Fechten

Symbolfoto

Es geht auf Olympia zu. Für Deutschlands Fechter lief zuletzt nicht alles nach Plan. Um die Normen für Tokyo 2020 zu schaffen, brauchen sie jetzt gute Ergebnisse. Insbesondere bei den kommenden EM in Düsseldorf und den WM in Budapest. Neben den Wettkämpfen auf der internationalen Planche stehen aber auch Nationale Titelkämpfe auf dem Programm. So u.a. die Deutschen U 20-Meisterschaften im Florett-Fechten in Schwerin.

Im Gespräch mit dem einstigen Olympioniken Gerd May…

„Ambitionierte Fecht-Talente sind mittlerweile dünn gesät…“

Frage: Mit Blick auf EM und WM: Was erhoffen Sie sich von den deutschen Teilnehmern?

Gerd May: Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, auch wenn unsere Fechterinnen und Fechter bei den letzten globalen Gr0ßereignissen oft nicht überzeugten. Es wäre natürlich super, wenn die deutschen Akteure hervorragende Ergebnisse für die Erfüllung der Olympia-Normen schaffen könnten. Leider habe ich – vor dem Hintergrund der sportlichen Entwicklung in den letzten Jahren – so meine erheblichen Zweifel.

Frage: Bei den WM 2017 in Leipzig und 2018 in Wuxi dominierten die europäischen Fechter (19 von 24 Titel). Aber Asien ist auf dem Vormarsch… Was erwarten Sie von den kommenden Titelkämpfen?

Gerd May: Die „Großen Drei“, Italien, Frankreich und Russland, dürften auch bei den kommenden Herausforderungen, EM in Düsseldorf, WM in Budapest und nicht zuletzt Olympia in Tokyo, die Top-Nationen sein. Sie können in allen Fecht-Disziplinen, ob Degen, Florett oder Säbel, klasse Athletinnen und Athleten vorweisen. Etwas, was Deutschland heute nicht mehr bieten kann. Schon die olympischen Entscheidungen 2016 waren ja aus deutscher Sicht enttäuschend und die WM 2017 bzw. WM 2018 liefen kaum besser.

Mit Blickrichtung Tokyo 2020 rechne ich damit, dass Südkorea, Japan und China ebenfalls Top-Leute auf die Planche schicken werden. Die Amerikanerinnen und Amerikaner konnten in den letzten zwölf Jahren zudem bei Großereignissen stets positiv überraschen. Die Konkurrenz wird für die deutschen Fechterinnen und Fechter eben nicht kleiner.

Für mich persönlich sind die Wettkämpfe im Säbel-Fechten der Herren besonders interessant. Dort ist mittlerweile eine brutale Athletik erforderlich, was sowohl für uns „Oldies“ als auch die Zuschauer kaum nachvollziehbar ist.

Frage: Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Ihren Olympischen Spielen? Wie war das damals?

Gerd May: Im Fechten machten die Französinnen und Franzosen mit viermal Gold den „vier Musketieren“ alle Ehre. Die sowjetischen Gastgeber erkämpften immerhin dreimal Gold und die Schweden konnten – dank Johan Harmenberg mit dem Degen – einmal jubeln. Wir Säbelfechter aus der DDR erreichten bei den spannenden Moskauer Fecht-Entscheidungen im Team-Wettbewerb mit der DDR-Auswahl Rang sechs.

Gerd May (geb. 1953 in Rostock) war 1980 bei den Olympischen Spielen in Moskau Mitglied des DDR-Säbel-Teams, das letztendlich Platz sechs belegte. Der Wahl-Berliner ist heute noch als Trainer tätig.

Der Florett-Fechter Hartmuth Behrens, auch ein Mecklenburger und in Dömitz-Rüterberg geboren, schaffte im Florett-Fechten ebenfalls gute Platzierungen, so Rang vier mit der DDR-Mannschaft und Rang neun im Einzel.

Das ZSKA-Sportzentrum in Moskau, in dem die olympischen Fecht-Wettkämpfe 1980 ausgetragen wurden, war top-modern und genügte besten olympischen Ansprüchen. Das Zuschauer-Interesse war zudem rege. Natürlich kann man die Verhältnisse damals nicht mit den heutigen vergleichen. Aber die olympischen Erfahrungen von 1980 möchte ich nicht missen wollen.

Letzte Frage: Zum Fecht-Nachwuchs: Anfang April fand in Schwerin das Petermännchen-Turnier für die Jüngsten statt. Am 18./19. Mai folgt die Deutschen U 20-Meisterschaften im Florett. Wie ist es aus Ihrer Sicht um den deutschen  bestellt?

Gerd May: Zunächst finde ich es klasse, wenn in meiner Heimat Mecklenburg-Vorpommern immer wieder hochklassige Fecht-Meisterschaften und -Turniere, insbesondere im Nachwuchsbereich, stattfinden. Bleibt zu hoffen, dass man dort das eine oder andere Talent entdecken wird, welches künftig „die Fahne“ des deutschen Fechter-Landes „hoch hält“.

Es ist allerdings bedauerlicherweise so, dass es in Deutschland nur einzelne hoffnungsvolle bzw. ambitionierte Fecht-Talente gibt. Diese sind halt „dünn gesät“… Die weitere Entwicklung des Fechtsportes in Deutschland läßt daher wenig Grund zum Optimismus.

Ich hoffe nur, dass der Fechtverband und die Fechtvereine in M-V die Austragung gerade der Deutschen U 20-Meisterschaften dazu nutzen werden, weiter für den Fechtsport zu werben und diese Chance nicht ungenutzt lassen werden.

Vielen Dank und weiterhin bestes Engagement für den Fechtsport!


 

Vor fast 40 Jahren – Olympia 1980

Der gebürtiger Rostocker Gerd May nahm 1980 am olympischen Fecht-Turnier in Moskau teil, damals für den SC Dynamo Berlin. May gehörte zu den 14 Fechterinnen und Fechtern, welche die DDR nominiert hatte. Im Einzelnen waren das Hartmuth Behrens, Klaus Kotzmann, Klaus Haertter, Siegmar Gutzeit und Andrian Germanus (alle Florett) dazu Rüdiger Müller, Hendrik Jung, Peter Ulbrich, Frank-Eberhard Höltje und Gerd May (alle Säbel) sowie die Florett-Fechterinnen Mandy Niklaus, Gabriele Janke, Sabine Hertrampf und Beate Schubert.

Das DDR-Säbel-Team der Herren mit Gerd May belegte hinter der Sowjetunion, Italien, Ungarn, Polen, Rumänien und vor Kuba sowie Bulgarien einen guten sechsten Platz.

Insgesamt nahmen 182 Fechterinnen und Fechter am Olympia-Turnier 1980 teil. Die erfolgreichsten Teams stellten seinerzeit Frankreich (4 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze) und die Sowjetunion (3 x Gold, 3 x Silber, 2 x Bronze). Beste Fechterin bzw. bester Fechter in Moskau waren Pascale Trinquet (Frankreich, Florett-Frauen, 2 x Gold), Wiktor Krowopuskow (Sowjetunion, Säbel,  2 x Gold) und Wladimir Smirnow (Sowjetunion, Florett sowie Degen, 1 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze).