Zwischen regionalen und globalen Herausforderungen

Die Deutschen Kadetten-Meisterschaften im Florett-Fechten fanden 2017 in Schwerin statt. Foto: M.M.

Das Sportjahr 2017 war auch im Fechtsport sehr ereignisreich – mit den Weltmeisterschaften im Juli in Leipzig, den Europameisterschaften im Juni in Tbilissi, den diversen Weltcup-Turnieren sowie den diversen nationalen und regionalen Meisterschaften bzw. Turnieren.

EM 2017 in Torun mit starken Teams aus Italien, Russland und Frankreich

Bei den EM fochten einmal mehr die „Großen Drei“, Italien, Russland und Frankreich, um den Löwen-Anteil an den Medaillen. Italien schaffte elf Medaillen, darunter viermal Gold, Russland kam auf 10 Medaillen, darunter dreimal Gold und Frankreich errang sechs Medaillen, darunter dreimal Gold. Die restlichen zwei Titel holten Deutschland und Georgien.

Für Schwarz-Rot-Gold gewann Max Hartung mit dem Säbel Gold, Alexandra Ndolo mit dem Degen Silber und Carolin Golubytskyi, Anne Sauer, Eva Hampel bzw. Leonie Ebert mit Florett Team-Bronze.

Ariana Errigo (Italien), die Team-Olympiasiegerin 2012 und nunmehr achtfache Weltmeisterin, gewann zweimal EM-Gold in Tbilissi – im Florett-Einzel und im Florett-Team.

Im Säbel-Einzel bei den Frauen triumphierte für den Gastgeber Teodora Khakiani.

Europa bei den WM 2017 herausragend

Einen Monat später standen dann die Fecht-WM 2017 in Leipzig auf der Agenda.

Dort bestimmten die Fechterinnen und Fechter des „alten Kontinents“ massgeblich das sportliche WM-Geschehen. 33 von 42 Medaillen sicherten sich die Europäerinnen bzw. Europäer, was einem prozentualen Medaillen-Anteil von rund 79 Prozent entspricht. Rund 92 Prozent der WM-Goldmedaillen in Leipzig, 11 von 12 Titeln, erkämpfte Europa.

Besonders erfolgreich waren Italien (viermal Gold, einmal Silber, viermal Bronze) und Russland (dreimal Gold, dreimal Bronze). Frankreich jubelte ebenfalls über sechs Medaillen wie Russland, konnte aber am WM-Ende „nur“ eine Goldene aufweisen.

Ohne Gold und Silber blieben die deutschen Gastgeber, die sich mit der Degen-Bronzemedaille von Richard Schmidt (FC Tauberbischofsheim) begnügten.

Neun Medaillen für den „Rest der Welt“

Für den „Rest der Welt“ blieben nur 9 Medaillen. Am besten war dabei noch Asien – dank Südkorea, Japan bzw. China – mit sechs Medaillen, darunter einer Goldenen durch die südkoreanische Herren-Säbel-Mannschaft mit Kim Jun-ho, Kim Jung-hwan, Oh San-guk und Gu Bon-gil. Der amerikanische Doppelkontinent „erhielt“ in Leipzig dank der USA zwei Medaillen und Afrika kam durch die Tunesierin Azza Besbes mit Säbel-Silber zu einer Bronzemedaille.

Rückblick auf den olympischen Fechtsport 2016 in Rio de Janeiro

Die Überlegenheit der Europäerinnen und Europäer im Fechtsport, die bereits beim olympischen Fecht-Turnier 2016 in Rio de Janeiro deutlich war, setzte sich damit fort.

Ja, die olympischen Fecht-Wettkämpfe in Rio de Janeiro vor Jahresfrist  hatten einen eindeutigen Sieger – die Fechterinnen und Fechter aus Europa.

Diese gewannen 21 der 30 olympischen Medaillen und  9 der 10 Olympia-Goldmedaillen. Lediglich Park Sang-young gelang es mit dem Degen, die europäische Gold-Fecht-Phalanx zu unterbrechen.

Europäische Fechterinnen und Fechter dominierend

Ansonsten waren die europäischen Fechterinnen und Fechter das sportliche Maß „aller Dinge“ bei den 31.Olympischen Spielen. Mit dem Herren-Florett siegte der Italiener Daniele Garozzo. Der beste Säbelfechter war Aron Szilagyi. Die Einzel-Konkurrenzen bei den Frauen waren eine Angelegenheit für Emese Szasz (Ungarn, Degen), Inna Deriglazova (Russland, Florett) und Yana Egorian (Russland, Säbel).

Die Mannschafts-Erfolge erkämpften Frankreich (Herren-Degen), Russland (Herren-Florett sowie Damen-Säbel) und Rumänien (Damen-Degen).

Asien errang vier Medaillen, Amerika, dank der USA, ebenfalls vier Medaillen und Afrika eine Medaille. Die Tunesierin Ines Boubakri schaffte Bronze mit dem Florett.

USA überraschend stark

Die USA brachten zwei Fechter ins Finale, so Alexander Massialas (Florett-Silber) und Daryl Homer (Säbel-Silber). Die amerikanische Säbel-Fechterin Mariel Zagunis durfte sich bei ihren vierten Olympischen Spielen über Bronze mit dem USA-Team freuen. Bei den Olympischen Spielen 2004 und 2008 war sie jeweils Olympiasiegerin im Säbel-Einzel bei den Frauen geworden und hatte 2012 den vierten Rang belegt. Dazu sicherte sich Mariel auch olympisches Team-Bronze 2008.

