5 x Silber, 1 x Bronze. Uwe Potteck aus Wittenberge (das bis 1990 zum Bezirk Schwerin gehörte) wurde nach seinem Olympiasieg 1976 mit der Freien Pistole nun, 1980, Sechzehnter.

Ruder-Erfolge für M-V

Auch im Rudern gab es viel Edelmetall zu vergeben… Pertti Karppinen aus Finnland siegte wie schon 1976 im Ruder-Einer – 1984 sollte es das dritte Gold geben. Im Rudern erkämpften ebenfalls der gebürtige Greifswalder Joachim Dreifke (ASK Vorwärts Rostock, heute Trainer bei der Schweriner Rudergesellschaft von 1874/1875) mit Klaus Kröppelien (gebürtiger Rostocker/ASK Vorwärts Rostock) Gold im Doppelzweier.

Ulrich Kons (gebürtiger Greifswalder/ASK Vorwärts Rostock) sowie Ulrich Karnatz (gebürtiger Rostocker/ASK Vorwärts Rostock) gelang „das Gleiche“ im DDR-Herren-Achter. Das dritte Ruder-Gold nach 1972 (Zweier ohne) und 1976 (Vierer ohne) erkämpfte der gebürtige Rostocker Siegfried Brietzke erneut, wie schon in Montreal, im Vierer ohne. Olympia-Silber konnten im Ruder-Boot zudem auch Cornelia Linse, die gebürtige Greifswalderin, und Heidi Westphal, die in Gnoien geboren wurde, im Doppelzweier der Frauen erringen.

Und über Ruder-Gold freute sich nicht zuletzt Ramona Kapheim aus der vorpommerscher Stadt Strasburg, die im Vierer mit der DDR erfolgreich war.

Von der Turn-Matte zum Handball-Parkett

Im Turnen gab es ebenfalls Edelmetall „für M-V“, denn die Eltern von Lutz Hoffmann (SC Dynamo Berlin), der im Mannschafts-Mehrkampf der Herren Silber mit der DDR-Riege erkämpfte, stammten aus Neustrelitz. Sein Bruder, Ulf, der sogar direkt in Neustrelitz geboren wurde, wurde acht Jahre später – in Seoul 1988 – Zweiter im Team-Mehrkampf mit der DDR.

Im Gewichtheben gingen alle Medaillen an die Länder des „Ostblocks“. Jürgen Heuser, der gebürtige Barther und Mitglied der BSG Motor Stralsund, schaffte dabei Silber im Superschwergewicht. Harald Heinke, der späterer Schweriner Berufsschullehrer, belegte hingegen im Halbmittelgewicht der olympischen Judo-Wettbewerbe einen hervorragenden dritten Platz. Im Ringen (Freistil) nahmen aus M-V-Sicht der Rostocker Reinhold („Otto“) Steingräber im Weltergewicht, Armin Weier aus Vorbein bei Loitz im Mittelgewicht und Roland Gehrke aus Woldegk im Superschwergewicht (Platz vier) teil.

(Hand-)Ballsportliche Akzente

Im Herren-Basketball-Finale trafen  Jugoslawien und Italien aufeinander, wobei Jugoslawien gewann. Dramatik pur gab es im Finale des Handballspieles zwischen der DDR, mit den Rostockern Frank-Michael Wahl und Hans-Georg Jaunich, und der Sowjetunion. Mit 23:22 nach Verlängerung siegten die Ostdeutschen. Die Olympia-Teilnahme des Weltklasse-Spielers Wolfgang Böhme vom SC Empor Rostock verhinderten DDR-Apparatschiki und Stasi. Im Handball-Wettbewerb bei den Frauen belegte die DDR-Auswahl immerhin Platz drei, wobei auch die Rostockerin Sabine Röther im Aufgebot spielte.

