Als in Moskau der Mischa-BĂ€r steppte

Olympische Zeitreise ins Jahr 1980 auch aus M-V-Sicht

Zurzeit ist sportlich betrachtet eine Menge los, unter anderem finden gegenwÀrtig, seit dem 12.Juni und noch bis zum 18.Juni, die Europameisterschaften im Wasserspringen in Kiew und ebenfalls seit dem 12.Juni (bis 17.Juni) die Fecht-EM in Tiflis statt.

Des Weiteren werden beispielsweise der America`s Cup im Regatta-Segeln vor Hamilton, die Weltmeisterschaften im Taekwondo in Muju vom 22.Juni bis 30.Juni, die Team-EM in der Leichtathletik in Lille vom 24.Juni bis 25.Juni, die ICC Champions Trophy imCricket in Großbritannien (bis 19.Juni) bzw. der Weltcup der Frauen im Kricket in Großbritannien vom 26.Juni bis 30.Juni ausgetragen.

Vom 17.Juni bis 2.Juli steht aber der vermeintliche „König Fußball“ wieder im Vordergrund. Dann wird nĂ€mlich in Sankt Petersburg, in Kasan, in Moskau und in Sotschi der Konföderationen-Pokal im Herren-Fußball 2017 mit den Mannschaften aus Portugal, Mexiko, Neuseeland, Russland, Kamerun, Chile, Deutschland und Australien.

Das Finale des Konföderationen-Pokals wird dann am 2.Juli angepfiffen – im Olympiastadion in Sotschi, dem Austragungsort der „sommerlichen“ Winterspiele 2014….

Vor 37 Jahren waren jedoch die Olympischen Sommerspiele 1980 in Moskau das sportliche Haupt-Thema allerorten…

Die Olympischen Spiele 1980 in Moskau – „eine sportive Zeitreise“

In der Rostocker Traditionssportart, dem Wasserspringen, ging es damals sehr spannend zu, wobei sich die damalige UdSSR (2 x Gold, 2 x Silber, 2 x Bronze) und die damalige DDR (2 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze) nicht nur dort einen spannenden sportiven Zweikampf lieferten. Nur zwei Medaillen – 1 x Silber an Mexiko und 1 x Bronze an Italien – gingen an andere LĂ€nder.

Im Kunstspringen der Damen siegte die Irina Kalinina (UdSSR/Russische SFSR) vor Marina Proeber (SC Empor Rostock) und Karin Guthke (Berliner TSC). Martina JĂ€schke (SC Chemie Halle) setzte sich bei den Turmspringerinnen vor Sirvard Emirzyan (UdSSR/Armenische SSR), Liana Tsotadze (UdSSR/Georgische SSR) und Ramona Wenzel (SC Empor Rostock) durch.

Ramona Wenzel mit Silber

Die gebĂŒrtige Stralsunderin Ramona Wenzel ist dabei ĂŒbrigens eine von insgesamt 13 Olympia-Teilnehmerinnen bzw. -Teilnehmer, die ihre „Wiege“ am Sund hatten. Sechs davon wurden in den 1960ern geboren, so die Gewichtheber Andreas Behm (1992, 1996 bei Sommer-Olympia), Udo Guse (1992 bei Sommer-Olympia), der Bobfahrer Carsten Embach (1994, 2002 bei Winter-Olympia), die Handball-Spielerin Silke Fittinger (1992 bei Sommer-Olympia), die Leichtathletin Silke Möller (1988 bei Sommer-Olympia) und eben Ramona Wenzel, die Wasserspringerin und Olympia-Vierte 1980 vom Drei-Meter-Brett.

Bei den Herren wurde im Kunstspringen der gebĂŒrtige Aserbaidschaner Alexander Portnow, der fĂŒr die UdSSR und seine Heimat-Vereine Dynamo bzw. Spartak Minsk (Weissrussland) startete, die Nummer eins vor Carlos Giron (Mexiko), Franco Giorgio Cagnotto (Italien) und Falk Hoffmann (SC Chemie Halle). Dieter Waskow (SC Empor Rostock) wurde hier Zehnter.

Gold fĂŒr Falk Hoffmann

Und fĂŒr großen Jubel im Wassersprung-Team der DDR sorgte dann auch Falk Hoffmann (Halle/Saale) im Turmspringen, der  vor Vladimir Aleynik (UdSSR/Weissrussische SSR), David Ambartsumyan (UdSSR/Armenische SSR), Carlos Giron (Mexiko) und den beiden Rostockern Dieter Waskow und Thomas Knuths triumphierte. Bis 2016 war Falk Hoffmann, Jahrgang 1952, Nachwuchs-Trainer beim WSC Rostock.

In der LĂ€nderwertung der olympischen Wassersprung-Wettbewerbe (PlĂ€tze 1-8) 1980 belegte die UdSSR mit 41,25 Punkten Rang eins vor der DDR mit 34 Punkten, Mexiko mit 9 Punkten, Italien mit 4 Punkten, Australien mit 1,75 Punkten, Großbritannien mit 1 Punkt sowie Österreich, Spanien, Kuba und Ungarn mit 0,25 Punkten.

USA-Springerinnen und -Springer leider nicht dabei

Leider fehlten bei den Spielen 1980 insbesondere die starken Springerinnen und Springer aus den USA, Kanada und China. Bei den WM 1978 im Westteil Berlins, also zwei Jahre vor den Spielen in Moskau, waren noch die USA die erfolgreichste Wassersprung-Nation mit 2 x Gold, 1 x Silber, 2 x Bronze. Philipp Boggs gewann das Kunstspringen und Greg Louganis das Turmspringen – jeweils vor Falf Hoffmann. FĂŒr Cynthia Potter sowie Jennifer Chandler gab es im Kunstspringen hinter Irina Kalinina (UdSSR) Silber bzw. Bronze. Im Turnspringen war in Berlin 1978 ebenfalls im Turmspringen vor Martina JĂ€schke (DDR) und Melissa Briley (USA) vorn.