Russland 2016 erfolgreichste Nation

Die erfolgreichsten Nationen in Rio waren letztendlich Russland mit 4 x Gold, 1 x Silber, 2 x Bronze, Ungarn mit 2 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze, Italien mit 1 x Gold, 3 x Bronze und Frankreich mit 1 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze. Sportlerinnen und Sportler aus 10 Ländern jubelten über olympische Fecht-Medaillen 2016, darunter sechs Staaten über eine oder mehre Goldmedaillen. Insgesamt nahmen 212 Fecht-Athletinnen und -Athleten aus 48 Ländern an den olympischen Fecht-Entscheidungen 2016 teil.

Die deutschen Resultate in Rio

Für den Deutschen Fechter-Bund verlief indes bereits die olympische Qualifikation für Rio sehr enttäuschend. Nur vier Fechter konnten sich für Olympia 2016 qualifizieren – aber keine Mannschaft. So vertraten „Schwarz-Rot-Gold“ im Fechten in Rio Peter Joppich (Florett), Max Hartung bzw. Matyas Szabo (Säbel) und Carolin Golubytskyi (Frauen-Florett). Leider reichte es nicht zu einer Medaille…

Carolin Golubytskyi unterlag in der zweiten Runde der Polin Hanna Lyczbinska mit 9:14. Peter Joppich war zunächst in der ersten Runde gegen Enzo Lefort (Frankreich) mit 15:13 erfolgreich und mußte im Achtelfinale ein 13:15 gegen Giorgio Avola (Italien) hinnehmen.

Bis in das Achtelfinale kam auch Max Hartung nach einem 15:9 gegen Yemi Geoffrey Apithy aus Benin in der zweiten Runde, verlor jedoch folgend gegen Daryl Homer aus den USA mit 12:15. Daryl Homer (durch-)kreuzte ebenfalls den Weg von Matyas Szabo. Dieser war zunächst in der ersten Runde gegen Ali Pakdaman aus dem Iran mit 15:11 erfolgreich, bezwang im Achtelfinale Pancho Paskov (Bulgarien) mit 15:6 und wurde dann im Viertelfinale von Daryl Homer gestoppt (12:15).

Vor vier Jahren noch zwei deutsche Medaillen

Bei den olympischen Wettkämpfen im Fechtsport 2012 gab es jedoch noch Silber und Bronze für den deutschen Fechtsport: für Degen-Fechterin Britta Heidemann und die Mannschaft der Säbel-Fechter, bei stärkster Konkurrenz aus Asien und Südamerika.

Das internationale Kräfteverhältnis in London 2012 sah hingegen ohnehin etwas anders aus – als 2016…

Europäische Fechter vor fünf Jahren – längst nicht dominierend

Italien wurde mit sieben Medaillen, davon dreimal Gold, die beste Fecht-Nation bei den Olympischen Spielen in London, aber dahinter folgen mit Südkorea (sieben Medaillen, davon dreimal Gold) und China (drei Medaillen, davon zweimal Gold) bereits Asiens Fecht-Mächte. Von den 30 olympischen Fecht-Medaillen ging überdies nur etwas mehr als die Hälfte, 17 Medaillen, an den „alten Kontinent“ Europa. Asien kommt auf zehnmal Edelmetall, Nordamerika und Südamerika auf je einmal Edelmetall. Europa beherrscht nicht mehr allein die Planche.

13 Länder erfochten Olympia-Medaillen, davon 6 Länder eine oder mehr Goldmedaillen. Für Deutschland gab es neben der „Silbernen“ für Britta Heidemann noch Bronze für die Florett-Herren Peter Joppich, Benjamin Kleibrink, Sebastian Bachmann und Andre Weßels.

Olympische Überraschungen anno 2012

Große Überraschungen waren bei Olympia zweifellos die Ergebnisse im Herren-Florett, im Herren-Degen und im Frauen-Säbel. Der Chinese Lei Sheng gewann mit dem Florett vor dem Ägypter Alaaeldin Abouelkassem und dem Südkoreaner Choi Byung-chul – Europa ging also gänzlich leer aus. Der Venezuelaner Ruben Limardo war mit dem Degen der Beste. Und die Südkoreanerin Kim Ji-yeon schaffte Gold mit dem Säbel.

Blick zum Fechtsport in M-V

Im Mai 2017 war auch die Landeshauptstadt M-V Schauplatz einer nationalen fechtsportlichen Meisterschaft, der Deutschen Kadetten-Meisterschaft im Florett-Fechten. Dort siegten Johanna Feron (FC Moers) im Frauen-Florett, Moritz Renner (TSG Weinheim) im Herren-Florett, der FC Tauberbischofsheim im Frauen-Florett-Team und der OFC Bonn im Herren-Florett-Team.

Gastgeber der Titelkämpfe war die Schweriner Fechtgesellschaft, die 100 Mitglieder zählt und zu einer der fechtsportlichen Hochburgen in M-V, neben dem FC Greifswald, der HSG Uni Rostock, Makkabi Rostock, dem PSV Rostock und dem Stralsunder FC, zählt. Ansonsten ist Deutschland ohnehin auch ein Land der Fechterinnen und Fechter. So gibt es mehr als 500 Fecht-Vereine mit 14000 aktiven Fechterinnen und Fechtern. Darunter sind 3800 Fechter, die zum Junioren-Bereich gehören, und 5500 Fechter die zum Jugend-/Schüler-Bereich zählen.

Marko Michels