Vom Kanu zum Fußball

Im Kanu-Rennsport beherrschten die UdSSR und die DDR – nicht zuletzt dank der Athleten des SC Neubrandenburg Rüdiger Helm (2 x Gold, 1 x Bronze) und Bernd Olbricht (1 x Gold, 1 x Bronze) – die Szenerie. Im Kanu-Rennsport war zudem die gebürtige Wismarerin Roswitha Eberl, verheiratete Krugmann, Ersatz-Starterin. Kanusportliche Anmerkung am Rande: In Moskau erkämpfte Birgit Fischer aus Brandenburg die erste (Kajak-Einer über die 500 Meter) ihrer acht olympischen Goldmedaillen im Kanu-Rennsport. Sie nahm dabei an den Spielen 1980, 1988, 1992, 1996, 2000 und 2004 teil…

Das Endspiel im Fußball konnte die Tschechoslowakei mit 1:0 gegen die DDR für sich entscheiden. Im DDR-Team stand auch der gebürtige Schweriner Wolf-Rüdiger Netz und die gebürtigen Rostocker Norbert Trieloff bzw. Bernd Jakubowski.

Leichtathletischer Erfolgslauf und Leichtathletik-Highlights aus M-V-Sicht

Aber für ganz besonders unvergessene Momente sorgte Waldemar Cierpinski (SC Chemie Halle), dem es als zweitem Läufer der Welt gelang – nach Abebe Bikila 1960/64 – den Marathonlauf bei Olympia zweimal zu gewinnen. Bereits 1976 in Montreal war Waldemar Cierpinski die Nr.1 über die 42,195 Kilometer. Der Mann mit dem langen Atem lief sich damit ebenfalls in die Sportgeschichte.

Medaillen für Leichtathletinnen und Leichtathleten mit „MV-Wurzeln“ gab es vor 35 Jahren, neben Läuferin Marita Koch und Hochspringer Gerd Wessig, auch für Frank Paschek, in Bad Doberan geboren, mit Silber im Weitsprung, die ehemalige Läuferin des SC Neubrandenburg Christiane Wartenberg ebenfalls mit Silber über die 1500 Meter und die Kugelstoßerin Ilona Slupianek, die in Demmin ihre Wiege hatte, mit Gold.

Olympische Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit „MV-Bindungen“ in der Leichtathletik 1980 waren auch Helga Radtke (SC Empor Rostock/Weitsprung), die leider als Ersatz-Starterin ohne Einsatz blieb, und Siegfried Stark (SC Traktor Schwerin/Zehnkampf), der nach Platz sechs bei den Spielen 1976 sowie EM-Bronze 1978 dann in Moskau 1980 leider verletzungsbedingt nach dem Weitsprung aufgeben mußte, sowie der Langstreckenläufer Hansjörg Kunze (SC Empor Rostock).

Ja, auch Hansjörg Kunze, der heutige „Vice President Communication & Sustainability“ bei AIDA Cruises, war schon 1980 in Moskau dabei… In der russischen Hauptstadt schied er zwar schon im Halbfinale des 5000 Meter-Laufes aus (Sieger des Finales Miruts Yifter/Äthiopien vor Sulaiman Nyambui/Tansania), wurde aber acht Jahre danach, bei den Spielen 1988 in Seoul, Dritter über die gleiche Distanz. Die zweifache Speerwurf-Olympiasiegerin 1972/1976 und in den 1960ern Absolventin der Kinder- und Jugendsportschule in Güstrow, Ruth Fuchs, war in Moskau 1980 auch noch dabei und wurde Achte (Speerwurf-Olympiasiegerin 1980: Maria Caridad Colon/Kuba).

Gerd Wessig und Marita Koch zu ihren Olympiasiegen 1980

Und wie erlebten Gerd Wessig, der gebürtige Lübzer, Jahrgang 1959 und Hochspringer vom SC Traktor Schwerin, sowie Marita Koch, die gebürtige Wismarerin, Jahrgang 1957 und 400 Meter-Läuferin, ihren olympischen Erfolg 1980?!