Aber letztendlich schmĂ€lert der Boykott des Westblocks 1980 nicht die Leistungen der teilnehmenden Athletinnen und Athleten in Moskau – im Wasserspringen und anderswo. Ebenso wenig wie der Boykott des Ostblocks 1984 die Leistungen der startenden Sportlerinnen und Sportler in Los Angeles relativierte.

Exkurs: Die Olympischen Spielen 1980 in Moskau – ein ResĂŒmee und ein Abriss aus M-V-Sicht

Die XXII.Olympischen Spiele 1980 (19.7.1980-3.8.1980) wurden vom Boykott vieler westlicher LĂ€nder dennoch ĂŒberschattet. Nachdem die Sowjetunion im Dezember 1979 Afghanistan besetzte, beschloss US-PrĂ€sident Jimmy Carter einen Boykott der Spiele, dem sich einige Alliierte und VerbĂŒndete, darunter Japan, die Bundesrepublik, Kanada, Kenia, aber auch die Volksrepublik China, anschlossen.

Leider auch Boykott-Spiele…

Damit setzte sich die Reihe unsinniger politisch motivierter Boykott-Maßnahmen gegen Olympia fort: Bereits 1976 gab es einen Boykott afrikanischer Staaten; 1984 nahmen einige Ostblock-Staaten, darunter die UdSSR, die DDR oder Kuba, nicht an den Spielen in Los Angeles teil.

Dennoch: Die Olympischen Spiele in Moskau vom 19.Juli bis 3.August sorgten fĂŒr hochklassigen Sport und unvergessene Momente auch aus M-V- Sicht.

Mehr als 5200 Athletinnen und Athleten aus 81 LĂ€ndern nahmen in Moskau teil. Auf dem Programm standen 203 Wettbewerbe in 23 Sportarten. 5,5 Millionen Zuschauer verfolgten die Wettbewerbe, die Segel-Regatten fanden vor Tallinn statt, live. Rund 2 Millionen besuchten die Fußballspiele in Moskau, Minsk, Leningrad und Kiew.

Am Ende lag das Team der UdSSR mit 80 x Gold klar vor der DDR mit 47 x Gold, Bulgarien, Kuba sowie Italien mit je 8 x Gold, Ungarn mit 7 x Gold, RumĂ€nien bzw. Frankreich mit je 6 x Gold, Großbritannien mit 5 x Gold und Polen mit 3 x Gold. Insgesamt kamen 36 LĂ€nder zu Medaillen-Ehren.

Übrigens: BerĂŒcksichtigt man ausschließlich die Einzel-WettkĂ€mpfe und die Herkunft der verschiedenen Starterinnen und Starter aus den einzelnen Sowjetrepubliken, so war die Russische Föderative Sowjetrepublik genau so erfolgreich wie die DDR. Die anderen Olympiasiege der UdSSR verteilen sich u.a. auf die damaligen Sowjetrepubliken Ukraine, Weißrussland, Georgien, Kasachstan, Kirgisien oder die baltischen Republiken.

Erfolge auch fĂŒr Sportler aus Rostock, Schwerin, Wismar, Greifswald und Neubrandenburg

Im Schwimmen konnte Andrea Pollack Gold ĂŒber 4 x 100 Meter-Lagen und Silber ĂŒber 100 Meter-Butterfly erobern. Im Boxen erkĂ€mpfte Richard Nowakowski im Leichtgewicht Bronze. Im olympischen Volleyball-Turnier der Frauen sorgte die DDR-Auswahl mit Siegen ĂŒber Peru und Kuba fĂŒr Überraschungen und erreichte das Finale gegen die UdSSR, das nach großem Kampf zwar mit 1:3 verloren wurde, aber bis zum heutigen Tag die einzige deutsche Olympia-Medaille im Frauen-Volleyballsport bedeutet.

In der DDR-Auswahl standen mit Karla Roffeis, Anke Westendorf, Martina Schmidt und Andrea Heim auch vier Spielerinnen des damaligen SC Traktor Schwerin sowie mit Heike Lehmann eine gebĂŒrtige Neustrelitzerin. Gerd Wessig (SC Traktor) gewann außerdem den Hochsprung mit Weltrekord – 2,36 Meter. Doch nicht nur Schwerinerinnen und Schweriner sorgten fĂŒr Höhepunkte in Moskau:

Im Zehnkampf avancierte der Brite Daley Thompson zum „König der Athleten“. Die gebĂŒrtige Wismarerin Marita Koch gewann die 400 Meter. Die mĂ€nnlichen Sprint-Distanzen wurden eine Angelegenheit des Italieners Pietro Mennea und des Schotten Allan Wells. Weltrekordler Mennea wurde Erster ĂŒber 200 Meter, Wells kam zu Gold ĂŒber 100 Meter.

