Nachgefragt beim Deutschen Fechter-Bund

Das fechtsportliche 2017 ist auch schon wieder fast fünf Monate alt. Bislang gab es schon verschiedene Weltcup-Turniere und internationale Nachwuchs-Meisterschaften. In diesem Jahr ist der sportliche Höhepunkt die Elite-WM vom 19. bis 26. Juli in Leipzig.

Wie beurteilt nun Sven Ressel, Sportdirektor beim Deutschen Fechter-Bund, das fechtsportlich Vergangene und Kommende 2017? Nachgefragt…

„Führen junge Athletinnen und Athleten an die Elite heran…“

Frage: In den ersten acht Wochen 2017 gab es schon einige wichtige Turniere. Wie lautet Ihr Resümee aus deutscher Sicht zu den vergangenen Turnieren in diesem Jahr?

Sven Ressel: Wir befinden uns im nacholympischen Jahr und sind dabei, junge Athletinnen und Athleten an unsere Nationalmannschaften zu führen. Einige tolle Ergebnisse konnten unsere Fechter feiern. Peter Joppich gewann beispielsweise den Heim-Weltcup in Bonn.

Lisa Gette (Damen-Säbel), Louis Bongard (Herren-Degen) und Rico Braun (Herren-Degen) errangen Bronze bei den Nachwuchs-Europa-Meisterschaften. Einige weitere überraschende Finalisten konnten wir verzeichnen. Aber ich wünsche mir noch mehr Stabilität unserer Fechterinnen und Fechter. Daran arbeiten unsere Trainer.

Frage: Welche sportlichen Ziele haben die deutschen Fechterinnen und Fechter 2017 nach den eher suboptimalen Ergebnissen im Olympia-Jahr 2016?

Sven Ressel: Im Juli haben wir die Fecht-WM im eigenen Land. In Leipzig wollen wir mit einem Mix aus jungen und etablierten Fechterinnen und Fechtern an den Start gehen.

Neben den internationalen Nachwuchs-Wettkämpfen entsandten wir unter anderem ein junges Team zu den U23-Europameisterschaften. Diese Altersklasse ist für den DFB besonders wichtig, da wir genau im Alter zwischen 19 und 23 Jahre viele perspektivreiche Athletinnen und Athleten verlieren, da sie sich beruflich orientieren und der Leistungssport dann sehr oft nur noch eine untergeordnete Rolle spielt.

Wir versuchen mit allen uns verfügbaren Möglichkeiten, diesem Trend entgegenzuwirken. Vor den Fecht-WM 2017 werden wir im Juni noch nach Georgien zu den Fecht-Europameisterschaften reisen. Das wird quasi die Generalprobe für die WM sein. Konkrete Medaillenziele haben wir uns nicht gesetzt, weil wir uns in einem mittleren altersbedingten Umbruch befinden und unseren Fechterinnen bzw. Fechtern Zeit geben müssen, entsprechende internationale Erfahrungen sammeln zu können.

Frage: Wie beurteilen Sie die Nachwuchs-Situation im deutschen Fechtsport?

Sven Ressel: Diese ist besser als noch vor einigen Jahren. Wir haben einige Athletinnen und Athleten, die sich in den Kadetten- und Junioren-Altersklassen in der Weltspitze befinden. Unser Ziel liegt nun darin, diese Fechterinnen und Fechter auch in der Aktiven-Klasse zu entwickeln und auf die bevorstehenden internationalen Events vorzubereiten. Wir wollen spätestens in 2024 wieder ein schlagkräftiges Team zu den Olympischen Spielen entsenden.

Frage: Leipzig ist 2017 WM-Ort. Mit wie vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern wird dort gerechnet? Wie ist der organisatorische „Stand der Dinge“? Und: Was zeichnet Leipzig als WM-Fecht-Ort aus?

Sven Ressel: Wir rechnen mit knapp 900 Teilnehmern aus über 80 Nationen. Die Organisation läuft auf Hochtouren. Wir planen mit einem relativ engen Budget, umso mehr muss jeder seinen persönlichen Beitrag leisten, dass diese WM auch organisatorisch ein Erfolg wird.