Dazu Gerd Wessig: „… Die ersten Gratulanten, noch im Stadion, waren die Teamkollegen Henry Lauterbach, der Rang vier belegte, und Jörg Freimuth, der auf Rang drei kam. Auch der Schweizer Roland Dahlhäuser, der Fünfter wurde, beglückwünschte mich unmittelbar nach dem Erfolg. Nur Jacek Wszola (1976 Hochsprung-Olympiasieger und 1980 Olympia-Zweiter) ließ sich etwas mehr Zeit: Er war der Letzte, der mir gratulierte. Aber mittlerweile sind wir gute Kumpel! Bei ihm ging es wohl schon damals um viel Geld, bei mir „nur“ um `Volk und Vaterland`. Allerdings gab es damals noch eine größere Identifikation mit dem Team, mit dem Erfolg als es heute oftmals üblich ist.

Zum olympischen Wettkampf 1980: Ich hatte mich Stück für Stück in den Wettkampf herein getastet, wollte unter die besten Sechs. Das war auch die offizielle Zielvorgabe und diesen leistungsmäßigen Druck hatte man dann auch schon. Das Ziel stand, wer darunter blieb, hatte versagt. Irgendwelche Ausflüchte wurden nicht akzeptiert, nach der Devise in etwa, dass die Zuschauer so laut, die Stimmung nicht gut und die Bedingung nicht optimal seien, waren verpönt. Wer die Ziele nicht erreichte, musste sich auch wieder hinten anstellen. Auch große Namen galten nichts. Das mußten seinerzeit Rosemarie Ackermann (Hochsprung), Wolfgang Schmidt (Diskuswerfen) oder Udo Beyer (Kugelstoßen) erfahren.

Aber ich blieb in der Zielvorgabe. Als feststand, dass ich sicher auf Rang sechs lag, war ich erst einmal erleichtert. 2,24 Meter, die Konkurrenz war nicht weg und die Höhe war für mich nur eine Durchgangsleistung, für mich keine Hürde. Und ich merkte Höhe um Höhe, eine Medaille könnte durchaus drin sein, zumal die Mannschaftskameraden Henry Lauterbach und Jörg Freimuth noch immer dabei waren.

Und ich dachte mir: Die hatten doch die ganze Saison gegen dich nichts zu bestellen gehabt und jetzt wollen sie dich schlagen?! Das geht schon einmal gar nicht… Dann war ich schon unter den besten Vier und auch Jörg Freimuth war auch noch dabei. Ich wusste nun, eine Medaille ist in Reichweite. Dann plötzlich, bei der Höhe von 2,33 Meter, als die anderen rissen, war ich nicht mehr Dritter, sondern Erster – und ich schaffte sogar noch die 2,36 Meter. In diesem Moment war ich wohl der glücklichste Mensch auf der Welt!“ (Aus einem Interview mit dem Autor im Februar 2009)

Und auch Marita Koch hat natürlich beste Erinnerungen an ihren Olympiasieg in Moskau: „Olympia ist etwas Einzigartiges, Unbeschreibliches. Jeder Sportler träumt von olympischem Gold, und für die meisten Athleten ist eine olympische Teilnahme die Erfüllung ihres sportlichen Lebens. Olympia findet zudem nur alle vier Jahre statt, daher ist es notwendig auf die Minute topfit zu sein. Nachdem mir verletzungsbedingt eine Olympiamedaille 1976 versagt blieb, wollte ich es in Moskau wissen, was mir gelang…

24 Stunden nach meinem Sieg in Moskau bekam ich übrigens plötzlich hohes Fieber und es folgte eine Angina! Da wurde mir bewusst, wie zerbrechlich der Mensch ist, wie günstige Zufälle einen Erfolg beeinflussen können und wie einmalig Olympia ist…“ (Aus einem Interview mit dem Autor 2007)

„Sonstiges“ zu 1980

Erfolgreichster Athlet der Spiele 1980 wurde der Turner Alexander Ditjatin mit 3 x Gold, 4 x Silber und 1 x Bronze. Die gebürtige Greifswalderin Caren Metschuck, die für den SC Empor Rostock startete, war in Moskau die erfolgreichste Sportlerin mit 3 x Gold und 1 x Silber.