Spannende Duelle

HauchdĂŒnn siegte Ljudmilla Kondratjewa aus der UdSSR ĂŒber 100 Meter in 11,06 Sekunden vor Marlies Göhr in 11,07 Sekunden. BĂ€rbel Wöckel sprintete ĂŒber 200 Meter auf Rang eins. Miruts Yifter aus Äthiopien trat in Moskau die Nachfolge des Finnen Lasse Viren an und belegte sowohl ĂŒber die 5000 Meter als auch ĂŒber die 10000 Meter Platz eins. Sebastian Coe und Steve Ovett lieferten sich auf den Mittelstrecken einen „Showdown“: Coe siegte ĂŒber 1500 Meter, Ovett ĂŒber 800 Meter. Den Hochsprung gewann „Bella Italia“, Sara Simeoni. Im Dreisprung verhinderte der Este Jaak UudmĂ€e den vierten Olympiasieg des Georgiers Viktor Sanejew in Folge. Marita Koch vom SC Empor Rostock lief ĂŒber 400 Meter allen davon, auch Dauer-Konkurrentin Jarmila Kratochvilova (CSSR), und wurde zudem mit der 4 x 400 Meter-Staffel der DDR Zweite (hinter der UdSSR).

Teofilo Stevenson mit drittem Box-Gold

Indien sicherte sich den achten Olympiasieg im Feldhockey; Simbabwe triumphierte bei der Olympia-Premiere des Frauen-Feldhockeys. Im Herren-Turnen und im Ringen war die Sowjetunion eine Macht, im Rudern die DDR. Die Kubaner stellten die beste Boxstaffel, wobei Teofilo Stevenson sein drittes Gold erkĂ€mpfte. Neben Richard Nowakowski (Bronze/Leichtgewicht) nahm fĂŒr den SC Traktor Schwerin auch Dietmar Schwarz, der in Warin geboren wurde, am olympischen Box-Turnier 1980 teil.

Nadia Comaneci wieder klasse

Die beste Turnerin 1980 war erneut die RumÀnin Nadia Comaneci, die nach dreimal Gold und je einmal Silber sowie Bronze in Montreal 1976, zweimal Gold bzw. zweimal Silber in Moskau 1980 gewann. Turnsportliche Mehrkampf-Olympiasiegerin wurde 1980 jedoch Jelena Dawydowa (UdSSR). DDR-Turnerin Maxi Gnauck (SC Dynamo Berlin) schaffte hingegen Gold am Stufenbarren, dazu noch eine Silber- und zwei Bronze-Medaillen.

DDR im Schwimmbecken bei den Frauen klar vorn

Im Schwimmbecken sorgten die DDR-Schwimmerinnen, um die bereits erwĂ€hnte gebĂŒrtige Schwerinerin Andrea Pollack und die fĂŒr Rostock startende Caren Metschuck (3 x Gold, 1 x Silber), die ihre Wiege in Greifswald hatte, fĂŒr Rekorde bzw. Gold – und Michelle Ford fĂŒr einen australischen Triumph ĂŒber 800 Meter-Freistil. Wladimir Salnikow schaffte ĂŒber 1500 Meter-Freistil glĂ€nzende 14:58,27 Minuten. Der gebĂŒrtige Rostocker Nils PfĂŒtze errang mit der 4 x 200 Meter Freistil-Staffel der DDR die Silbermedaille, hinter der UdSSR und vor Brasilien, Schweden und Italien. Und die gebĂŒrtige Rostockerin Sarina HĂŒlsenbeck schaffte mit der 4 x 100 Meter-Freistil-Staffel und auch mit der 4 x 100 Meter Lagen-Staffel (Einsatz im Vorlauf) der DDR sogar jeweils Gold.

Gold fĂŒr reitsportliche Amazone

Eine Amazone mit einem Pferd gewann nicht nur Gold, sondern die Sympathien der Sportfans auf aller Welt. Die Dressur-Europameisterin 1979 Elisabeth Theurer aus Österreich nahm trotz des Boykotts des eigenen Fachsportverbandes an den olympischen Reiterspielen 1980 teil, wurde in der eigenen Heimat angefeindet (spĂ€ter aber „rehabilitiert“) und gewann auf „Mon Cherie“.

Juri Kowschow, der Zweitplatzierte, zollte der Österreicherin Respekt und ĂŒberreichte ihr bei der Siegerehrung eine rote Rose. Den Team-Wettbewerb in der Dressur entschied die UdSSR, bereits 1972 in MĂŒnchen Olympiasieger fĂŒr sich (wie auch die Team-Entscheidungen in der Military und im Springreiten). Die anderen Einzel-Wettbewerbe im Reitsport waren „eine Angelegenheit“ fĂŒr Italien (Gold fĂŒr Federico Roman in der Military) und fĂŒr Polen (Gold fĂŒr Jan Kowalczyk im Springreiten).

Radsport-Erfolg fĂŒr die Eidgenossen

Auch die Schweiz konnte in Moskau jubeln: Rad-Ass Robert Dill-Bundi siegte in der 4000 Meter-Einzelverfolgung vor Alain Bondue (Frankreich), Hans-Henrik Oersted (DĂ€nemark) sowie Harald Wolf (DDR) und bedankte sich bei der Bahn mit einem Kuss. Im radsportlichen Medaillenspiegel`80 war auch die SU mit 3 x Gold, 1 x Silber, 2 x Bronze vor der DDR mit 2 x Gold, 2 x Silber am besten. Die Olympiasiege fĂŒr die DDR-„ZweirĂ€der“ gingen dabei an Lothar Thoms (1000 Meter-Zeitfahren) und Lutz Heßlich (Sprint). Der Russe Sergej Suchorutschenkow erkĂ€mpfte hingegen Gold im Straßen-Einzel.