Davon bin ich aber absolut überzeugt, denn die Organisatoren vor Ort können auf die Erfahrungen der Fecht-Weltmeisterschaften 2005 und die Fecht-Europa-Meisterschaften 2010 zurückgreifen. Der nationale Fechtsport entwickelt sich in Leipzig sehr gut. Insofern gehen wir natürlich davon aus, dass viele fechtbegeisterte Zuschauer unsere Fechterinnen und Fechter unterstützen werden.

Vielen Dank, weiterhin bestes fechtsportliches Engagement und maximale Erfolge!


 

Foto (Michels): Veranstaltung der Schweriner Fechtgesellschaft im Schweriner Schlossgarten.

M-V-Fechter unter den olympischen Ringen

Vor 37 Jahren, beim olympischen Fecht-Turnier 1980 in Moskau, nahm auch ein gebürtiger Rostocker, Jahrgang 1953, für den SC Dynamo Berlin startend, an den Spielen teil: Gerd May. Und dazu ein weiterer gebürtiger Mecklenburger: Hartmuth Behrens, Jahrgang 1951, in Rüterberg, heutiger Landkreis Ludwigslust-Parchim, geboren.

Die Beiden gehörten zu den 14 Fechterinnen und Fechtern, welche die DDR für Moskau 1980 nominiert hatte – im Florett-Fechten Hartmuth Behrens, Klaus Kotzmann, Klaus Haertter, Siegmar Gutzeit bzw. Andrian Germanus, im Säbel-Fechten Rüdiger Müller, Hendrik Jung, Peter Ulbrich, Frank-Eberhard Höltje sowie Gerd May und im Florett-Fechten der Damen Mandy Niklaus, Gabriele Janke, Sabine Hertrampf bzw. Beate Schubert.

Insgesamt nahmen 182 Fechterinnen und Fechter am Olympia-Turnier 1980 teil. Die erfolgreichsten Teams stellten seinerzeit Frankreich (4 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze) und die Sowjetunion (3 x Gold, 3 x Silber, 2 x Bronze). Beste Fechterin bzw. bester Fechter in Moskau waren Pascale Trinquet (Frankreich, Florett-Frauen, 2 x Gold), Wiktor Krowopuskow (Sowjetunion, Säbel,  2 x Gold) und Wladimir Smirnow (Sowjetunion, Florett sowie Degen, 1 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze).

Das DDR-Säbel-Team der Herren mit Gerd May belegte hinter der Sowjetunion, Italien, Ungarn, Polen, Rumänien und vor Kuba sowie Bulgarien einen guten sechsten Platz.

Hartmuth Behrens wurde 1980 im Florett-Einzel Neunter und mit der DDR-Florett-Mannschaft Vierter.

Weite Olympia- und Paralympia-Fechter aus M-V

Mecklenburg-Vorpommern ist ja ohnehin eine „heimliche“ Fecht-Hochburg. Erfolgreiche Fechter „Made in M-V“ gibt es einige. Eckhard Mannischeff, Jahrgang 1943, gebürtiger Wismarer, kämpfte 1972 mit dem Degen für die DDR. Der Neustrelitzer Reinhard Münster war ebenfalls 1972 olympischer Fechter der dänischen Mannschaft. Bernd Uhlig, Jahrgang 1942, in Wiek auf Rügen geboren, war 1968 und 1972 auf der olympischen Planche aktiv.

Ein Fechter hatte hingegen seine Heimat in der Nähe Schwerins, in Seehof. Franz Rompza, Jahrgang 1934, glänzte 1964 und 1968 bei Olympia im bundesdeutschen Degen-Team, das 1964 Rang sechs und 1968 Rang vier belegte.

Degenfechter aus Tessin

Auch ein gebürtiger Tessiner war im olympischen Fechtsport aktiv. So war Horst Melzig, Jahrgang 1940, Mitglied der DDR-Degenfechtmannschaft bei den Olympischen Spielen 1972 in München.

Erfolgreiche Rollstuhlfechter aus M-V

Dazu kommen zahlreiche erfolgreiche Rollstuhl-Fechterinnen und –Fechter aus Rostock. Die „mit M-V verbundenen“ Daniela Rossek und Sabine Briese-Baetke und nahmen in der Vergangenheit schon an paralympischen Fecht-Turnieren teil. Sabine Briese-Baetke gewann dabei 2012 in London mit dem Degen Silber.

M.Michels