Die Vereine in Mecklenburg und Vorpommern hatten in Moskau 1980 33 Athletinnen und Athleten vor Ort. Der SC Empor Rostock stellte achtzehn Sportlerinnen/Sportler, der ASK Vorwärts Rostock vier Sportler, der SC Neubrandenburg zwei Sportler, der SC Traktor Schwerin acht Sportlerinnen/Sportler und die BSG Motor Stralsund einen Sportler.

Der Westblock veranstaltete damals sportliche Alternativ-Wettkämpfe, wie die „Liberty Bell Classic“ in der Leichtathletik in Philadelphia, ähnlich wie vier Jahre später der Ostblock mit seinen „Wettkämpfen der Freundschaft“. Nonsens blieben beide „Boykott-Maßnahmen“…

Insgesamt betrachtet gab es eine Menge sportlicher Highlights in Moskau 1980. Aber: Der politische und auch wirtschaftliche Missbrauch der Spiele setzte sich weiter fort und hält bis heute, sogar intensiviert, an… Wie lange hat Olympia da überhaupt noch eine Chance?!

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Auszüge aus einem Interview von M.M. mit Waldemar Cierpinski, dem Olympiasieger 1976 und 1980 im Marathonlauf,  aus dem Jahr 2010

Waldemar Cierpinski über seinen Weg zum Marathon, seine  Marathon-Erfolge, die Olympischen Spiele 1976 bzw. 1980, die Talente-Förderung in Deutschland und seine Verbundenheit zu M-V

„Der Erfolg von 1976 war der nachhaltigere…“

Frage: Herr Cierpinski, Montreal 1976 und Moskau 1980. Wenn Sie beide Marathon-Entscheidungen miteinander vergleichen, was waren die besonderen Momente während dieser beiden Läufe für Sie persönlich ?

Waldemar Cierpinski: Der Erfolg bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal, als ich völlig überraschend gewann, war der nachhaltigere. Zunächst einmal gab es während des Laufes die vielen kleinen Details, die besondere Glücksgefühle hervorriefen.

Da war der harte Kampf mit Frank Shorter, der natürlich viel Kraft kostete. Ich war ja damals als Außenseiter nach Montreal gefahren, war dann erst einmal froh gewesen, dass ich mich in der Spitzengruppe so gut halten konnte. Meine Motivation war ja, gut durchzukommen. Erst ab den 40.Kilometer war ich mir sicher, dass ich sogar gewinnen konnte – und es gelang.

In Moskau, vier Jahre später, startete ich hingegen als Mit-Favorit. Das war im Vergleich zu 1976 um so härter. In Montreal gab es noch die jugendliche Freude, man ging unbekümmert in den Lauf. In Moskau gehörte man eben zu den ganz vorn erwarteten Läufern. Aber jeder olympische Erfolg war auf seine Weise ungemein schön.

Frage: Sie waren vor Ihrer Marathon-Karriere ein erfolgreicher Mittelstreckler bzw. Hindernisläufer. Waren Ihnen diese Strecken zu kurz oder wollten Sie ganz einfach „etwas Neues“ ausprobieren und blieben „eher zufällig“ beim Marathonlaufen ?

Waldemar Cierpinski: Als Jugendlicher war ich bereits bester Deutscher über die 7,5 Kilometer mit einer Zeit von 23:03. Und als Jugend-Kader A lief ich auch die 15 Kilometer in einer 48er Zeit, also somit der Schnellste. Ich hatte also beste Voraussetzungen für die Langstrecken. Der Hindernislauf war praktisch ein „Umweg“ hin zum Marathon.

Auch hier war ich im jugendlichen Alter Bester über die 2000 Meter-Hindernis. In der Folgezeit war die Situation in der DDR-Leichtathletik so, dass ein guter Hindernisläufer fehlte. Ich wurde also Kader im Hindernislauf, hierfür erhielt ich meine Förderung. Erst ab 1974 ff. feierten die ambitionierten Hindernisläufer Frank Baumgartl, der 1976 Bronze in Montreal gewann, und Jürgen Straub ihren endgültigen Durchbruch zur internationalen Spitzenklasse im Hindernislauf. Jürgen Straub wechselte dann allerdings auch auf die Mittelstrecken und konnte 1980 Silber in Moskau auf den 1500 Metern erkämpfen. Für mich war also der Weg zum Marathon frei. Meinen ersten Lauf über die 42,195 Kilometer hatte ich dann 1974 in Kosice.

Mit meinen ersten Zeiten von 2:20 und 2:16 konnte ich sehr zufrieden sein. Zwar war ich dann bei meinen Europacup-Einsätzen in der Zwischenrunde 1975 im Vorderfeld, wurde jedoch beim Finale nicht eingesetzt. Von da an stand für mich fest, dass meine Zukunft beim Marathonlauf liegt

Frage: Die Olympischen Spiele 1976 in Montreal waren aus deutsch-deutscher Sicht sehr erfolgreich. Das Team der DDR gewann 40 Goldmedaillen, die Bundesrepublik 10 – zusammen mehr Gold als die anderen Olympia-Mannschaften. Gab es – trotz des Kalten Krieges – bereits damals zumindest lose Kontakte zu den „Bundis“ ?

Waldemar Cierpinski: Es war schon so, dass offizielle Kontakte zu den westdeutschen Athletinnen und Athleten untersagt waren. Widersetzte man sich, gab es viel Ärger. Am besten fuhr man, wenn man Gespräche mit den Athleten aus dem „Westen“ gleich zugab. Aber wurden Gespräche geführt, das bringt ein sportlicher Wettkampf mit sich.

Die gab es auch mit Günter Mielke vom OSC Berlin, der im April 1976 beim Marathon in Karl-Marx-Stadt startete und nur ganz knapp hinter mir Zweiter wurde. Damals fanden im heutigen Chemnitz die Marathon-Qualifikation von sieben Ländern für Montreal statt, darunter auch die Ausscheidung der Athleten aus der Bundesrepublik. In jenem Jahr hatte ich dann auch im Dezember einen Marathon-Start im japanischen Fukuoka, zu dem ich eingeladen war. Ein unvergessliches Erlebnis.

Frage: Die Olympischen Spiele 1976 und 1980, wie dann auch jene von 1984, hatten ein riesiges Manko. Alle drei Spiele waren boykott-geschädigt. Politiker aus Ost und West missbrauchten die olympische Idee für machtpolitische Ziele: 1976 der Boykott der afrikanischen Staaten, 1980 der Boykott vieler westlicher Länder und 1984 der Boykott vieler Länder des real existierenden Sozialismus.

Ihnen persönlich wurde 1984 die Chance verwehrt, als erster Läufer der Welt 1984 zum dritten Mal Marathon-Olympiasieger zu werden, obwohl sie ein Jahr zuvor – bei den ersten WM 1983 Bronze gewannen – und auch 1984 „super drauf“ waren.

Wie bewerten Sie die im Rückblick die politisch motivierten Nicht-Teilnahmen 1976, 1980 und 1984 vieler Länder ? Was ging 1984 in Ihnen vor, als feststand, dass die DDR auch nicht in Los Angeles starten wird ?

Waldemar Cierpinski: Die Politik hatte sowohl 1976, 1980 als auch 1984 den Sport für ihre Zwecke missbraucht. Die Athletinnen und Athleten bereiten sich ja letztendlich vier Jahre hart und intensiv auf den Höhepunkt einer jeden sportlichen Laufbahn vor, insofern bedeutete jeder Boykott eine Ohrfeige für den friedlichen Wettstreit bei Olympia. Jeder Boykott bedeutete auch, dass Schatten über den jeweiligen Olympischen Spielen lagen.

Das war 1976 so, 1980 als auch 1984. Natürlich ist man nachdenklich, leidet mit den Sportler mit, die nicht teilnehmen durften und als Betroffener, wie ich 1984, ist man natürlich besonders traurig. Letztendlich ist es aber so, dass man sich am Ende doch auf seinen Wettkampf konzentriert. Das war bei mir gerade 1980 in Moskau so.