Zwischen Segeln, Schwimmbecken und Fechten

Mal nicht im Fußball, dafĂŒr jedoch im Segeln, waren die Brasilianer am erfolgreichsten. Bei den olympischen Regatten 1980 vor Tallinn holten sie zweimal Gold. In der 470er Klasse belegten aus M-V-Blickwinkel die Rostocker Jörn Borowski/Egbert Swensson den zweiten Platz. Wolfgang Haase/Wolfgang Wenzel (SC Empor Rostock) gelang dazu der vierte Rang bei den Flying Dutchman. Der gebĂŒrtige Rostocker Dieter Below erreichte in der Soling-Klasse ebenfalls den vierten Platz.

Im Modernen FĂŒnfkampf wurde der Russe Anatoli Starostin zweifacher Olympiasieger. Im Mannschaftswettbewerb kamen die traditionell starken Ungarn und Schweden zu Silber und Bronze. Eine Litauerin durchbrach wie die Australierin Michelle Ford ĂŒber die 800 Meter-Freistil die DDR-Siegerinnen-Serie im Schwimmen. Lina Kaciusyte triumphierte indes ĂŒber 200 Meter-Brust.

Im Fechten machten die Französinnen und Franzosen mit 4 x Gold den „vier Musketieren“ alle Ehre. Der gebĂŒrtige Rostocker Gerd May erreichte bei den spannenden Moskauer Fecht-Entscheidungen im Team-Wettbewerb bei den SĂ€bel-Fechtern mit der DDR-Auswahl Rang sechs.

Der Florett-Fechter Hartmuth Behrens, in Dömitz-RĂŒterberg geboren, schaffte im Florett-Fechten bei den Spielen 1980 in Moskau auch gute Platzierungen, so Rang vier mit der DDR-Mannschaft und Rang neun im Einzel.

Im Judo war Frankreich – zusammen mit der UdSSR (je 2 x Gold) – ebenfalls die dominierende Nation.

Im Bogenschießen und Sportschießen wurden jeweils die Starterinnen und Starter aus der UdSSR reichlich mit Gold und Medaillen belohnt. FĂŒr die DDR gab es im Sportschießen 5 x Silber, 1 x Bronze. Uwe Potteck aus Wittenberge (das bis 1990 zum Bezirk Schwerin gehörte) wurde nach seinem Olympiasieg 1976 mit der Freien Pistole nun, 1980, Sechzehnter.

Ruder-Erfolge fĂŒr M-V

Auch im Rudern gab es viel Edelmetall zu vergeben… Pertti Karppinen aus Finnland siegte wie schon 1976 im Ruder-Einer – 1984 sollte es das dritte Gold geben. Im Rudern erkĂ€mpften ebenfalls der gebĂŒrtige Greifswalder Joachim Dreifke (ASK VorwĂ€rts Rostock, heute Trainer bei der Schweriner Rudergesellschaft von 1874/1875) mit Klaus Kröppelien (gebĂŒrtiger Rostocker/ASK VorwĂ€rts Rostock) Gold im Doppelzweier.

Ulrich Kons (gebĂŒrtiger Greifswalder/ASK VorwĂ€rts Rostock) sowie Ulrich Karnatz (gebĂŒrtiger Rostocker/ASK VorwĂ€rts Rostock) gelang „das Gleiche“ im DDR-Herren-Achter. Das dritte Ruder-Gold nach 1972 (Zweier ohne) und 1976 (Vierer ohne) erkĂ€mpfte der gebĂŒrtige Rostocker Siegfried Brietzke erneut, wie schon in Montreal, im Vierer ohne. Olympia-Silber konnten im Ruder-Boot zudem auch Cornelia Linse, die gebĂŒrtige Greifswalderin, und Heidi Westphal, die in Gnoien geboren wurde, im Doppelzweier der Frauen erringen.

Und ĂŒber Ruder-Gold freute sich nicht zuletzt Ramona Kapheim aus der vorpommerscher Stadt Strasburg, die im Vierer mit der DDR erfolgreich war.

Von der Turn-Matte zum Handball-Parkett

Im Turnen gab es ebenfalls Edelmetall „fĂŒr M-V“, denn die Eltern von Lutz Hoffmann (SC Dynamo Berlin), der im Mannschafts-Mehrkampf der Herren Silber mit der DDR-Riege erkĂ€mpfte, stammten aus Neustrelitz. Sein Bruder, Ulf, der sogar direkt in Neustrelitz geboren wurde, wurde acht Jahre spĂ€ter – in Seoul 1988 – Zweiter im Team-Mehrkampf mit der DDR.

Im Gewichtheben gingen alle Medaillen an die LĂ€nder des „Ostblocks“. JĂŒrgen Heuser, der gebĂŒrtige Barther und Mitglied der BSG Motor Stralsund, schaffte dabei Silber im Superschwergewicht. Harald Heinke, der spĂ€terer Schweriner Berufsschullehrer, belegte hingegen im Halbmittelgewicht der olympischen Judo-Wettbewerbe einen hervorragenden dritten Platz. Im Ringen (Freistil) nahmen aus M-V-Sicht der Rostocker Reinhold („Otto“) SteingrĂ€ber im Weltergewicht, Armin Weier aus Vorbein bei Loitz im Mittelgewicht und Roland Gehrke aus Woldegk im Superschwergewicht (Platz vier) teil.