Mit dem Niederländer Gerard Nijboer war ja auch der Weltjahresbeste 1980 in 2:09:05 mit am Start und es waren jede Menge klasse Läufer in Moskau.

Durch den Boykott wurden ja die Leistungsanstrengungen nicht geschmälert. Sicherlich kann man im Rückblick sagen, wenn derjenige auch dabei gewesen wäre, hätte der Lauf einen anderen Verlauf genommen, aber deshalb auch im Endergebnis ?! Ähnliches läßt sich ja zum olympischen Marathonlauf der Herren 1984 sagen, den der Portugiese Carlos Lopes gewann. Ich hatte mich damals ja auch in 2:12 für den Olympia-Lauf qualifiziert, war ein Jahr zuvor 1983 in Helsinki Dritter geworden, obwohl ich mich dort zurück hielt.

Ich wollte nicht als Favorit nach L.A. reisen. Im Rückblick sage ich mir schon – angesichts des knappen Rückstandes bei der WM-Entscheidung 1983 (34 Sekunden hinter dem australischen Weltmeister Robert de Castella und 10 Sekunden hinter Kebede Balcha aus Äthiopien. – Anm.) – hier hätte ich mehr tun sollen, ja müssen. Aber der Boykott ein Jahr später war nicht absehbar und letzten Endes kann man im Leben nicht alles beeinflussen. So wie es war, war es schon optimal. Ich bin ungemein glücklich, dass es mir gelang, meinem Vorbild Abebe Bikila nachzueifern und den olympischen Marathonlauf zweimal hintereinander zu gewinnen.

Frage: Sie sind ausgebildeter Diplom-Sportlehrer, waren als Trainer tätig und sind nun Inhaber eines Sportausstattergeschäftes, waren und sind dem Sport auch nach Ihrer Marathon-Karriere verbunden. Wie bewerten Sie das Niveau der deutschen Leichtathletik ? Was könnte, was müsste bei der Talente-Sichtung noch optimiert werden …

Waldemar Cierpinski: Der Deutsche Leichtathletik-Verband hat eine gute, aber auch eine schlechte Flanke. Hervorragend sind die Werferinnen und Werfer, die stets für gute Erfolge sorgen. Für die Läuferinnen und Läufer wird hingegen noch viel zu wenig getan. Es müsste eine Talente-Förderung über den Deutschen Leichtathletik-Verband und den Deutschen Olympischen Sport-Bund übergreifend erfolgen.

Es sind ja genügend Talente vorhanden, nur werden diese nicht wirklich aufgefangen. Es werden ihnen nach dem Schulabschluss nicht wirkliche berufliche wie finanzielle Perspektiven eröffnet. Die meisten von ihnen müssen nebenbei jobben, um das Geld für Miete oder weitere Lebenshaltungskosten aufzubringen. Darunter leidet das notwendige, intensive Training, ohne dass kein Aufstieg in die Weltspitze möglich ist. Sicherlich die Sporthilfe ist unterstützend tätig, aber bereits vorher muß einiges geschehen, um die jungen Talente entsprechend zu fördern. Hier bleibt noch viel zu tun.

Frage: Sind Sie eigentlich öfter in Mecklenburg-Vorpommern ?

Waldemar Cierpinski: In der Vergangenheit war ich schon häufiger in Meck-Pomm. Ich war immer sehr gern an der Ostsee, insbesondere auf Hiddensee. Mecklenburg-Vorpommern hat eine so herrlich beruhigende und schöne Landschaft – ideal für einen Läufer. Übrigens: Mein erstes Trainingslager als Jugendlicher hatte ich in Parchim. Ansonsten – wenn es meine Zeit erlaubt – werde ich gern wieder einmal nach M-V reisen.

Vielen Dank, weiterhin maximale Erfolge und alles erdenklich Gute!

Marko Michels

Fotos (Michels): Anno 2017 steppte sportlich ein anderer Bär – der Bummi-Bär bei den traditionellen Bummi-Olympiaden für die Kinder in Wismar und in ganz Nordwestmecklenburg.