(Hand-)Ballsportliche Akzente

Im Herren-Basketball-Finale trafen  Jugoslawien und Italien aufeinander, wobei Jugoslawien gewann. Dramatik pur gab es im Finale des Handballspieles zwischen der DDR, mit den Rostockern Frank-Michael Wahl und Hans-Georg Jaunich, und der Sowjetunion. Mit 23:22 nach VerlÀngerung siegten die Ostdeutschen. Die Olympia-Teilnahme des Weltklasse-Spielers Wolfgang Böhme vom SC Empor Rostock verhinderten DDR-Apparatschiki und Stasi. Im Handball-Wettbewerb bei den Frauen belegte die DDR-Auswahl immerhin Platz drei, wobei auch die Rostockerin Sabine Röther im Aufgebot spielte.

Vom Kanu zum Fußball

Im Kanu-Rennsport beherrschten die UdSSR und die DDR – nicht zuletzt dank der Athleten des SC Neubrandenburg RĂŒdiger Helm (2 x Gold, 1 x Bronze) und Bernd Olbricht (1 x Gold, 1 x Bronze) – die Szenerie. Im Kanu-Rennsport war zudem die gebĂŒrtige Wismarerin Roswitha Eberl, verheiratete Krugmann, Ersatz-Starterin. Kanusportliche Anmerkung am Rande: In Moskau erkĂ€mpfte Birgit Fischer aus Brandenburg die erste (Kajak-Einer ĂŒber die 500 Meter) ihrer acht olympischen Goldmedaillen im Kanu-Rennsport. Sie nahm dabei an den Spielen 1980, 1988, 1992, 1996, 2000 und 2004 teil…

Das Endspiel im Fußball konnte die Tschechoslowakei mit 1:0 gegen die DDR fĂŒr sich entscheiden. Im DDR-Team stand auch der gebĂŒrtige Schweriner Wolf-RĂŒdiger Netz und die gebĂŒrtigen Rostocker Norbert Trieloff bzw. Bernd Jakubowski.

Leichtathletischer Erfolgslauf und Leichtathletik-Highlights aus M-V-Sicht

Aber fĂŒr ganz besonders unvergessene Momente sorgte Waldemar Cierpinski (SC Chemie Halle), dem es als zweitem LĂ€ufer der Welt gelang – nach Abebe Bikila 1960/64 – den Marathonlauf bei Olympia zweimal zu gewinnen. Bereits 1976 in Montreal war Waldemar Cierpinski die Nr.1 ĂŒber die 42,195 Kilometer. Der Mann mit dem langen Atem lief sich damit ebenfalls in die Sportgeschichte.

Medaillen fĂŒr Leichtathletinnen und Leichtathleten mit „MV-Wurzeln“ gab es vor 35 Jahren, neben LĂ€uferin Marita Koch und Hochspringer Gerd Wessig, auch fĂŒr Frank Paschek, in Bad Doberan geboren, mit Silber im Weitsprung, die ehemalige LĂ€uferin des SC Neubrandenburg Christiane Wartenberg ebenfalls mit Silber ĂŒber die 1500 Meter und die Kugelstoßerin Ilona Slupianek, die in Demmin ihre Wiege hatte, mit Gold.

Olympische Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit „MV-Bindungen“ in der Leichtathletik 1980 waren auch Helga Radtke (SC Empor Rostock/Weitsprung), die leider als Ersatz-Starterin ohne Einsatz blieb, und Siegfried Stark (SC Traktor Schwerin/Zehnkampf), der nach Platz sechs bei den Spielen 1976 sowie EM-Bronze 1978 dann in Moskau 1980 leider verletzungsbedingt nach dem Weitsprung aufgeben mußte, sowie der LangstreckenlĂ€ufer Hansjörg Kunze (SC Empor Rostock).

Ja, auch Hansjörg Kunze, der heutige „Vice President Communication & Sustainability“ bei AIDA Cruises, war schon 1980 in Moskau dabei… In der russischen Hauptstadt schied er zwar schon im Halbfinale des 5000 Meter-Laufes aus (Sieger des Finales Miruts Yifter/Äthiopien vor Sulaiman Nyambui/Tansania), wurde aber acht Jahre danach, bei den Spielen 1988 in Seoul, Dritter ĂŒber die gleiche Distanz. Die zweifache Speerwurf-Olympiasiegerin 1972/1976 und in den 1960ern Absolventin der Kinder- und Jugendsportschule in GĂŒstrow, Ruth Fuchs, war in Moskau 1980 auch noch dabei und wurde Achte (Speerwurf-Olympiasiegerin 1980: Maria Caridad Colon/Kuba).

Gerd Wessig und Marita Koch zu ihren Olympiasiegen 1980

Und wie erlebten Gerd Wessig, der gebĂŒrtige LĂŒbzer, Jahrgang 1959 und Hochspringer vom SC Traktor Schwerin, sowie Marita Koch, die gebĂŒrtige Wismarerin, Jahrgang 1957 und 400 Meter-LĂ€uferin, ihren olympischen Erfolg 1980?!

Dazu Gerd Wessig: „… Die ersten Gratulanten, noch im Stadion, waren die Teamkollegen Henry Lauterbach, der Rang vier belegte, und Jörg Freimuth, der auf Rang drei kam. Auch der Schweizer Roland DahlhĂ€user, der FĂŒnfter wurde, beglĂŒckwĂŒnschte mich unmittelbar nach dem Erfolg. Nur Jacek Wszola (1976 Hochsprung-Olympiasieger und 1980 Olympia-Zweiter) ließ sich etwas mehr Zeit: Er war der Letzte, der mir gratulierte. Aber mittlerweile sind wir gute Kumpel! Bei ihm ging es wohl schon damals um viel Geld, bei mir „nur“ um `Volk und Vaterland`. Allerdings gab es damals noch eine grĂ¶ĂŸere Identifikation mit dem Team, mit dem Erfolg als es heute oftmals ĂŒblich ist.

Zum olympischen Wettkampf 1980: Ich hatte mich StĂŒck fĂŒr StĂŒck in den Wettkampf herein getastet, wollte unter die besten Sechs. Das war auch die offizielle Zielvorgabe und diesen leistungsmĂ€ĂŸigen Druck hatte man dann auch schon. Das Ziel stand, wer darunter blieb, hatte versagt. Irgendwelche AusflĂŒchte wurden nicht akzeptiert, nach der Devise in etwa, dass die Zuschauer so laut, die Stimmung nicht gut und die Bedingung nicht optimal seien, waren verpönt. Wer die Ziele nicht erreichte, musste sich auch wieder hinten anstellen. Auch große Namen galten nichts. Das mußten seinerzeit Rosemarie Ackermann (Hochsprung), Wolfgang Schmidt (Diskuswerfen) oder Udo Beyer (Kugelstoßen) erfahren.

Aber ich blieb in der Zielvorgabe. Als feststand, dass ich sicher auf Rang sechs lag, war ich erst einmal erleichtert. 2,24 Meter, die Konkurrenz war nicht weg und die Höhe war fĂŒr mich nur eine Durchgangsleistung, fĂŒr mich keine HĂŒrde. Und ich merkte Höhe um Höhe, eine Medaille könnte durchaus drin sein, zumal die Mannschaftskameraden Henry Lauterbach und Jörg Freimuth noch immer dabei waren.

Und ich dachte mir: Die hatten doch die ganze Saison gegen dich nichts zu bestellen gehabt und jetzt wollen sie dich schlagen?! Das geht schon einmal gar nicht… Dann war ich schon unter den besten Vier und auch Jörg Freimuth war auch noch dabei. Ich wusste nun, eine Medaille ist in Reichweite. Dann plötzlich, bei der Höhe von 2,33 Meter, als die anderen rissen, war ich nicht mehr Dritter, sondern Erster – und ich schaffte sogar noch die 2,36 Meter. In diesem Moment war ich wohl der glĂŒcklichste Mensch auf der Welt!“ (Aus einem Interview mit dem Autor im Februar 2009)

Und auch Marita Koch hat natĂŒrlich beste Erinnerungen an ihren Olympiasieg in Moskau: „Olympia ist etwas Einzigartiges, Unbeschreibliches. Jeder Sportler trĂ€umt von olympischem Gold, und fĂŒr die meisten Athleten ist eine olympische Teilnahme die ErfĂŒllung ihres sportlichen Lebens. Olympia findet zudem nur alle vier Jahre statt, daher ist es notwendig auf die Minute topfit zu sein. Nachdem mir verletzungsbedingt eine Olympiamedaille 1976 versagt blieb, wollte ich es in Moskau wissen, was mir gelang…

24 Stunden nach meinem Sieg in Moskau bekam ich ĂŒbrigens plötzlich hohes Fieber und es folgte eine Angina! Da wurde mir bewusst, wie zerbrechlich der Mensch ist, wie gĂŒnstige ZufĂ€lle einen Erfolg beeinflussen können und wie einmalig Olympia ist…“ (Aus einem Interview mit dem Autor 2007)

„Sonstiges“ zu 1980

Erfolgreichster Athlet der Spiele 1980 wurde der Turner Alexander Ditjatin mit 3 x Gold, 4 x Silber und 1 x Bronze. Die gebĂŒrtige Greifswalderin Caren Metschuck, die fĂŒr den SC Empor Rostock startete, war in Moskau die erfolgreichste Sportlerin mit 3 x Gold und 1 x Silber.

Die Vereine in Mecklenburg und Vorpommern hatten in Moskau 1980 33 Athletinnen und Athleten vor Ort. Der SC Empor Rostock stellte achtzehn Sportlerinnen/Sportler, der ASK VorwÀrts Rostock vier Sportler, der SC Neubrandenburg zwei Sportler, der SC Traktor Schwerin acht Sportlerinnen/Sportler und die BSG Motor Stralsund einen Sportler.

Der Westblock veranstaltete damals sportliche Alternativ-WettkĂ€mpfe, wie die „Liberty Bell Classic“ in der Leichtathletik in Philadelphia, Ă€hnlich wie vier Jahre spĂ€ter der Ostblock mit seinen „WettkĂ€mpfen der Freundschaft“. Nonsens blieben beide „Boykott-Maßnahmen“…

Insgesamt betrachtet gab es eine Menge sportlicher Highlights in Moskau 1980. Aber: Der politische und auch wirtschaftliche Missbrauch der Spiele setzte sich weiter fort und hĂ€lt bis heute, sogar intensiviert, an… Wie lange hat Olympia da ĂŒberhaupt noch eine Chance?!

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AuszĂŒge aus einem Interview von M.M. mit Waldemar Cierpinski, dem Olympiasieger 1976 und 1980 im Marathonlauf,  aus dem Jahr 2010

Waldemar Cierpinski ĂŒber seinen Weg zum Marathon, seine  Marathon-Erfolge, die Olympischen Spiele 1976 bzw. 1980, die Talente-Förderung in Deutschland und seine Verbundenheit zu M-V

„Der Erfolg von 1976 war der nachhaltigere…“

Frage: Herr Cierpinski, Montreal 1976 und Moskau 1980. Wenn Sie beide Marathon-Entscheidungen miteinander vergleichen, was waren die besonderen Momente wĂ€hrend dieser beiden LĂ€ufe fĂŒr Sie persönlich ?

Waldemar Cierpinski: Der Erfolg bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal, als ich völlig ĂŒberraschend gewann, war der nachhaltigere. ZunĂ€chst einmal gab es wĂ€hrend des Laufes die vielen kleinen Details, die besondere GlĂŒcksgefĂŒhle hervorriefen.

Da war der harte Kampf mit Frank Shorter, der natĂŒrlich viel Kraft kostete. Ich war ja damals als Außenseiter nach Montreal gefahren, war dann erst einmal froh gewesen, dass ich mich in der Spitzengruppe so gut halten konnte. Meine Motivation war ja, gut durchzukommen. Erst ab den 40.Kilometer war ich mir sicher, dass ich sogar gewinnen konnte – und es gelang.

In Moskau, vier Jahre spĂ€ter, startete ich hingegen als Mit-Favorit. Das war im Vergleich zu 1976 um so hĂ€rter. In Montreal gab es noch die jugendliche Freude, man ging unbekĂŒmmert in den Lauf. In Moskau gehörte man eben zu den ganz vorn erwarteten LĂ€ufern. Aber jeder olympische Erfolg war auf seine Weise ungemein schön.

Frage: Sie waren vor Ihrer Marathon-Karriere ein erfolgreicher Mittelstreckler bzw. HindernislĂ€ufer. Waren Ihnen diese Strecken zu kurz oder wollten Sie ganz einfach „etwas Neues“ ausprobieren und blieben „eher zufĂ€llig“ beim Marathonlaufen ?

Waldemar Cierpinski: Als Jugendlicher war ich bereits bester Deutscher ĂŒber die 7,5 Kilometer mit einer Zeit von 23:03. Und als Jugend-Kader A lief ich auch die 15 Kilometer in einer 48er Zeit, also somit der Schnellste. Ich hatte also beste Voraussetzungen fĂŒr die Langstrecken. Der Hindernislauf war praktisch ein „Umweg“ hin zum Marathon.

Auch hier war ich im jugendlichen Alter Bester ĂŒber die 2000 Meter-Hindernis. In der Folgezeit war die Situation in der DDR-Leichtathletik so, dass ein guter HindernislĂ€ufer fehlte. Ich wurde also Kader im Hindernislauf, hierfĂŒr erhielt ich meine Förderung. Erst ab 1974 ff. feierten die ambitionierten HindernislĂ€ufer Frank Baumgartl, der 1976 Bronze in Montreal gewann, und JĂŒrgen Straub ihren endgĂŒltigen Durchbruch zur internationalen Spitzenklasse im Hindernislauf. JĂŒrgen Straub wechselte dann allerdings auch auf die Mittelstrecken und konnte 1980 Silber in Moskau auf den 1500 Metern erkĂ€mpfen. FĂŒr mich war also der Weg zum Marathon frei. Meinen ersten Lauf ĂŒber die 42,195 Kilometer hatte ich dann 1974 in Kosice.

Mit meinen ersten Zeiten von 2:20 und 2:16 konnte ich sehr zufrieden sein. Zwar war ich dann bei meinen Europacup-EinsĂ€tzen in der Zwischenrunde 1975 im Vorderfeld, wurde jedoch beim Finale nicht eingesetzt. Von da an stand fĂŒr mich fest, dass meine Zukunft beim Marathonlauf liegt

Frage: Die Olympischen Spiele 1976 in Montreal waren aus deutsch-deutscher Sicht sehr erfolgreich. Das Team der DDR gewann 40 Goldmedaillen, die Bundesrepublik 10 – zusammen mehr Gold als die anderen Olympia-Mannschaften. Gab es – trotz des Kalten Krieges – bereits damals zumindest lose Kontakte zu den „Bundis“ ?

Waldemar Cierpinski: Es war schon so, dass offizielle Kontakte zu den westdeutschen Athletinnen und Athleten untersagt waren. Widersetzte man sich, gab es viel Ärger. Am besten fuhr man, wenn man GesprĂ€che mit den Athleten aus dem „Westen“ gleich zugab. Aber wurden GesprĂ€che gefĂŒhrt, das bringt ein sportlicher Wettkampf mit sich.

Die gab es auch mit GĂŒnter Mielke vom OSC Berlin, der im April 1976 beim Marathon in Karl-Marx-Stadt startete und nur ganz knapp hinter mir Zweiter wurde. Damals fanden im heutigen Chemnitz die Marathon-Qualifikation von sieben LĂ€ndern fĂŒr Montreal statt, darunter auch die Ausscheidung der Athleten aus der Bundesrepublik. In jenem Jahr hatte ich dann auch im Dezember einen Marathon-Start im japanischen Fukuoka, zu dem ich eingeladen war. Ein unvergessliches Erlebnis.

Frage: Die Olympischen Spiele 1976 und 1980, wie dann auch jene von 1984, hatten ein riesiges Manko. Alle drei Spiele waren boykott-geschĂ€digt. Politiker aus Ost und West missbrauchten die olympische Idee fĂŒr machtpolitische Ziele: 1976 der Boykott der afrikanischen Staaten, 1980 der Boykott vieler westlicher LĂ€nder und 1984 der Boykott vieler LĂ€nder des real existierenden Sozialismus.

Ihnen persönlich wurde 1984 die Chance verwehrt, als erster LĂ€ufer der Welt 1984 zum dritten Mal Marathon-Olympiasieger zu werden, obwohl sie ein Jahr zuvor – bei den ersten WM 1983 Bronze gewannen – und auch 1984 „super drauf“ waren.

Wie bewerten Sie die im RĂŒckblick die politisch motivierten Nicht-Teilnahmen 1976, 1980 und 1984 vieler LĂ€nder ? Was ging 1984 in Ihnen vor, als feststand, dass die DDR auch nicht in Los Angeles starten wird ?

Waldemar Cierpinski: Die Politik hatte sowohl 1976, 1980 als auch 1984 den Sport fĂŒr ihre Zwecke missbraucht. Die Athletinnen und Athleten bereiten sich ja letztendlich vier Jahre hart und intensiv auf den Höhepunkt einer jeden sportlichen Laufbahn vor, insofern bedeutete jeder Boykott eine Ohrfeige fĂŒr den friedlichen Wettstreit bei Olympia. Jeder Boykott bedeutete auch, dass Schatten ĂŒber den jeweiligen Olympischen Spielen lagen.

Das war 1976 so, 1980 als auch 1984. NatĂŒrlich ist man nachdenklich, leidet mit den Sportler mit, die nicht teilnehmen durften und als Betroffener, wie ich 1984, ist man natĂŒrlich besonders traurig. Letztendlich ist es aber so, dass man sich am Ende doch auf seinen Wettkampf konzentriert. Das war bei mir gerade 1980 in Moskau so.

Mit dem NiederlÀnder Gerard Nijboer war ja auch der Weltjahresbeste 1980 in 2:09:05 mit am Start und es waren jede Menge klasse LÀufer in Moskau.

Durch den Boykott wurden ja die Leistungsanstrengungen nicht geschmĂ€lert. Sicherlich kann man im RĂŒckblick sagen, wenn derjenige auch dabei gewesen wĂ€re, hĂ€tte der Lauf einen anderen Verlauf genommen, aber deshalb auch im Endergebnis ?! Ähnliches lĂ€ĂŸt sich ja zum olympischen Marathonlauf der Herren 1984 sagen, den der Portugiese Carlos Lopes gewann. Ich hatte mich damals ja auch in 2:12 fĂŒr den Olympia-Lauf qualifiziert, war ein Jahr zuvor 1983 in Helsinki Dritter geworden, obwohl ich mich dort zurĂŒck hielt.

Ich wollte nicht als Favorit nach L.A. reisen. Im RĂŒckblick sage ich mir schon – angesichts des knappen RĂŒckstandes bei der WM-Entscheidung 1983 (34 Sekunden hinter dem australischen Weltmeister Robert de Castella und 10 Sekunden hinter Kebede Balcha aus Äthiopien. – Anm.) – hier hĂ€tte ich mehr tun sollen, ja mĂŒssen. Aber der Boykott ein Jahr spĂ€ter war nicht absehbar und letzten Endes kann man im Leben nicht alles beeinflussen. So wie es war, war es schon optimal. Ich bin ungemein glĂŒcklich, dass es mir gelang, meinem Vorbild Abebe Bikila nachzueifern und den olympischen Marathonlauf zweimal hintereinander zu gewinnen.

Frage: Sie sind ausgebildeter Diplom-Sportlehrer, waren als Trainer tĂ€tig und sind nun Inhaber eines SportausstattergeschĂ€ftes, waren und sind dem Sport auch nach Ihrer Marathon-Karriere verbunden. Wie bewerten Sie das Niveau der deutschen Leichtathletik ? Was könnte, was mĂŒsste bei der Talente-Sichtung noch optimiert werden 


Waldemar Cierpinski: Der Deutsche Leichtathletik-Verband hat eine gute, aber auch eine schlechte Flanke. Hervorragend sind die Werferinnen und Werfer, die stets fĂŒr gute Erfolge sorgen. FĂŒr die LĂ€uferinnen und LĂ€ufer wird hingegen noch viel zu wenig getan. Es mĂŒsste eine Talente-Förderung ĂŒber den Deutschen Leichtathletik-Verband und den Deutschen Olympischen Sport-Bund ĂŒbergreifend erfolgen.

Es sind ja genĂŒgend Talente vorhanden, nur werden diese nicht wirklich aufgefangen. Es werden ihnen nach dem Schulabschluss nicht wirkliche berufliche wie finanzielle Perspektiven eröffnet. Die meisten von ihnen mĂŒssen nebenbei jobben, um das Geld fĂŒr Miete oder weitere Lebenshaltungskosten aufzubringen. Darunter leidet das notwendige, intensive Training, ohne dass kein Aufstieg in die Weltspitze möglich ist. Sicherlich die Sporthilfe ist unterstĂŒtzend tĂ€tig, aber bereits vorher muß einiges geschehen, um die jungen Talente entsprechend zu fördern. Hier bleibt noch viel zu tun.

Frage: Sind Sie eigentlich öfter in Mecklenburg-Vorpommern ?

Waldemar Cierpinski: In der Vergangenheit war ich schon hĂ€ufiger in Meck-Pomm. Ich war immer sehr gern an der Ostsee, insbesondere auf Hiddensee. Mecklenburg-Vorpommern hat eine so herrlich beruhigende und schöne Landschaft – ideal fĂŒr einen LĂ€ufer. Übrigens: Mein erstes Trainingslager als Jugendlicher hatte ich in Parchim. Ansonsten – wenn es meine Zeit erlaubt – werde ich gern wieder einmal nach M-V reisen.

Vielen Dank, weiterhin maximale Erfolge und alles erdenklich Gute!

Marko Michels

Fotos (Michels): Anno 2017 steppte sportlich ein anderer BĂ€r – der Bummi-BĂ€r bei den traditionellen Bummi-Olympiaden fĂŒr die Kinder in Wismar und in ganz Nordwestmecklenburg.

 

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